Folgen Sie uns

Devisen

Tradingtechnik: Kleine Kerzen und große Kerzen im Kontext – Gaps

@KSchubert zeigt, wie man Gaps traden kann – lesenswert!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Gastbeitrag von @KSchubert

Lieber Traderinnen und Trader,

In meinem letzten Beitrag – welchen Sie hier noch einmal nachlesen können – hatte ich auf die Bedeutung von großen Kerzen im Verhältnis zu anderen Kerzen des gleichen Impulses hingewiesen: Eine bullische Kerze, welche größer als alle anderen bullischen Kerze eines bestimmten Zeitabschnitts zuvor ist, kann als Trigger für einen Longtrade fungieren. (Vice versa bei einem Shorttrade.)

Vielleicht haben Sie ja zwischenzeitlich selbst mit dieser Methode auf den Preisverlauf der Märkte geschaut. Eines wird dabei sicher klar geworden sein: Wir brauchen weitere Filter, um potenzielle Trades zu selektieren, da sich sonst schlicht zu viele und qualitativ nicht immer hochwertige Handelsentscheidungen ergeben.

Eine dieser Möglichkeiten ist das Traden zu einem Gap bzw. von einem geschlossenen Gap weg. Letztere Möglichkeit möchte ich Ihnen an einem aktuellen Trade zeigen, welchen ich vorgestern im Währungspaar EUR/NZD umgesetzt habe.


EUR/NZD Daily

Nach den bisherigen Ausführungen sollte das Chartbild selbsterklärend sein. Hier aber noch mal die entscheidenden Punkte (von „links nach rechts“):

1.) Ende April riss der Markt ein Gap (linker Pfeil).

2.) Vom letzten Drittel des Monats Mai verlor der Markt an Dynamik und schloss am 27. Juni wieder das Gap sehr zielgenau.

3.) Die Tagekerze – sie war 22 Uhr für mich der Trigger einen Longtrade abzusetzen – war die größte bullische Kerze der gesamten Abwärtsbewegung zuvor. Der Stop Loss wird in einem solchen Fall unter das Tief der Kerze platziert.

Wer das gleiche Muster in einem anderen Chart noch studieren möchte: Schauen Sie sich mal den USD/JPY auf Tageskerzenbasis an. Hier sieht es etwas anders aus – und dennoch ist es gleich.

In der nächsten Kolumne werden wir uns mit „Unterstützungen“ und „Widerständen“ beschäftigen. Bis dahin Ihnen alles Gute und gute Trades!

Haftungsausschluss
Die hier gezeigten Analysen stellen keine Anlageberatung dar und sind daher auch keine Empfehlung zum Kauf bzw. zum Verkauf eines Wertpapiers, eines Terminkontraktes oder eines sonstigen Finanzinstrumentes. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können einen individuelles Beratungsgespräch nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    Lossless

    4. Juli 2017 17:33 at 17:33

    Lieber KSchubert,

    eine sehr angenehme Betrachtungsweise. Ich würde mir wünschen, mehr auf den Zeithorizont (Chartanalyse) einzugehen.

    Der nächste Part „Unterstützungen“ und „Widerstände“ sollte Pflicht sein. Freue mich sehr auf eine Fortsetzung.

    Beste Grüße
    Lossless

    • Avatar

      KSchubert

      4. Juli 2017 18:28 at 18:28

      Lieber Lossless,

      Danke Dir für deinen Kommentar – und schön, dass wir mal wieder voneinander hören und uns austauschen können :-)
      Was meinst Du mit „Zeithorizont“? Multitimeframe, großes und kleines Bild?

      Beste Grüße
      KSchubert

      • Avatar

        Lossless

        5. Juli 2017 20:52 at 20:52

        Dito KSchubert!

        Welches Timeframe und wie lange ist die Investmentkurve. Ist hier mehr der volatile oder der weniger volatile Markt der „BESSERE“? Währungen sind meist Märkte mit hohen Volumina und können Fehlsignale generieren. (Gibt es Fehlsignale und wenn ja wie sehen diese aus?)

        Welche Indikatoren beeinflussen Dein Investment?

        • Avatar

          KSchubert

          5. Juli 2017 21:33 at 21:33

          Also: Das Dax-Daytrading – von dem Du ja gut Bescheid weißt – läuft auf einem „anderen Kanal“. Was ich hier vorstelle, ist auf Tageskerzenbasis angelegt und kann so lange laufen, bis ein Gegensignal oder eine Marke (Wochen/Monats/Jahrestiefs oder auch Gaps) erreicht wird. Haltedauer: ca. 1-3 Wochen. Fehlsignale? Klar gibt es die…aber die Logik im oben geposteten Trade ist schon solide genug, um das Risiko einzugehen. Weitere „Indikatoren“ als der Preisverlauf im oben dargestellten Chart gibt es bei mir nicht…

          • Avatar

            Der Katamaransegler

            6. Juli 2017 00:11 at 00:11

            „weitere Indikatoren gbt es nicht“ –
            Grüezi Kollege Schubert,
            Ihre donnerstäglichen Siebenzeiler geben mir eine erste Idee Ihres Trading-Ansatzes, welchen Sie leider nur salamitaktisch uns Nichtwissenden als kleine Häppchen zu futtern geben.
            Bei mir kommt es so an:
            „Die Bullen laufen los- die Herde kommt in Gang – Die Herde beginnt über die Savanne zu trampeln.
            Ihr Tradingansatz ist das Vertrauen, das nichts und niemand diese Herde aufhalten kann.
            Späteinstieg in einen Trend.
            Einstieg, wenn bereits die Masse läuft.
            Warum nicht ? – Die Statistik steht auf Ihrer Seite.
            Sie sprechen von „Marken“. Gehen Sie noch weiter darauf ein, wie Sie diese Marken finden ?
            Fibo ? – Retracements ?
            In den von Ihnen genannten Märkten funktionieren sie recht gut. Aber Sie sagen ja: „Keine weiteren Indikatoren, Euer Ehren“ – somit auch keine Retracements ?
            Ich schätze Sie als erfahrenen Trader ein, und habe früher mehrfach über Ihre präzisen Voraussagen gestaunt.
            Manches in Ihrer Vorgehensweise erinnert an Markttechnik, mit der all die Voigts, die Lüdemänner und Co. die deutsche Traderlandschaft überschwemmen.
            Ihr Tradingansatz klingt ebenso plausibel wie unglaublich.
            Is It really That Simple ??
            Fast zu schön, um wahr zu sein.
            Kann man irgendwo mehr von Ihnen erfahren ?

            Gruss vom Segler (derzeit am Vierwaldstätter See .. naja .. See .. landschaftlich ein Traum – zweifelsohne … aber im Vergleich zur Nordsee halt eine Bergpfütze mit bisschen Lüftchen im Urner Becken)

  2. Avatar

    Lossless

    6. Juli 2017 12:24 at 12:24

    Wirklich eine sehr interessante Betrachtungsweise. Schließe mich Segler an „Kann man irgendwo mehr erfahren?“

    Es riecht nach 12133 im DAX. Was sagt Ihre Chartanalyse?

    • Avatar

      KSchubert

      6. Juli 2017 13:59 at 13:59

      ….der Dax, unser Lieblingskind: 12133? Hm, dann doch gleich die exakte Schließung des Macron-Gaps (mit Option etwas tiefer zu gehen) würde ich sagen.

      Was mich nicht wundern würde: Wenn wir im Bereich der oberen Gapkante (also wo wir praktisch momentan sind) bzw. zwischen dieser und dem Gap – dem Niemandsland – länger verweilen, als sich der ein oder andere vorstellen mag und wünschen würde. Damit würden effektiv noch ein paar Shorties rausgetrieben werden. Denn ich hatte es ja früher schon mal gepostet: Der Markt ist gerne ohne viele Passagiere unterwegs…

      Spannend ist es im Umfeld der morgigen NFPs definitiv.

      P.S.: Morgen kommt Teil III der Kolumne!

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Devisen

Türkische Lira: Abwertung nach Zinsanhebung – warum ist das passiert?

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Lira-Geldscheine

Die türkische Lira verliert diese Woche wieder deutlich an Boden. Es ist ein Desaster für alle die hofften, dass eine drastische Zinsanhebung durch die türkische Zentralbank auch eine Wende für die türkische Lira einleiten würde. Denn die wertet seit Jahren dramatisch ab. Aber wie gesagt, letzte Woche Donnerstag erhöhte die Zentralbank den Leitzins drastisch, um 4,75 Prozentpunkte auf volle 15 Prozent, um die Inflation in der Türkei einzudämmen.

Türkische Lira reagierte auf drastische Zinsanhebung

Genau dieser Schritt auf 15 Prozent war am Devisenmarkt erwartet worden. Entsprechend war die türkische Lira in den Tagen vorher schon gestiegen, und auch kurz nach der Zinsanhebung stieg die Lira weiter an gegen US-Dollar und Euro. USDTRY fiel von 7,67 auf 7,51. Also, alles lief nach Plan? Nein, die Lira begann wieder abzuwerten, und zwar deutlich – jetzt notiert USDTRY bei 7,91. Diese Woche Montag berichteten wir bereits darüber, dass vermutlich Inländer in der Türkei zwischenzeitlich die gestiegene türkische Lira dafür genutzt hatten, um zu besseren Kursen weiter US-Dollar und Euro zu kaufen. Dass die türkische Lira die letzten Tage ein echtes Eigenleben führte, erkannte man an einer fallenden Lira bei gleichzeitig fallendem Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen). Wenn der US-Dollar fällt, hat eigentlich alles was gegen ihn gehandelt wird, eine gute Chance zu steigen – aber nicht so die Lira in den letzten Tagen!

Warum die Zinsanhebung dennoch verpuffte

Denn die große Unsicherheit gegenüber der türkischen Politik und der Beeinflussung der Zentralbankpolitik ist wohl weiterhin vorhanden, und drückt gegen die türkische Lira. Ein Aspekt kommt aber hinzu, der nicht so direkt ins Auge fällt. Zwar hatte die Zentralbank den Leitzins letzte Woche wie gesagt drastisch angehoben von 10,25 Prozent auf 15 Prozent. Aber wie es zum Beispiel ein türkischer Kolumnist gestern erwähnte, so war es doch keine richtige, eindeutige Zinsanhebung. Denn andere Zinssätze der Zentralbank seien bereits vorher deutlich höher gewesen, bei beinahe 15 Prozent. Mit dieser Zinsanhebung hat die Zentralbank also sozusagen nur für eine Glättung und Vereinheitlichung ihrer Zinsen gesorgt. Vorher versuchte die Zentralbank zum Beispiel bereits die Abwertung der Lira zu stoppen, in dem man bei Derivaten mit höheren Zinskosten versuchte Spekulanten aus dem Ausland die Liquidität zu beschneiden.

Was kann man tun?

Müsste die türkische Zentralbank nun also den Leitzins erneut kräftig anheben, um ihrem Willen zur Inflationseindämmung Nachdruck zu verleihen? Könnte dies die türkische Lira zum Aufwerten bringen? Wichtig wäre wohl ein längeres Festhalten an hohen Zinsniveaus. Und eine klare Sprachregelung von Zentralbank und Präsident Erdogan wären wichtig, in der nicht mehr von Zinsen die Rede ist, die möglichst stark sinken sollen. Hat man am Devisenmarkt den Verdacht, dass die Zinsen nur für einen relativ kurzen Zeitraum oben bleiben? Dann könnte dies die Annahme bestärken, dass die Inflation in der Türkei nicht gebremst wird, was wiederum die türkische Lira schwächt. Es geht um Verlässlichkeit. Der Devisenmarkt will eine konstante und klare Linie sehen – so darf man es annehmen.

Die jetzige Vereinheitlichung des Zinsniveaus durch die Anhebung des Leitzinses sorgt für mehr Transparenz – aber es fehlt womöglich noch eine zweite kräftige Zinsanhebung. Auch hat die türkische Bankenaufsicht angekündigt Mindestausleihungen an türkische Banken nicht mehr vorzugeben. Diese galten unter anderem als ein Grund für die umfangreiche Kreditvergabe in der Türkei. Es wirkt derzeit so, als tue sich einiges in Sachen Transparenz und Normalisierung. Es ist ein Anfang. Es braucht viel Verlässlichkeit, Konstanz, Vertrauen, und wohl auch ein Unterlassen von Äußerungen von Präsident Erdogan über niedrigere Zinsen. Dazu vielleicht noch ein erneuter kräftiger Zinsschritt nach oben, und dann ein Durchhalten auf diesem Niveau. Dann könnte die türkische Lira auch anfangen nachhaltig wieder aufzuwerten? Im Chart sehen wir den Verlauf von US-Dollar vs Türkische Lira seit dem 13. November.

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira in den letzten Tagen

weiterlesen

Allgemein

Janet Yellen – wird sie den Dollar weiter abstürzen lassen?

Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Sind die USA auf den Spuren Japans?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden kehrt wieder etwas Berechenbarkeit in die amerikanische Politik zurück. Auch erkennbar an den ersten Postenbesetzungen im neuen Kabinett. Der Vorschlag für die Nachfolge Steven Mnuchins schlug in den letzten Tagen wie eine kleine Bombe in der Finanzszene ein, schließlich möchte der neue Präsident eine „altbewährte“ Ökonomin mit dieser Schlüsselposition besetzen: die ehemalige Präsidentin der Federal Reserve, Janet Yellen. Was heißt das für die künftige Geld- und Fiskalpolitik  – und amit für den Dollar?

Die Karriere der Janet Yellen

Mit der ehemaligen Wirtschaftsprofessorin wird eine Person vom Fach den Posten des obersten Geldverwalters oder korrekter der Geldverwalterin in den USA antreten, was in anderen Ländern nicht generell der Fall ist. Janet Yellen kam neben ihrer Lehrtätigkeit schon früh in Kontakt mit der US-Notenbank, wo sie bereits ab 1975 Mitarbeiterin beim Board of Governors im System der Federal Reserve gewesen ist. Von 1994 bis 1997 war sie Mitglied im Vorstand der Federal Reserve, anschließend wurde sie Vorsitzende des Rates der Wirtschaftsberater von US-Präsident Bill Clinton. Also eine Funktion, wie sie jüngst Larry Kudlow in besonderer Art und Weise ausgefüllt hat.

Von 2004 bis 2010 war sie Präsidentin der Fed von San Francisco, ab dem Jahr 2009 stimmberechtigtes Mitglied im Federal Open Market Committee. Im Jahr 2010 wurde sie zur Stellvertreterin von Fed-Chef Ben Bernanke ernannt und ab 2013 gelangte sie als erste Frau an die Spitze der bedeutendsten Zentralbank der Welt. Diese Position verlor sie als Demokratin nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten, der mit diesem Schritt einmal mehr von der bisherigen Tradition abwich. Ihr Nachfolger Jerome Powell ist bereits seit 2012 im Direktorium der Federal Reserve, somit dürften sich die neue Finanzministerin und der Fedchef sehr gut kennen. Janet Yellen ist mit dem Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften George A. Akerlof verheiratet – sie ist also privat und beruflich immer im Umfeld der Ökonomie.

Die „dovishe“ Janet Yellen

Für die Benennung der Wirtschaftsprofessorin als neue Finanzministerin hat der neue US-Präsident sicherlich mehrere Gründe: Zum einen gilt die Demokratin als sehr ausgleichend zwischen den Parteien, was nach Donald Trump sicherlich äußerst bedeutsam wird, und zum anderen wird sie eine Konnexion zwischen Politik und Notenbank gewährleisten, was in der jetzigen Verschuldungssituation sehr vonnöten ist. Die Regierung braucht den kurzen Draht zur Geldpolitik, eine Sonderstellung der Notenbank wäre in der kommenden Zeit sehr hinderlich. Die Märkte gehen von einer guten Weichenstellung aus, deshalb auch die erste positive Börsenreaktion. Die Tauben sind demnächst in den USA am Drücker – daher tendiert auch der Dollar wieder schwächer.

Des einen Freud, des anderen Leid

Was wird diese neue Konstellation Janet Yellen – Powell für geldpolitische Konsequenzen haben? Zunächst freut man sich an den Märkten, dass „der Kelch“ in Gestalt der linken Demokratin Elisabeth Warren an ihnen vorübergegangen ist. Deren während ihrer Kandidatur vorgetragenes Programm hätte die Wirtschaft und die Finanzmärkte eine Zeit in Wallung gebracht, denn ob Warren ihre Vorstellungen in die Tat hätte umsetzen können, steht auf einem anderen Blatt. Nach einer Corona-Schonfrist würden bald schon die Midterm Elections anstehen, die rasche Veränderungen im Kongress bringen können.

Wer sind die Profititeure, wer die Leittragenden?

Zunächst dürften die Finanzmärkte sich über eine weiterhin lockere Geldpolitik freuen, denn es sind zwei Tauben an den Schaltstellen, die über alles sinnieren werden, jedoch nicht über künftige Zinserhöhungen.

Bevor eine Massenimpfung eine echte Erleichterung am Arbeitsmarkt bringt – Stichwort: Maximum Employment – wird man vonseiten der Federal Reserve das Anleihekaufprogramm fortsetzen und retten, wo es zu retten gilt. Hinzu kommen wird der unbedingte Wille der Durchsetzung von Konjunkturprogrammen, speziell im Umweltbereich, einem zentralen Thema von Joe Biden, in dem er ganz besonders den neuen Wind nach Trump symbolisieren könnte. Was nichts anderes bedeutet, als weiter die Verschuldung nach oben zu treiben, auch unter Inkaufnahme einer ansteigenden Inflation. Sowohl Fed-Chef Powell als auch die mögliche neue Finanzministerin haben eine gewisse Flexibilität mit einer höheren Inflationsrate bekundet. Niedrige Zinsen, bei steigender Teuerungsrate – damit wird deutlich, wer dabei besonders leiden könnte: der Dollar!

Aber in der jetzigen Situation kommen einige frühere Bemerkungen von Janet Yellen ins Gedächtnis, wenn es um die Bewältigung einer Rezession geht. Bereits auf einer Konferenz im September 2016 brachte die damalige Notenbankchefin den Gedanke von neuen Instrumenten ins Spiel, die die Fed zur Bewältigung einer Wirtschaftsschrumpfung benötigen könnte: Ankauf von Firmenbonds und Aktien. Letzteres wiederholte sie in diesem Jahr bei einem Interview im April. Die USA auf den Spuren Japans, was für ein Gedanke! Diesen Gedanken hatte unser Autor bei FMW, Hannes Zipfel, in seinem bemerkenswerten Artikel vom 30.6.2020 schon ins Spiel gebracht („Aktienmarkt: Verlassen Sie sich auf die Fed“!)

Fazit

Noch ist es zu früh irgendwelche Schlussfolgerungen über ungelegte Eier anzustellen. Aber eines dürfte klar sein: Bei zwei Verfechtern einer lockeren Geldpolitik wird es von innen heraus keine große Änderung in der Fiskal- und Geldpolitik geben. Das Zusammenspiel zweier Vertreter einer taubenhaften Geldpolitik wird in der jetzigen Lage den monetären Impuls nicht ohne Not verringern.

Und von woher könnte eine solche Notsituation kommen? Eher nicht von einer opulent anspringenden Wirtschaft, die ohne Stütze auskommt, sondern eher von der Inflation, die nun schon ein Jahrzehnt wie tot erscheint. Aber in diesem Zeitraum haben die Notenbanken weltweit auch nicht sieben Billionen Dollar binnen eines Dreivierteljahres ins System geschleust.

Wird die dovishe Janet Yellen den Dollar weiter schwächen?

weiterlesen

Devisen

Schweizer Franken: Warum die Aufwertung erst einmal unterbrochen ist

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Eine Franken-Münze

Der Schweizer Franken soll doch bitte nach Möglichkeit schön abwerten. So lautet jedenfalls seit Jahren die Hoffnung und das Drängen der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Denn je höher der Franken notiert, desto teurer werden Schweizer Produkte im Ausland, und desto teurer wird der Urlaub für Ausländer in der Schweiz. Beides ist natürlich Gift für die schweizerische Volkswirtschaft. Und so versucht die SNB seit Jahren mit gigantischen Summen an selbst gedruckten Schweizer Franken etwas zu tun. Sie verkauft diese Franken und kauft dafür vor allem den Euro, aber auch den US-Dollar.

So will die SNB die Aufwertung des Schweizer Franken verhindern. Aber der Devisenmarkt war mit Blick auf die letzten Jahre stärker als die SNB, und der Franken blieb zu stark. So druckte die SNB immer weiter. Dann kam die Coronakrise. Und die Welt suchte unter anderem ihr Heil in der Flucht in die schweizerische Währung, die als einer der letzten sicheren Fluchthäfen gilt. Laut jüngsten Meldungen hat die SNB geäußert, dass sie alleine im ersten Halbjahr 2020 eine Summe von 90 Milliarden Schweizer Franken einsetzte um die Aufwertung zu bremsen.

Schweizer Franken als Spielball der Coronakrise

Der folgende Chart zeigt den Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken in den letzten zwölf Monaten. Man sieht bis Mai den fallenden Euro (von 1,08 bis 1,05), also eine klare Franken-Aufwertung. Dies zeigte in der schlimmsten Corona-Krisenzeit den Drang der Märkte in Richtung Schweiz. In den Monaten danach folgte der Rückgang der Corona-Infektionszahlen, und der Euro konnte sich wieder erholen – der Franken wertete wieder ab auf Niveaus um die 1,08. Aber im Oktober sieht man im Chart den Rückgang im EURCHF, korrespondierend mit dem Aufkommen der zweiten Corona-Welle.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit Ende 2019

Der folgende Chart zeigt den Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit dem 27. Oktober. Nicht zu übersehen ist der EURCHF-Anstieg am 9. November von 1,07 auf 1,0820. An diesem Tag gab es die erste richtige Corona-Impfstoff-Meldung von Biontech und Pfizer. Die Aktienmärkte und der Ölpreis stiegen kräftig, in Hoffnung auf eine deutlich schnellere Konjunkturerholung. Der Goldpreis (sicherer Hafen) fiel drastisch um mehr als 100 Dollar, und auch der Schweizer Franken als sicherer Hafen in Krisenzeiten reagierte genau an diesem Tag mit einer Abwertung. Sie hält (wie der Chart zeigt) bis heute an. Fürs Erste scheinen die seit drei Wochen anhaltenden guten Impfstoff-Meldungen sowie die nun doch geregelte Amtsübergabe zwischen Donald Trump und Joe Biden die Anleger weltweit dazu zu bringen, mehr Risiko eingehen zu wollen (Risk On-Szenario). Das schwächt erst einmal die Save-Haven-Assets wie Gold und Schweizer Franken. Die SNB dürfte fürs Erste ein wenig aufatmen.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit Ende Oktober

Nie den Drang hin zum Fränkli unterschätzen

Das größere Bild zeigt, dass der Schweizer Franken seit dem Jahr 2018 in einem klaren Aufwertungstrend liegt (EURCHF damals noch bei 1,20). Dieser Trend wurde erst ab Juni diesen Jahres gebremst. Es kann jetzt zu einer weiteren Franken-Abwertung kommen im Zuge der Impfstoff-Verteilung in den nächsten Monaten. Aber den globalen Drang hin zum Fränkli, den sollte man langfristig im großen Bild gesehen nicht unterschätzen.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage