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Trump der Taktik-Fuchs? China isoliert – wandert Produktion in Nachbarländer ab?

Was ist die aktuelle Intention von Donald Trump? Eine gewiefte Taktik, um China zu isolieren und Produktion in Nachbarländer zu treiben?

Donald Trump
Donald Trump. Foto: Chris Kleponis/CNP/Bloomberg

Gestern Abend hat Donald Trump China-Zölle von 104 % auf 125 % erhöht, gleichzeitig alle anderen Zölle für dutzende Länder auf 10 % reduziert – erstmal für 90 Tage. Viele asiatische Länder, die bereits viel in die USA exportieren – beispielsweise Vietnam mit vorher 46 %, Indien mit 26 %, Kambodscha mit 49 %, Pakistan mit 29 %, Bangladesh mit 37 %, Indonesien mit 32 % – alle sind jetzt erst einmal wieder bei 10 % US-Importzoll. Wenn es dabei bleiben sollte, was würde das bedeuten? Stück für Stück könnte Produktion – auch von höherwertiger Technologie – von China in diese asiatischen Länder abwandern, um Trumps monströs hohen Zölle auf US-Importe aus China zu umgehen.

Trump senkt alle Zölle – nur China auf 125 % – geniale Taktik?

Was genau Trumps gestrige Intention zur Absenkung auf 10 % war, ist natürlich für Außenstehende eine Mutmaßung. Der ehemalige JPMorgan-Chefstratege Marko Kolanovic sagte heute Nacht, die jüngsten Turbulenzen am Anleihemarkt (stark gestiegene Renditen) hätten Trump zu der 90 Tage andauernden Zoll-Reduzierung veranlasst. Aber kann man es wissen? Wenn hinter all dem Hin und Her der größere Plan steckt, China als immer stärker aufstrebende Macht in die Schranken zu weisen? Immerhin ist es kein Geheimnis, dass sich seit Jahren verschiedene US-Präsidenten zunehmend China als Hauptgegner in Politik, Militär und Wirtschaft zuwenden.

Nur wie kann man China daran hindern immer mähtiger zu werden? Hat Trump jetzt den Weg gefunden? Diese Zoll-Politik könnte – wenn sie denn aufrechterhalten wird – in der Tat viele Produzenten veranlassen, Produktion zu verlagern. Autos zum Beispiel kann man in den USA produzieren. Aber T-Shirts, Toaster und Kaffeemaschinen? Und auch höherwertige Produkte wie Spielekonsolen, Fernseher etc? Das wird in den USA nicht funktionieren. Verlagert sich diese Produktion nach und nach in Richtung Pakistan, Indonesien, Vietnam etc? Das wäre gut möglich.

Bloomberg News berichtet aktuell: Präsident Trumps dramatische Kehrtwende bei den Zolldrohungen hat China als Hauptziel seiner Handelsoffensive isoliert und die Möglichkeiten Pekings für eine sofortige Deeskalation erheblich eingeschränkt. Die US-Zölle auf chinesische Importe stiegen am Donnerstagmittag (chinesische Zeit) auf einen Rekordwert von 125 %, während die Zölle auf Dutzende von Ländern ausgesetzt wurden. Die selektive Aussetzung, die Stunden zuvor angekündigt worden war, führte zu der besten Rally der US-Aktien seit 2008, drückte den Onshore-Yuan jedoch auf den schwächsten Stand seit 2007.

Indem Washington China herausgriff, signalisierte man, dass man maximalen Druck auf die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ausüben will, während man gleichzeitig die Zusammenarbeit anderer Länder in seiner Rivalität mit Peking sucht. Es wird erwartet, dass die Erhöhung der US-Zölle die chinesische Wirtschaft belasten wird. Die Wirtschaftswissenschaftler der Goldman Sachs Group senkten am Donnerstag ihre Wachstumsprognose für 2025 von 4,5 % auf 4 %.

„Wir können wahrscheinlich am Ende des Tages eine Einigung mit unseren Verbündeten erzielen“, sagte US-Finanzminister Scott Bessent am Mittwoch. “Sie waren gute militärische Verbündete, aber keine perfekten wirtschaftlichen Verbündeten. Und dann können wir China als Gruppe angehen.“

Mit Ausnahme von China werden Länder, die von den höheren, wechselseitigen Zöllen betroffen sind, die am Mittwoch in Kraft getreten sind, nun mit dem früheren Basissatz von 10 % besteuert, der auch für andere Nationen gilt. Bessent sagte, er werde in den kommenden Tagen mit Vertretern aus Vietnam, Japan, Indien und Südkorea sprechen.

Mit dieser Taktik begibt sich Trump auf einen Kollisionskurs mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping, dessen Regierung geschworen hat, in jeder Konfrontation „bis zum Ende“ zu kämpfen, und der versucht, die Beziehungen zu Handelspartnern zu festigen, um Trump zu widerstehen. Peking hat auf die gegenseitigen Strafzölle energisch reagiert und keine klaren Anzeichen dafür gezeigt, dass es versucht, Kontakt zu Trump aufzunehmen, der am Mittwoch sagte, er „warte“ darauf, dass China anrufe.

Die Handelsspannungen haben sich über die Wirtschaft hinaus ausgeweitet. Das Pentagon kritisierte Peking am Mittwoch für seinen Einfluss auf die Schlüsselinfrastruktur. China hat seine Bürger davor gewarnt, in die USA zu reisen oder dort zu studieren, obwohl Xi zu mehr persönlichem Austausch aufgerufen hat, um die Beziehungen zu verbessern.

„Das Vertrauen ist weg„, sagte Da Wei, Direktor des Zentrums für internationale Sicherheit und Strategie an der Tsinghua-Universität in Peking. ‚Bei der Abwägung zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und wirtschaftlicher Sicherheit wird man immer die Sicherheit in den Vordergrund stellen. Dies ist eine langfristige Veränderung.“

Investoren beobachten nun, ob Peking mit zusätzlichen Zöllen eskalieren oder Verhandlungsbereitschaft signalisieren wird. Die chinesischen Behörden haben zwar wiederholt ihre Bereitschaft zum Dialog bekundet, aber ihre Voraussetzung des ‘gegenseitigen Respekts“ macht sinnvolle Gespräche unwahrscheinlich.

Machtkampf

Als Reaktion auf Trumps frühere Androhung eines 50-prozentigen Zolls erhöhte Peking die Abgaben auf alle US-Waren um denselben Satz auf 84 % – eine Ankündigung, die offenbar bewusst so terminiert wurde, dass sie kurz vor der Öffnung der US-Märkte eintraf. China nahm außerdem hauptsächlich amerikanische Rüstungsunternehmen in seine Liste unzuverlässiger Unternehmen und seine Exportkontrollliste auf, ein weitgehend symbolischer Schritt, da die meisten der betroffenen Unternehmen nur minimal in China tätig sind.

An der militärischen Front halten die Spannungen an, obwohl Verteidigungsbeamte beider Länder seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus formellen Kontakt aufgenommen haben. Auf seiner ersten offiziellen Asienreise erklärte Verteidigungsminister Pete Hegseth, die USA müssten die Abschreckung gegenüber China „wiederherstellen“, indem sie ihre Militärmacht in der Region stärken – und ähnliche Bemühungen ihrer Verbündeten unterstützen.

Diese Woche kritisierte er auch Chinas Militär für seine „zu große Präsenz in der westlichen Hemisphäre“ und forderte die Regierungen der Region auf, zusammenzuarbeiten, um China abzuschrecken.

Während sich die Beziehungen zu den USA verschlechtern, hat China Europa und Südostasien umworben und versucht, eine gemeinsame Basis für Trumps Zolldrohungen zu finden.

Chinas Handelsminister Wang Wentao forderte die Europäische Union bei einem Treffen mit dem EU-Handelskommissar Maros Sefcovic am Dienstag auf, die Handelsbeziehungen zu vertiefen, um der Welt „mehr Stabilität und Sicherheit zu geben“.

Am nächsten Tag leitete Xi eine erweiterte zentrale Arbeitskonferenz zur Diplomatie mit Nachbarländern und betonte dabei Chinas verstärkten Fokus auf regionale Beziehungen.

Ausblick auf Konjunkturmaßnahmen

Im Inland hat Peking signalisiert, dass es immer dringlicher wird, die Wirtschaft zu stützen, die im vergangenen Jahr zu einem Drittel vom Export abhängig war. Chinas Spitzenpolitiker werden sich am Donnerstag treffen, um über zusätzliche Konjunkturmaßnahmen zu beraten, nachdem Trump die Zölle erhöht hat, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen berichten.

China hat auch Shein und andere Unternehmen dazu aufgefordert, von einer Diversifizierung der Lieferketten durch Beschaffung aus anderen Ländern abzusehen, da Peking versucht, eine Abwanderung der Fertigungsindustrie zu verhindern.

Bei einem Treffen mit Experten und Unternehmern am Mittwoch bekräftigte Ministerpräsident Li Qiang die Notwendigkeit, die Inlandsnachfrage zu steigern. Die Provinz Fujian, eine Küstenregion, die vom Handel abhängig ist, plant, Exporteuren beim Verkauf ihrer Waren an chinesische Kunden zu helfen, um einige Auswirkungen der Zölle abzufedern. Diesem Schritt könnten andere Handelszentren in China folgen.

Ein weiteres Warnsignal für die Wirtschaft ist, dass die Deflation der Verbraucherpreise in China im März einen zweiten Monat anhielt und die Deflation der Fabrikpreise den 30. Monat in Folge anhielt. Die Preise könnten weiter unter Druck geraten, wenn Exporteure einen Teil ihrer Waren auf den Inlandsmarkt umleiten oder wenn andere Länder, die mit höheren US-Zöllen konfrontiert sind, ihre Produkte nach China umleiten.

Spitzenzölle

Derzeit scheint der Wahnsinn der Zollandrohungen aus den USA seinen Höhepunkt erreicht zu haben. Trump sagte, er glaube nicht, dass er den Satz weiter erhöhen müsse, um Gespräche zu erzwingen. Auch Ökonomen sind der Meinung, dass die Auswirkungen von Zollerhöhungen immer geringer werden. Ein anfänglicher Zollsatz von 50 % würde das chinesische BIP um 1,5 Prozentpunkte senken, schrieben die Ökonomen von Goldman Sachs, darunter Andrew Tilton, in einer Notiz am Dienstag. Ein zweiter Zollsatz von 50 % hätte jedoch eine geringere Auswirkung und würde das BIP nur um weitere 0,9 Prozentpunkte senken.

„Chinas Führung scheint es nicht eilig zu haben, ein Abkommen zu schließen“, schrieb Julian Evans-Pritchard, Leiter der China-Wirtschaft bei Capital Economics, am Mittwoch in einer Notiz. “Sie scheinen zu dem Schluss gekommen zu sein, dass sie es sich leisten können, die Auswirkungen der US-Zölle zu überstehen, und dass Trump in einer geschwächten Position sein wird, wenn die wirtschaftlichen und politischen Folgen der Zölle zunehmen.“

FMW/Bloomberg



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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