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Kanada, Mexiko, China, EU und BRICS Trump dreht bei Zöllen voll auf – Platzt jetzt die Zollbombe?

Trump dreht bei Zöllen voll auf - Platzt jetzt die Zollbombe?
Donald Trump. Foto: faiz ch - Freepik.com

Seit seiner Amtseinführung hat sich Donald Trump beim Thema Zölle überraschend zurückgehalten. Statt wie im Vorfeld seiner Amtszeit angekündigt, pauschale Zölle gegen China, Europa und die kontinentalen Nachbarn Kanada und Mexiko zu verhängen, hat er sich bisher zurückgehalten. Doch damit könnte nun Schluss sein. Wie Bloomberg berichtet, hat Donald Trump am Donnerstag sein Ziel bekräftigt, am Samstag Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Importe aus Kanada und Mexiko einzuführen – und damit die Währungen der US-Handelspartner auf Talfahrt geschickt. Zudem drohte der US-Präsident den BRICS-Staaten mit Zöllen in Höhe von 100 Prozent.

Trump: Zölle gegen Kanada und Mexiko

Es ist soweit: Donald Trump hat verkündet, dass ab Samstag 25 % Zölle für Importe aus Kanada und Mexiko erhoben werden sollen. “Wir werden die Zölle auf Kanada und Mexiko aus einer Reihe von Gründen ankündigen”, sagte der US-Präsident am Donnerstag im Weißen Haus gegenüber der Presse.

„Nummer eins sind die Menschen, die so schrecklich und so zahlreich in unser Land geströmt sind. Nummer zwei sind die Drogen, Fentanyl und alles andere, was ins Land gekommen ist. Drittens sind es die massiven Subventionen, die wir Kanada und Mexiko in Form von Defiziten gewähren.”

Trump deutete an, dass die 25% eine Untergrenze darstellen könnten und die Zölle womöglich “mit der Zeit steigen – oder auch nicht.”

Kanada und Mexiko sind die beiden größten Abnehmer von US-Waren. Ob die Zölle auch auf Ölimporte aus dem nördlichen US-Nachbarland erhoben werden sollen, wollte Trump nicht sagen.

Je nach Reaktion Kanadas und Mexikos könnten die Zölle von kurzer Dauer sein, sagt David Seif, Nomura-Chefökonom für entwickelte Märkte. Der Ton in der Handelspolitik sei indessen klar. “Wir erwarten, dass Trump in diesem Jahr weitere Zölle einführen wird und dass der durchschnittliche Zollsatz für in die USA importierte Waren im Jahr 2025 deutlich steigen wird.” Die zusätzlichen Einnahmen aus neuen Zöllen werden jedoch nur eine geringe Einnahmequelle darstellen.

Nervöse Devisenmärkte

Die erneute Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, am 1. Februar Zölle in Höhe von 25 % auf Importe aus Kanada und Mexiko zu erheben, erschütterte die Devisenmärkte am späten Handelstag in New York und ließ die Währungen beider Länder gegenüber dem US-Dollar abstürzen. Der mexikanische Peso rutschte um 1,1% ab und der Kanada-Dollar um 1,2%, während der US-Dollar wieder zulegte.

Zollbombe: Trump plant Zölle gegen Kanada, China, Mexiko, EU und Brics
Kanadischer Dollar und mexakanischer Peso brechen ein

Der kanadische Dollar verlor im letzten Quartal rund 6 % gegenüber dem Dollar und erreichte Anfang des Jahres den tiefsten Stand seit 2020. Wenn die Zölle 25 % betragen, könnte die Währung noch weiter auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten sinken, was die Bank of Canada dazu zwingen würde, die Zinssätze viel weiter als geplant zu senken und die Wirtschaft in eine tiefe Rezession zu stürzen.

Der Dollar ist vor allem deshalb gestiegen, weil die Anleger erwarten, dass die Zölle den Dollar stützen werden, da der größere Preisdruck die US-Zinsen hoch hält. Die Unsicherheit über den Welthandel könnte den Dollar ebenfalls stützen, da die Händler Sicherheit in der Weltreservewährung suchen.

Was sagen Strategen und Händler dazu?

Matthew Rowe, Leiter der Cross-Asset-Strategien bei Nomura Capital Management: „Die Umsetzung dieser Maßnahme ist sowohl inhärent inflationär als auch besorgniserregend im Hinblick auf einen breiteren Handelskrieg und einen Rückgang der bilateralen Handelsaktivitäten.“

Jayati Bharadwaj, ein Stratege bei TD Securities: „Der US-Dollar wird zumindest stärker sein, auch gegenüber anderen Währungen wie dem Euro und dem CNY, da die Märkte beginnen, die Bedrohung dort ernst zu nehmen.“

Skylar Montgomery Koning, Währungsstrategin bei Barclays Plc: „Ein Zoll von 25 % auf alle Importe aus Kanada würde zu einer Abwertung des CAD um 19 % gegenüber dem Dollar führen, und nur sehr wenig davon ist bereits eingepreist.“

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China, EU und BRICS-Staaten

Die Händler auf dem Devisenmarkt mit einem täglichen Volumen von 7,5 Billionen Dollar sind seit Wochen nervös wegen möglicher hoher Zölle auf US-Handelspartner jenseits von Kanada und Mexiko. Der US-Präsident hat auch die Möglichkeit angedeutet, Importe aus der Europäischen Union und China mit Zöllen zu belegen.

Gegenüber China drohte Trump erneut mit Importzöllen in Höhe von 10%, ohne jedoch einen Zeitpunkt zu nennen. Trump hatte diese Zölle bereits früher ins Gespräch gebracht und erklärt, Peking habe seine Versprechen nicht eingehalten, den Fluss von Fentanyl und Chemikalien, die zur Herstellung tödlicher Drogen verwendet werden, in die USA zu unterbinden. „Ich denke auch über etwas in Bezug auf China nach, weil sie Fentanyl in unser Land schicken und uns Hunderttausende von Toten bescheren“, sagte Trump am Donnerstag. „Also wird China auch dafür Zölle zahlen müssen, und wir sind dabei, das auf den Weg zu bringen.“

Im Streit um den US-Dollar drohte Trump auf seiner Plattform Truth Social nun auch den BRICS-Staaten, sollten sie sich vom US-Dollar als internationales Zahlungsmittel abwenden. Der US-Präsident drohte dem Bündnis für diesen Fall mit Zöllen in Höhe von 100 Prozent.

Im Streit mit Kolumbien um Abschiebeflüge hatte Trump letztlich auf Zölle verzichtet, nachdem die Regierung in Bogotá eingelenkt hatte.

FMW/Bloomberg



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8 Kommentare

  1. Die BRICS machen Trump aber wohl erhebliche Sorgen.
    Wer seine eigene Währung als Waffe einsetzt, muss damit rechnen, dass die Bedrohten auf eine andere Währung ausweichen.
    Lieber ein Ende mit Schrecken…

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. DermitdemHellmuttanzt

      @Helmut
      ach, deswegen ist der Dollaranteil am weltweiten Währungshandel gestiegen, jetzt verstehe ich.
      Und warum genau wertet China seine Währung ab?
      Derweil in Russland: in der Besten aller Volkswirtschaften schafft man es genau 2 der vier geplanten Flugzeuge zu bauen, wenn überhaupt…

      1. Wenn Menschen und Staaten schon dazu gezwungen werden müssen, den Dollar zu benutzen, dann weiß Trump mehr als wir alle zusammen.

        Viele Grüße aus Andalusien Helmut

        1. DermitdemHelmuttanzt

          @Helmut
          niemand zwingt niemanden dazu, den Dollar zu benutzen.
          Es ist nun mal einacher, als, sagen wir mal Rum ( wie in Australien) oder Rubel oder Yuan.
          Selbst der Rohstoffhandel zwischen den BRICS-Staaten wird auf Dollar-Basis berechnet (in was für einer Währung die bezahlt wird ist nebensächlich)

          1. Wie, wenn Derjenige, der den Dollar nicht mehr benutzen will, dafür seine Waren bei der Einfuhr mit 100% besteuert bekommt, dann ist das kein Zwang dazu den Dollar zu benutzen?

            Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  2. Die BRICS-Staaten können sicherlich mittels der Währung Gold, beispielsweise beim internen Handel mit Erdöl dem Swift-Dollar-System entgegenwirken. Trump ist hoffentlich klar, daß sich nicht jedes UN-Mitgliedsland den US-Dollar aufzwingen lassen will. Deswegen wurden die BRICS-Staaten gegründet. Die EU/deutsch-französische Achse sollte in dem 47. US-Präsidenten Donald John Trump den Deal-Maker sehen: Kauf von US-amerikanischem Erdöl gegen Zugeständnisse bei Zöllen.

    1. Putin kritisiert Dollar-Dominanz/Quelle: n-tv-Teletext.

  3. Trumps simple, Schuld-zuweisende Begründungen betr. unerwünschte Drogeneinfuhr sind lächerlich (aber nicht lustig): Denn was den einen der Geldrausch ist, sind den anderen chemische Substanzen (wobei da Schwerpunkte nach reichen und armen Bevölkerungsschichten gegeben sind, doch möchte ich nicht wissen, wie viele Leute aus der high society sich mit zusätzlichen Suchtmitteln aufputschen und wie viele Börsianer ihre Nerven pharmakologisch und alkoholisch zu beruhigen suchen…). Auf der einen wie anderen Seite ein moralisches Problem! Es sind auch auf dem Investmentmarkt zu viele Dealer unterwegs.

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