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Trendumkehr im Dax – was können Anleger nun erwarten?

Trendumkehr im Dax – was können Anleger nun erwarten?

Der Dax setzt seine eindrucksvolle Erholungsrally weiter fort. Von seinem Tiefpunkt in der vergangenen Handelswoche bei 12.438 Punkten hat er in der Spitze fast 2.000 Punkte wieder gutgemacht. Ist der Bärenmarkt also schon vorbei? Aus technischer Sicht hat er mit dem Ausbruch über den lokalen Hochs bei circa 14.100 Punkten jedenfalls ein positives Signal geliefert. Aus fundamentaler Sicht bleibt die Lage aber äußerst angespannt.

Die bevorstehende Zinswende und ein drohender geldpolitischer Straffungskurs haben den Grundstein für die jüngste Korrektur im Deutschen Aktienindex gelegt. Der Beginn des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine und seine Folgen haben schließlich das Fass zum Überlaufen gebracht. In der Folge stürzte der Dax von seinem Allzeithoch bei 16.295 Punkten direkt in einen Bärenmarkt, verlor also mehr als 20 Prozent in kürzester Zeit.

Fortschritte im Ukraine-Konflikt – ist das die Wende für die Märkte?

Nachdem der Dax um knapp 24 Prozent eingebrochen ist, macht er sich nun wieder gen Norden auf. Innerhalb von nur sieben Handelstagen legte er um 16 Prozent zu und notiert damit nur noch 3% niedriger als vor dem Ukraine-Krieg. Es scheint fast so als ob die Marktteilnehmer davon ausgehen, dass wir wie nach dem Corona-Crash eine V-Erholung sehen.

Zuletzt haben Verhandlungsführer der ukrainischen und russischen Seite immer wieder Hoffnung verbreitet und so die Erholungsrally befeuert. Aber von den schönen Worten wurde bisher nichts in die Tat umgesetzt – der Krieg tobt immer noch bitterlich in der Ukraine. Heute tauchten aber zwei Meldungen auf, die wirklich ernsthafte Fortschritte bei den Verhandlungen aufzeigen. Zum einen hat Russlands Außenminister Lawrow gesagt, dass es „Hoffnung auf Kompromisse“ gäbe und man sich in einigen Punkten einig sei. Zudem hat der ukrainische Verhandlungsführer Mychajlo Podoljak per Twitter mitgeteilt, dass ein Modell für Sicherheitsgarantien auf dem Verhandlungstisch liegt. Die positiven Fortschritte führen folglich zu der Rally-Fortsetzung im Dax.

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Dax: Die Risiken bleiben

Wir alle wünschen uns eine Lösung im Ukraine-Konflikt, aber wäre damit aus markttechnischer Sicht alles wieder gut? Eher nicht, denn das Tischtuch mit Putin ist zerschnitten, für den Westen gibt es eigentlich kein Weg mehr zurück. Ein Großteil der Sanktionen würde wohl bestehen bleiben und damit die Wirtschaft in Europa weiter belasten. Bis Deutschland sich von der Abhängigkeit Russlands löst, gehen noch einige Jahre ins Land. Zudem sind die Alternativen zu Öl und Gas teuer.

Die Preise für Energie und Rohstoffe dürften also hoch bleiben. Was wiederum die Inflationsgefahr nicht mindert und eine geldpolitische Wende unabdingbar macht. Der monetäre Klimawandel in den USA dürfte auch am Dax nicht vorbeigehen. Die US-Notenbank Fed wird die Zinswende heute einleiten, auch die EZB kann sich nicht ewig davor drücken. Händler sollten die Termine um 19:00 und 19:30 Uhr auf dem Schirm haben. Die Notenbanksitzung liefert neue Hinweise und kann die Märkte in Bewegung bringen.

Die restriktive Geldpolitik der Fed und anderer Notenbanken wird den Druck auf die Margen erhöhen. Damit dürfte klar sein, dass die Gewinnmargen der Unternehmen in den nächsten Monaten geringer ausfallen. Denn die Erzeugerpreise nehmen weiter zu und können nur zum Teil auf die Verbraucher umgewälzt werden. Schon in der kommenden Berichtssaison könnte es daher auch unternehmensseitig zu herben Enttäuschungen kommen.

Blick auf die Charttechnik

Wie gesagt, aus technischer Sicht hat der Dax mit dem Ausbruch über den Verlaufshochs bei 14.100 Punkten ein bullisches Signal geliefert. Außerdem ist ihm damit eine Trendumkehr gelungen. Infolgedessen könnte sich zwar die Erholung noch ein Stück fortsetzen, aber allzu große Hoffnungen sollten sich Anleger noch nicht machen. Natürlich besteht die Möglichkeit, dass wir die Tiefs bereits gesehen haben und der Dax nun einen neuen Aufwärtsimpuls begonnen hat. In Anbetracht der angespannten fundamentalen Lage sollten sich Anleger dennoch nicht zu zu früh freuen. Denn vieles deutet darauf hin, dass wir uns nicht in einem neuen Aufwärtsimpuls befinden, sondern lediglich in einer dreiwelligen Aufwärtskorrektur (ABC-Korrektur). Die Ziele für dieses Szenario befinden sich im Bereich von 14.540 (127,2% Ext.) und 15.120 Punkte (161,8%). Bereits das Ziel bei 15.120 Punkten scheint sehr optimistisch zu sein, da im Bereich von 14.800 Punkten ein massiver Wiederstand auf den Dax wartet.

Dax Erholung: Ziele und Ausblick



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