Sorgt Trump – entgegen der Erwartung der Wall Street – für einen Abschwung der Wirtschaft in den USA?
Trump: Abschwung der Wirtschaft wahrscheinlich
„Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie“, das wusste schon der deutsche Wirtschaftsminister Ludwig Erhard zur Zeiten des großen Wirtschaftswunders nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit diesem Phänomen könnte es der neue und alte Präsident der USA Donald Trump zu tun haben, der in seinem Land mit radikalen Maßnahmen das Land zu neuer Blüte verhelfen will. Aber auf eine ganz konträre Weise. Was bei ihm in erster Linie bedeutet, Arbeitsplätze in die USA zurückzubringen, hierbei Illegale aus zum Land zu treiben und ausländische Waren mit Zöllen zu belegen. Und dabei noch die eigene Verwaltung mit Brachialmaßnahmen durch das neue Effizienzteam von Elon Musk, DOGE, zu verschlanken.
Was zunächst zu einer kleinen Euphorie in den USA geführt hat, zeigt mehr und mehr unangenehme Nebenwirkungen, vor allem für Sorgen in der Bevölkerung, die sich aus Angst um den eigenen Arbeitsplatz und einer neuen Teuerungswelle im wichtigsten Konjunkturbereich zurückhalten könnte – dem Konsum. Was in Folge zu etwas führen könnte, etwas was Präsident Trump gerade nicht auslösen wollte, nämlich einen Konjunkturabschwung. Unterschätzt der neue Heilsbringer in den USA die psychologischen Auswirkungen seiner Maßnahmen? Hierzu eine kleine Analyse.
Erste Signale für eine Abschwächung der Wirtschaft in den USA
Bei Betrachtung der Zahlen aus dem Arbeitsmarkt könnte man noch von einer stabilen Entwicklung in den USA ausgehen. Vollbeschäftigung bei nur 4,0 Prozent Arbeitslosigkeit und eine aktuelle Konjunkturerwartung in den USA mit 2,3 Prozent Wirtschaftswachstum (GDPNow).
Der Arbeitsmarkt ist aber ein sogenannter nachlaufender Indikator (lagging), der für gewöhnlich erst dann reagiert, wenn sich ein Abschwung in der Wirtschaft nicht mehr vermeiden lässt. Vorauseilende Faktoren sind die Einkaufsmanagerindizes (Dienstleistung und Industrie) sowie das Vertrauen der Verbraucher in den USA.
Der Gesamtindex der Einkaufsmanager ist für den Monat Februar auf 50,4 Punkte gefallen, knapp über der Wachstumsschwelle und auf ein 17-Monatstief. Während sich das Verarbeitende Gewerbe auf 51,6 Punkte erholen konnte, fiel der Bereich der Dienstleistungen auf 49,7 Zähler, auf ein 25 Monatstief. Was zur Besorgnis mahnt, schließlich steht der Servicesektor für 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in den USA. Die Ursache laut S&P Global: Unsicherheiten wegen der Politik der Regierung.
Díe letzte Umfrage der Uni Michigan erbrachte einen Rückgang des Verbrauchervertrauens um 6,4 Punkte oder 9 Prozent auf ein 15-Monatstief. Hier der Abschwung in einem Langzeitvergleich:
Die Begründung der Ökonomen: Sorgen wegen der US-Zölle und einer steigenden Inflation. Die Euphorie nach dem Sieg von Donald Trump scheint sich im Volk doch sehr verflüchtigt zu haben. Kein Wunder, dass im Anschluss an die veröffentlichten Daten die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe auf 4,42 Prozent gefallen war. Obwohl doch die Inflationskomponente weiter im Steigen begriffen ist, kann man daraus nicht unmittelbar schließen, dass die Sorgen vor einem Wirtschaftsaufschwung zugenommen haben?
Ein weiteres Datum der Wirtschaft war die Bekanntgabe der Einzelhandelsumsätze und damit ein Fingerzeig für den so essenziellen Konsum der Verbraucher. Auch hier ein Abschwung, nur eine saisonale Komponente?
Zu guter Letzt noch der Citi Economic Surprise Index, der schon seit Mitte November 2024 im Fallen begriffen ist.
Ankündigungsweltmeister Trump – und die Nebenwirkungen
Donald Trump verspricht viel, aber er setzt es dennoch nicht gleich um. Vor der Wahl hat er versprochen, sofort Millionen von Illegalen aus den USA abzuschieben, geschehen ist noch nicht viel.
Denn man muss die Fakten betrachten: In den USA gibt es 163 Millionen Arbeitnehmer. Davon sind 8 Millionen Flüchtlinge. Sollte er versuchen, diese 5 Prozent an Arbeitnehmern in den USA abzuschieben, bekäme er das wirtschaftliche Chaos. Es fehlten Arbeitskräfte, speziell in der Landwirtschaft und der Gastronomie, und die besetzten Stellen würden um ein Vielfaches teurer sein.
Vor den Wahlen sprach Trump davon, China mit 60 Prozent bezollen zu wollen und den Rest der Welt mit 20 Prozent. Was ist bisher seither geschehen?
Als Trump Zölle gegen Kanada und Mexiko in Höhe von 25 Prozent ankündigte, fiel die Börse und auch die Notierungen für den Bitcoin – Trump ruderte sofort zurück und verschob die Einführung um einen Monat. Klar kamen Zölle gegenüber China (10 Prozent) und auch die Abgaben für Stahl und Aluminium in Höhe von 25 Prozent. Man sollte also bei Donald Trump stets mit Paukenschlägen rechnen.
Aber wie schon mehrfach betont und beschrieben: Das große Korrektiv für Donald Trump ist der Aktienmarkt. Bei einer Marktkapitalisierung von 63 Billionen Dollar kann auch der neue US-Präsident keine Experimente machen. Zur Verdeutlichung: Eine Baisse der US-Aktien an den Rand eines Bärenmarktes um 20 Prozent, wäre auch ein Rückgang der Welt-Marktkapitalisierung um 10 Prozent. Zur Einschätzung der Dimensionen.
Auch wenn man jetzt Wert auf niedrigere Kapitalmarktzinsen legt. Finanzminister Bessent weiß, dass eine Emission von zehnjährigen US-Staatsanleihen bei einer Rendite von 5 Prozent und einem Volumen von 100 Dollar zu 50 Milliarden Zinskosten in zehn Jahren führen. Und die USA müssen in diesem Jahr 7 Billionen Dollar an Anleihen refinanzieren.
Die nächsten Zölle sollen gegen die EU erhoben werden, das Schlagwort von Trump heißt nun reziproke Zölle. Was sich eher rational und versöhnlich anhört, wäre dabei nicht zusätzlich seine Vorstellung, die USA müssten die in diesen Ländern geltende Mehrwertsteuer als Zoll obendrauf schlagen. Weil diese Abgabe auch für US-Produkte gelte. Die betroffenen Staaten werden sich natürlich gegen diese Maßnahmen mit Gegenzöllen wehren, trotz der riesigen wirtschaftlichen Macht der USA.
Denn auch die die Verantwortlichen in den betroffenen Staaten wissen um die Probleme in den USA: Eine ansteigende Inflation sowie ein dann wahrscheinlicher Anstieg der Kapitalmarktzinsen, beides kann die US-Administration in keinster Weise gebrauchen. Donald Trump wurde gewählt, um die Inflation nach unten zu bringen und der US-Staat ist mit 36 Billionen Dollar verschuldet. Dabei muss die Zinslast auch schon ohne zusätzliche Belastungen nach oben gehen, schließlich stammen die auslaufenden Anleihen aus einer Niedrigzinsphase.
Trump schürt Unsicherheit, auch für die eigene Wirtschaft
Der nächste Punkt ist, dass Trump angekündigt, aber seine Maßnahmen oft zeitlich verschiebt. Dies hat Konsequenzen für Unternehmen, aber auch für Verbraucher.
Denn hiermit weiß die Industrie nicht, was schlussendlich kommen wird und dürfte mit Investitionen abwarten. Dasselbe gilt für die Fed, die mit ihren Zinsmaßnahmen auch in Attentismus verfällt. Trump hatte eigentlich versprochen, dass die Inflation zurückgeht und die Zinsen schnell fallen werden. Beides ist nicht passiert.
Normalerweise gilt:
Höhere Zinsen über eine längeren Zeitraum belasten Unternehmen sowie den Verbraucher bei seinen Krediten. Dies sollte die Wirtschaft in den nächsten Quartalen belasten.
Aber derzeit fallen die Kapitalmarktzinsen. Ein gutes Zeichen für die Wirtschaft könnte man vorschnell schlussfolgern. Aber wie gerade dargelegt, ist dies eher ein Zeichen dafür, dass sich die Wirtschaft in den USA abkühlt. Hat sich die Inflationserwartung der Bürger infolge der Trumpschen Zölle für das nächste Jahr nicht bis auf 4,3 Prozent erhöht und was müsste in einem solchen Fall mit den Kapitalmarktzinsen geschehen?
Das DOGE-Projekt von Elon Musk und die Panik im Staatsapparat
Es ist zweifelsohne ein Projekt, von dem schlussendlich ein Segen für die US-Gesellschaft ausgehen kann. Wenn ein überwucherter Staatsapparat reduziert wird. Aber was Elon Musk mit seiner Methode bei 2,7 Millionen Staatsangestellten anstellt, ist ein psychologisches Experiment extremen Ausmaßes. In Deutschland unvorstellbar, denn hier gelten im Beamtenbereich die „uralten“ Regeln der „althergebrachten“ Grundsätze des Berufsbeamtentums (Art.33 Abs.5 GG).
Tausende Entlassungen wurden durch die Regierungsorganisation DOGE schon durchgeführt und jetzt gipfelte das Ganze in einer Ankündigung von Elon Musk: Alle Bundesbediensteten würden in Kürze eine Mail erhalten mit der Aufforderung, ihre Arbeitsleistung zu dokumentieren, um zu verstehen, was sie vergangene Woche getan haben. Und: „Ausbleibende Antwort wird als Kündigung gewertet“! Es werden Interviews von Fachleuten aus dem Kreise Elon Musks durchgeführt, zumeist durch technisch versierte Menschen. Vorbilder sind Methoden aus dem Silicon Valley. Man erinnert sich zwangsläufig an die Entlassung von fast 80 Prozent der Mitarbeiter bei Twitter als Elon Musk kurz darauf wieder Personal einstellen musste, weil sich die Entlassenen als unentbehrlich erwiesen haben. Zwischen einer staatlichen Organisation und einem Unternehmen gibt es doch recht wesentliche Unterschiede, vor allem bei hoheitlichen Aufgaben.
Aber was sich langfristig als positiv herausstellen kann, hat kurzfristig erst einmal große Nachteile. Denn fast jeder Staatsbedienstete hat in erster Linie Angst um seinen Arbeitsplatz, und dies wird sich in der US-Gesellschaft in mehrerlei Hinsicht auswirken. Zum einen steigen die Arbeitslosenzahlen und zum anderen werden Millionen von Amerikanern auf die Konsumbremse treten (Bedienstete, Angehörige, Zulieferer), aus Angst vor künftigen finanziellen Engpässen.
Fazit
Aus dieser kleinen Aufstellung wird ersichtlich, welche Nebenwirkungen, insbesondere aus psychologischer Sicht, für Unternehmen und Konsumenten durch die erratische Politik Donald Trumps am Entstehen sind. Sicherlich ist vieles Getöse und hat keine langen Nachwirkungen. Aber bei einer Auswirkung herrscht sofort Gefahr im Verzuge:
Wenn sich Unsicherheit breit machen sollte im Konsumverhalten der Bürger, unter anderem, weil sich der neue US-Präsident mit vielen Staaten der Welt (den bedeutendsten in der Weltwirtschaft) anlegt.
Zunächst noch ein Wort zur These – Trump 2.0 ist anders als Trump 1.0. Sicherlich hat Donald Trump aus der Vergangenheit gelernt, vor allem hat er sein Team mit Ja-Sagern bestückt, um nicht eine ähnliche Entlassungswelle zu verursachen, wie es 2017 geschehen ist. Der stärkste Austausch von Regierungsposten innerhalb kurzer Zeit. Aber Donald Trump ist dennoch Donald Trump geblieben. Hierzu braucht man nur seine Statements im Fernsehen zu begutachten. Er tritt stets bombastisch auf, verspricht Illusorisches und nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau. Ob im Ukrainekrieg oder bei seiner Zollpolitik. Fakten interessieren ihn sowieso nicht, erst recht keine längeren Abhandlungen. Es geht stets um ihn, er nimmt weiterhin keine Rücksicht auf diplomatische Gepflogenheiten und auf internationales Vertragsrecht. Er wäre übrigens auch einer der wenigen Menschen, die sich im 79. Lebensjahr noch charakterlich geändert haben.
Aber was Trump mit seinen Maßnahmen, die Amerika wieder reich machen wollen übersieht, ist anscheinend Folgendes:
Die Wirtschaft in den USA wird zu 70 Prozent dominiert aus der Ausgabenfreude seiner Bürger. Damit geht es um eine Wirtschaftsleistung von fast 20 Billionen Dollar, was umgerechnet die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ausmachen würde. Wenn er mit Zöllen die Inflation befeuert und zugleich die Wirtschaftsabläufe im eigenen Land stört (Ausweisung von illegalen Billigarbeitern, drohende Entlassung von Hunderttausenden Staatsbediensteten), so wird er keine Aufbruchstimmung erzeugen, sondern einen rückläufigen Konsum. Wenn also das 2 Billionen Dollar Defizit, welches in den letzten fünf Jahren jährlich zum Gedeihen der US Wirtschaft hauptursächlich beitrug, vermindert werden soll und zugleich dem US-Bürger die Laune am Konsum vergällt wird, dann könnte sie tatsächlich kommen, die schon 2023 festgestellte „sicherste Rezession aller Zeiten“. Denn auch unter Trump gilt weiterhin die Devise:
It’s Consumption, stupid!
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken















Jeder entlassene Regierungsbeamte ist eine freie Arbeitskraft und kann natürlich einen Illegalen ersetzen. Ganz davon ab, das die vielen Gentergaga-und-Lxy-Beauftragten sowieso niemals etwas leisteten sondern nur Steuergeld verschwendeten. Wenn sie dann zu Arbeit (finanziell) gezwungen werden, Gärtner, Reinigungskraft, Erntehelfer etc. brauchen sie natürlich auch neue Maschinen, Werkzeug etc. – also die „Zulieferer“ von den Bürokräften der Regierung können dann auch gleich umsatteln auf Maschinenbauern, Werkzeugmacher etc. das gibt sich nicht viel ob für die Regierung oder privat – außer das alles privat viel effektiver wird.
Nach einer kurzen Umstellungsphase (max. 6 Monate – siehe Argentinien) bricht dann wirklich das „Goldene Zeitalter“ an! Davon bin ich überzeugt.
Natürlich nur dann, wenn Trump seine Zölle aufgibt und sich auf Regierungsverschlankung und freie Wirtschaft konzentriert. Und nicht zu sehr mit den sozialistischem China und mafiösen Russland paktiert.
…“Ankündigungsweltmeister Trump“…perfekt beschrieben…er ist ein Redner, aber kein Macher…die echte Bilanz der ersten Amtszeit ist der gute Beweis…am Ende ist es so…alles was irgendwie gut läuft wird Trump auf sich verbuchen, alles was schlecht läuft waren die anderen…darauf fallen dann auch viele Bürger herein und lobpreisen ihn…am Ende ist das einzige Ziel seitens der Trumps…Taschen voll machen…mehr Ziele kann ich da nicht erkennen…
Ich würde Ihnen inzwischen eher „Erpressungsweltmeister“ nennen.
@ Permanix, Glück,dass ihr Seelenverwandter ( Tippfehlersucher) heute beide Augen zudrückt.
@ Prost Otto, es braucht dann aber auch viel weniger Büros und Computer und Sekretärinnen und so weiter. Es braucht einfach viel mehr Kuchenbäcker für grössere Kuchen und viel weniger Schmarotzer, die die Kuchenbäcker behindern und selber leistungslos die grössten Stücke beanspruchen.