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Trump, die Verschuldung und der Handelskrieg gegen China: Es ist der amerikanische Sparer, der den Kampf gewinnen muß!

Über die eigentliche Schwachstelle des “Systems Donald Trump”!

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Die Zuversicht Trumps, den Handelskrieg zu gewinnen

Donald Trump und seine Berater wie Peter Navarro wiederholen es immer wieder: China habe bei einem Handelskrieg megr zu verlieren, weswegen man eben auch glaubt, diesen Handelskrieg zwingend gewinnen zu müssen. Aber die USA und damit Trump haben zwei wesentliche Achillesversen – und beide hängen iindirekt miteinander zusammen: die stark steigende Verschuldung der USA und die Rally an der Wall Street. Sollten etwa die US-Aktienmärkte vor den US-Zwischenwahlen im November stark einbrechen, dürfte Trump und die Republikaner Schwierigkeiten haben, diese Wahlen zu geinnen. Und verlieren Trump und die Republikaner diese Wahl, wird wiederum ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump viel wahrscheinlicher.

Einer der zentralen Treiber für die Rally an der Wall Street waren (und sind noch) bekanntlich die Aktienrückkäufe der US-Unternehmen, die das Angebot an Aktien verknappten und dementsprechend die Aktienkurse steigen ließen. Diese Aktienrückkäufe waren besonders attraktiv, weil die dafür in Kauf genommene Neuverschuldung aufgrund der jahrelangen Nullzinsen nicht weh tat. Nun aber hebt die Fed schrittweise die Zinsen, was Aktienrückkäufe auf Pump unattraktiver macht. Mithin hat also die Nullzinspolitik der Fed erheblichen Anteil an der Inflationierung der US-Aktienmärkte, aber das Volumen der Aktienrückkäufe dürfte perspektivisch fallen.

Gleichzeitig reduziert die US-Notenbank Fed ihre Bilanzsumme, sprich sie läßt gekaufte Anleihen auslaufen und kauft keine Neuen mehr. Damit fällt faktisch der jahrelang bedeutendste Käufer von US-Staatsanleihen weg – und das zu einem Zeitpunkt, in dem sich die Verschuldung der USA massiv erhöht. Diese Neuverschuldung wiederum erfolgt über die Ausgabe von frischen Staatsanleihen, die die USA alleine in diesem Jahr im Volumen von 1,4 Billionen Dollar emittieren werden. In den Folgjahren erwartet das US-Finanzministerium, dass diese Summe von 1,4 Billionen jährlich noch übertroffen wird. Und wenn die Fed nicht mehr diese Anleihen kauft, muß sie jemand anders kaufen.

Wer kauft die US-Schulden?

Bekanntlich sind China und Japan die beiden größten ausländischen Halter von US-Staatsanleihen – aber ihr Bestand an US-Staatsanleihen ist insgesamt leicht rückläufig, besonders der Bestand Japans an US-Staatsanleihen (hier die aktuellen Bestände ausländischer Halter):


(Grafik: wolfstreet.com; durch anklicken vergrößern)

Da die Ausländer in der Summe ihre Bestände an US-Staatsanleihen nicht oder nicht wesentlich erhöhen, gleichzeitig aber das ausstehende Volumen an US-Staatsanleihen immer größer wird aufgrund der stetig steigenden Neuverschuldung, müssen also Amerikaner selbst in die Bresche springen, wenn auch die Fed nicht mehr kauft.

Insgesamt haben die USA ausstehende Staatsanleihen im Volumen von gut 15 Billionen Dollar. Ausländer halte davon ca. 40% (gut sechs Billionen), amerikanische Institutionen wie die Fed gut 15% (2,4 Billionen, Tendenz wegen der Bilanzreduzierung rückläufig), und (nichtstaatliche) amerikanische Personen oder Firmen halten davon knapp über 44% (ca. 6,8 Billionen). Letztere sind also faktisch der größte Gläubiger des US-Staates: Pensionsfonds, Anleihefonds, amerikanische Privatpersonen etc.

Wenn das Volumen an ausgebebenen US-Staatsanleihen aufgrund der immer höheren Verschuldung steigt, die Fed als Käufer aber ausfällt und die Ausländer ihren Bestand nicht erhöhen, müssen also die Amerikaner selbst diese Schulden kaufen. Aber Schulden kann nur kaufen, wer Geld “übrig” hat, wer also gespart hat und dieses gesparte Geld dann wiederum nutzt, um US-Schulden (im Gegenzug für ein Renditeversprechen) zu kaufen.

 

Es ist der amerikanische Sparer, stupid!

Mithin brauchen die Amerikaner also Ersparnisse – und zwar immer mehr davon, wenn die Fed als Käufer ausfällt und die Ausländer ihre Bestände nicht erhöhen oder sogar reduzieren. Je mehr Ersparnisse der Amerikaner aber erforderlich sind, um die Neuverschuldung zu stemmen, umso weniger davon wird in die Aktienmärkte fließen oder auf andere Weise (in die Wirtschaft) investiert werden. Das bedeutet: je höher die neue Verschuldung der USA, umso mehr Esparnisse der Amerikaner werden davon absorbiert, umso weniger davon wird in die Aktienmärkte und in die US-Wirtschaft als Investition fließen. Beides ist eine geradezu ideale Grundlage für eine Rezession!

Klar: China könnte massiv US-Staatsanleihen verkaufen, wird das aber wohl nicht tun, weil man sich damit selbst schadet (weil die Anleihen, die im Bestand verbleiben, dadurch an Wert verlieren). Es ist also vor allem der amerikanscihe Sparer, der jetzt die US-Schulden über Pensionsfonds oder Anleihefonds kaufen muß – je mehr das aber der Fall ist, desto weniger Geld bleibt wiederum für den Konsum übrig. Und da die US-Wirtschaft zu 70% auf Binnenkonsum beruht, droht eben perspektivisch eine Rezession.

Faktisch finanzieren also durchschnittliche Amerikaner die Wunschvorstellungen Trumps nach dessen Motto: höher, schneller, weiter. Die Frage ist nur, wie lange der amerikanische Sparer sich das noch leisten kann..

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    tm

    20. Juni 2018 12:31 at 12:31

    Naja, der US-Sparer könnte auch schlicht umschichten und z.B. weniger Aktien kaufen. Außerdem können Konsum und Ersparnisse natürlich auch gleichzeitig steigen (also in absoluten Beträgen, nicht Spar- und Konsumquote). Zudem muss berücksichtigt werden, dass die Spar- und Konsumquoten natürlich nicht gleichmäßig über die Einkommensschichten verteilt sind. Außerdem gilt, dass China damit weniger den Konsum finanziert – dafür müsste der Bestand schließlich wachsen – sondern das bestehende Leistungsbilanzdefizit der USA gegenüber China.

    Tatsächlich aber kein triviales Problem und bisher wenig Anzeichen dafür, dass Trump auch nur ansatzweise richtig handelt: Das Defizit im Bundeshaushalt steigt und das Leistungsbilanzdefizit ist konstant.

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    tm

    20. Juni 2018 12:33 at 12:33

    “Insgesamt haben die USA ausstehende Staatsanleihen im Volumen von gut 15 Billionen Dollar.”

    Hm, ich sehe hier USD 17,085 Bio. ausstehende Staatsanleihen auf Bundesebene und USD 21,132 Bio. in Summe über alle staatlichen Ebenen.

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      Wolfgang M.

      20. Juni 2018 15:37 at 15:37

      @tm
      Genau so ist es. Die USA haben immer noch einen großen Vorteil. Auch wenn der US-Dollar so ganz langsam seine Vormachtstellung verliert, bleibt doch festzustellen: Der US-$ ist mit 62% nach wie vor die Weltleitwährung, gefolgt vom € mit 20% und dem ¥ mit 5%. Damit dominiert er als Währung im Zahlungsverkehr und als Reservewährung. Allein der Ölhandel hatte bisher ein jährliches Volumen von 14 Bio. $, dazu kommen noch die anderen in Dollar fakturierten Rohstoffe. Wenn es in der Weltwirtschaft kracht, wohin wird das Kapital wohl „noch“ fliehen? Damit dürfte es den Amerikanern im Krisenfall nicht schwer fallen, Käufer für neue Staatsanleihen zu finden – wenn der Zins hoch genug ist. Als Alternative bliebe der Euroraum, in dem es im Rezessionsfall sicher kaum Zinsen gibt. Und Deutschland wäre als stabiler Hafen viel zu klein für die Geldströme. Dann sind 2,5 – 3% für US-Kurzläufer für internationale Anleger sicher eine Parkmöglichkeit. Auch wenn es mir persönlich nicht gefällt, weil D. Trump für diesen Vorteil nichts kann, an der Finanzierung neuer US-Schulden wird es nicht scheitern.
      Gruß

      • Avatar

        tm

        20. Juni 2018 15:48 at 15:48

        Ich wollte eigentlich eher darauf hinaus, dass es zahlreiche Staaten schaffen, ganz ohne Weltwährung höhere Leistungsbilanzdefizite zu finanzieren. Also ja, Zustimmung, der USD dominiert weiterhin die Weltwährungsreserven und den Welthandel, aber offenbar ist das nicht so wichtig, wie es gerne gemacht wird. Australien etwa weist seit 1975 ohne Unterbrechung, Quartal für Quartal, Leistungsbilanzdefizite auf und das ist offenbar keinerlei Problem, obwohl wohl niemand dem Australdollar den Status einer Weltwährung geben möchte.

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    Donald Duck

    20. Juni 2018 13:43 at 13:43

    Wenn relativ mehr Anleihen auf den Markt kommen bei weniger Käufer,
    dann steigen die Zinsen – vielleicht doch wieder auf 4 Prozent plus X.
    Dies könnte das Risiko der Gewinnermittlung nach der Differenzmethode deutlich reduzieren.

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    Beobachter

    20. Juni 2018 18:28 at 18:28

    @ Wolfgang M. Im Grossen Ganzen einverstanden,
    –aber die Weltwährung Dollar ist am bröckeln , China möchte auch schon Öl in der eigenen Währung handeln.
    – vor einigen Jahren hat sich die USA bei höherem Dollar verschuldet u.mit der Abwertung Schulden entwertet.
    – Jetzt könnte das Spiel kehren u.die jetzige Neuverschuldung steigt mit dr Aufwertung des Dollars
    Die heutige Diskussion über Defizite der USA u.dessen Finanzierung berücksichtigt auch nicht , dass nach der Steuersenkung diese Defizite noch beträchtlich steigen.

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USA: Fed-Bilanz, Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung im Vergleich

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Die Zentrale der Fed in Washington DC

Wie auch in Europa, so wird in den USA in gigantischem Ausmaß gedruckt, gepumpt und verschuldet. Hier schauen wir uns die Orgie des frischen Geldes mal in Form von Charts an, alle seit dem Jahr 2002. Im ersten Chart sehen wir die Bilanz der Federal Reserve. Sie musste in gigantischem Ausmaß jüngst Geld drucken, um damit Staatsanleihen und viele andere Instrumente aufkaufen zu können. Die Bilanz stieg seit 2002 von gerade mal 719 Milliarden Dollar auf aktuell über 7 Billionen US-Dollar! Noch Ende Februar, kurz vor dem Start der ganzen Rettungsorgien, waren es noch 4,1 Billionen US-Dollar.

Bilanz der Fed seit dem Jahr 2002

Im Vergleich zum Wachstum der Fed-Bilanz sehen wir im folgenden Chart seit dem Jahr 2002 die Entwicklung der offiziellen Arbeitslosenquote in den USA. Damals noch bei 5,7 Prozent, stieg sie in der Spitze der Finanzkrise bis auf 10 Prozent an. Dann in den Boomjahren danach die Erholung bis auf nur noch 3,5 Prozent im Februar 2020. Was für eine Vollbeschäftigung! Ein Paradies in jeder Hinsicht? Und dann der große Knall durch die Coronakrise. Binnen weniger Wochen die Explosion der Arbeitslosigkeit auf 14,7 Prozent.

Offizielle Arbeitslosenquote in den USA seit 2002

Die US-Staatsverschuldung, die entwickelt sich völlig unabhängig von Konjunkturzyklen oder Notenbank-Bilanzen! Dies sieht man im folgenden Chart, auch seit dem Jahr 2002. Egal ob während der Finanzkrise oder danach in einem jahrelangen Konjunkturboom, wo der Staat eigentlich Gelegenheit hätte Schulden abzubauen. Die Verschuldung der US-Regierung wächst konstant weiter an, von 6 Billionen US-Dollar im Jahr 2002 auf aktuell über 25 Billionen Dollar, was hier im Chart noch nicht final aktualisiert wurde. Die nächsten Monate wird diese Zahl wohl deutlich anwachsen, aufgrund der Rettungsmaßnahmen in Folge der Coronakrise.

US-Staatsverschuldung seit 2002 wächst kontinuierlich an

Aber zum Schluss nochmal zurück zur Arbeitslosigkeit in den USA. Der folgende Chart zeigt die Entwicklung seit den 1950er-Jahren. So erkennt man besser die aktuelle dramatische Lage!

Arbeitslosigkeit in den USA seit den 1950er Jahren
Charts: St. Louis Fed

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Anleihen

Deutschland verkauft Schulden – Investoren mit Nachfrage-Explosion!

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Geldmünzen und Scheine

Ja, so was sieht man nicht oft. Deutschland hat heute neue Schulden verkauft, und die Nachfrage… die war so hoch wie seit 13 Jahren nicht mehr. Fast schon unfassbar. Der deutsche Staat hat heute zwei Jahre laufende Bundesschatzanweisungen mit einem Zinskupon von 0,00 Prozent verkauft. Die Negativrendite der Emission lag bei -0,66 Prozent (vorher -0,68 Prozent). Angeboten hatte der Bund ein Emissionsvolumen von 5 Milliarden Euro. Die Finanzagentur Deutschland GmbH, die für Bundesfinanzminister Olaf Scholz das Anleihemanagement durchführt, zeigt in ihren frisch veröffentlichten Details zu dieser Emission, dass die Nachfrage bei unglaublichen 13,26 Milliarden Euro lag!

Tja, wenn man eh weiß, dass die EZB sowieso den ganzen Markt aufkauft (vereinfacht ausgedrückt), wo ist da noch das Risiko für Investoren? Außerdem ist Deutschland eh der solventeste Schuldner? Aber halt. Mit -0,66 Prozent Rendite macht der institutionelle Anleger mehr Verlust, als wenn er sein überschüssiges Geld auf einem Bankkonto parken würde, wo er zwar auch Negativzinsen auf große Einlagen zahlt, aber noch nicht -0,66 Prozent. Also warum dieser Ansturm auf diese Bundesschatzanweisungen?

Die Anleger könnten darauf spekulieren, dass in Zeiten von Gelddrucken, Coronakrise und Staatsschulden-Orgien die Rendite-Niveaus der Anleihen jetzt weiter, weiter, und noch weiter ins Negative rutschen. Weiter sinkende Renditen bedeuten automatisch immer weiter steigende Anleihekurse. Wer also jetzt in die Auktion stürmt, hofft auf einen höheren Verkaufskurs seiner Anleihe in einigen Tage, Wochen, oder Monaten.

Der deutsche Staat macht wie seit Jahren so richtig kräftig Kasse mit seinen Emissionen. Von wegen Haushaltsdisziplin oder sparsame Finanzminister Schäuble und Scholz. Die guten Herren verdienen ihr Geld durch den Verkauf neuer Schulden. Geld im Schlaf verdienen sozusagen – das kann jeder! In diesem Fall, bei dieser einzelnen Transaktion, ist mal wieder eine beträchtliche Gewinnsumme angefallen. Bei 5 Milliarden Euro Angebot hat der Bund tatsächlich 4,07 Milliarden Euro verkauft. 930 Millionen Euro gingen in die Marktpflegequote – damit wird der laufende Anleihehandel nach der Emission liquide gehalten.

Bei 4,07 Milliarden Euro Nominalwert muss exakt diese Summe in zwei Jahren an die Inhaber der Papiere zurückgezahlt werden. Zu einem heutigen Emissionskurs von 101,35 Prozent wurden sie aber heute über Nominalwert verkauft, wodurch die Negativrendite für die Anleger entsteht. Daher hat der Bund heute tatsächlich 4,125 Milliarden Euro eingenommen, und per sofort einen Gewinn in Höhe von 55 Millionen Euro eingestrichen. Summiert man alle Emissionen der letzten Jahre mit Negativrenditen zusammen, entstehen da Milliarden-Gewinne, nur durch den Verkauf neuer Anleihen! Die Zeche zahlen tun diejenigen, die solche Anleihen nicht zum Zweck der Kursgewinne halten, sondern weil sie es zum Beispiel als Fonds oder Pensionskasse oder Rentenversicherung per Satzung tun müssen, nämlich “sichere Anleihen” im Portfolio halten.

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Warum Ihnen bei der privaten Altersvorsorge schwere Verluste drohen!

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Die Private Altersvorsorge steht vor Problemen

Die OECD hat eine interessante Studie zum Thema Unternehmensanleihen herausgegeben. Ein Thema, das fast alle Menschen angeht, vor allem wegen der privaten Altersvorsorge. Aber merken tun es kaum jemand. Denn schließlich investieren alle Versicherungen und Pensionsfonds in Anleihen. Diese Anlagegattung ist nicht nur das Fundament der privaten Altersvorsorge – es IST die private Altersvorsorge. Leider beginnt das gesamte Gebäude morsch zu werden. Die Qualität der am Markt verfügbaren Anleihen nahm im Laufe der vergangenen Jahre signifikant ab und sie dürfte im Angesicht der Coronakrise die größten Einbußen noch vor sich haben. Mit abnehmender Qualität steigt jedoch das Verlustrisiko, womit die Altersvorsorge der Sparer in Gefahr ist.

Die Studie bezieht sich auf einen Teilmarkt der Anleihen, nämlich Unternehmensanleihen außerhalb des Finanzsektors. Dieser Markt umfasste Ende 2019 immerhin 13,5 Billionen US-Dollar weltweit. Der größte Teil dieses Schuldenbergs entstand erst nach 2008. Allein 2019 nahmen die Unternehmen 2,1 Billionen US-Dollar zusätzliche Schulden auf.

Schlechtere Bonität, längere Laufzeit, mehr Schulden – so startet die Unternehmenswelt in die Krise

Im Gegensatz zu früheren Kreditzyklen weist der Markt dieses Mal einige Besonderheiten auf. Die Bonität der Unternehmen ist schlechter, es gibt größere Zahlungsverpflichtungen denn je, längere Laufzeiten und weniger Schutz für die Anleger als in früheren Zyklen. Mehr Schulden längerer Laufzeit bei geringer Bonität und weniger Schutz bedeutet, dass Verluste für Anleger in der größten Wirtschaftskrise seit mindestens 90 Jahren nicht nur wahrscheinlich sind, sondern sicher. Und sie werden vermutlich größer ausfallen als während der Finanzkrise 2008. Untersucht wurden dabei mehr als 92.000 verschiedene Wertpapiere aus 114 Ländern.

Für Unternehmen ist das von Ratingagenturen vergebene Bonitätsrating sehr wichtig. Denn die meisten institutionellen Anleger dürfen nicht in Junkbonds investieren, also in Anleihen mit einem Bonitätsrating schlechter als BBB (hier finden Sie eine gut erklärte Tabelle mit einer Übersicht der Ratingstufen). Rutscht ein Unternehmen in den Junkbereich, also Schrott, verliert es den Zugang zu den meisten Anlegern und wird in der Folge deutlich höhere Zinsen zahlen müssen und eventuell trotzdem weniger Kredit bekommen als zuvor. Das Rating hängt weitestgehend davon ab, wie die Ratingagentur die Rückzahlungswahrscheinlichkeit einschätzt. Niedrige Zinsen bedeuten, dass ein Unternehmen mehr Schulden aufnehmen kann, ohne dass die Rückzahlungswahrscheinlichkeit sinkt. Warum das für Ihre Altersvorsorge zum Problem wird, dazu kommen wir gleich noch. Dieser Mechanismus wurde in den vergangenen Jahren ausgenutzt, um Unternehmen mit Krediten zu überladen. Sei es, um andere Unternehmen zu kaufen, sei es, um eigene Aktien zurückzukaufen, sei es, um auch einmal Investitionen ins Kerngeschäft zu tätigen.

Eine Abwertung setzt eine Abwärtsspirale für die Unternehmen in Gang

Größere Schulden werden dann zu einem Problem, wenn die Zinsen wieder steigen sollten und fällige Kredite nicht aus dem Cashflow des laufenden Geschäfts bedient werden können, sondern mit neu aufgenommenen Krediten getilgt werden müssen. Die neuen Kredite sind dann auf einmal deutlich teurer als die alten, abzuzahlenden. Im schlimmsten Fall scheitert die Refinanzierung, weil der Kapitalmarkt entweder die Schuldentragfähigkeit bei höheren Zinsen negativer einschätzt oder weil eine Refinanzierung ausgerechnet während einer Börsenkrise stattfinden muss, in der Anleger Risiko avers agieren und nur Schuldnern bester Bonität trauen. Ein weiteres Problem tut sich dadurch auf, dass die durchschnittliche Laufzeit einer Unternehmensanleihe von neun auf zwölf Jahre stieg. Die Nachfrage nach länger laufenden Anleihen ist umso geringer, je niedriger die Bonität eines Unternehmens eingeschätzt wird. Es ist in den meisten Fällen von Schuldnern schlechter Bonität wahrscheinlicher, dass eine Anleihe in einem Jahr als in zwölf getilgt wird.

Werden die Anleihen eines Unternehmens auf Junkbonds-Niveau herabgestuft, müssen die meisten institutionellen Anleger verkaufen. Das lässt die Preise für die Anleihen sinken. Da die Rendite invers mit dem Preis gekoppelt ist, geht die Rendite automatisch nach oben. Die Zinsen neu herausgegebener Anleihen orientieren sich an der Rendite bereits auf dem Markt verfügbarer Anleihen gleicher Laufzeit. Also steigt auch der Zinssatz für neue Anleihen. Da auf dem Junkbonds-Markt wenig Nachfrage nach den durchschnittlich lang laufenden Anleihen besteht, wird der Zinssatz bei einem Downgrade wahrscheinlich überproportional steigen.

Der Markt kann weitreichende Abwertungen nicht verkraften

Seit 2010 waren durchschnittlich 20% aller ausstehenden Unternehmensanleihen Junkbonds. 2019 hingen waren es bereits 25%. Und 51% aller 2019 neu herausgegebenen Anleihen hatten ein BBB-Rating, also die letzte Stufe vor einem Junkbonds. Im schlimmsten Fall, wenn aufgrund der Corona-bedingten Wirtschaftskrise weitreichende Downgrades durchgeführt werden, müsste sich also der Markt für Junkbonds (hier dazu ein Artikel über die EZB) schlagartig verdreifachen. Die Folgen wären eine akute Kreditklemme für die meisten Unternehmen und traumhafte Zinskonditionen für die wenigen verbliebenen Emittenten von Anleihen guter Bonität. Denn alle institutionellen Anleger, die gezwungen sind, in Investment-Grade Anleihen zu investieren, würden sich um die verbliebenen 25% streiten. Den Besitzern der jetzt noch mit BBB bewerteten Anleihen, also ETFs, Versicherungen, Pensionsfonds, drohen erst schwere Kursverluste bei den herabgestuften Anleihen und dann Niedrig- oder sogar Negativzinsen beim Kauf der wenigen verbliebenen Anleihen mit Investment-Grade Rating. So wirkt sich diese Gemengelage negativ auf Ihre private Altersvorsorge aus, und Sie merken es kaum, weil Details von außen nicht erkennbar sind.

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