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Tourismus: Der große Verlierer der Coronakrise – 8% des Welt-BIPs

Die Coronakrise stürzt den Tourismus in eine nicht für möglich gehaltene Krise. Die Deutschen haben seit vielen Jahren den Ruf des Reiseweltmeisters: In kaum einer Ecke dieser Welt hört man nicht plötzlich die deutsche Sprache – bis das Coronavirus aufgetaucht ist, das nicht nur in der weltweiten Güterproduktion durch den Ausfall der Lieferketten für eine Rezession gesorgt hat, ganz besonders leidet auch der Tourismus. Damit auch Deutschlands Tourismusbranche, wie die neuesten Zahlen aufzeigen.

Coronakrise und der globale Tourismus

Der Tourismus hat sich zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt. Zählte man im Jahr 1950 noch 25 Millionen Touristen weltweit, so ist die Zahl bis zum letzten Jahr auf 1,5 Milliarden touristische Ankünfte gestiegen.

Der Anteil des Tourismus am Weltsozialprodukt dürfte bei knapp 7 Billionen Dollar gelegen haben, vor der Coronakrise. Das ist in etwa das Doppelte des deutschen Bruttoinlandsproduktes und ungefähr 8 Prozent der gesamten Weltwirtschaftsleistung. In dieser gewaltige Summe sind neben der Hotelbranche auch die Transportindustrie mit all ihren Flugzeugen, Kreuzfahrtschiffen und Reisebussen sowie die Souvenir- oder Reisebürobranche beinhaltet. Für 2020 wurde erwartet, dass der globale Tourismus erneut um rund vier Prozent zunimmt, aber das das war die Prognose vor dem Auftreten der großen Coronakrise.

Die beliebtesten Reiseziele waren Frankreich, Spanien und die USA mit bis zu 100 Millionen jährlicher Touristen. Was die Ausgaben für Reisen angeht, führten die Chinesen vor den Amerikanern und den Deutschen. Der Winter 2020 brachte den großen Cut, von dem sich diese wichtige Branche noch nicht ansatzweise erholt hat.

Die World Tourism Organisation (UNWTO), eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, berechnete für den März einen weltweiten Einbruch des Tourismus um 55 Prozent. Ein Monat darauf, im Höhepunkt des Lockdowns, lag die Quote um unglaubliche 97 Prozent unter Vorjahr. Laut UNWTO sind der Branche seit Jahresbeginn damit insgesamt Umsätze von 195 Milliarden Dollar verloren gegangen.

Die Situation in Deutschland

Die neuesten Zahlen von Urlaubsportalen zeigen es: Ende Juni lagen die Urlaubsbuchungen noch 73 Prozent hinter den Werten von genau einem Jahr zurück – und das Erstaunliche daran ist, dass diese Quote vor knapp drei Wochen, nach den ersten größeren Grenzöffnungen, schon bei minus 68 Prozent gelegen hatte. Noch ist nichts zu spüren vom unbändigen Drang der Reiseweltmeister in die Ferne.

Die durch die Coronakrise verursachten bisherigen Einbußen im Bereich Tourismus von 10,8 Milliarden Euro bringen viele Anbieter in existenzielle Schwierigkeiten. Durch die quälend langsame Aufhebung des Lockdowns, verbunden mit noch bestehenden Reisewarnungen in ferne Länder, könnten bis Ende August noch einmal 9 Milliarden Euro weiterer Verluste dazu komnen, so die pessimistische Sicht des Reiseverbandes.

Die Reiseveranstalter sind hiervon sichtlich geschockt, schließlich gaben die Deutschen als Urlauber im letzten Jahr 35,4 Milliarden Euro für organisierte Reisen der Reiseunternehmen aus. Wenn man die privaten Buchungen noch dazu addiert, kommt man auf über 105 Milliarden Euro. Fast sieben Prozent der Arbeitsplätze in Deutschland gehen auf das Konto des Tourismus.

Und was macht der deutsche Urlauber?

Die Coronakrise führt zu einem Umdisponieren. Mehr als 60 Prozent der heimischen Urlauber planen Urlaub in Deutschland, eine deutliche Steigerung gegenüber etwa 25 Prozent vor dem Ausbruch der Coronakrise. Kein Ersatz für die Verluste der Reiseanbieter, da diese Art der Ferien durch Direktbuchungen in den Quartieren von den Urlaubern selbst vorgenommen werden.

Fazit

Der Tourismus ist in den letzten Jahren zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. Der Anteil am Weltsozialprodukt betrug 2019 um die 8 Prozent, in Deutschland 8,6 Prozent, in Österreich sogar 15,4 Prozent. Nicht verwunderlich, dass der österreichische Bundeskanzler so rasch auf Lockerungen für diese wichtige Branche drängte und auf eine Öffnung der Grenzen – vor allem nach Deutschland.

Noch gelten für viele Länder Reisewarnungen, wie zum Beispiel nach Mexiko, wo der Tourismus sogar einen Anteil von über 17 Prozent des BIP repräsentiert.

Kein Wunder also, dass das vieldiskutierte V der Erholung der Weltwirtschaft nicht so rasch kommen kann.

Die Deutschen bleiben in diesem Jahr verstärkt im eigenen Lande, auch eine Form von „Glokalisierung“. Aber das ist halt das Gegenteil von Globalisierung, die aber für einen Rebound in der Weltwirtschaft vonnöten wäre.

 

 

 

Der Tourismus sorgte vor der Coronakrise für 8% des globalen BIP



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1 Kommentar

  1. Ich wohne hier südlich von München im Alpenvorland — ich kann bestätigen, dass viele Deutsche im eigenen Land Urlaub machen. Ausländische Autokennzeichen sind nur selten zu sehen. Ich würde behaupten, dass es schon fast wieder so viel Urlauberverkehr Richtung Garmisch ist, wie letztes Jahr.
    Allerdings viele Tagestouristen aus München und den näheren Ballungszentren. Nur, jeden Nerven die Auflagen im Gastrobereich tierisch, und deswegen machen die gebeutelten Wirte auch keinen großen Umsatz — von Gewinn brauchen wir wohl garnicht erst sprechen.

    Und weit weg fliegen, um dann in einen Lockdown zu geraten, wobei man diesesmal für die Rückholung selbst aufkommen muss, wird sich jeder 2 mal überlegen.

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