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Trade Republic oder Trade Kommunismus? Abenteuerliche Begründung für Beschränkung

Beispielfoto für einen Onlinetrader

Trade Republic oder doch eher Trade Kommunismus? Im der gelenkten Kommandowirtschaft sieht sich der Staat als „Beschützer“ des unmündigen Bürgers, der selbst eben nicht weiß, was gut für ihn ist und wo Gefahren lauern. Warum dieser Hinweis? Nun, kommen wir zu den jüngsten Abläufen um die Highflyer-Aktien wie Gamestop. Zahlreiche Broker wie Robinhood schränkten den Handel ein, so dass nur noch Verkäufe möglich waren. Auch der deutsche Neo-Broker „Trade Republic“ war betroffen, und für unzählige Kunden ging vor allem gestern fast gar nichts mehr.

Chef von Trade Republic mit abenteuerlichen Aussagen

Man könnte auch (vorsichtig ausgedrückt) durchaus annehmen, dass diese Probleme an den abwickelnden Brokern im Hintergrund der Neo-Broker liegen (harte Fakten dazu liegen aber nicht vor), und gleichzeitig an einer schlichten Überlastung der Systeme durch zu viele gleichzeitige Aufträge. Laut Webseite wickelt Trade Republic über HSBC ab. Aber der Chef von Trade Republic Christian Hecker schmeißt nun Aussagen in den Raum, die abenteuerlich klingen. Man habe den Handel mit diesen extrem volatilen Aktien für die Kunden eingeschränkt, weil man laut Aussage im Spiegel „die eigenen Kunden schützen“ wolle. Durch die hohe Volatilität im Aktienkurs sei kein normaler Handel mehr möglich gewesen. In einer Republik (Wortspiel wohl angelehnt an den Firmennamen) brauche es auch Regeln. Wir müssen unseren Anlegern gegenüber „Verantwortung wahrnehmen“, so Christian Hecker.

Der Aktienkurs habe mit der realwirtschaftlichen Lage der Unternehmen nichts mehr zu tun, stattdessen sei die Kursentwicklung ausschließlich von Spekulation geprägt. Für diese Art des Anlegens stehen wir nicht, so wird Christian Hecker zitiert. De facto bedeutet das: Trade Republic bevormundet seine Kunden, weil die mit zu viel Volatilität, zu viel Risiko und Aktien mit zu hoher Bewertung nicht umgehen können. Genau das sollte (so unsere kleingeistige Meinung) ein reiner Onlinebroker (der keine Beratungsfunktion hat) eben nicht tun. Er ist reiner Abwickler, und stellt dem mündigen Selbstentscheider lediglich Depot und technischen Zugang zur Börse zur Verfügung, mehr nicht. Die Aussagen von Herrn Hecker klingen daher eher nach Trade Kommunismus und eben nicht nach Trade Republic – so möchten wir auf dieses Wortspiel eingehen.

Gestern Abend gab Christian Hecker dem Magazin Finance Forward ein Interview (hier in voller Länge nachzulesen). Hier spricht er davon, dass man als Trade Republic für den freien Markt eintrete. Aufgrund des Hypes und dieser außerordentlichen Volatilität sei man aber zu dem Schluss gekommen, dass eine vorübergehende Anpassung des Angebots notwendig sei. Alle Anleger, die in die Titel (Gamestop etc) investiert sind, könnten aber noch ihre Positionen glattstellen. Wichtig sei für Trade Republic die Stabilität der Plattform für alle Nutzer sicherzustellen, und dies sei zwischenzeitlich nicht mehr gewährleistet gewesen.

Interessant: Auch sagt Christian Hecker in diesem Interview, dass man seine Kunden nicht schützen müsse, weil sie die besten Entscheidungen treffen würden. Bei dem aktuellen Hype der genannten größtenteils amerikanischen Nebenwerte handele es sich aber um einen beispiellosen Fall, den man am Markt so noch nicht gesehen habe, und der auch erhebliche Verlustrisiken mit sich bringe. Darüber habe man seine Kunden heute informiert. Trade Republic sei kein Anlageberater. Dennoch sei es eine beispiellose Lage, gemessen an dem in verschiedenen sozialen Medien ausgelösten Hype dieser Aktien und ihrem realwirtschaftlichen Wert. Man habe sich die Entscheidung auch nicht leicht gemacht und werde die Lage eng monitoren. Ziel sei es schnellstmöglich in den Normalmodus zurückzukehren.

Der Kunde muss beschützt werden?

Dazu unser Kommentar: Ach so, man muss die Kunden also nicht schützen, aber in diesem Fall „beschützt“ man sie nun doch? Interessant sind auch seine Aussagen, dass die Aktienkurse einiger Unternehmen nichts mehr mit deren realwirtschaftlichen Lage zu tun haben. Ach so, jetzt ist der Onlinebroker sogar schon dafür zuständig zu bewerten, ob Aktien zu überbewertet sind, als dass eigenverantwortlich handelnde Kunden noch eine freie Entscheidung treffen können? Das klingt schon nach mehr als Bevormundung. Ein Kunde von Trade Republic hat eine Kundenmitteilung des Brokers abgedruckt, warum er nicht mehr frei handeln darf. Dort spricht man dem Kunden gegenüber offiziell davon, dass Aktien wie Gamestop, Nokia etc Gegenstand heftiger Kursspekulationen seien, und dass man wegen der damit verbundenen Risiken vom Kunden bis auf weiteres keine neuen Aufträge zum Kauf für diese Aktien annehmen. Also, auch hier: Man will (zumindest laut dieser Aussage) den Kunden vor sich selbst beschützen – er könnte ja ein Risiko eingehen, dass für ihn zu groß ist?

Mit so einer Argumentation stellt man das eigene Geschäftsmodell gleich komplett auf den Kopf. Die Aussagen klingen nach völliger Bevormundung und eher nach einer Ausflucht vor den wahren Gründen. Technische Überlastung der Systeme wird ein realer Grund sein, aber wie gesagt… ob im Hintergrund auch andere Probleme bei den abwickelnden Brokern eine Rolle spielen, könnte man mutmaßen – definitive Beweise kann man aber hier und jetzt nicht erbringen. Fakt ist: Diese Woche hatten Kunden auch bei anderen wichtigen deutschen Anbietern wie Comdirect und Flatex Probleme, siehe folgende Tweets.

Der große US-Privatkundenbroker Robinhood will heute offenbar die Beschränkungen teilweise wieder aufheben:

Der Frust der Kunden gegenüber Trade Republic ist gigantisch. Auf Twitter hatte man zuletzt vor 21 Stunden eine offizielle Mitteilung präsentiert. Eine offizielle Pressemitteilung oder Ähnliches gibt es gar nicht. Auf die Twitter-Message von gestern gibt es von Nutzern bis jetzt 1.887 Antworten. Darin überschlägt man sich mit Frust und Wut gegen Trade Republic. Hier einige Beispiele:

Es ist eine Frage, die eventuell wirklich geklärt werden sollte. Darf ein Onlinebroker Selbstentscheidern den Handel mit ganz selektiv ausgewählten Aktien verbieten, weil man der Meinung ist, dass der Handel mit genau diesen Aktien den Kunden wegen zu hohem Risiko nicht zumutbar ist? Genau dafür hat der Kunde doch bei seiner Depoteröffnung unendlich lange AGBs unterschrieben, dass er das Risiko kennt, und es in Kauf nimmt.



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2 Kommentare

  1. Für Statements aller Art gilt die Faustregel:
    Alles vor dem „aber“ ist gelogen.
    Wir sind eine freie Gesellschaft, aber…

  2. Man stelle sich nur vor ein Broker würde den Kauf von Tesla-Aktien oder Bitcoin oder … verbieten, weil der Hype zu einer außergewöhnlichen Überbewertung geführt hat.

    Unfassbar, welche Doppelmoral hier div. Broker an den Tag legen.

    Bin gespannt, ob es zu Schadensersatzklagen kommt. Moralisch würde ich das sehr unterstützen, befürchte allerdings, dass das nichts bringt.
    Wie hoch ist der KONKRETE Schaden, wenn ich an einem Tag Aktie X nicht kaufen konnte.
    Es wird wohl kaum jemand eine Email an seinen Broker geschickt haben: Ich würde gerne X Stück GME zumr Preis von 262 USD kaufen. Und dann anhand des Kursverlaufes belegen, dass diese Order (hätte man sie eingeben können) durchgeführt worden wäre.
    Da eine derartige Order nie durchgeführt wurde, kann man auch nicht belegen, zu welchem Zeitpunkt man, mit welchem Limit eine Verkaufsorder eingegeben hätte.

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