Märkte

Öl-Deal über 2,8 Milliarden Dollar Trump greift nach Venezuela-Öl: Deal mit globaler Sprengkraft

Trump greift nach Venezuela-Öl: Deal mit globaler Sprengkraft
Raffinerie Petroleos de Venezuela SA (PDVSA) in El Palito, Venezuela. Foto: Manaure Quintero/Bloomberg

US-Präsident Donald Trump kündigt einen ungewöhnlichen Öl-Deal mit Venezuela an: Das südamerikanische Land werde den USA zwischen 30 und 50 Millionen Barrel „hochwertiges, sanktioniertes Öl“ überlassen. Beim aktuellen Ölpreis entspricht das einem Wert von bis zu 2,8 Milliarden US-Dollar. Die Ladungen sollen am Markt verkauft werden; die Erlöse würden – so Trump – durch ihn als Präsident kontrolliert und sowohl den USA als auch der venezolanischen Bevölkerung zugutekommen, berichtet Bloomberg. Als größter Verlierer könnte China dastehen, sollte Trump die Neuordnung der Ölströme tatsächlich vorantreiben und venezolanische Exporte dauerhaft stärker in Richtung USA umlenken.

Die Ankündigung erfolgte spät am Dienstag per Social-Media-Post und blieb in zentralen Punkten vage. Dennoch markiert sie eine deutliche Eskalation der US-Strategie, den wirtschaftlichen und geopolitischen Einfluss in Venezuela auszuweiten – insbesondere nach der Festnahme des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro am Wochenende. Zugleich ist der Schritt ein Rückschlag für China, bislang wichtigster Abnehmer venezolanischen Rohöls und enger Partner der Regierung in Caracas.

Trump schrieb: „Ich freue mich, bekannt geben zu können, dass die Interimsbehörden in Venezuela zwischen 30 und 50 Millionen Barrel hochwertiges, sanktioniertes Öl an die Vereinigten Staaten von Amerika übergeben werden.“ Und weiter: „Dieses Öl wird zum Marktpreis verkauft, und dieses Geld wird von mir als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika kontrolliert, um sicherzustellen, dass es zum Nutzen der Menschen in Venezuela und der Vereinigten Staaten eingesetzt wird!“

Der Markt reagierte umgehend: Der US-Ölbenchmark West Texas Intermediate (WTI) fiel nach Trumps Äußerungen um bis zu 2,4% und notiert aktuell bei rund 56.30 Dollar je Barrel. Der Ölpreis reagiert damit sensibel auf jede Nachricht, die zusätzliche Angebotsimpulse suggeriert – auch wenn die tatsächliche wirtschaftliche Tragweite zunächst begrenzt erscheinen dürfte.

Politisch groß, wirtschaftlich begrenzt

Die von Trump genannten Mengen entsprechen laut Schätzungen etwa 30 bis 50 Tagen venezolanischer Produktion vor der teilweisen US-Blockade – allerdings auf einem Niveau, das bereits weit unter historischen Höchstständen liegt. Zwar verfügt Venezuela über die größten nachgewiesenen Ölreserven der Welt, doch die Förderung ist in den vergangenen Jahrzehnten massiv eingebrochen: wegen Vernachlässigung, mangelnder Investitionen und dem Abzug vieler ausländischer Ölkonzerne. Heute steht das Land für weniger als 1% des weltweiten Ölangebots. Marktbeobachter gehen davon aus, dass es Jahre und Milliardeninvestitionen bräuchte, um die Produktion wieder substanziell zu steigern.

Entsprechend ordnen Analysten den wirtschaftlichen Effekt eher als kurzfristig ein. Haris Khurshid, Chief Investment Officer bei Karobaar Capital, erklärte: „Selbst am oberen Ende klingt das mit 30 bis 50 Millionen Barrel politisch groß, aber wirtschaftlich ist es klein.“ Und weiter: „Das ist ein einmaliger Fluss, keine strukturelle Verschiebung des Angebots.“ Für den Ölpreis bedeutet das: mögliche Volatilität, aber kein nachhaltiger Angebotsschock – zumindest auf Basis der bisher bekannten Details.

Unklar bleibt zudem, aus welchen Quellen das Rohöl konkret stammen soll. In Venezuela hat sich seit Beginn der US-Blockade im vergangenen Monat ein Rückstau an unverschifften Mengen aufgebaut – sowohl in Lagertanks als auch an Bord gecharterter Schiffe. Der staatliche Konzern Petróleos de Venezuela (PDVSA) läuft laut der maritimen Analysefirma Kpler zunehmend Gefahr, die Lagerkapazitäten auszureizen, während die Blockade andauert.

Die US-Seite hält sich derweil bedeckt: Weder Vertreter des Energieministeriums noch des Weißen Hauses reagierten auf Anfragen nach zusätzlichen Informationen. Auch Venezuelas Informations- und Ölministerium äußerten sich nicht. Trump erklärte lediglich, das sanktionierte Öl werde „von Lagerschiffen übernommen“ und „direkt zu Entladedocks in den Vereinigten Staaten“ gebracht. Energieminister Chris Wright sei beauftragt worden, den Plan „sofort“ umzusetzen.

Trump will Öl-Deal mit Venezuela - China als Verlierer: Ölpreis fällt
Amerikas Importe von venezolanischem Öl sind eingebrochen

US-Raffinerien profitieren, China verliert Einfluss

Für US-Raffinerien könnte das venezolanische Öl besonders wertvoll sein: Viele Anlagen an der Golfküste sind darauf ausgelegt, schweres, schwefelhaltiges Rohöl zu verarbeiten – eine Qualität, die in Venezuela typisch ist. Betreiber wie Phillips 66 und Valero Energy könnten daher zu den Gewinnern zählen. Ihre Aktien waren bereits am Montag gestiegen, nachdem Maduro festgesetzt worden war.

Ein Teil des Rohöls könnte außerdem in kommerzielle Lagertanks fließen und damit die US-Bestände stützen, die aktuell nahe saisonalen Fünfjahrestiefs liegen. Auch das ist ein Faktor für den Ölpreis, da niedrige Lagerbestände den Markt anfälliger für Preissprünge machen.

Parallel verdichten sich Hinweise, dass Washington nicht nur kurzfristig Barrel sichern, sondern die Ölpolitik Venezuelas strategisch neu ausrichten will. ABC berichtete, die Trump-Regierung habe Venezuelas Interimschefin Delcy Rodriguez aufgefordert, exklusiv mit den USA an der Ölproduktion zu kooperieren und amerikanische Käufer bei Verkäufen schwerer Rohölsorten zu bevorzugen. Zudem verlange das Weiße Haus, dass Venezuela seine wirtschaftlichen Beziehungen zu China, Russland, Iran und Kuba zurückfährt – ein politischer Bruch mit der bisherigen Ausrichtung, da Caracas zuletzt stark auf diese Länder als wirtschaftliche und sicherheitspolitische Stützen angewiesen war.

Neuordnung der Ölströme

Für China wäre das ein harter Einschnitt. Vor Blockade und Maduro-Festnahme war Peking der Hauptprofiteur von stark rabattiertem venezolanischem Öl. Diese Lieferungen sind inzwischen weitgehend gestoppt – abgesehen von Frachten, die bereits in Asien sind. China könnte nun stärker auf Alternativen wie irakisches oder kanadisches Rohöl ausweichen.

Christopher Beddor, stellvertretender China-Research-Direktor bei Gavekal Dragonomics, sagte: „Die chinesische Regierung bereitet sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ein Szenario vor, in dem alle venezolanischen Öllieferungen gestoppt werden.“ Und er ergänzte: „Die Folgen der aggressiven Wiederbelebung der Monroe-Doktrin durch die Trump-Regierung könnten für China weitreichend sein.“ Das wird Peking vermutlich zwingen, seine Importabhängigkeit von Rohstoffen aus vielen anderen lateinamerikanischen Ländern grundsätzlich zu überdenken.“

Die Spannungen reichen inzwischen bis auf die Weltmeere. Washington versucht seit Wochen, die venezolanische Regierung durch gezielte Tanker-Operationen von Einnahmen abzuschneiden. US-Kräfte sollen dabei auch die „Bella 1“, ein leeres Ölschiff, bis in den Atlantik verfolgt haben. Russland habe daraufhin ein U-Boot und weitere Marineeinheiten zur Eskorte entsandt, berichtete das Wall Street Journal.

Für Investoren bleibt damit der Kernpunkt: Die Trump-Ankündigung ist geopolitisch bedeutend, ökonomisch jedoch vorerst überschaubar. Entscheidend für Venezuela, den Ölpreis und die Machtbalance gegenüber China ist weniger die einmalige Lieferung – sondern ob daraus eine dauerhafte Neuordnung der Ölströme entsteht.

FMW/Bloomberg



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

3 Kommentare

  1. Putin wird sich freuen.
    Und China hat durch eine gemeinsame Grenze mit Russland einen sicheren Transportweg.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  2. Langweilige Mittte

    „Trump schrieb: „Ich freue mich, bekannt geben zu können, dass die Interimsbehörden in Venezuela zwischen 30 und 50 Millionen Barrel hochwertiges, sanktioniertes Öl an die Vereinigten Staaten von Amerika übergeben werden.“ Und weiter: „Dieses Öl wird zum Marktpreis verkauft, und dieses Geld wird von mir als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika kontrolliert, um sicherzustellen, dass es zum Nutzen der Menschen in Venezuela und der Vereinigten Staaten eingesetzt wird!““

    Wow, das ist eine Ansage. Wenn man die mal ernst nimmt verkauft sich das ja wie eine gute Sache.

    Eines ist auch relativ einfach zu verstehen: Krieg wird mit Öl gemacht bzw. nicht gemacht. Wenn die USA hier einen Fuß in die Tür stellt, dann bedeutet das noch viel mehr.

    Ich wünsche mir von unserer Außenpolitik, dass sie dieses Jahr gar nichts sagt und von unseren anderen Politikern wünsche ich mir das gleiche, was die Außenpolitik betrifft. Ich meine wir haben die letzten Jahre ja schon so viel gesagt, dass wir dieses Jahr auch schweigen dürfen. Es wird kaum jemand vermissen.

    Lasst uns dieses Jahr mal höchst langweilige Innenpolitik betreiben, wir können da draußen weder mitmischen, noch irgend jemand mit Worten von irgendwas abhalten. Auch wenn es wahnsinng spannend ist. Wir haben selbst ernsthafte Probleme, um die wir uns selbst kümmern müssen.

    Was macht eigentlich der Stromausfall?
    Was machen die Gaskraftwerke, um vom CO2 runter zukommen und als Grundlage für den weiteren EE-Ausbau?
    Was machen die verzerrt aufgeblasenen Kosten für die Krankenkassen?
    Gibt es schon Anreize für den Wohnungsbau? Wir haben einen Notstand

    Will jemand anderen helfen, brauchen wir nicht unbedingt in fernen Ländern zu suchen. Ich meine, ich finde das schon richtig (nicht alles) aber haben wir hier nicht genug Not vor der Tür?
    Wenn ich durch die Straßen an der Tafel vorbei laufe, was ich da sehe, gefällt mir nicht.

    War nicht ein Plan, die Bürukratie abzubauen?
    An der finanziellen Grundlage der Rente müsste man auch mal was machen.

  3. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Jetzt kündigen schon erste Analysten Ölpreise von weit unter 50 Dollar an…Begriffe wie Ölschwemme oder globale Überproduktion machen schon wieder die Runde….

    Alles erinnert an die Fracking Krise von 2016…da ging’s bis auf fast 25 runter…

    Erst als sich die OPEC erbarmte und Förderkürzungen vornahm konnten die US Fracker aufatmen….

    Wichtig zu wissen: Der Break Eaven liegt im Durchschnitt… bei knapp 50 US Dollar das Barrel… bei den Frackern….

    Alles darunter ist Verlust…die Fracker sind hochverschuldet…und haben ihre Verbindlichkeiten hauptsächlich bei den Regiionalbanken stehen….
    Über 150 Milliarden US Dollar stünden sofort im Feuer wenn die neue Fracking Krise käme…

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung


Meist gelesen 7 Tage