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Thyssenkrupp: So endet mehr als nur die Ära eines Stahl-Giganten

Claudio Kummerfeld

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Thyssenkrupp, das steht für deutsche Stahlproduktion, für Ruhrpott, für zwei große Giganten, die einst unter großem Protest der Gewerkschaften zusammengingen. Einst war der Markt noch mehr als groß genug für die eigenständigen Stahlproduzenten Thyssen und Krupp. Nachdem die Fusion im Jahr 1999 abgeschlossen war, entstand nach damaligen Maßstäben ein unantastbarer Gigant der Branche. Stark, groß, und dann noch der Name! Damit sollte es dann endgültig reichen mit der ständigen Fusionitis, die trotz allem guten Zureden bei jeder neuen Runde immer wieder Arbeitsplätze kostete. Man vergesse zum Beispiel nicht, dass der Hersteller Hoesch 1992 im Krupp-Konzern aufging.

Thyssenkrupp fällt den Chinesen zum Opfer

Die Inder wurden im Stahlsektor in den letzten Jahren immer stärker. Neben Tata ist vor allem ArcelorMittal zu nennen als weltweite Nummer 1. Aber allein unter dem zehn größten Stahlherstellern der Welt befinden sich fünf aus China. Alle Experten sind sich einig, dass China jahrelang deutlich mehr Stahl produzierte, als es der Weltmarkt überhaupt abnehmen konnte. Es kam zu einer gigantischen Überproduktion, die auf der Hoffnung beruhte, dass die Weltwirtschaft mit ihrem Wachstum genug Nachfrage bringen würde.

Aber es kam anders. Die EU verhängte Importzölle mit der Begründung, dass China unter seinen eigenen Produktionskosten seinen überschüssigen Stahl auf den Weltmarkt werfe, damit man ihn überhaupt noch los wird. Jüngst wurden diese Zölle erst verlängert. Doch langfristig hat auch das nichts geholfen. Die Asiaten sind doch recht kreativ. Nur so ein Gedankengang: Verschickt man chinesischen Stahl beispielsweise in Drittländer, wo er vielleicht als philippinischer oder thailändischer Stahl deklariert wird (einfach nur ein simples Beispiel), kommt der Stahl in der EU nicht als China-Stahl an.

Viele europäische Stahlhersteller konnten diesem Preisdruck nur durch Pleite, Werksschließungen oder Fusionen begegnen. Großbritannien wurde beispielsweise hart getroffen. Die Inder von Tata Steel, die in UK aktiv sind und ebenfalls unter dem chinesischen Druck leiden, legen nun ihr Stahlgeschäft mit Thyssenkrupp zusammen. Und wieder einmal wird man es wohl als allerletzten Schritt präsentieren, der die Firma endgültig sattelfest im globalen Wettbewerb machen soll.

Thyssenkrupp und Tata je zu 50% an neuer Firma beteiligt

Thyssenkrupp lagert sein Stahlgeschäft komplett aus, und bringt es in ein neu gegründetes Partnerunternehmen mit Tata ein. Beide sind zukünftig mit genau 50% am neuen Hersteller beteiligt. Operativ ist die neue Firma aber nicht mehr als integraler Teil von Thyssenkrupp tätig. Somit endet die Ära von Thyssenkrupp als größer Stahlhersteller Deutschlands. Dann gäbe es da noch die Salzgitter AG als deutschen Stahlhersteller. Und sonst? Puuuh, danach wird es schon eng. Hier einige Details zum Unternehmen im Wortlaut von Thyssenkrupp:

thyssenkrupp und Tata Steel haben den Vertrag zur Gründung eines 50/50 Joint Ventures unterzeichnet. Nach Closing der Transaktion wird das neue Unternehmen einen Umsatz von 17 Mrd. € und eine Versandmenge von 21 Mio. t/Jahr haben sowie 48.000 Mitarbeiter beschäftigen. Das neue Unternehmen setzt auf Qualitäts- und Technologieführerschaft. Das geplante Joint Venture thyssenkrupp Tata Steel wird durch eine Holding mit Sitz im Raum Amsterdam geführt. Der künftige Vorstand umfasst 6 Mitglieder. Die Bekanntgabe der Besetzung folgt zu einem späteren Zeitpunkt. Der Vorstand wird durch ein Aufsichtsgremium kontrolliert, das aus je 3 Vertretern der Joint Venture Partner besteht. Die Mitbestimmungsstrukturen bleiben erhalten. Das Joint Venture wird auch einen Europäischen Betriebsrat haben. Zudem wird das Employee Executive Committee (EEC) gegründet, ein Gremium aus je 3 Vertretern der Mitbestimmung von thyssenkrupp Steel Europe und Tata Steel Europe, das mit dem Vorstand regelmäßig strategische Themen bespricht.

„Mit dem Joint Venture schaffen wir einen langfristig wettbewerbsfähigen Player in der europäischen Stahlindustrie – mit einem überzeugenden industriellen Konzept und auf Basis einer klaren strategischen Logik. thyssenkrupp Tata Steel hat den Anspruch, bei Qualität, Innovationen und Kundenfokus herausragend zu sein. Wir werden eng mit unseren Kunden zusammenarbeiten und zu ihrem Erfolg beitragen. Damit sichern wir langfristig Arbeitsplätze und erhalten Wertschöpfungsketten in europäischen Schlüsselindustrien.“ Dr. Heinrich Hiesinger, Vorstandsvorsitzender der thyssenkrupp AG.

Die Thyssenkrupp-Zentrale in Essen
Die Thyssenkrupp-Zentrale in Essen. Foto: Arnoldius (CC BY-SA 3.0)

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Indiz für die jüngste Zocker-Orgie in US-Aktien und Bitcoin – man schaue auf die Such-Trends

Claudio Kummerfeld

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Bunte Kurstafel

Markus Fugmann hatte die letzten Tage darüber berichtet, so auch heute früh (siehe hier). Vor allem über einen gigantischen großen Zocker-Blog auf Reddit (siehe hier) formiert sich quasi täglich neu eine gigantische Crowd aus gierigen Jung-Zockern, um sich auf einzelne US-Aktien zu stürzen. Besonders interessant waren die letzten Tage kräftige Kursanstiege Aktien wie „Gamestop“, bei denen es hohe Short-Volumina gab. Profi-Spekulanten wie Hedgefonds hatten große Wetten auf fallende Kurse aufgebaut. Steigt der Aktienkurs nun aber kräftig, kann der Verlust dieser Profis ins Unendliche steigen.

Und die Banken und Broker, die solchen Hedgefonds oft Kredite für ihre Spekulationen gewähren, könnten kalte Füße kriegen und mehr Sicherheiten verlangen – oder die Short-Positionen zwangsweise schließen, wodurch der Aufwärtssog der Aktien noch mehr verstärkt wird. Auf genau diese Bewegung hofften die Zocker wohl bei Gamestop und anderen Aktien. Man schaue in der folgenden Grafik, wie die Beliebtheit für den Google-Suchbegriff „Short Squeeze“ in den USA in den letzten fünf Jahren aussah. Erst in den letzten Tagen explodierte die Beliebtheit dieses Suchbegriffs extrem. Mit Short Squeeze bezeichnen Börsianer einen stark steigenden Aktienkurs, der durch das Schließen von Short-Positionen verursacht wird. Der Wert 100 in der Grafik steht für die höchste Beliebtheit des jeweiligen Suchbegriffs.

Im folgenden Chart sehen wie in den Google Trends für die letzten fünf Jahre die weltweite Beliebtheit des Suchbegriffs „Bitcoin“. Man sieht, dass bei der ersten großen Hausse Ende 2017 die maximale Beliebtheit von 100 Punkten erreicht wurde, und Anfang diesen Jahres nur ein Wert von 69 – jetzt nur noch 42 Punkte. Die Gier der Internet-Gemeinde nach dem Thema war damals also wohl noch größer als heute. Offenbar scheint sich ganz aktuell die „Meute“ auf die kleinen US-Aktien zu stürzen – weil die wohl von einer Meute Klein-Zocker leichter kräftig im Kurs zu bewegen sind?

Chart zeigt Beliebtheit der Suche nach Bitcoin

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Robuste Ergebnisse auf breiter Front

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die gemeldeten und heute Abend anstehenden Quartalszahlen sind heute ein wichtiges Thema.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

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SAP in der Krise: Ist das eine Chance für uns? – Werbung

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Lieber Börsianer,

das war ganz harte Kost, die der europäische Software-Riese SAP am 26. Oktober für seine Aktionäre hatte. Die Cloud-Sparte blieb überraschend deutlich hinter den Erwartungen zurück. Einzelne Anwendungen wie die Software Concur (Verwaltung und Organisation von Geschäftsreisen) floppten völlig. Und noch mehr: Die Walldorfer kassierten auch gleich die Gewinnschätzungen für die nächsten Jahre, wie wir aus dem Quartalsbericht entnehmen mussten.

So kam es wie es kommen musste. Die Aktie des DAX-Schwergewichts kollabierte an jenem Tag binnen weniger Sekunden und verlor 20 % ihres ursprünglichen Marktwertes. Per saldo sank die SAP-Aktie von über 140 Euro unter 100 Euro ab. Milliarden Euro waren plötzlich durch den Schornstein.

Ungefähr im gleichen Zeitraum meldete die US-Konkurrenz bestes Zahlenwerk. Oracle und Salesforce nutzten die Dollarschwäche des vergangenen Jahres und griffen den deutschen Software-Riesen in seinem europäischen Heimatmarkt an. Die Analysten hängten wie üblich ihr Mäntelchen in den Wind und urteilten vernichtend über das Software-Unternehmen. Der Tenor: Eine Wachstumsgeschichte geht zu Ende. SAP bringt es nicht mehr.

In der Tat befindet sich die Walldorfer Software-Schmiede in einer veritablen Krise. So wird der Umsatz 2021 kaum noch wachsen, der Gewinn wird großer Wahrscheinlichkeit sogar rückläufig sein.

Das sind die Stärken der SAP

Aber gemach! SAP ist unverändert ein großartiges Unternehmen, dessen Software-Anwendungen weltweit in rund 25 Branchen genutzt werden. Bei Großunternehmen sind die Deutschen immer noch das Maß aller Dinge. 9 von 10 Playern nutzen mindestens eine kleine SAP-Anwendung. Die Kundenkartei der Walldorfer liest sich imposant. Dort finden Sie typische Traditionsunternehmen wie Chevron, Ford oder AT&T. Aber auch die…..

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