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Konsum bleibt Schwachstelle Trotz Deflation: China stabilisiert sich

Energienachfrage sinkt durch Elektromobilität

China stabilisiert sich trotz Deflation
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Preise und Gewinne bleiben in China unter Druck. Doch unter der Oberfläche verschiebt sich Chinas Wachstum in Richtung Technologie und Export.

Trotz Deflation: China stabilisiert sich

Chinas Wirtschaft zeigt zum Jahresende 2025 erste Anzeichen einer Stabilisierung. Die jüngsten Daten zu Verbraucherpreisen, Produzentenpreisen und Industriegewinnen zeugen von Stillstand mit Verschiebungen unter der Oberfläche. Die Deflation verliert an Schärfe, verschwindet aber nicht. Das Wachstum wiederum verlagert sich, statt breit zurückzukehren.

Verbraucherpreise bleiben Schwachstelle

Der Verbraucherpreisindex liefert dafür einen guten Einstieg. Im letzten Dezember lag der CPI bei plus 0,8 Prozent im Jahresvergleich. Das ist der höchste Wert seit fast drei Jahren und der dritte Monat mit positiven Raten. Auf Monatssicht stiegen die Preise um 0,2 Prozent. Der entscheidende Punkt liegt jedoch im Jahresdurchschnitt. Über das gesamte Jahr gerechnet blieb der CPI bei null. Das offizielle Inflationsziel von rund zwei Prozent rückte damit erneut außer Reichweite. Von einer spürbaren Belebung der Inlandsnachfrage fehlt jede Spur.

Lebensmittelpreise zogen zum Jahresende an, vor allem bei frischem Gemüse und Obst. Schweinefleisch blieb im Minus, wenn auch weniger stark als zuvor. Außerhalb des Nahrungsmittelbereichs zeigte sich ein gemischtes Bild. Außerhalb des Nahrungsmittelbereichs zeigte sich ein gemischtes Bild. Stabilität kam vor allem von Gebrauchsgütern wie Haushaltsgeräten, die durch staatliche Austauschprogramme gestützt wurden. Der Kernindex ohne Energie und Lebensmittel lag mit 1,2 Prozent über der Einprozentmarke. Das signalisiert etwas mehr Grundspannung, aber kein echtes Nachfragefeuer.

Energienachfrage sinkt durch Elektromobilität

Besonders aufschlussreich ist der Bereich Transport und Kommunikation. Dort sanken die Preise um 2,6 Prozent im Jahresvergleich. Der Boom der Elektrofahrzeuge wirkt hier direkt und indirekt deflationär. China ist längst der größte EV-Markt der Welt. 2025 lag der Anteil der Autos mit alternativen Antrieben (NEV) an den Neuzulassungen dauerhaft über 50 Prozent. Gleichzeitig tobten massive Preiskämpfe. Hersteller senkten Preise zweistellig, teils mit Rabatten von bis zu 15 Prozent.

Das drückte die Preise für Fahrzeuge im CPI um 1,9 Prozent. Subventionen und staatlich geförderte Austauschprogramme verstärkten diesen Effekt. Überkapazitäten in der Produktion führten zu Wettbewerb, der sich fast ausschließlich über den Preis abspielte. Genau hier zeigt sich das Problem. Sinkende Preise ersetzen keine steigende Nachfrage.
Noch stärker fiel der Effekt bei Kraftstoffen aus. Benzinpreise lagen 8,2 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Der rapide Anstieg der EV-Flotte senkte den Verbrauch fossiler Kraftstoffe spürbar. Selbst saisonale Nachfragespitzen blieben letztes Jahr aus. Globale Faktoren wie stabile Ölpreise verstärkten den Druck. Der Übergang zur Elektromobilität senkt langfristig Importabhängigkeiten, wirkt kurzfristig jedoch klar deflationär.

Industrie in China leidet weiter unter Preisdruck

Diese Entwicklung schlägt direkt auf den Produzentenpreisindex durch. Der PPI lag im Dezember bei minus 1,9 Prozent. Zwar war das der geringste Rückgang seit Monaten, doch im Jahresdurchschnitt 2025 stand ein Minus von 2,6 Prozent. Damit erlebte China die längste Phase industrieller Deflation seit den neunziger Jahren. Besonders betroffen waren Rohstoffe, Bergbau und energieintensive Industrien. Kohle, Ölverarbeitung und Chemiefasern verzeichneten teils massive Preisrückgänge. Ausnahmen bildeten Nichteisenmetalle wie Kupfer und Aluminium, gestützt durch Nachfrage aus grünen Technologien.

Die Industriegewinne fassen diese Spannungen zusammen. Von Januar bis November stiegen sie kumuliert um gerade einmal 0,1 Prozent. Im November allein brachen sie um 13,1 Prozent ein. Margen schrumpften, Kosten wuchsen schneller als die Umsätze. Lagerbestände und Forderungen nahmen zu, ein klassisches Zeichen schwacher Endnachfrage. Die Verschuldungsquote stieg leicht.

Auch hier zeigt sich ein klarer Dualismus. Traditionelle Sektoren wie Bergbau, Chemie und Textilindustrie verloren deutlich. Gleichzeitig wuchsen Gewinne in der Elektronik, im Fahrzeugbau und bei Spezialmaschinen. Ausländisch investierte Unternehmen schnitten besser ab als staatliche oder private Firmen. Exporte und Technologie tragen, der Binnenmarkt nicht.

Die Verbindung zwischen CPI, PPI und Gewinnen ergibt ein geschlossenes Bild. Schwacher Konsum drückt Preise. Niedrige Preise belasten Margen. Geringe Margen bremsen Investitionen. Der EV-Boom steht exemplarisch dafür. Er treibt Innovation, Exporte und technologische Führungsansprüche. Zugleich verschärft er Preisdruck, belastet Energieindustrien und hält die Inflation niedrig.

Insgesamt befindet sich Chinas Wirtschaft in einer Übergangsphase. Die deflationäre Schwäche verliert an Kraft, während Wachstum zunehmend aus technologiegetriebenen Sektoren kommt. Dieser Wandel trägt Exporte und Teile der Industrie, ersetzt aber keinen tragfähigen Binnenmarkt. Solange Konsum und Vertrauen der privaten Haushalte nicht deutlich anziehen, bleibt die Erholung schmal abgestützt und anfällig. Der strukturelle Umbau schreitet voran, doch ohne eine breitere Nachfragebasis fehlt ihm das Fundament für dauerhafte Stabilität.



Dói Ennoson

Über den RedakteurDói Ennoson

Dói Ennoson schreibt unter einem Pseudonym. Er ist China-Experte und vermittelt tiefgreifende Einblicke in das Reich der Mitte.

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1 Kommentar

  1. Die Investmentbanking-Analysten von Goldman Sachs prognostizieren für China eine Verlangsamung des Ölwachstums im Jahr 2026.

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