Die Aktienmärkte in den USA und Europa notieren am Donnerstag höher, nachdem US-Präsident Donald Trump am Mittwochabend ein „großes“ Handelsabkommen angekündigt hatte. Der selbsternannte „Dealmaker“ will den Handelsdeal – wahrscheinlich mit Großbritannien – bereits heute verkünden. Allerdings dürfte es sich bei dem vermeintlichen Deal nicht um ein Handelsabkommen handeln, sondern eher um einen Rahmen für weitere Verhandlungen. Denn Verhandlungen über umfassende Handelsabkommen dauern in der Regel Jahre. Ungeachtet dessen gehen die Anleger wieder in den Risk-On-Modus über und treiben die Aktienmärkte und Kryptowährungen wie Bitcoin nach oben. Das Thema Zölle dürfte jedoch noch längere Zeit das Geschehen beeinflussen.
Trump-Deal lässt Aktienmärkte steigen
Die Futures-Kontrakte auf die US-Aktienindizes legten zu, nachdem Präsident Donald Trump am Donnerstag Pläne für ein „großes“ Handelsabkommen angekündigt und damit den Optimismus gestärkt hatte, dass die USA in den Verhandlungen vorankommen würden. Die europäischen Aktienmärkte eröffneten den Handel ebenfalls fester, wobei der Dax seinem Rekordhoch von 23.476 Punkten näher kommt.
Die Futures auf den S&P 500 und die europäischen Aktienmärkte stiegen um 0,8%, nachdem Trump das Abkommen in einem Post auf Truth Social angekündigt hatte, ohne den Namen des Landes zu nennen, so ein Bericht von Bloomberg. Es wird erwartet, dass die Regierung ein Abkommen mit Großbritannien ankündigen wird, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Das Pfund Sterling verzeichnete nach der Nachricht einen leichten Kursanstieg, der sich jedoch am Vormittag im europäischen Handel wieder abschwächte. Die asiatischen Aktienmärkte legten leicht zu, während der Bitcoin um 2,1% auf 98.848 Dollar stieg, den höchsten Stand seit mehr als zwei Monaten, und damit wieder an der Marke von 100.000 USD kratzt. Staatsanleihen fielen und Gold stieg um 0,4%.
„Die Details des Abkommens werden als mögliche Vorlage für Verhandlungen mit anderen Ländern entscheidend sein“, sagte Rajeev De Mello, Global Macro Portfolio Manager bei Gama Asset Management. „Es ist positiv für die britischen Aktienmärkte und das Pfund Sterling und möglicherweise auch für andere enge Freunde der USA.“
Die Marktturbulenzen haben sich seit den ersten Aprilwochen deutlich beruhigt, was zum Teil auf Trumps Handelszugeständnisse zurückzuführen ist, aber auch auf eine Reihe von US-Konjunkturdaten, die den Bullen Zuversicht gaben. Das Hauptaugenmerk wird auf dem Verlauf der Gespräche mit China liegen, die am Wochenende in der Schweiz stattfinden, nachdem der US-Präsident Zölle von 145% auf chinesische Importe verhängt hat und das asiatische Land mit ähnlichen Maßnahmen reagiert hat.

Nächster Schub durch Handelsabkommen?
In seinem Social-Media-Post erklärte Trump, dass der bevorstehende „Deal mit Vertretern eines großen und hoch angesehenen Landes“ stattfinden werde. „Der erste von vielen“, schrieb er.
Die formellen Verhandlungen über ein Abkommen zwischen den USA und Großbritannien begannen während Trumps erster Amtszeit als Präsident. Ein Freihandelsabkommen sei der „unvermeidliche nächste Schritt“ in den Beziehungen zwischen den USA und Großbritannien, sagte die damalige Ministerin für internationalen Handel, Liz Truss.
Nach seiner Rückkehr an die Macht in diesem Jahr warb Trump rund fünf Wochen vor der Ankündigung der gegenseitigen Zölle am sogenannten „Tag der Befreiung“ für das Abkommen.
Makrostratege Mark Cudmore sagt: Eine Einigung zwischen den USA und Großbritannien wird den Anlegern nicht dabei helfen zu verstehen, wie die weiteren Zollverhandlungen verlaufen werden. Die Lektion könnte sogar negativ sein, denn sie wird zeigen, wie lange diese Verhandlungen dauern werden, was für die Aktienmärkte, die auf eine schnelle Verbesserung der US-Handelsbedingungen setzt, enttäuschend sein wird. Wir müssen wohl weiterhin auf die ersten Anzeichen für den Erfolg von Trumps aggressiver Zollpolitik warten, was die erwartungsvolle US-Aktienanleger enttäuschen dürfte.
Der Präsident hatte zuvor erklärt, er sei nicht bereit, die Zölle gegenüber China vorsorglich zu senken, um substanziellere Handelsgespräche mit Peking zu ermöglichen. Dennoch stiegen die Aktienmärkte am Mittwoch, nachdem China und die USA angekündigt hatten, am Wochenende in der Schweiz Handelsgespräche zu führen.
Handelsabkommen in der Schwebe
Die USA hatten zuvor erklärt, sie hätten nach Gesprächen zwischen Vizepräsident JD Vance und dem indischen Premierminister Narendra Modi „bedeutende Fortschritte“ in Richtung eines bilateralen Handelsabkommens mit Indien gemacht. Trump hatte auch von „großen Fortschritten“ bei den Gesprächen über ein Abkommen mit Japan gesprochen.
Die Händler an den Aktienmärkten blieben vorsichtig, nachdem der Vorsitzende der Fed, Jerome Powell, die Sorgen um die US-Wirtschaft beschwichtigte und gleichzeitig vor den gestiegenen Risiken einer höheren Arbeitslosigkeit und Inflation warnte. Die Fed beließ den Leitzins am Mittwoch unverändert. Die größte Frage, mit der sich die Zentralbanker konfrontiert sehen, ist, wie lange die guten Nachrichten anhalten werden, wenn die Zölle von US-Präsident Trump ihre volle Wirkung entfalten.
„Die Fed ist sich nicht wirklich sicher, wo die Zölle landen werden. Zudem sind sie sich nicht wirklich sicher, was die Folgen für Wachstum und Inflation sein werden“, sagte William Dudley, der ehemalige Präsident der New Yorker Fed, gegenüber Bloomberg Television. „Es geht nicht nur um das zentrale Szenario, sondern auch um Risikomanagement. Versuchen Sie, nicht das Falsche zu tun, damit Sie effektiv reagieren können, wenn sich die Dinge tatsächlich entwickeln.“
FMW/Bloomberg
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