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Bringen Tim Cook´s Steuer-Forderungen eine Lawine ins Rollen?

FMW-Redaktion

Wie wir heute schon berichteten, hat Apple-Chef Tim Cook beim Sender CBS gefordert die 40%ige US-Besteuerung abzuschaffen, die US-Unternehmen zahlen müssen, wenn sie im Ausland erwirtschaftete Gewinne zurück in die USA holen. Denn so kommt es zumindest in der Theorie zu einer Art Doppelbesteuerung, nämlich am Ort der Umsatz-Generierung und in den USA.

Der wichtigste US-Wirtschaftssender „CNBC“ zitiert heute z.B. den Chef des Messaging-Dienstes Confide Jon Brod. Tim Cook als Chef einer börslich gehandelten Aktiengesellschaft wie Apple habe eine selbstverständliche Verantwortung Umsätze und Gewinne immer möglichst steueroptimiert zu behandeln. Auch zitiert man einen Analysten von RBC Capital Markets, dass es keinen Grund für Apple gäbe US-Steuern zu zahlen, da die meisten Umsätze außerhalb der USA entstehen würden.

Vor Tim Cook hatte vor allem Carl Icahn und auch der umstrittene Donald Trump (nächster US-Präsident??) dieses Thema schon angesprochen. „Weg mit dieser lästigen Steuer – steuerfrei die Milliarden zurück in die USA holen“ lautet das Mott. Kritiker sprechen eher von einer Art Erpressung der Großkonzerne in Richtung Politik und Bürger. Wenn ihr uns nicht immer mehr von lästigen Steuern befreit, verschwinden wir eben ganz ins Ausland, siehe jüngst Pfizer.

Das wirft interessante Fragen auf. In den letzten Monaten haben europäische Medien und Politiker massiv dafür getrommelt, dass Apple, Google, Amazon und Co. doch bitte endlich am Ort ihrer Umsatz-Generierung überhaupt mal Steuern zahlen sollen. Aber das findet in vielen Fällen derzeit gar nicht oder fast gar nicht statt, weil man seine Gewinne oft klein rechnet. Eine Luxemburger Tochter stellt z.B. der deutschen Tochter horrende Lizenzgebühren (wofür auch immer), welche dann von Deutschland nach Luxemburg überwiesen werden. So schrumpft der Gewinn der deutschen Tochter und in Deutschland fallen fast gar keine Steuern mehr an. Das angehäufte Cash in Luxemburg wird dort mit Mini-Sätzen besteuert.

Würden die USA der Forderung von Tim Cook, Carl Icahn und Co. nachgeben, könnte Folgendes passieren. Im Rest der Welt geht man vor wie bisher. Man verschiebt Gewinne in Länder, die gar keine oder wenn überhaupt Mini-Steuersätze erheben, und versteuert seine Gewinne dort, vielleicht mit 1, 2 oder 3%? Dann überweist man die versteuerte Summe zur Konzernmutter in die USA, wo nach den aktuellen Forderungen von Cook und Co. dann keine Steuern mehr anfallen. De facto zahlt der Konzern dann fast gar keine Steuern mehr, denn viele US-Konzerne erwirtschaften idR weit mehr als die Hälfte ihrer Umsätze im Ausland. „Steueroptimierung bis fast runter auf 0“ könnte man das auch nennen. Die Politik in den USA und in Europa ist gefordert eine einheitliche bzw. gegenseitig abgestimmte Gesetzgebung zu entwickeln, damit Unternehmen dem Staat, also letztlich den Bürgern nicht immer mehr notwendige Gelder entziehen, die immer dringender gebraucht werden zum Abtragen von Staatsschulden, zum Bezahlen von steigenden Bildungsausgaben, Sozialkosten etc.



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