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Blockade von Öltankern Trump eskaliert Öl-Konflikt mit Venezuela

Trump eskaliert Öl-Konflikt mit Venezuela
US-Präsident Donald Trump. Fotograf: Bonnie Cash/UPI/Bloomberg

Mit einer neuen Eskalationsstufe im geopolitischen Machtpoker rückt Trump Venezuela erneut ins Zentrum der globalen Aufmerksamkeit. Die Anordnung einer Blockade gegen Öltanker, scharfe Vorwürfe gegen Maduro und der Fokus auf das strategisch entscheidende Öl lassen die Spannungen zwischen Washington und Caracas gefährlich ansteigen – mit potenziell weitreichenden Folgen für Energiemärkte, Sicherheitspolitik und internationale Lieferketten.

Trump ordnet Blockade von Öltankern an

US-Präsident Trump verschärft den Druck auf Venezuela deutlich. Laut einem Bericht von Bloomberg kündigte er an, eine Blockade gegen sanktionierte Öltanker zu verhängen, die venezolanische Häfen anlaufen oder verlassen. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund eines verstärkten militärischen Aufmarschs der USA in der Region sowie wiederholter Drohungen mit möglichen Angriffen auf dem Landweg. Ziel ist es, die Regierung von Präsident Nicolás Maduro weiter zu isolieren und finanziell zu schwächen.

„Venezuela ist vollständig umzingelt von der größten Armada, die jemals in der Geschichte Südamerikas zusammengestellt wurde“, schrieb Trump am Dienstag in sozialen Medien. „Sie wird nur noch größer werden, und der Schock für sie wird alles übertreffen, was sie je erlebt haben – bis sie den Vereinigten Staaten von Amerika sämtliches Öl, Land und andere Vermögenswerte zurückgegeben haben, die sie zuvor von uns gestohlen haben.“

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Zugleich erklärte Trump, die Regierung von Maduro werde als „AUSLÄNDISCHE TERRORORGANISATION“ eingestuft. Das „illegitime Regime“ nutze Öl aus „gestohlenen Ölfeldern“, um sich zu finanzieren und damit „Drogenterrorismus, Menschenhandel, Mord und Entführungen“ zu unterstützen. Die Maßnahme markiert eine weitere Eskalation der US-Politik gegenüber Venezuela, dessen Führung Washington seit Langem mit internationalem Drogenhandel in Verbindung bringt.

Die Reaktion der Märkte ließ nicht lange auf sich warten. Die Ölpreise zogen nach den Äußerungen von Trump an: Der US-Rohölpreis West Texas Intermediate (WTI) stieg zeitweise um bis zu 1,7 Prozent und erholte sich damit von dem niedrigsten Stand seit fast fünf Jahren. Venezuela selbst verurteilte die Ankündigung scharf und sprach von einer „rücksichtslosen und ernsten“ Bedrohung.

Die Regierung in Caracas erklärte, Trump wolle „in völlig irrationaler Weise eine angebliche militärische Blockade Venezuelas durchsetzen, um sich die Reichtümer anzueignen, die unserem Vaterland gehören“. Gleichzeitig bekräftigte das Land seine „Souveränität über alle natürlichen Ressourcen“ und kündigte an, den Vorgang bei den Vereinten Nationen als „schwere Verletzung des Völkerrechts“ anzuprangern.

Öl als strategischer Hebel

Mit der Fokussierung auf Öl trifft Trump den zentralen Nerv der venezolanischen Wirtschaft. Die staatlichen Deviseneinnahmen hängen nahezu vollständig von Rohölexporten ab. Bereits verschärfte US-Beschränkungen im Ölhandel haben Venezuela an den Rand einer Hyperinflation gedrängt. In der vergangenen Woche beschlagnahmten die USA zudem einen sanktionierten Öltanker namens The Skipper vor der Küste des Landes. Kurz darauf kehrten drei Super-Öltanker, die ursprünglich Kurs auf Venezuela genommen hatten, um; ein vierter folgte wenige Tage später.

Parallel dazu führte das Pentagon mehr als 20 Angriffe auf mutmaßliche Drogenschmuggler in Gewässern nahe Venezuela und Kolumbien durch. Dabei kamen Dutzende Menschen ums Leben. Trump deutete mehrfach an, dass auch Angriffe auf dem Festland möglich seien und dass Maduro aus dem Amt entfernt werden sollte. Unklar blieb zunächst, auf welche „gestohlenen“ Ländereien und Vermögenswerte sich Trump konkret bezog. In den vergangenen Jahrzehnten hatte Venezuela unter Hugo Chávez und später unter Maduro weite Teile der Ölindustrie und anderer Sektoren verstaatlicht, was viele ausländische Unternehmen zum Rückzug zwang.

Die Analysefirma Rapidan Energy Group sieht nun steigende Wahrscheinlichkeiten für militärische Schläge und einen politischen Übergang in Venezuela. „Die Kampagne des Weißen Hauses gegen Venezuela befindet sich noch in einer frühen Phase, der Druck dürfte sich in den kommenden Wochen deutlich erhöhen“, heißt es in einer Mitteilung. Caracas wiederum spricht von einem gezielten Zugriff der USA auf die größten Ölreserven der Welt.

Wirtschaftlicher Druck und geopolitische Motive

Tatsächlich ist die wirtschaftliche Lage dramatisch. Die Ölförderung ist in den vergangenen zehn Jahren stark eingebrochen. Im vergangenen Monat verschifften Öltanker rund 590.000 Barrel pro Tag – gemessen an einem weltweiten Verbrauch von mehr als 100 Millionen Barrel täglich. Der Großteil des venezolanischen Öls geht nach China. Seit Trump die Handelsbeschränkungen Anfang des Jahres verschärft hat, sind die Dollareinnahmen des Staates in den ersten zehn Monaten 2025 um rund 30 Prozent gesunken. Der Währungsdruck hat die Inflation weiter angeheizt, die laut privaten Schätzungen zum Jahresende über 400 Prozent liegen dürfte.

Zwar kontrolliert der Staatskonzern PDVSA die Ölindustrie, arbeitet aber mit internationalen Partnern wie Chevron zusammen. Das US-Unternehmen ist dank einer Sondergenehmigung von Sanktionen ausgenommen. Nach der Beschlagnahmung von The Skipper senkte Chevron die Preise für venezolanisches Öl, betonte jedoch, dass die Geschäfte „ohne Unterbrechung und in voller Übereinstimmung mit den geltenden Gesetzen und Sanktionsregelungen“ liefen.

Politisch nutzt Maduro die Eskalation, um zum Schulterschluss gegen die USA aufzurufen. Er mobilisierte Milizen, Truppen und militärisches Gerät. Laut Trumps Stabschefin Susie Wiles verfolgt der Präsident dabei ein klares Kalkül: Trump wolle „so lange Boote in die Luft jagen, bis Maduro einknickt“.

FMW/Bloomberg



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5 Kommentare

  1. Naja- wenn die Öllieferungen von Venezuela nach China ausfallen, wird Putin sicher gerne einspringen.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

  2. An Venezuela wo es Öl zu holen gibt geht Trump dran. An einen Kriegsverbrecher traut er sich nicht. Derzeit mangelt es an Fachkräften bei den sogenannten Weltmächten.
    Zum Kotzen

    Wahrscheinlich hat Epstein Putin ein paar nette Informationen gesteckt. Und so hat Russland sein Druckmittel und Trump eskaliert um von seinem Problem abzulenken.

  3. Genau. Der greatest noblest Friedensstifter ever known, jetzt selber am Trigger. Gegen eine Mücke im ganzen Spiel. Als ob Venezuela alleine Schuld an alle Elend auf der Welt hat.
    Wieso verteidigen seine Anhängern ihn noch? Das versteht doch bald kein wohldenkender Mensch mehr?
    Egal, Indizen bewegen sich, schnell gucken Long oder Short bis Mittag

    1. Kleine Ergänzung:
      Gute Nachrichten: Reuters berichtet das der Biggest ever President of the greatest country nun noch schamele 39% approval hat.
      Wann sind Neuwahlen?
      Das halten wir durch.
      Hahahaha.
      Wenn’s nicht so traurig wäre.

  4. Einerseits war die Verstaatlichung der Ölindustrie Gegenstand der Souveränität und territorialen Integrität des OPEC+-Mitgliedslandes Bolivarische Republik Venezuela. Andererseits verweist der 47. US-Präsident Donald John Trump zu recht darauf, daß zu den verstaatlichten Ölfirmen auch US-Unternehmen gehörten. Eine komplizierte Gemengelage. Am besten wäre eine Kooperation zwischen der US-Texas-Ölindustrie und der venezolanischen Ölindustrie. Die weitere Entwicklung des Ölpreises bleibt in diesem Zusammenhang abzuwarten.

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