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Tricks um Aktien besser aussehen zu lassen, als sie es tatsächlich sind

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Erst gestern berichtete ich über das Research- und Shortselling-Unternehmen Muddy Waters, das permanent Ausschau hält nach potenziell betrügerisch agierenden Unternehmen. Deren Aktien werden dann leer verkauft und damit auf fallende Kurse spekuliert. Am gleichen Tag reichten in den USA Aktionäre eine Klage gegen Nvidia ein, weil die in ihren Quartalsberichten die Unternehmenszahlen besser aussehen ließen, als sie tatsächlich waren. Zeit, einmal die beliebtesten Tricks zusammenzufassen, mit denen Unternehmen tricksen, um Aktionäre hinters Licht zu führen.

Nvidia nannte womöglich falsche Kunden für echte Verkäufe um seine Aktien zu stützen

Im Vergleich zu Luckin Coffee, die von Muddy Waters Ende Januar des Bilanzbetruges bezichtigt wurden, sind die Anschuldigungen gegen Nvidia nicht sehr schwerwiegend. Luckin Coffee erfand offenbar einfach Umsätze, die gar nicht existierten, wie sich im April herausstellte. Nvidia hat nach Ansicht der Kläger lediglich real existierende Umsätze den falschen Käufergruppen zugeordnet.

Nvidia und auch AMD waren bis 2018 Profiteure des Hypes um Kryptowährungen. Die konnten auf hoch parallelisiert arbeitenden Grafikkarten besonders effizient erzeugt werden. Nvidia machte daher Milliardenumsätze mit dem Verkauf von Grafikkarten an Kryptominer. Allen inklusive Nvidia war klar, dass es sich dabei um kein langfristig tragfähiges Geschäftsmodell handeln würde. Sobald der Preis für Kryptowährungen einbrechen oder der Rechenaufwand zum Erzeugen neuer Währungseinheiten zu hoch werden würde, wäre die Nachfrage aus der Szene von heute auf morgen verschwunden. Und genau so kam es auch – gleich beides zusammen. Nvidia wollte aber offenbar verschleiern, in welchem Umfang der hohe Aktienkurs von den Kryptominern abhing.

Das Erzeugen neuer Token auf Grafikkarten war zwar effizient, doch die Miner entwickelten hoch spezialisierte Chips, die einzig und allein auf die Aufgabe des Minings zugeschnitten waren. Damit konnten Grafikchips nicht mehr konkurrieren. Gleichzeitig crashte der Markt Ende 2017. Nvidia büßte Umsätze ein, die Aktie crashte gleich mit. Da diese Entwicklung absehbar war, wies Nvidia die mit dem Verkauf von Chips an Kryptominer erzielten Umsätze separat aus. So sollten Anleger selbst erkennen können, welcher Umsatzanteil mit dem kurzlebigen Geschäft der Kryptowährungen und welcher Teil mit dem langfristig relativ stabilen Geschäft mit Grafikkarten für Spieler und Medienschaffende und Rechenbeschleunigern für Server und Supercomputer erzielt wird. Die Kläger behaupten nun, Nvidia hätte wissentlich den auf Kryptowährungen entfallenden Umsatzanteil zu klein und den auf andere Nachfrager entfallenden Teil zu hoch ausgewiesen. Damit wäre der Eindruck entstanden, das langfristige Geschäft wachse stärker, als es tatsächlich der Fall war.

Das sind die üblichen, legalen Bilanztricks zur Aktienkurs-Stützung

Es gibt noch diverse andere, legale, Tricks, mit denen Unternehmen ihre Bilanzen schönen, um ihre Aktienkurse zu schützen. Zum Beispiel das Verlängern von Abschreibungsfristen erhöht sofort den Unternehmensgewinn Wenn die Abschreibung den Verschleiß nicht korrekt widerspiegelt und das abzuschreibende Gut verschlissen ist, bevor es vollständig abgeschrieben wurde, dann droht ein unerwarteter Verlust. Zudem stehen in der Bilanz höhere Werte für z.B. den Maschinenpark, als er in der Realität tatsächlich realisierbar wäre.

Cashbestand wird für Quartalszahlen optimiert

Was Tesla sehr gern anwendet, ist das Herumspielen mit Zahlungszielen. Tesla hat das komplette Unternehmen darauf getrimmt, zum Quartalsende ein Maximum an Cash auszuweisen. Rechnungen werden aufgetürmt und nicht bezahlt, eigene Forderungen dagegen möglichst zum Quartalsende eingetrieben. Tesla versucht zudem, möglichst den gesamten Fahrzeugbestand pünktlich zum Quartsalsende zu verkaufen und nimmt dafür auch diverse Ineffizienzen in Kauf. Theoretisch sollte das Erkaufen hoher Pseudo-Cashbestände mit Ineffizienzen schlecht für den Aktienkurs sein. Doch dazu müssten die Aktionäre das Spiel durchschauen.Dass innerhalb des Quartals der Cashbestand nicht ansatzweise so hoch ist wie zum Quartalsende, kann leicht anhand der in der Bilanz ausgewiesenen Zinseinnahmen herausgefunden werden. Die sind für den ausgewiesenen Betrag viel zu niedrig und deuten an, dass der Bestand im Quartalsdurchschnitt eher halb so hoch ist wie am Quartalsende.

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2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Segler

    20. Mai 2020 11:28 at 11:28

    Hallo Herr Schumanns – Danke für Ihren Bericht mit den vielen Hintergrundinformationen !

  2. Avatar

    thinkSelf

    20. Mai 2020 11:51 at 11:51

    Ein guter Freund (Bilanzfachmann mit jahrzehntelanger Erfahrung) hat mir das mal in zwei kurzen Statements erklärt:
    1. Bilanzen sind hoch wissenschaftliche Analysen auf einer frei erfundenen Datenbasis.
    2. Ich weise dir noch bis drei Tage vor der Insolvenz einen Gewinn aus, ohne gegen irgend ein Gesetz oder eine Regel zu verstoßen.

    Das wird noch durch meine Erfahrung unterstützt, dass Unternehmen häufig überhaupt keine Ahnung davon haben, wo ihre Kosten entstehen, wo ihre Erlöse herkommen und wie beides zusammenhängt.
    So ist die Verwechselung von Umsatz und Gewinn, bzw. die Unfähigkeit zwischen einer Eigenkapital- und einer Umsatzrendite nicht unterscheiden zu können auch bei Geschäftsführern und Vorständen durchaus ein gar nicht so seltenes Phänomen.

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Jetzt knallt´s! Trump gegen Twitter&Co – Folgen für die Aktienmärkte?

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Der Kampf zwischen Donald Trump und Twitter erreicht eine neue Dimension – wie reagiert der US-Präsident auf die neuerliche Markierung seines Tweets? Und welche Folgen hat das für die Aktienmärkte?

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Geldanlage: Dieser Mix bringt seit 120 Jahren die besten Renditen!

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Geldanlage mit mehr oder weniger Risiko? Der Mix macht´s

Wenn sich eine Schweizer Bank mit Professoren aus London und Cambridge zusammentut, um langfristige Rendite-Entwicklungen verschiedener Anlageklassen über 120 Jahre zu untersuchen, dann sollten Anleger das Ergebnis genau studieren. Denn was 120 Jahre lang gute Renditen abwarf, ist aller Wahrscheinlichkeit nach auch die richtige Wahl für Ihre Geldanlage. Schauen wir uns also an, was die Credit Suisse herausfand.

Wenig überraschend lautet das Ergebnis, dass Aktien global gesehen vor Anleihen und vor Geldmarktpapieren liegen. Um die Inflation bereinigt, warfen Aktien seit dem Jahr 1900 jährlich eine Rendite von 5,2% ab. Anleihen, in die Versicherungen und Pensionsfonds besonders große Anteile des Anlagevermögens investieren, kamen hingegen nur auf 2%. Die vor allem zum kurzfristigen Parken von Cash-Reserven genutzten Geldmarktpapiere, in dem Fall Schatzwechsel, brachten es als ein Instrument der Geldanlage hingegen nur auf 0,8%.

In Japan liegen Aktien mit Anleihen seit 50 Jahren fast gleichauf bei der Geldanlage

Nun könnten sich alle Aktionäre beruhigt zurücklehnen und darauf hoffen, dass sie mit ihrer Geldanlage in 50 Jahren reich sein werden. Doch so einfach ist es nicht. Denken wir nur an folgendes Szenario: Aktien crashen und laufen dann für Jahrzehnte seitwärts. Dass das kein Szenario aus dem Märchenbuch oder von weitgehend unbekannten Märkten in irgendwelchen Schwellenländern ist, zeigt Japan. Dort ist genau das passiert.

Die Einzelauswertung für Japan zeigt, dass Aktien als Geldanlage über 120 Jahre gesehen dann immer noch eine üppige Rendite abwerfen. Doch 120 Jahre werden nur die wenigsten Anleger alt. Auf Sicht von 50 Jahren liegen in Japan bereits die Anleihen vorn, wenn auch knapp mit 3,8% zu 3,6% Rendite. Auf Sicht von 20 Jahren ist die mit Anleihen erzielte Rendite in Japan jedoch den Aktien meilenweit voraus. Während Aktienbesitzer nur eine Realrendite von 1,5% erzielen konnten, spielten Anleihen 3,7% pro Jahr ein. Geldmarktpapiere sind im Japan-Szenario in allen Zeithorizonten Kapitalvernichter gewesen. In 120 Jahren verloren Geldmarkt-Anleger 1,8% Realrendite pro Jahr. In 20 Jahren immerhin noch 0,1%. Nur auf Sicht von 50 Jahren konnte eine Mini-Rendite von 0,2% eingefahren werden.

Weltweit brachten Anleihen in 20 Jahren kaum noch Mehr-Rendite

OK, nun mag Japan ein besonderer Fall sein, oder nicht? Nein, weltweit haben Anleihen bei der Geldanlage Aktien in den vergangenen 20 Jahren geschlagen. Global gesehen konnten Anleger seit dem Jahr 2000 mit Anleihen 4,8% verdienen, mit Aktien jedoch nur 3,1%. Auch auf Sicht von 50 Jahren ist der Rendite-Vorsprung von Aktien nicht mehr so üppig, wie man glauben könnte. 5,5% für Aktien vs. 4,8% für Anleihen dürften den einen oder anderen Anleger zum Nachdenken bringen. Lohnt sich das höhere Risiko von Aktien wirklich, wenn auf Sicht von 50 Jahren nur ein Renditevorsprung von 0,7 Prozentpunkten pro Jahr dabei herausspringt?

Von allen untersuchten Märkten schaffte es nur einer, auch in den vergangenen 20 Jahren mit Aktien eine deutliche Mehr-Rendite gegenüber Anleihen zu erzielen: China. 9,6% Real-Rendite mit Aktien stehen nur 3,1% Real-Rendite mit Anleihen gegenüber. Doch Chinas Markt gleicht inzwischen weitgehend dem Japans, Westeuropas oder dem der USA: Die Unternehmen zeigen nur noch mageres Gewinnwachstum, die Wirtschaft wächst kaum noch, doch die Schulden steigen unaufhörlich. Das hat auch Folgen für die Geldanlage!

Geldanlage-Strategie für China: Anleihen kaufen!

Auch bei den Zinsen geht China bereits den westlichen und japanischen Weg. Der Leitzins sank von 5,1% im Mai 2015 auf 3,85% im Mai 2020 und erwartet wird eine weitere Absenkung auf 3,7% bis zum Quartalsende. Sinkende Zinsen bedeuten gleichzeitig auch steigende Preise für bereits früher herausgegebene Anleihen. Je länger die Restlaufzeit der Anleihen ist und je stärker die Zinsen sinken, umso größere Kurszuwächse kann ein Anleger mit diesen Papieren erzielen.

Eine aussichtsreiche Anlage-Strategie kann also darin bestehen, jetzt auf chinesische Anleihen zu setzen und sinkende Zinsen sowie damit einhergehend steigende Anleihe-Preise zu erwarten! Insgesamt erwarten die Studien-Autoren weltweit sinkende Real-Renditen in allen Anlage-Klassen. Je niedriger die Realzinsen sind, also die gezahlten Zinsen abzüglich Inflation, umso geringer würden auch die Real-Renditen der verschiedenen Anlageklassen ausfallen. Die Bäume wachsen bei der Geldanlage inzwischen nicht mehr in den Himmel. Zu erwarten sind künftig wohl eher bodennahe Sträucher.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – “Warten auf Trump”

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Ja, wie zutreffend ist die Headline zu seinem aktuellen Video! Der ganze Markt wartet aktuell auf die Trump-PK zu den erwarteten Reaktionen auf Chinas Sicherheitsgesetz.

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