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Trader wegen „Flash Crash“ verhaftet

Von Markus Fugmann

Ich habe eine sehr intensive Erinnerung an den „Flash Crash“ vom 06.Mai 2010: ich saß kurz vor Feierabend im Büro und starrte auf die Charts einiger Indizes, die irgendwie ungut aussahen. Also verkaufte ich den Nasdaq-Future, machte den Rechner aus und fuhr nach Hause. 20 Minuten später zu Haus ankommend, fuhr ich meine Trading-Plattform hoch – und lag mit der Position vorne, aber nicht spektakulär. Plötzlich aber rauschten die Kurse extrem nach unten, so extrem, dass meine Freude über die immer größeren Gewinne von der Frage getrübt wurde, ob sich möglicherweise wieder ein Terror-Anschlag ereignet habe, denn unter normalen Umständen bewegen sich Märkte nicht auf diese Art. Aber es war nichts dergleichen in den News-Tickern zu finden, ein Kollege schrieb mir eine mail: er sehe gerade n-tv, und die Kursanzeige scheine zu spinnen, die Ausschläge seien so extrem, da könne doch etwas nicht stimmen. Ich tappte weiter im Dunkeln, erzählte meiner Frau was gerade passierte, die nur antwortete: „Dann geh doch raus und nimm die Gewinne mit“. Das war ein guter Ratschlag, aber ich dachte, ich würde angesichts der unglaublichen Kurssprünge gar keine Ausführung für den Trade bekommen. Als die Kurse dann wieder steil nach oben schossen, drückte ich doch auf den Knopf – mit deutlich weniger Gewinn als zuvor, aber ich kann mich nicht erinnern, mit dem Nasdaq-Future jemals mehr Gewinn erzielt zu haben als mit diesem Trade.

Nun ist seit gestern klar, wer der (Mit-)Auslöser dieses in die Börsengeschichte eingegangenen „Flash Crash“ gewesen ist: es ist der heute 31-jährige Navinder Singh Sarao. Er soll von seiner Wohnung in London aus eine kommerziell verfügbarer, aber von ihm „aufgetunte“ Software eingesetzt und so ein wesentlicher Auslöser des „Flash Crash“ gewesen sein. Er habe „eine Reihe von außergewöhnlich umfassenden, aggressiven und hartnäckigen Täuschungstaktiken angewendet“, so der Vorwurf in der Klageschrift der CFTC. Mittels eines Algorithmus habe Navinder Singh Sarao das sogenannte „Spoofing“ betrieben:

„Spoofing heißt die illegale Strategie, bei der ein Händler zum Beispiel eine große Kauforder abgibt und anderen damit signalisiert, dass der Preis steigen könnte. Der Händler zieht dann jedoch die Order schnell wieder zurück und verkauft Papiere zu einem leicht höheren Preis“.

Dabei hat Navinder Singh Sarao mittels dieser Methode, die er beim (kleinen) S&P-Future anwandte, am Tag des „Flash Crash“ 880.000 Dollar verdient – mit seinem Treiben aber bis 2014 weiter gemacht. Allerdings mit weniger Erfolg: seine Firma mit Sitz in einem Steuerparadies in der Karibik verbuchte 2013 sieben Millionen Dollar Verlust.

Heraus gekommen ist das Treiben von Navinder Singh Sarao durch einen Whistleblower – der heißt aber ausnahmsweise nicht Assange oder Snowden..



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