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Trade Republic: Womit der Gratis-Broker überhaupt sein Geld verdient

Beispielfoto für Onlinetrading - bei Trade Republic wird über Handy gehandelt

Trade Republic ist in aller Munde seit letzter Woche, vor allem durch die Turbulenzen rund um die Gamestop-Aktie. Wie bei US-Brokern auch wurde hier der Handel mit einigen Aktien eingeschränkt, wenn auch nur für wenige Stunden. Es entstanden für zahlreiche Kunden Probleme, und die Wut auf die Broker war und ist groß. Mehrere Leser haben uns angesprochen mit der simplen Frage: Womit verdient Trade Republic eigentlich Geld, wenn man als Kunde für seine Trades keine Handelsgebühren zahlen muss?

Noch interessanter wird diese Frage, weil Finanztest letzten Oktober eine Analyse zu Trade Republic und seinen deutschen Konkurrenten veröffentlichte (hier im Detail nachzulesen). Demnach funk­tioniere der Handel über diese neuen „Smartphone-Broker“ nach Beob­achtungen von Trades und Handelsspannen weit­gehend reibungs­los. Als unbe­gründet habe sich die Befürchtung erwiesen, dass die Gebührenfreiheit durch eine größere Handels­spanne beim Kauf und Verkauf einhergehe. Bei bekannten Aktien oder ETF habe man keine nennens­werten Aufschläge gegen­über dem Xetra-Handel der deutschen Börse entdeckt. Also: Glaubt man Finanztest, dann haben die Kunden der Gratis-Anbieter keine schlechteren Ausführungen an den Börsen als die Kunden der „alten“ Onlinebroker, wo Handelsgebühren anfallen.

Trade Republic lebt nur vom „Payment for Orderflow“

Um so mehr ist interessant, womit Trade Republic sein Geld verdient. Ein Blick ins Gebührenverzeichnis zeigt einige kleine Gebühren für besondere Dienstleistungen. Sie dürften aber nach allem menschlichen Ermessen keine große Masse an Gebührenertrag einbringen. Aber schaut man in der Präsentation von Trade Republic etwas genauer nach, findet man dort folgende Aussage. Demnach erhalten Broker „üblicherweise eine Rückvergütung von ihren Handelspartnern“ – offiziell bezeichnet man das als „Payment for Orderflow„. Zitat Trade Republic:

Die Trade Republic Bank nutzt ihre Kosteneinsparungen in Kombination mit dieser Rückvergütung zum Vorteil der Kunden. Daraus entsteht ein disruptives Geschäftsmodell: der mobile und provisionsfreie Wertpapierhandel. Für die Abwicklung wird lediglich eine Fremdkostenpauschale von einem Euro pro Handelsgeschäft erhoben. Die Trade Republic hat eine deutsche Banklizenz als Wertpapierhandelsbank und wird von der Bundesbank und BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) beaufsichtigt. Hinzu kommt die Kooperation mit dem an der Börse Hamburg betriebenen elektronischen Handelssystem LS Exchange. Die Kursqualität für Aktien und ETFs wird börslich überwacht.

Die „Handelspartner“ sind die Börsenplätze über welche die Aufträge der Kunden ausgeführt werden, also LS Exchange und Tradegate. Von diesen Anbietern erhält Trade Republic Vergütungen, und zwar dafür, dass man die Kundenaufträge an diese Börsenplätze weiterleitet, und nicht an die Konkurrenz. Wir haben direkt mit Trade Republic gesprochen. Dort versicherte uns eine Sprecherin, dass die Rückvergütung seitens der Handelsplätze an die Broker eine seit Jahren gängige und normale Vorgehensweise sei. Auch alle anderen Onlinebroker in Deutschland würden auf die selbe Weise Rückvergütungen erhalten.

Also könnte man es so ausdrücken: Diese Neobroker wie Trade Republic sparen sich durch völlige Automatisierung sehr viele Personalkosten. Die Abwicklung im Hintergrund läuft in diesem Fall über den großen starken Partner HSBC. Trade Republic ist sozusagen der Endkundenbroker für die Privatkunden. Dank sehr niedriger Kosten kann man nur von den Rückvergütungen der Börsenplätze leben. Die anderen „alten“ Onlinebroker haben all die Jahre demnach von den Rückvergütung + den selbst von den Kunden erhobenen Handelsgebühren gelebt. Die Neobroker verzichten somit auf diesen Einnahmeblock, und verschärfen damit die Wettbewerbssituation für die großen Onlinebroker dramatisch.

Disruption

Das ist es wohl, was Trade Republic meinte mit „disruptives Geschäftsmodell“. Das Leben für alten Broker die noch zusätzlich eine Gebühr pro Order erheben, wird damit erschwert. Der Nachteil bei voll automatisierten Brokern ist für die Kunden aber offenkundig. Bei Problemen wie in diesem Fall gibt es keine oder nur eine sehr eingeschränkte telefonische Erreichbarkeit von echten Menschen, die sich um Probleme kümmern können. Und ob die technische Stabilität und die Kapazitäten so gut sind wie bei großen Onlinebrokern, wenn Neobroker dank deutlich geringerer Einnahmen alles nur auf Kante genäht haben?

Trade Republic bestand im Gespräch mit uns übrigens explizit darauf, dass man keinerlei Verbindungen zu Hedgefonds habe, und auch als Anbieter nicht mit Robinhood in den USA vergleichbar sei. Dort würden die Orders außerbörslich ausgeführt und Daten würden verkauft. Trade Republic wickle alles über regulierte Börsen ab und verkaufte keine Orderdaten von Kunden. Auch habe man anders als Robinhood keine Probleme mit Kapitalanforderungen, weil man mit HSBC einen sehr großen starken Partner im Rücken habe.

Trade Republic entschuldigt sich und nennt konkreten Grund für Probleme

Nachdem in den USA Robinhood mit unzähligen Verschwörungstheorien zu den Handelsaussetzungen überschüttet wird (Hilfe für Hedgefonds etc), hört man dazu auch viel über Trade Republic. Was steckt dahinter? Eine Benachteiligung für Privatanleger, die man ausbremsen will im Kampf gegen die „bösen Hedgefonds“? Gestern hat Trade Republic sich gegenüber seinen Kunden entschuldigt für die Handelsprobleme in Aktien wie Gamestop. Der Text in voller Länge liegt uns vor. So schreibt man einleitend unter anderem Zitat „Hier haben wir keinen guten Job gemacht.“ Gut, von solchen warmen Worten kann sich ein betroffener Kunde nichts kaufen. Auch schreibt der Broker „Wir haben die Erwartungen an einen modernen, demokratischen und freien Broker enttäuscht.“ Frage: Was ist demokratisch an einem Anbieter, der Brokerkonten für Kunden führt? Der eine ist Anbieter, der andere ist Kunde. Wo ist da die Demokratie? Aber gut, solche Formulierungen sollen wohl das junge, hippe und coole Image fördern und ein Pseudo-Gemeinschaftsgefühl zwischen Anbieter und Kunde entstehen lassen?

Ursprünglich nannte Trade Republic letzte Woche als Grund für die Handelsaussetzung den „Schutz der Kunden“. Jetzt hört sich das ganz anders an. Interessant am Entschuldigungsschreiben ist, dass Trade Republic nicht allgemein und schwammig formuliert, sondern explizit einen Grund nennt, warum der Handel denn mehrere Stunden nicht funktionierte. Nicht intern habe es ein technisches Problem gegeben, sondern extern. So sagt man auch ganz eindeutig, dass ohne diesen ursprünglichen Fehler eines externen Anbieters der Donnerstag letzter Woche, an dem die Probleme bei Trade Republic auftraten, ein ganz normaler Handelstag ohne Probleme gewesen wäre. Hier auszugsweise einige Aussagen zu dem Vorgang:

Am Donnerstag kurz nach 7.30 Uhr sei der Handelsplatz Lang & Schwarz Exchange (über welchen Trade Republic die Orders abwickelte) in wesentlichen Teilen ausgefallen. Hintergrund seien Überlastungen von Datenbanken eines Dienstleisters der LSX gewesen. Man sei daraufhin auf den Ausweichhandelsplatz Tradegate Exchange gewechselt. Nach einigen Stunden habe der beispiellose Anstieg von Orders in Werten wie GameStop oder AMC zu Verzögerungen in der Ausführung der Orders geführt. Um die Kapazitäten zu erhöhen, habe man den gesamten Aktienhandel vorübergehend unterbrechen müssen. Ohne den technischen Fehler des Dienstleisters bei der Börse Lang & Schwarz Exchange wäre der Donnerstag ebenfalls ein ruhiger, normaler Tag gewesen. Man habe daraufhin die Kapazitäten und Lasttest nochmals stark erhöht.

Also, glaubt man dem Broker, dann war der Auslöser ein Problem bei einem externen Anbieter, und bei Trade Republic selbst lief alles reibungslos? Zahlreiche Kunden berichten in Foren, auf Twitter etc vom tagelangen Warten bei Neukontoeröffnungen, Oder- und Buchungsproblemen uvm. Das würde dafür sprechen, dass auch Trade Republic selbst vielleicht an diesem Tag dank begrenzter Ressourcen schlicht überlastet war, und nichts ging mehr? Aber wie gesagt, das Unternehmen verweist auf die Probleme eines externen Anbieters.



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