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Thorsten Polleit: Der Zielkonflikt der Fed bei Bekämpfung der Inflation

Fed - bei der Inflation in einem Zielkonflikt

KEINE ÜBERRASCHUNG: Die US-Zentralbank (Fed) hat auf ihrer Sitzung am 26. Januar 2022 ihren Leitzins unverändert in einer Bandbreite von 0,0 bis 0,25 Prozent belassen.

In der Pressekonferenz deutete Fed-Vorsitzende Jerome H. Powell an, dass es bereits im März (wenn das Fed-Anleiheaufkaufprogramm voraussichtlich beendet sein wird) die erste Zinserhöhung geben wird, gefolgt von weiteren Anhebungen des Zinses im Jahresverlauf.

Für die Märkte war das keine Überraschung: Sie haben sich bereits seit einiger Zeit auf Zinserhöhungen eingestellt; sie erwarten bis Ende 2022 vier Anhebungen a 0,25 Prozentpunkte.

Die Fed löst das Problem mit der Inflation nicht

DAS INFLATIONSPROBLEM BLEIBT – UND VERGRÖSSERT SICH: Doch selbst wenn dieser Zinsplan in die Tat umgesetzt wird, bleibt die US-Geldpolitik extrem expansiv, und natürlich lässt sich das Inflationsproblem (im Dezember 2021 betrug die Jahresinflation der Konsumgüterpreise 7 Prozent) auf diese Weise nicht in den Griff bekommen:

(1) Der reale Leitzins (also Nominalzins minus (erwarteter) Preisinflation) verbleibt in 2022 tief im negativen Territorium – und das wird vermutlich auch für viele der Kapitalmarktzinsen gelten.

(2) Die Fed hat für einen gewaltigen „Geldmengenüberhang“ von fast 20 Prozent gesorgt, der – weil er nicht mehr „eingefangen wird – die Güterpreisinflation weiter antreibt. Zudem wächst die Geldmenge M2 auch noch mit einer sehr hohen Rate von gut 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Fed steht vor einem (kurzfristigen) politischen Zielkonflikt: Eine hohe Inflation erfordert hohe Leitzinsen und ein deutlich verringertes Geldmengenwachstum, doch das wäre absehbar mit Rezession, Zahlungsausfällen und Finanzmarkt-Crash verbunden.

(Langfristig gibt es diesen Zielkonflikt übrigens nicht: Eine Inflationspolitik führt früher oder später zum Währungsruin und zerrüttet die Wirtschaft.)

Angesichts der heute vorherrschenden (geld-)politischen Mehrheitsmeinung ist zu befürchten, dass die Fed dem Ziel, die Konjunktur in Gang zu halten, mehr Bedeutung beimessen wird, als die Inflation abzusenken. So gesehen lässt sich der jüngste Fed-Zinsbeschluss wie folg zusammenfassen als: lieber höhere Inflation als weniger Wachstum.

Für diese Befürchtung spricht, dass die Fed die Zinsen nur sehr langsam und vorsichtig und zeitlich lang gestreckt und nur in kleinen Schritten anheben will – und dass damit der Öffentlichkeit eine geldpolitische Entschiedenheit vorgaukelt werden soll, die es so gar nicht gibt. (Und wer die Dynamik der Inflationspolitik kennt, der weiß auch, dass ein Inflationsproblem so nicht gelöst, sondern vergrößert wird.)

KEINE ENTWARNUNG FÜR ANLEGER: Anleger sollten sich nicht in Sicherheit wiegen, die Fed (und auch die anderen großen Zentralbanken) werde die Preisinflation entschieden bekämpfen. Vielmehr sollten sie mit einem Regimewechsel rechnen: Die Preisinflation wird, so ist zu befürchten, in den kommenden Jahren merklich höher ausfallen als in den letzten zwei Dekaden.

Unter diesen Bedingungen ist vor allem auch damit zu rechnen, dass die Vermögenspreisinflation weitergeht, dass Aktien, Häuser und Grundstücke noch teurer werden, die Kaufkraft des Geldes also zusehends dahinschwindet.

Die Versicherungsfunktion von physischem Gold und Silber bleibt unter diesen Umständen bedeutender und attraktiver denn je – zumal die beiden Metalle nach wie vor zu einem vergleichsweise niedrigen Preis handeln; und genau das kann auch als Anzeichen gewertet werden, dass die Mehrheit der Anleger die Folgen der Inflationspolitik nach wie vor grob unterschätzt.



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