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ThyssenKrupp fusioniert Stahlsparte mit Tata: Warum das lange noch nicht das Ende der Entwicklung ist

ThyssenKrupp will seine Stahlsparte mit dem indischen Konkurrenten Tata verschmelzen. Aus der Veröffentlichung kann man entnehmen, dass alles exakt 50/50 gesplittet werden soll. Jeder erhält genau die Hälfte der Anteile an der neuen Firma. Die Entlassungen der Mitarbeiter…

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FMW-Redaktion

ThyssenKrupp will seine Stahlsparte mit dem indischen Konkurrenten Tata verschmelzen. Aus der Veröffentlichung kann man entnehmen, dass alles exakt 50/50 gesplittet werden soll. Jeder erhält genau die Hälfte der Anteile an der neuen Firma. Die Entlassungen der Mitarbeiter (anvisiert insgesamt 4.000) soll zu gleichen Teilen auf beide Partner entfallen. Vorstand und Aufsichtsrat der neuen Holding, die übrigens in den Niederlanden sitzen soll, werden paritätisch mit ThyssenKrupp und Tata-Managern besetzt. Man passe so gut zusammen, weil man die selben kulturellen Werte teile, so verkündet man es auf beiden Seiten offiziell. Welche kulturellen Werte sollen das denn sein im Stahlgeschäft, möchte man da fragen?

Hier auszugsweise aus der Veröffentlichung von heute im Wortlaut:

thyssenkrupp und Tata Steel haben heute eine Grundsatzvereinbarung („Memorandum of Understanding“) über den Zusammenschluss ihrer europäischen Stahlaktivitäten in einem 50/50-Joint Venture unterzeichnet. Ziel ist es, einen führenden europäischen Flachstahlanbieter zu schaffen und diesen als Qualitäts- und Technologieführer zu positionieren. Das neue Unternehmen würde einen Pro-forma-Umsatz von etwa 15 Mrd € erzielen und etwa 48.000 Mitarbeiter an aktuell 34 Standorten beschäftigen. Die Versandmengen des Joint Ventures würden etwa 21 Mio t pro Jahr betragen.

Dr. Heinrich Hiesinger, Vorstandsvorsitzender der thyssenkrupp AG: „Mit dem geplanten Joint Venture geben wir den europäischen Stahlaktivitäten von thyssenkrupp und Tata eine nachhaltige Zukunftsperspektive. Wir gehen die strukturellen Herausforderungen der europäischen Stahlindustrie an und schaffen eine starke Nummer Zwei. Wir haben mit Tata einen Partner gefunden, der strategisch und kulturell sehr gut zu uns passt. Uns verbindet nicht nur eine klare Leistungsorientierung, sondern auch das gleiche Verständnis von unternehmerischer Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und Gesellschaft.“

Natarajan Chandrasekaran, Chairman von Tata Steel: „Die Tata Group und thyssenkrupp haben nicht nur beide eine lange Tradition in der weltweiten Stahlindustrie, sondern teilen auch ähnliche kulturelle Werte. Die Partnerschaft ist ein bedeutsamer Moment für beide Unternehmen. Unser gemeinsamer Fokus wird nun darauf liegen, ein starkes europäisches Stahlunternehmen aufzubauen. Die strategische Logik des geplanten Joint Ventures in Europa basiert auf einem sehr soliden Fundament, und ich bin zuversichtlich, dass thyssenkrupp Tata Steel eine große Zukunft vor sich hat.“

Das geplante Joint Venture soll den Namen „thyssenkrupp Tata Steel“ tragen und über eine schlanke Holding mit Sitz in den Niederlanden geführt werden. Die Gesellschaft soll über eine zweistufige Managementstruktur aus Vorstand und Aufsichtsrat verfügen. Beide Gremien sollen paritätisch mit Vertretern von thyssenkrupp und Tata besetzt werden. Die Mitbestimmungsstrukturen in Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien bleiben erhalten.

thyssenkrupp würde den Geschäftsbereich Steel Europe in das geplante Joint Venture einbringen. Es ist außerdem beabsichtigt, die thyssenkrupp MillServices & Systems GmbH, die stahlwerksnahe Dienstleistungen erbringt und zum Geschäftsbereich Materials Services gehört, in das Gemeinschaftsunternehmen zu überführen. Tata würde sämtliche Flachstahlaktivitäten in Europa einbringen.

Die heute unterzeichnete Absichtserklärung schafft für thyssenkrupp die Grundlage, um die Vertreter der Arbeitnehmer der thyssenkrupp AG und des Stahlbereichs laufend in den weiteren Prozess einzubinden. Alle Beteiligungsrechte der Arbeitnehmer werden dabei – wie auch bisher – respektiert.

In den kommenden Monaten wird nun eine so genannte Due Diligence vorgenommen. Dabei gewähren sich die Verhandlungspartner gegenseitig Einblick in vertrauliche Geschäftsunterlagen, soweit zwischen Wettbewerbern zulässig. Auf dieser Grundlage und auf Basis der Gespräche mit dem gesamten Aufsichtsrat wird für Anfang 2018 die Unterzeichnung eines Vertrages angestrebt. Das Closing, also der tatsächliche Vollzug des Zusammenschlusses, könnte dann nach Zustimmung der Fusionskontrollbehörden Ende 2018 erfolgen.

Synergien im Joint Venture

In den Anfangsjahren – beginnend ab dem Closing – wollen sich die Joint-Venture-Partner darauf konzentrieren, das Gemeinschaftsunternehmen aufzubauen und Synergien zu realisieren. Diese kämen unter anderem aus einer Integration von Vertrieb, Verwaltung, Forschung und Entwicklung, einer gemeinsamen Optimierung von Einkauf, Logistik und Servicecentern sowie einer verbesserten Auslastung der Weiterverarbeitung zustande. Die Joint-Venture-Partner erwarten nach Hochlauf Synergien von 400 bis 600 Mio € jährlich.

Diese Entwicklung des ständigen Fusionierens und Schließens von Proudktionsanlangen im europäischen Stahlgeschäft dürfte auch nach dieser Fusion stetig weitergehen. Wer es nicht glauben will: Hier im Originalwortlaut auszugsweise aus der heutigen Veröffentlichung von ThyssenKrupp:

Die Stahlindustrie in Europa steht seit Jahren vor großen Herausforderungen: Die Nachfrage nach Stahl entwickelt sich wenig dynamisch. Das Angebot ist geprägt von strukturellen Überkapazitäten und stetig hohem Importdruck. Dies führt zu erheblichen Unterauslastungen in verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette. Alle Hersteller stehen somit unter Druck ihre Anlagen auszulasten und müssen Restrukturierungserfolge immer wieder an den Markt abgeben. Es entsteht eine Abwärtsspirale, die etwa alle drei bis vier Jahre neue Restrukturierungen erforderlich macht und mittelfristig wesentliche Produktionsanlagen in der Existenz bedroht.

Klarer kann man es wohl nicht mehr sagen, dass es in den nächsten Jahren auch nach dem Abbau dieser anvisierten 4.000 Stellen weitergehen dürfte in Sachen Rationalisierung und Stellenabbau. Die Aktie von ThyssenKrupp steigt heute um 3,3%. Ob bei dem Rationalisierungsdruck in der Branche diese Fusion die Aktie von ThyssenKrupp in neue Höhen schießen kann, darf bezweifelt werden. Denn wie das Unternehmen selbst schreibt, sind etwa alle drei bis vier Jahre neue Restrukturierungen erforderlich. Man rettet sich also nur durch weiteres Schrumpfen. Neue gigantische Umsatzzuwächse sind  hier nicht in Sicht.


Die Aktie von ThyssenKrupp seit 2004.

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Allerdings ist bei hochverschuldeten Unternehmen Vorsicht geboten. Denn bereits ein geringer Zinsanstieg stellt diese Unternehmen vor arge Probleme. Freilich sind nicht alle Aktienrückkäufe schlecht. Wenn sich das Unternehmen die Kurspflege leisten kann und damit Geld an die Aktionäre zurück gibt, ist das oft besser, als das Geld möglicherweise zu Negativzinsen im Unternehmen zu belassen. Doch vor Übertreibungen müssen Sie sich schützen.

Das Spielcasino ist eröffnet

In den USA sind mittlerweile nicht mehr Privatanleger, Pensionsfonds und Vermögensverwalter die größten Aktienkäufer, sondern die Unternehmen selbst. Das freie Spiel von Angebot und Nachfrage wird damit außer Kraft gesetzt. In den vergangenen zehn Jahren gaben die 500 Unternehmen des S&P 500 die gigantische Summe von fünf Billionen Dollar für eigene Aktien aus. Das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Japan, der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt.

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