Folgen Sie uns

Indizes

Trump hat recht – die Fed lügt

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

In einem Punkt treffen die jüngsten Verbalattacken von Trump in Richtung Fed voll ins Schwarze: der Staatsfinanzierung. Noch am 1. Mai tönte der Fed-Chef Jerome Powell auf der Pressekonferenz nach der damaligen Zinssitzung, dass die US-Staatsschulden für die Entscheidungsfindung der US-Notenbank keine Rolle spielen würden. Diese und ähnliche Aussagen von Fed-Offiziellen sind der Versuch, ein gigantisches Problem zu marginalisieren – entgegen der Faktenlage, wie die neuesten Daten aus dem US-Finanzministerium heute zeigen werden.

Trump kennt die Zahlen und legt den Finger in die Wunde

Heute findet nicht nur die viel beachtete EZB-Zinssitzung statt, sondern auch die Veröffentlichung der mindestens ebenso bedeutsamen Haushaltszahlen für die US-Bundesregierung. Die Zahlen, die das Ministerium von Steven Mnuchin vorlegen wird, kennt Trump mit Sicherheit schon, was ihn wohl gestern erneut zu einem Twittersturm gegen die Fed veranlasste. Stimmen nämlich die Vorabschätzungen der Rechnungsprüfer vom Congressional Budget Office (CBO) dann wird dass Haushaltsdefizit am Ende des Fiskaljahres zum 30. September nur ganz knapp unter der Marke von 1 Billion Dollar liegen. Für das in Kürze startende neue US-Fiskaljahr 2019/2020 wird mit einem Defizit von 1,2 Billionen US-Dollar gerechnet. Trump regen in diesem Zusammenhang besonders die explodierenden Zinskosten auf, die nicht nur wegen des Defizits, sondern auch wegen der Zinssteigerungen der Fed von Oktober 2018 bis August 2019 um 48 Mrd. US-Dollar zugelegt haben.

Zinsausgaben der US-Bundesregierung (Quelle: The Department Oft The Treasury, Zerohedge).

Trump, die Fed und die Wahrheit

In Sachen Realitätseinschätzung, da hat Trump ebenfalls recht, lag die US-Zentralbank tatsächlich meistens „hinter der Kurve“. So ist z. B. ihre Fähigkeit, den Wirtschaftssubjekten Orientierung in Sachen Konjunkturzyklus zu geben, stark unterausgeprägt. Ihre Fähigkeit, Rezessionen vorherzusagen ist gleich null. So kamen die Fed-Gouverneure auf der besagten Zinssitzung Ende April/Anfang Mai auch zu dem Schluss, dass ihre abwartende Haltung in Sachen Geldpolitik angemessen und ausgewogen sei, sich die US-Wirtschaft nur in einer „weichen Delle“ befände und die einzigen negativen wirtschaftlichen Einflüsse aus dem Ausland kämen.

Nichts davon hat sich im Nachhinein als wahr herausgestellt. Bekanntlich geht der Handelskrieg faktisch vom Weißen Haus aus, also von amerikanischen Fiskalpolitikern aus den USA und nicht aus dem Ausland.

Natürlich verfügt die US-Notenbank entgegen der Behauptung von Trump über genug Manpower und Sachverstand, um die Lage nüchtern und realistisch einschätzen zu können. Gleichwohl wird jedes Wort von Fed-Offiziellen weltweit auf die Goldwaage gelegt und kann zwischen Crash und Hausse entscheiden. Deshalb kann man von ihnen auch nicht die Wahrheit erwarten. So auch beim Thema US-Staatsschulden und deren Einfluss auf die Geldpolitik.

Doch das könnte in Zukunft noch sehr problematisch werden, wenn das Vertrauen in die Fed und damit den US-Dollar immer weiter erodiert, weil sie lügen muss. Dass Trump darauf keine Rücksicht nimmt, ist ein riesiges Problem für die Verbalakrobaten aus 1850 K Street in Washington, DC.

Fazit

Nichts jagt der amerikanischen Finanzelite und Donald Trump selbst mehr Schauer über den Rücken, als das Eingeständnis, dass auch die USA den Weg der Japanisierung gehen und dass die Weltleitwährung US-Dollar damit als unangefochtene Nummer eins das gleiche Schicksal erleidet, wie die US-Wirtschaft selbst: Man wird sich den obersten Podestplatz in Zukunft zumindest teilen müssen.

Doch das bedeutet auch, auf viele Annehmlichkeiten, die mit dem jetzigen Weltwährungsprivileg einhergehen, einzubüßen. Das schlimmste aller Szenarien für die Fed wäre, am Ende selbst noch das verhasste Gold kaufen zu müssen, um den Dollar als Reservewährung attraktiv zu halten, nachdem auch dieser sukzessive seinen Zins und seine globale Dominanz verliert. Viele Staaten, u. a. China, Russland und die Türkei, schichten gerade massiv in Gold um, um sich vom US-Dollar zentrischen Finanzsystem zu emanzipieren.

Das aggressive Vorgehen der USA auf politischer, wirtschaftlicher und militärischer Ebene durch Druck, Erpressung, Sanktionen, Strafzölle und Verbannung (Huawai etc.) mit dem Ziel, sich Konkurrenten vom Leib zu halten, erzielt damit immer mehr die gegenteilige Wirkung.

Trump sieht die wirtschaftliche Lage der USA realistischer als die Fed und Jerome Powell

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Daxrabbit

    12. September 2019 11:53 at 11:53

    Fed und Gold KAUFEN ?
    Das kann ja richtig teuer werden :-)
    Boese Schelme behaupten die haetten in der Vergangenheit (zu) viel von ihren Lagerbestaenden verkauft.
    Wenn sich das im Chart wiederspiegelt kommt fuer viele Freude auf !!!

  2. Avatar

    fakir

    13. September 2019 09:33 at 09:33

    Ich kann mir gut vorstellen, dass es zu einem bestimmten Zeitpunkt eine klare Entscheidung geben wird bzgl. klassischem Gold oder kryptobasiertem Ersatz.
    Und natürlich kann man hier nur spekulieren, aber ich würde dann doch auf Gold setzen.

    Sollte sich die Fed und in dem Zuge auch die Menge der anderen Zentralbanken auf dieselbe Seite schlagen, würde nicht nur Gold extrem an Wert gewinnen sondern gleichzeitig auch alles was Krypto ist, massiv in den Keller gehen. Wahrscheinlich bleiben nur noch die smart contracts übrig.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Bitcoin

Goldpreis: Gestern Bitcoin-Absturz, heute Gold! Marktgeflüster (Video)

Gestern stürzte Bitcoin ab, heute fällt der Goldpreis mit einer schnellen Bewegung unter die Unterstützung bei 1800 Dollar. Was ist da los?

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Gestern stürzte Bitcoin ab, heute fällt der Goldpreis mit einer schnellen Bewegung unter die Unterstützung bei 1800 Dollar (und das im buchstäblich selben Moment, als auch der VIX deutlich fiel). Was ist da los? Wiederholt sich das Geschehen aus dem März, als ein heftiger Abverkauf von Bitcoin das Vorspiel für den Absturz der Aktienmärkte im März-Crash war? Auffallend ist die Schwäche im Goldpreis und gestern die Schwäche bei Bitcoin) vor allem deshalb, weil der Dollar alles andere als Stärke zeigt – normalerweise unterstützt ein schwacher Dollar das gelbe Edelmetall. Die heute in den USA verkürzt handelnden US-Aktienmärkte nun immer mehr im „Gier-Modus“ – wie lange geht das noch?

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Indizes

Rüdiger Born: Die aktuelle Lage am verkürzten US-Handelstag

Rüdiger Born

Veröffentlicht

am

Ich melde mich im folgenden Video mit einem kurzen Überblick zur aktuellen Marktlage. Denken Sie an den heute verkürzten Handelstag in den USA!

Wollen Sie meine täglichen Analysen im „Trade des Tages“ erhalten? Dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei! Melden Sie sich dafür einfach hier an.

BORN-4-Trading – Trading-Ideen kostenfrei aufs Smartphone! Aktuelle Trading-News, Handelsideen und Trader-Know-how, Rüdiger Born sendet seine Einschätzungen direkt auf Dein Smartphone, entweder als Video- oder Voice-Nachricht oder einfach als schneller Text mit Bild. Welche Märkte kann man handeln, wo gibt es interessante aktuelle Trading-Setups, wo wären Einstiege möglich oder aber Stopps sinnvoll? Brandaktuell, überall und in gewohnt professioneller und spritziger Art. Klicke dazu einfach an dieser Stelle.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Indizes

Nikkei 225: Das Comeback des japanischen Leitindex

Hatte es der Großinvestor Warren Buffett geahnt, oder war er sogar ein kleiner Auslöser dafür: Nämlich die Stärke des japanischen Nikkei 225 – trotz explodierender Schulden

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Hatte es der Großinvestor Warren Buffett geahnt, oder war er sogar ein kleiner Auslöser dafür: Nämlich die Stärke des japanischen Sammelindex Nikkei 225, inmitten der Corona-Krise und bei explodierenden Staatsschulden. Dieser bemüht sich nach Kräften, endlich das Trauma des Immobilien-Crashs von 1989 zu neutralisieren, der Index kletterte jüngst auf ein fast 30-Jahreshoch.

Der japanische Index – auf dem Weg zu alten Höhen?

Immer wieder wird von Aktienpessimisten Japan als Negativbeispiel angeführt. Der unheimliche Aktien-Boom in den 1980-er-Jahren, verbunden mit der Immobilienblase (Hans-Werner Sinn: Für Tokyo hätte man ganz Kanada kaufen können!) führte zu abstrusen Börsenbewertungen:

 

Die Mutter aller Index-Fahnenstangencharts (bis zur Corona-Krise):

Die Aktienmärkte - hier der Nikkei

Der Höchststand des Nikkei 225 vom 29. Dezember 1989 lag auf Schlusskursbasis bei 38.913 Punkten, dann erfolgte ein Absturz ohnegleichen mit vielen erratischen Schwankungen und einem Tief am Ende der Finanzkrise von 7054 Punkten.

Aber wer hat im Jahr 1989 all sein Geld in den Nikkei 225 investiert und nicht vorher und danach? Im Übrigen hätte ein monatlicher Sparplan auf den Index über viele Jahre eine gewaltige Rendite gebracht, durch den Cost-Average-Effekt, nur muss der Index irgendwann einmal kräftig anziehen, dann schießt der Wert mit all den billig erworbenen Anteilen kräftig in die Höhe. So wie es beim Nikkei 225 schon seit geraumer Zeit aufwärts geht.

Ein Vergleich der Marktperformance:

Seit dem Corona-Tief:

S&P 500: plus 60 Prozent
Dax: plus 52 Prozent
Nikkei: plus 50 Prozent

Seit dem Tief in der Finanzkrise 2009:

S&P 500: plus 436 Prozent
Dax: plus 362 Prozent
Nikkei: plus 364 Prozent
Jetzt ist der Index noch weiter gestiegen und erreichte gestern 26.537 Punkte.

Wobei hier wieder einmal festzustellen ist, dass bei unserem Dax als Performanceindex die ausgeschütteten Dividenden mit eingerechnet wurden, anders als bei den international üblichen Kursindizes. Was im Jahresvergleich nicht viel ausmacht, verzerrt das Bild bei einem 11-Jahreszeitraum durch den Zinseszinseffekt doch sehr deutlich.

Was also fast nach einem Gleichlauf aussieht, wird im 3-Monatsvergleich nach dem Einstieg von Warren Buffett deutlicher, Japan fiel im Oktober nicht mehr so stark und erholte sich stärker.

S&P 500: plus 4 Prozent
Dax: plus 1 Prozent
Nikkei: plus 13 Prozent

Die Entwicklung der Wirtschaft

Dass die Börse in Japan so stark gestiegen ist, liegt zum einen natürlich an der Bank of Japan, die bereits 53 Prozent der japanischen Staatsanleihen in ihren Büchern hält und immer wieder ETFs auf den Aktienmarkt erwirbt.

Der Nikkei 225 mit seinen über 12 Billionen Euro Marktkapitalisierung hat natürlich noch andere Investoren.

Aber vonseiten der Wirtschaft gibt es auch einige Signale der Hoffnung.

Doch zunächst zum Einstieg von Warren Buffett. Seine Gesellschaft Berkshire Hathaway kaufte im Herbst etwas mehr als fünf Prozent der Aktien der fünf großen japanischen Handelshäuser, die jahrzehntelang Japans Außenhandel bestimmt haben. Für uns relativ unbekannte Namen wie Itochu, Marubeni, Mitsubishi, Mitsui und Sumitomo. Und seine Gesellschaft sei bereit, den Einsatz auf bis zu 9,9 Prozent zu erhöhen.

Japan ist verglichen mit den USA erheblich preiswerter. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) des Dow Jones liegt bei 2,9, jenes des Nikkei 225 hingegen nur mit bei 1,1.

Japans Wirtschaft erholt sich derzeit von einer Rezession, die schon im vierten Quartal 2019 begonnen hatte. Japans Konsumenten erhöhten ihre Ausgaben im Sommer um 4,7 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im dritten Quartal auf Jahresbasis um 21,4 Prozent, 2,5 Prozent stärker als von Analysten erwartet wurde.

Hinzu kommt, dass die XXVII. Olympischen Sommerspiele in Tokyo doch vom 23. Juli bis zum 8. August 2021 stattfinden sollen, wie IOC-Präsident Dr. Thomas Bach bei seinem letzen Besuch in Japan angekündigt hat.

Ein Schub durch das Freihandelsabkommen RCEP

Das vor knapp zwei Wochen abgeschlossene Freihandelsabkommen RCEP, abgekürzt für Regional Comprehensive Economic Partnership, zwischen 15 Ländern Ostasiens und Ozeaniens, gab der Börse einen weiteren Kick. Japan erhält dadurch erstmals bevorzugten Zugang zu China und Südkorea. Die Annäherung der drei Länder gilt als historischer Vorgang. Das Abkommen wird als Wegbereiter für ein künftiges asiatisches Wirtschaftswachstum gesehen, auch zu einer Zeit, in der sich die Region ohnehin aufgrund der Eindämmung der Pandemie konjunkturell besser als der Rest der Welt entwickelt.

Fazit

Was kann man aus der diesjährigen Entwicklung des Nikkei für Lehren ziehen? Staatsschulden, selbst in astronomischer Höhe (über 250 % zum Bruttoinlandsprodukt), führen nicht zwangsläufig zum Einbruch. Nämlich dann, wenn die Bürger an die Stabilität der eigenen Währung glauben und genügend Sparvermögen bilden und natürlich von der Funktionsfähigkeit der eigenen Notenbank überzeugt sind, die viele der Staatssschulden in ihren Büchern hält. Das Vertrauen in das Geld ist Grundvoraussetzung für die Schuldentragfähigkeit.

Dann sollte die eigene Währung eine gewisse Stabilität aufweisen, damit die Exportwirtschaft nicht unter die Räder gerät, aber auch ausländische Produkte für die Bürger erschwinglich bleiben. Ganz besonders wichtig ist natürlich die Stabilität des Geldes im Hinblick auf die Inflation. In Japan lag die Teuerungsrate über 20 Jahre gerade mal bei 0,5 Prozent per annum. Aber aus dieser Argumentation könnte man auch schlussfolgern, dass es dann krachen wird, wenn auch nur einer der drei Faktor nicht mehr gegeben ist, insbesondere wenn die Inflation zu galoppieren beginnt. Inflation, das Thema der nächsten Jahre nach der epochalen Geldschwemme des Corona-Jahres 2020?

 

Der Nikkei in Japan mit zuletzt starker Entwicklung

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage