Märkte

Trump setzt Fed-Gouverneurin ab Trump gegen Cook: Märkte nervös, Fed-Unabhängigkeit wankt

Trump gegen Cook: Märkte nervös, Fed-Unabhängigkeit wankt
New York Stock Exchange. Foto: Bloomberg

Donald Trump sorgt erneut für Turbulenzen: Mit seinem Versuch, Fed-Gouverneurin Lisa Cook abzusetzen, hat er nicht nur Zweifel an der Unabhängigkeit der Notenbank geweckt, sondern auch die Aktienmärkte und den Dollar ins Wanken gebracht. Während Investoren in sichere Häfen flüchten, reagieren die Märkte einmal mehr nervös auf die politischen Manöver des US-Präsidenten.

Trump setzt Fed-Gouverneurin ab

Der US-Dollar geriet am Dienstag ebenso wie die Aktienmärkte unter Druck, nachdem Präsident Donald Trump die Absetzung der Fed-Gouverneurin Lisa Cook verkündet hatte. Laut einem Bericht von Bloomberg löste der Schritt Sorgen um die Unabhängigkeit der Notenbank aus und ließ Investoren in klassische sichere Häfen wie Gold, den Yen und den Schweizer Franken flüchten. Der Dollar-Index verlor zunächst 0,3 %, konnte später jedoch einen Teil der Einbußen wettmachen. Gold legte zeitweise 0,6 % zu, gab die Gewinne jedoch wieder ab, nachdem Cook laut Washington Post erklärt hatte, nicht zurücktreten zu wollen. Asiatische Aktien verloren 0,7 %, während die Futures auf den S&P 500 leicht um 0,1 % nachgaben.

Am US-Anleihemarkt reagierte die Zinsstrukturkurve deutlich: Die Renditen zweijähriger Treasuries fielen, da Spekulationen über eine baldige Zinssenkung zunahmen, während die Renditen am langen Ende stiegen. Anleger fürchten, dass eine lockerere Geldpolitik die Inflation erneut anheizen könnte. Auch französische Staatsanleihen eröffneten schwächer im asiatischen Handel. Hierzulande gab der DAX nach und dürfte demnach mit Abschlägen in den Handelstag starten.

Trumps Entscheidung reiht sich in eine Serie von Maßnahmen ein, die die Attraktivität amerikanischer Vermögenswerte in den Augen internationaler Investoren schmälern. Schon zuvor hatten sein Handelskonflikt und das wachsende Haushaltsdefizit den „Sell America“-Trend verstärkt und Zweifel an der „US-Exzeptionalität“ geweckt. Marktteilnehmer suchen zunehmend nach Alternativen zum Dollar als Weltreservewährung und zu US-Staatsanleihen. Jede Erosion der Fed-Unabhängigkeit könnte diesen Prozess beschleunigen.

US-Dollar volatil nach Trump-Entscheidung

Entlassung von Cook fragwürdig

„Die Entlassung von Cook verstärkt die Bedenken hinsichtlich der Unabhängigkeit der Fed, vorausgesetzt, Cook hat keine rechtlichen Mittel, dagegen vorzugehen“, erklärte Rodrigo Catril, Stratege bei der National Australia Bank in Sydney. „Wenn Trump Erfolg hat, könnte er potenziell vier Vorstandsmitglieder haben, die seine Ansicht teilen. Ob diese Vorstandsmitglieder die Unabhängigkeit der Fed respektieren und sich an das doppelte Mandat der Fed halten, bleibt abzuwarten.“

Trumps Vorgehen folgte auf eine Ankündigung des US-Justizministeriums, gegen Cook zu ermitteln. Auslöser war eine Strafanzeige von Bill Pulte, Direktor der Federal Housing Finance Agency, der ihr Hypothekenbetrug vorwirft. Diese Untersuchung reiht sich ein in eine Serie von Schritten der Trump-Administration, die sowohl politische Gegner als auch die Notenbank unter Druck setzen.

Cook selbst will nicht weichen. Sie werde ihre Arbeit fortsetzen, berichtete die Washington Post unter Berufung auf ein offizielles Statement. Analysten halten Trumps Vorgehen rechtlich für fragwürdig. „Cook wird wahrscheinlich gegen die Absetzung klagen, und wir glauben, dass sie gewinnen kann“, schrieb Bloomberg-Analyst Elliott Z. Stein. Betrugsvorwürfe allein seien kaum ausreichend, um die für eine Entlassung erforderlichen „aus wichtigem Grund“-Kriterien zu erfüllen. Mindestens eine abgeschlossene Untersuchung oder gar eine Verurteilung wären notwendig.

Verunsicherung an den Märkten

Auch am Markt bleibt die Verunsicherung groß. „„Die Märkte sehen solche Schlagzeilen in der Regel als Bedrohung für die Unabhängigkeit der Fed“, sagte Anna Wu, Investmentstrategin bei Van Eck Associates. „Das sorgt für Unsicherheit, bestätigt aber auch, dass Trumps Strategie wahrscheinlich dominieren wird.“

Bloomberg-Strategin Mary Nicola warnte: „Aufgrund einer Flut von Schlagzeilen über Trump, die die ohnehin schon schwankenden Märkte treffen, wird die Risikostimmung weiter schwanken. Nun steht die Glaubwürdigkeit der Fed im Rampenlicht, nachdem Trump versucht hat, Lisa Cook zu entfernen. Dieser Schritt signalisiert, dass eine umfassendere Umstrukturierung möglich sein könnte, wenn politische Entscheidungsträger nicht mehr mit dem Weißen Haus im Einklang stehen. Die Unabhängigkeit der Fed, die lange Zeit als unantastbar galt, gerät zunehmend unter Druck. Davon werden die langfristigen Zinsen und der US-Dollar leiden.“

Auch Ratingagenturen zeigen sich alarmiert. S&P Global Ratings bekräftigte zwar das AA+-Rating der USA, warnte jedoch, dass politische Eingriffe die Stabilität amerikanischer Institutionen und die Unabhängigkeit der Fed unterminieren könnten. „Die Ratings könnten auch unter Druck geraten, wenn politische Entwicklungen die Stärke der amerikanischen Institutionen, die Wirksamkeit der langfristigen Politikgestaltung oder die Unabhängigkeit der Federal Reserve beeinträchtigen würden“, hieß es in einem Bericht von Analystin Lisa Schineller. Dies könne letztlich auch den Status des Dollars als weltweite Leitwährung gefährden.

Parallel belasteten weitere politische Ankündigungen die Märkte. Futures auf den Nasdaq 100 gaben um bis zu 0,5 % nach, nachdem Trump Exportbeschränkungen für Halbleiter in Aussicht stellte. Bereits am Montag hatten die US-Aktienmärkte nach einem kurzen Aufschwung wieder an Boden verloren. Zwar hatte Fed-Chef Jerome Powell zuletzt Zinssenkungen in Aussicht gestellt, doch die Euphorie an der Wall Street kühlte rasch ab. Händler warten nun gespannt auf neue Inflationsdaten am Freitag, die den Kurs der Geldpolitik entscheidend prägen dürften.

Frische Impulse für die Märkte

Die US-Notenbank ringt weiterhin mit einer Inflationsrate, die über dem 2%-Ziel liegt und zuletzt sogar wieder gestiegen ist. Gleichzeitig schwächelt der Arbeitsmarkt, was die geldpolitische Lage noch komplexer macht. Analysten erwarten, dass der von der Fed bevorzugte Preisindex für private Konsumausgaben (PCE) im Juli um 2,9 % im Jahresvergleich zulegte – der stärkste Anstieg seit fünf Monaten.

Auch in Europa nehmen die politischen Risiken zu. Französische Staatsanleihen gerieten unter Druck, nachdem Premierminister Francois Bayrou eine Vertrauensabstimmung ankündigte, die seine Regierung bereits im kommenden Monat stürzen könnte.

Derweil richten sich die Blicke der Aktienmärkte auf die Unternehmensberichte. Ein entscheidender Moment steht bevor, wenn am Mittwoch nach Börsenschluss die Zahlen von Nvidia veröffentlicht werden. Mit einem Gewicht von fast 8 % im S&P 500 und seiner Schlüsselrolle im Bereich Künstliche Intelligenz ist der Konzern ein Gradmesser für die Aktienmärkte – und damit ein Prüfstein für die Rally.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

4 Kommentare

  1. Demnach die Notenbank wie jede andere Organisation nicht unabhängig ist sondern mit drinnen hängt, kommen da keine Zweifel auf.
    Es ist so, dass einmal wirklich versucht wird etwas zu ändern. Ob es erwas bringt/richtig ist, wäre die Frage.

  2. Zeitliche Einordnung:

    „Der US-Dollar geriet am Dienstag ebenso wie die Aktienmärkte unter Druck, nachdem Präsident Donald Trump die Absetzung der Fed-Gouverneurin Lisa Cook verkündet hatte.“

    Aber heute ist doch erst Dienstag und die USA hinken mit der nominellen Zeit hinterher. Lebt der Autor kN der Zukunft?

  3. Erdogansche Finanzpolitik. bekommen wir die US Lira?

  4. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Im Allgemeinen lieben die Aktienmärkte niedrige Zinsen ..weil sie die “ Alternativlosigkeit“ derselben betonen…( TINA )….

    Bei 19 bis 21 Prozent Leitzins …wie von 79 bis 81 in den USA gesehen …ist es schwer neue Käuferschichten für den Dow zu finden…!

    Aktienmärkte brauchen auf lange Sicht billige Zinsen! Billiges Geld der Notenbanken!

    Das weiß auch der Trump…!

    Das er es jetzt mit der Brechstange probiert ist logisch…bei den Übertreibungen an den Märkten bleibt ihm gar nichts weiter übrig…!

    Er muss die Blase nähren…auf Teufel komm raus…! Sonst platzt die mit einem lauten Knall!

    Vorbild sind die japanischen Abenomics nach 2012…! Das schwebt Trump vor..eine neue „Bank of Japan 2.0″… !

    Solange sich die Investoren nicht trauen …den Dollar als Weltwährung infrage zu stellen…ist die Macht der amerikanischen Notenbank nahezu unbegrenzt…!
    Erst wenn der Dollar fällt…fällt die Fed…!
    Eine Möglichkeit der Inflation zu entgehen ist Gold…das gelbe Edelmetall ist eben nicht…völlig beliebig.. auf Knopfdruck vermehrbar…!
    Die Notenbanken lieben und hassen das gelbe Edelmetall gleichzeitig….auf der einen Seite horten sie es selbst …für schlechte Zeiten…auf der anderen Seite hassen sie es in den Händen der Kleinanleger…da sich das Gold der (digitalen) Geldkontrolle..auch der Inflation entzieht…!
    Es gab schon oft Goldverbote…nicht zuletzt in den USA…über Jahre und Jahrzehnte…!
    „Gold gab ich für Eisen „….damit warben die Oberen im Kaiserreich für den Umtausch..von teurem Gold in wertloses Eisen!
    Das Resultat war die Hyperinflation von 1923 !
    Es beteiligten sich vor allem die niederen Ränge an der Umtauschaktion…die Höheren behielten das Gold schön für sich…!

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage