Jemand glaubt offenbar an eine dramatische Kursexplosion im Goldpreis. Weiß da etwa jemand mehr als alle anderen Marktteilnehmer, zum Beispiel über anstehende große Notenbankkäufe? Oder ist es einfach nur ein großer Hedgefonds, der eine wilde Wette eingeht? Jedenfalls sieht man im beim Blick auf offene Optionskontrakte auf Gold, dass eine große Wette eingegangen worden ist! Wir reden über Optionswetten, die 10.000 Dollar aus dem Geld liegen – das ist heftig!
Massive Wette auf höhere Preise bei Gold
Als die Gold-Futures in New York Ende Januar mit über 5.600 Dollar je Unze ein Rekordhoch erreicht und am nächsten Tag einen beispiellosen Einbruch erlebt haben, begann ein Investor oder eine Investorengruppe, im Dezember auslaufende $15.000/$20.000 Call Spreads an der Rohstoff-Terminbörse Comex zu kaufen, so berichtet es Bloomberg. Selbst nachdem sich die Preise um 5.000 Dollar stabilisiert hatten (aktuell 4.911 Dollar), wurde diese Position weiter ausgebaut – inzwischen auf rund 11.000 Kontrakte.
“Es ist überraschend, so viel Open Interest an so weit aus dem Geld liegenden Call Spreads zu sehen, insbesondere nach der technischen Korrektur”, sagte Aakash Doshi, Chef der Gold- und Metallstrategie bei State Street Investment Management. “Es ist plausibel, dass einige Trader dies als ein billiges Lotterielos betrachten.”
Worum handelt es sich bei einem solchen $15.000/$20.000 Call Spread? Ein solcher so genannter Bull Call Spread besteht aus zwei Optionen mit demselben Verfallstermin im Dezember. Der Trader kauft einen Call mit einem Ausübungspreis von 15.000 Dollar und verkauft gleichzeitig einen Call mit einem Ausübungspreis von 20.000 Dollar. Das bedeutet: Er erwirbt das Recht, Gold im Dezember zu 15.000 Dollar zu kaufen, und verpflichtet sich im Gegenzug, jemand anderem das Recht zu gewähren, es ihm zu 20.000 Dollar abzukaufen. Dadurch reduzieren sich die Einstiegskosten im Vergleich zum reinen Kauf eines 15.000er-Calls, da der Verkauf des 20.000er-Calls eine Prämie einbringt.
Der jüngste Aufschwung beim Goldpreis wurde durch eine Welle spekulativer Käufe ausgelöst, die die Kurse in überkaufte Bereiche getrieben hat. Viele Banken erwarten jedoch, dass die Preise – die sich seit Anfang 2024 verdoppelt haben – weiterhin durch anhaltende geopolitische Spannungen, Zweifel an der Unabhängigkeit der Federal Reserve und eine Abkehr von Währungen und Staatsanleihen nach oben getrieben werden.
Doch damit dieser Options-Trade tatsächlich im Geld endet, müsste der Preis für Gold bis Ende des Jahres fast auf das Dreifache steigen. Für Trader ist der Call Spread eine günstigere Möglichkeit, von einem erneuten Kursschub zu profitieren, als der reine Kauf von Calls, allerdings ist damit der potenzielle Gewinn gedeckelt. Die Trader können die Kontrakte bei einer Rally der Dezember-Futures zu höheren Preisen verkaufen oder sie bis zum Verfall halten, falls der Preis über 15.000 Dollar je Unze steigt.
Warum wählt man diese Strategie? Ein einzelner 15.000er-Call auf Gold wäre deutlich teurer als der Spread. Durch den gleichzeitigen Verkauf des 20.000er-Calls erhält der Trader eine Prämie, senkt damit seine Nettokosten und reduziert so auch den maximalen Verlust (der auf die gezahlte Nettoprämie begrenzt ist). Im Gegenzug ist der maximale Gewinn gedeckelt. Es handelt sich damit um eine vergleichsweise preiswertere, aber nach oben begrenzte Wette auf einen deutlichen Anstieg des Dezember-Futures.
Falls die Trader einen “kurzfristig heftigen Anstieg” erwarten, könnten sie den Spread laut Doshi vorzeitig verkaufen, ohne dass dessen Wert stark verfällt, da der Verfallstermin im Dezember noch weit entfernt ist.
Erläuterung zur Optionsstrategie
Wie funktioniert das im Detail, und ab wann wird diese Wette überhaupt rentabel? Entscheidend ist der Preis des Dezember-Gold-Futures am Verfall: Bleibt er unter 15.000 Dollar, verfallen beide Optionen wertlos und die gezahlte Nettoprämie ist verloren. Liegt der Dezember-Futures zwischen 15.000 und 20.000 Dollar, gewinnt der Spread an Wert — der 15.000er-Call ist dann “im Geld”, der 20.000er-Call noch nicht. Der Break-even-Punkt liegt beim Ausübungspreis von 15.000 Dollar plus der gezahlten Nettoprämie. Steigt der Dezember-Futures auf 20.000 Dollar oder darüber, sind beide Calls im Geld, doch der maximale Gewinn ist auf die Differenz der beiden Ausübungspreise (5.000 Dollar) abzüglich der gezahlten Nettoprämie begrenzt.
Obwohl der Preis noch weit von einem Niveau entfernt ist, bei dem die Optionen ins Geld laufen würden, sorgte der Handel letzte Woche für eine erhöhte implizite Volatilität bei weit aus dem Geld liegenden Calls, während die meisten anderen Optionen relativ günstiger wurden.
Welche Wette machen die Trader damit konkret? Es handelt sich um eine extrem bullische Position: Gold notiert derzeit um 5.000 Dollar je Unze. Damit der Spread am Verfall einen inneren Wert hat, müsste der Dezember-Futures bis Jahresende in die Nähe von 15.000 Dollar steigen; für den maximalen Gewinn müsste er mindestens 20.000 Dollar erreichen. Die Trader setzen damit auf eine außergewöhnliche, explosive Aufwärtsbewegung — was Doshi als mögliches “billiges Lotterielos” einordnet.
Golds Call-Skew – also der Aufpreis für Wetten auf einen Preisanstieg gegenüber einem Rückgang – wird über verschiedene Verfallmonate im Februar günstiger, während die tatsächliche Preisvolatilität hoch bleibt, so Doshi. Der Markt habe nach wie vor das Potenzial für starke „Gaps“ in den Kursen.
Ein Kursrückgang um 11% bei den Gold-Futures an der Comex am 30. Januar war der größte Tagesverlust seit Jahrzehnten. Auch im Oktober kam es zu einer kräftigen Korrektur, als die Preise nach einem Anstieg auf fast 4.500 Dollar auf 4.000 Dollar je Unze zurückgingen.
Abschließend lässt sich sagen: Mit dem Kauf der $15.000/$20.000 Call Spreads setzen die Trader auf eine extreme Rally des Dezember-Gold-Futures bis Jahresende — möglicherweise getrieben durch geopolitische Eskalationen, Vertrauensverlust in Währungen oder Turbulenzen bei Notenbanken. Sie zahlen dafür eine im Vergleich zum einzelnen Call niedrigere Nettoprämie und begrenzen ihren maximalen Verlust, nehmen aber in Kauf, dass der mögliche Gewinn nach oben gedeckelt ist.
FMW/Bloomberg
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken















Kapital wäre ja genug da, es kommt darauf an wo es geparkt wird.
Andererseits könnte das auch eine Art extremes Dollar-Short sein. Was passiert, wenn die Renditen die 5% passieren und weiter steigen?
Ich weiß es nicht.
…ich oute mich mal…ich war es…drückt mir die Daumen…
Gold müsste dann eine Marktkapitalisierung von knapp 105 Billionen US-Dollar erreichen…Ist das realistisch.. ?
Wo soll das Geld denn herkommen…?
Wenn sich das 60-20-20-Modell durchsetzt, kann das Geld leicht aus dem Markt für Anleihen kommen.
Es ist so offensichtlich, dass der Goldpreis steigen wird, vor allen Dingen, weil Unsicherheiten zunehmen, Schulden explodieren und Fiatwährungen abwerten- weil sich dessen mehr und mehr Menschen bewusst werden, trifft eine extreme Nachfrage nach Gold auf eine akute Knappheit. Es kommt ja kaum was nach, auf das nicht schon ein Käufer wartet. 8 Monate(!), nicht 8 Tage, wie noch vor 2 Jahren, müsste ich derzeit auf etwas so lächerliches wie einen 100g Barren warten. Es ist – mit Verlaub – es ist krank. Ich kann mich nicht erinnern, dass es so etwas schon einmal gegeben hat. Es ist ein Misstrauensvotum gegenüber Fiat und eine Wette auf einen Währungskollaps oder Wirtschaftscrash, der sich mehr und mehr anschließen.
Hallo Hr. Dr. Schaarschmidt,
da weiß jemand vielleicht mehr.
Womöglich steht ein Once-in-a-lifetime-Ereignis bevor, durch welches sich Notenbanken veranlasst sehen, gewaltig viel Geld zu drucken-
Ohne einen Beweis würde das niemand ohne Schlaganfall tun, aber vielleicht fehlt mir einfach auch die Phantasie.
Beste Grüße
Hallo Hr. Dr. Schaarschmidt,
da weiß jemand vielleicht mehr.
Womöglich steht ein Once-in-a-lifetime-Ereignis bevor, durch welches sich Notenbanken veranlasst sehen, gewaltig viel Geld zu drucken-
Ohne einen Beweis würde das niemand ohne Schlaganfall tun, aber vielleicht fehlt mir einfach auch die Phantasie.
Beste Grüße
Tatsächlich liegt die Wette im oberen Bereich der Vorhersagen einiger Modelle. Das Problem nichtlinearer Modelle ist, dass die ermittelten Ergebnisse stark schwanken und eigentlich nur einen Effekt zur Zeit darstellen können. Es könnte also auch sein, dass sich diese Wette auf einen Prozess bezieht, der bereits begonnen hat, aber erst in zehn Jahren seinen Höhepunkt erreicht.