Donald Trump legt den Handelskrieg diesmal verhandlungstaktisch anders an als in seiner ersten Amtszeit.
Trump-Handelskrieg: die neue Strategie
In der ersten Amtszeit von Trump war die Reihenfolge von Trump: 1.Androhen, 2.Verhandeln, 3.Einführen – oder nicht.
In der zweiten Amtszeit lautet die Reihenfolge: 1.Einführen, 2.Verhandeln, 3.(Teil-)Aufheben oder nicht.
Jeder halbwegs erfahrene Verhandler weiß: wenn man den Eindruck erweckt, keine eigene Schmerzen in Kauf nehmen zu wollen, wird Tür und Tor für immer neue Zugeständnisse geöffnet. Das ist wie bei einem Erpresser, der sein Opfer über längere Zeiträume mit immer neuen Forderungen sukzessive immer weiter abkocht, um sich sein Pfand abkaufen zu lassen.
Bei Mexico und Kanada scheint dieses Prinzip nur zum Teil verfangen zu haben. Sie signalisieren durch das sofortige Einknicken – noch bevor die Zölle tatsächlich umgesetzt wurden – dass Sie nicht wirklich bereit sind, ihre Gegenmaßnahmen zu realisieren. Die Nachbarn setzen offensichtlich darauf, dass Trump ein Gewissen oder eine Verhandlungsethik hat – und das Einknicken gegenüber seine initialen (aber in der Bedeutung wohl vorgeschobenen) Forderungen nicht als Schwäche, sondern als Verhandlungsangebot auf Augenhöhe auslegen wird.
Hier aber dürfen Zweifel angemeldet werden. Es geht Trump wie eben nicht nur um Einwanderung und Drogenhandel, sondern um sein Credo der Handelsbilanzdefizite: andere Länder würden die USa durch ihre Handelsbilanzüberschüsse ausnutzen. Das wird man mit Grenzschutz durch die Nationalgarde nicht bekämpfen können. Die Sache ist also aufgrund des Aufschubs von einem Monat noch lange nicht vom Tisch, sondern er hat die erste Runde unmittelbar mit dem ersten Niederschlag dieser Gegner begonnen.
Wer kuscht, bekommt von Trump noch mehr Forderungen
In der Welt Trumps zählt allein das Gesetz des Stärkeren bzw. die Willigkeit, mit Maßnahmen dagegen zu halten. Schwäche und Zugeständnisse werden mit noch mehr Forderung nach Unterwerfung geahndet.
Trump kann eines – verhandeln. Aber das können überraschend viele Bauernschlaue, denen ihr Gewissen nicht im Weg steht. Dazu gehört, die Verhandlungsstärke seines Gegenübern gut einzuschätzen. Die Schwachen frisst er zum Frühstück. Im Falle Chinas traut ist Trump schon vorsichtiger – sichtbar auch an der Zollhöhe.
Die Verhandlungstaktik Trumps ist ein wenig diffiziler als ursprünglich ersichtlich bzw. großmäulig angekündigt. Es gibt keine pauschale Erstansage für Alle – und dann über den Verhandlungsweg die spätere (Teil-) Einführung der Zölle (oder eben nicht). Diesmal nämlich wird die Anfangsforderung Trumps an das Risiko der Wahrscheinlichkeit und Schmerzhaftigkeit möglicher Gegenmaßnahmen, sowie der Moderationsmöglichkeit des darauf folgenden Verhandlungsprozesses angepasst. Die Gefahr, sich vorher in den Positionen festzufahren und die Gesprächsbasis und somit die Kontrolle über die Verhandlungsführung zu verlieren, wird dadurch reduziert.
Xi Jinping ist da aus einem anderen Holz geschnitzt, das weiß Trump. Dazu kommt, dass die Machtverhältnisse und damit die Ausgangslage hier wesentlich ausgeglichener ist. Jedenfalls hat der sich der Xi Jinping nicht sofort den Schneid abkaufen lassen, sondern er hat mit sofortigen Gegenmaßnahmen gezeigt, dass Schlittenfahren mit ihm weniger lustig ist. Mal sehen, wer und wann nun hier den Schritt zu Punkt zwei des Verhandlungsprozesses sucht – oder ob die Entwicklung in einer Eskalationsspirale weiterläuft.
Für meinen Teil habe ich schon eine Ahnung ,wen von den drei Erst-Kontrahenten dieser Handelskrieg am Ende des Tages mehr kosten wird..
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