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Thyssenkrupp: Dank Staatsraison Staats-Milliarden wie bei der Lufthansa?

Claudio Kummerfeld

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Spült die Staatsraison Thyssenkrupp bald Milliarden in die Kassen? Mit der Staatsraison ist das so eine Sache. Denn es gibt nun mal keinen „Free Lunch“, wie die Amerikaner es sagen. Irgendwer zahlt am Ende immer die Rechnung. Es gibt zum Beispiel eine unausgesprochene Staatsraison in Deutschland in Sachen Finanzindustrie. Die Politik tut alles, damit die Bürger nicht das Vertrauen in die Banken verlieren, und weiterhin brav ihre Gelder den Banken anvertrauen. Bloß kein Bank Run, bloß kein Gedanke an kaputte Bankbilanzen. So wurde damals auch die Commerzbank wohl nett und freundlich darum gebeten sich die Dresdner Bank einzuverleiben. Man kann es endlos fortsetzen über Hypo Real Estate, HSH Nordbank usw. Es wird gerettet um das Finanzsystem nicht ins Wanken zu bringen, die Rechnung zahlt der Steuerzahler (kein Free Lunch).

Auch gibt es in der Coronakrise eine Art unausgesprochene Staatsraison, wenn es um bedeutende Industrieunternehmen geht. Ich habe meine Wette mit mir selbst gewonnen, als ich fest davon ausging, dass die Bundesregierung mit ihrem im März nach Ausbruch der Coronakrise gegründeten Staatsfonds Milliardenbeträge ins Eigenkapital der Lufthansa pumpen würde. Denn es war klar – Deutschland sollte auch nach der Coronakrise eine „eigene“ weltweit bedeutende Fluggesellschaft haben. Ähnlich sieht es ja bei der Alitalia aus, wenn auch dramatisch schlimmer. Seit Jahren hat der italienische Steuerzahler die schlimmste aller Zombie-Airlines mit immer neuen Rettungssummen am Leben gehalten – bis die Airline in der Coronakrise dann immer weiter den Bach runterging. Jetzt wurde die Airline unter staatlicher Leitung einfach neu gegründet (mehr dazu hier).

Thyssenkrupp genau so systemrelevant wie Banken und die Lufthansa?

Aber zurück nach Deutschland. Das Argument ist nachvollziehbar. Deutschland soll eine eigene Airline haben, also wurde bei der Lufthansa mit 9 Milliarden Euro gerettet was das Zeug hielt. Tja, und genau so kann man auch in Sachen Industrieproduktion sagen: Deutschland braucht eine eigene Stahlproduktion, auch nach der Coronakrise. Das ist industriepolitisch absolut nachvollziehbar. Man sah ja zum Beispiel, wohin eine Abhängigkeit zum Ausland führt, wenn Medikamente oder so einfache Dinge wie Masken in Europa überhaupt nicht produziert werden.

ThyssenKrupp als die deutsche Stahlikone geht seit Jahren den Bach runter. Zwar wird dies auch am Management liegen, aber genau so an dem dramatischen Stahl-Überangebot am Weltmarkt. Trotz EU-Strafzöllen auf zu viel importierte Stahlmengen drängt Stahl vor allem aus China zu Dumpingpreisen (unter dem Herstellungspreis) auf den europäischen Markt. Die Stahlindustrie in Großbritannien hat diese Flut auch schon fast komplett erledigt, und Deutschland steht vor einem ähnlichen Desaster. Jüngst erst musste ThyssenKrupp für 17 Milliarden Euro seine Aufzugssparte verkaufen, um Cash reinzubekommen. Aber das reicht für die Komplettsanierung des Konzerns vermutlich nicht aus.

Der mörderische Wettbewerb bei der Stahlproduktion geht weiter. Und nun steht Thyssenkrupp (als gäbe es sonst keine Sorgen) noch vor der „grünen“ Revolution, der womöglich notwendigen Umstellung auf eine „klimaneutrale Stahlproduktion“ (Thema Wasserstoff). Das wird nicht billig. Also darf man vermuten, dass ThyssenKrupp die Chance ergreift, und ebenfalls ein Fall für den deutschen Staatsfonds wird, den de facto alleine die Steuerzahler bezahlen?

So hört man nämlich heute laut Berichten, dass die ThyssenKrupp-Chefin Martina Merz eine Staatsbeteiligung an der schwächelnden Stahlsparte für eine Möglichkeit halte. Eine Staatsbeteiligung sei eine Option, so ihre Worte. Man kann vermuten, dass ThyssenKrupp sich all zu gerne ein paar Milliarden Euro vom Staatsfonds ins Eigenkapital holen würde? Verkaufen könnte man dies ja unter dem Label „damit wir endlich klimaneutral Stahl produzieren können“. Damit hätte man die Grünen sicher schnell an Bord – die sind nicht mehr weit weg von Posten in Berlin, wenn man nächstes Jahr zusammen mit der CDU/CSU regieren sollte. Aber auch ganz ohne die Grünen dürften CDU und SPD womöglich nicht riskieren wollen, dass ThyssenKrupp sein Stahlgeschäft nach Indien verkauft.

Aktienkurs-Verlauf zeigt jahrelangen Niedergang

Die Aktie von ThyssenKrupp zeigt den Niedergang des Unternehmens. Hier sehen wir den Kursverlauf seit dem Jahr 2002. Im Jahr 2008 kurz vor dem großen Absturz in der Finanzkrise notierte die Aktie noch bei fast 47 Euro. Sie fiel dann bis auf 12 Euro in den Keller. Wäre die Aktie von ThyssenKrupp seit 2008 so gelaufen wie der Dax, würde sie heute vielleicht bei über 60 Euro notieren. Aber nein. Sie notiert jetzt unter 5 Euro. Hätte man im Crash 2008/2009 im Tief bei 12 Euro verkauft, wäre das Stand jetzt sogar noch ein guter Verkaufspreis gewesen. Wie bei anderen Aktien auch zeigt dies: Nach kräftigen Abstürzen in einer Aktie ist das Motto „günstig kaufen“ oft falsch. Wichtig ist, ob das Geschäftsmodell Zukunft hat, und ob das Management etwas taugt.

Kursverlauf der ThyssenKrupp-Aktie seit dem Jahr 2002

Die ThyssenKrupp-Zentrale in Essen
Die Zentrale von ThyssenKrupp in Essen. Foto: CC BY-SA 4.0

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Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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am

Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Value-Werte auf der Überholspur

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Es gibt gute Konjunkturindikatoren aus Deutschland und Asien. Laut Markus Koch sind die Value-Werte jetzt auf der Überholspur.

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fashionette: Onlineshop für Luxus-Shopping geht an die Frankfurter Börse

Claudio Kummerfeld

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Bürotürme in Frankfurt

fashionette ist kein normaler Onlineshop für Klamotten und Schuhe. Nein, hier werden nur hochpreisige Handtaschen, Schuhe, Schmuck etc verkauft. Darauf hat sich die Düsseldorfer fashionette AG spezialisiert. Man konzentriert sich auf die Region Deutschland, Österreich und Schweiz. Nach eigenen Angaben bietet das Portal 11.000 Artikel von 150 Premium- und Luxus­marken, und hat pro Monat mehr als 3 Millionen Seitenaufrufe. Die Umsatzerlöse lagen im Jahr 2019 bei 73 Millionen Euro, und der Gewinn (EBITDA) lag bei 6,8 Millionen Euro. Das entspricht einer Marge von 9,3 Prozent.

Die Deutsche Börse hat heute offizielle Angaben zur Aktienzeichnung und zum ersten Handelstag an der Börse für das Unternehmen veröffentlicht. Die Aktienzeichnung für den Börsengang der fashionette AG (ISIN: DE000A2QEFA1) an der Frankfurter Wertpapierbörse ist heute gestartet und wird voraussichtlich bis zum 27. Oktober andauern. Inklusive der Mehrzuteilungsoption werden bis zu 3.605.000 Aktien angeboten, die Bookbuilding-Spanne liegt bei 30,00 bis 38,00 Euro je Aktie. Der erste Handelstag der fashionette AG im Segment Scale ist laut der Deutschen Börse für den 29. Oktober geplant.

Beim Klick an dieser Stelle finden sie alle Detaildaten zu dieser Emission bei der Frankfurter Börse.

Der Börsengang von fashionette hat einen Gesamtumfang von bis zu 137 Millionen Euro. Aber der Großteil der Papiere werden vom aktuellen Hauptaktionär Genui verkauft, womit ein Großteil der Emission nicht in der Firma landet, sondern an den Altaktionär fließt. Im Unternehmen werden von der Emission wohl 36-46 Millionen Euro ankommen.

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