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Trudeau und die Trucker: Über die Verrohung politischer Kultur

Kanadas Premierminister Justin Trudeau ist nicht zu beneiden: Die Trucker harren in Ottawa nun schon seit drei Wochen aus

Kanadas Premierminister Justin Trudeau ist nicht zu beneiden: Die Trucker harren in Ottawa nun schon seit drei Wochen aus und legen mit ihren Riesen-Trucks weite Teile der kanadischen Hauptstadt lahm. Der Hintergrund ihres Protestes: viele Trucker, welche sich nicht impfen lassen wollen, rechnen mit einem faktischen Berufsverbot, sollte die kanadische Regierung sich anschicken, die allgemeine Impflicht, die Gesetz ist, tatsächlich durchzusetzen.

Dazu muss man wissen: In Kanada – wie auch in den USA – sind viele LKW-Fahrer keine Angestellten großer Logistik-Unternehmen. Sie sind stattdessen häufig selbständige Freiberufler. Ihr wertvollster Besitz stellt dann ihr Truck dar, mit dem sie Frau und Kinder ernähren. Was als Protest gegen die Impfpflicht begann, ist inzwischen eine landesweite Bewegung gegen die amtierende liberaldemokratische Regierung unter Führung ihres Premierministers Trudeau.

Die konservative Opposition fordert Trudeau zum Dialog mit den Demonstranten auf. In Teilen teilt sie inhaltlich die Ziele der Trucker hinsichtlich deren Forderung, alle Corona-Distriktionen fallen zu lassen. Inzwischen hat die Regierung die Auseinandersetzung zu einer Krise der Demokratie gemacht und das Emergencies Act ausgerufen, das Notstandsgesetz, welches im Kern eine Art Kriegsrecht beinhaltet und tatsächlich aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stammt.

Trudeau: Trucker sind SWASTICAs

Wer die politische Berichterstattung in Kanadas Medien oder den großen US-Fernsehanstalten FOX NEWS oder CNBC verfolgt, kann mitunter den Eindruck gewinnen, hier werde über vollkommen getrennte Ereignisse berichtet statt über ein- und dasselbe. Im Getümmel des schrillen Meinungskampfes hat man als außenstehender Beobachter zunehmend Mühe, politische Meinungsmache von valider Information zu unterscheiden. Hier hilft ein Blick ins kanadische Parlament, der Herzkammer der 38-Millionen Demokratie. Wie in Großbritannien werden auch in Kanada Parlamentsdebatten stundenlang übertragen. So auch am Mittwoch, den 16. Februar 2022 (https://www.youtube.com/watch?v=pmQghqnni4k).

Ab Timecode 0:45 sieht man Trudeau (er wirkt sympatisch und sieht sehr gut aus, fast wie ein Dressman), wie er die konservative Parlamentsopposition in Bausch und Bogen zu Sympatisanten von SWASTIKAs stempelt. Die Swastika ist das Hakenkreuz. Trudeau meint also, wer die Trucker unterstütze, unterstütze der Sache nach NAZIs. Der Abgeordneten, der Trudeau sein Verdikt entgegenschleuderte, ist Mellissa Lantsman, 37 Jahre alt. Frau Lantsman gehört der konservativen Partei an. Ihre Großeltern haben den Holocaust überlebt. Nach dem Zweiten Weltkrieg emigrierten sie nach Kanada, wie so viele überlebende Juden.

30 Einsätze über Nazi-Deutschland

Geistesgegenwärtig springt ein Parteifreund, Dane Lloyd, Mellissa Lantsman zur Seite (Timecode 1:40): Sein Großvater hätte 30 Einsätze über Nazi-Deutschland geflogen. Er liegt auf dem Boden des Ärmelkanals. Er fordert den Premierminister Trudeau aufgebracht auf, seine verbale Entgleisung zurückzunehmen und sich bei allen Mitgliedern des Hohen Hauses, egal welcher Partei, in aller Form zu entschuldigen.

Trudeau, dem sichtlich schwant, was er hier angerichtet hat und in welche Sackgasse er sich gerade manövriert, wiederholt seine Vorwürfe allerdings aufs Neue, wenn auch nicht wörtlich (Timecode 2:25). Nun ist der Eklat perfekt. Trudeau wird von der Gegenseite insgesamt dreimal aufgefordert, seine verbale Entgleisung zurückzunehmen. Um dem drohenden Parlamentsverweis durch den Speaker, den Parlamentspräsidenten, zuvorzukommen, verlässt er vorsichtshalber lautlos den tumultuarischen Schlagabtausch zwischen Regierungspartei und Opposition. Trudeau konnte durch seine Flucht aus dem Parlament zwar vernichtende Schlagzeilen abwenden (etwa: Parlamentsverweis für Prime Minister). Seinen Gesichtsverlust abwenden konnte er jedoch nicht.



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3 Kommentare

  1. Das passiert wenn man die Young Leader des Weltwirtschaftsforums auf die Menschheit loslässt. Mit liberal und Demokratie haben die nicht viel am Hut.

    1. kurz und bündig formuliert von Dir >> es stimmt absolut

  2. Vielen Dank für diesen Artikel. Er tut mir sehr gut. Trudeau, der noch bis vor Kurzem bei jeder Gelegenheit gegen Ungerechtigkeiten zu Feld zog, hat sich nun als linksextrem geoutet.

    Bei uns ist es ja auch nicht besser. Moral gibt es keine mehr. Den Russen wurde zugesichert, das der Westen dort bleibt, wo der 1990 stand. Scheinbar war diese Zusagen von und an Aussenminstern völkerrechtlich nicht präzise. Heute nimmt der Westen einen brutalen Krieg in Kauf, um den Russen auf die Pelle zu rücken.

    Letztlich wollen die Amis die Chinesen in Schach halten, u.a. auch auf Kosten von Russland.

    Da dies auch nicht im Sinne von China sein kann, wird es einen großen Krieg geben, oder der Westen zieht sich zurück. Dafür eskaliert der Westen derzeit zu sehr.

    Meine These wird zunehmend relevant : China holt sich Taiwan, flangiert von Nordkorea. Zeitversetzt holt sich Russland die Ukraine. Ob die Europäer diesen Kampf ohne die USA gewinnen würden? Eher nicht.

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