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Zusammenprall zweier Weltbilder Trump in China: Chaos hinter den Kulissen

Eskalation am Himmelstempel

Trump China Chaos
Foto: EyeEm - Freepik.com

Hinter roten Teppichen und Staatsbanketten eskalierte der Trump-Besuch in China zu einem diplomatischen Sicherheits- und Symbolchaos.

Trump in China: Chaos hinter den Kulissen

Der Staatsbesuch von Donald Trump in China entwickelte sich hinter den perfekten Bildern schnell zu einem diplomatischen Chaos hinter den Kulissen. Zwar inszenierten beide Seiten den Empfang mit rotem Teppich, jubelnden Schulkindern und demonstrativer Harmonie, doch abseits der Kameras dominierten Misstrauen, Sicherheitskonflikte und organisatorische Pannen das Geschehen. Während die offiziellen Aufnahmen ein Bild gegenseitigen Respekts vermittelten, zeigte sich im Hintergrund eine Atmosphäre, die eher an eine Krisensituation als an einen erfolgreichen Staatsbesuch erinnerte.

China und Trump-Besuch: Einweg-Handys und totale Paranoia

Als Vorsichtsmaßnahme wurde den Begleitern von Präsident Trump angewiesen, während des Besuches Einweghandys und temporäre E-Mail-Adressen zu verwenden, um chinesische Spionageversuche zu unterbinden. Wie tief das Misstrauen, aber auch die Frustration über die von einem Mitarbeiter des Weißen Hauses so bezeichnete „Shitshow“ war, lässt sich auch daran erkennen, dass nicht nur die Einweg-Handys, sondern auch die obligatorischen Anstecknadeln und Akkreditierungsausweise in einen Mülleimer an der Gangway zur Präsidentenmaschine geworfen wurden.

Für die chinesischen Gastgeber muss dies wie ein Offenbarungseid gewirkt haben, wie wenig die Amerikaner die Gastfreundschaft geschätzt haben und welchen Wert der Besuch wirklich hatte. Die US-Delegation hätten den Takt haben können, diese Gegenstände in der Air Force One zu entsorgen.

Allerdings begann das Chaos offenbar schon am ersten Tag, als chinesische Medienvertreter mehrfach Offizielle der US-Delegation einfach überrannten und zumindest über einen am Boden liegenden Mitarbeiter trampelten, um von einem bilateralen Treffen zu berichten. Dass dies mehrmals geschehen konnte, zeigt, dass die amerikanische Seite offenbar nicht ordentlich vorbereitet war, und erhärtet das Bild einer in außenpolitischen Belangen amateurhaft handelnden Administration.

Eskalation am Himmelstempel

Sehr viel sensibler für die chinesische Seite war aber noch ein anderer Vorfall am Donnerstag, als Generalsekretär Xi Jinping Präsident Trump den Himmelspalast zeigte. Dort kam es zu einer bewaffneten Konfrontation, als chinesische Sicherheitsbeamte Mitarbeitern des Secret Service, die das Pressekorps des Weißen Hauses begleiteten, den Zugang zum gesicherten Bereich verweigerten und verlangten, dass sie die Waffen ablegen. Entsprechend den Richtlinien des Secret Service weigerten sich diese, was die Situation eskalieren ließ. Die Situation löste sich erst, als US-Personenschützer, die sich schon im gesicherten Bereich befanden, ihren Kollegen zu Hilfe kamen und die Medienvertreter begleiteten. Dies führte zu einer erheblichen Verzögerung im Zeitplan, was den nächsten Zwischenfall provozierte.

Denn im Anschluss an das Fotoshooting von Xi Jinping und Donald Trump am Himmelstempel wurden die Pressevertreter in ein nahegelegenes Gebäude geführt und dort von chinesischen Sicherheitsbeamten festgehalten. Als der Präsidentenkonvoi vom Himmelstempel zur Abfahrt bereitstand, sorgte erst ein Handgemenge zwischen den Chinesen auf der einen und US-Delegation und -Journalisten auf der anderen Seite dafür, dass Letztere doch noch ihre Busse erreichen konnten.

Pikant an all diesen Zwischenfällen ist, dass der amerikanische Regisseur Brett Ratner mit einer Filmcrew alles filmte. Dabei ist seine Rolle ebenso zwiespältig, denn angeblich wollte Ratner Aufnahmeorte für den nächsten Teil der „Rush Hour“-Reihe suchen. Er war aber in Peking nicht mit einer offiziellen Lizenz unterwegs, sondern Teil der Entourage von Präsident Trump. Ratner musste klarstellen, dass er die Aufnahmen nicht für eine Fortsetzung seiner „Melania“-Dokumentation oder einen Film über Donald Trump machte. Der ständig filmende Kameramann gab der ganzen Veranstaltung einen surrealen Touch.

China und USA: Der Zusammenprall zweier Weltbilder

Der Himmelstempel war im kaiserlichen China der Mittelpunkt zwischen Himmel und Erde, der Kaiser der Mittler zwischen diesen beiden Ebenen, ausgestattet mit dem Mandat des Himmels. Hier fanden die wichtigsten rituellen Handlungen des Kaisers statt, wie das Gebet für eine gute Ernte, woran auch der Erfolg des Kaisers gemessen wurde.

Die kommunistische Führung bedient sich sehr bewusst der Symbole der alten Dynastien und führt damit konsequent die Herrschaftslinie vom ersten Kaiser, Huangdi, bis heute fort. Die „Große Halle des Volkes“ steht nicht zufällig an der Mauer, die die „Verbotene Stadt“ von der eigentlichen Metropole trennt. Am „Platz des Himmlischen Friedens“, der vor der Halle liegt, befinden sich die wichtigsten Staats- und Parteibauten. Das chinesische Regierungsviertel Zhongnanhai mit dem südlichen und nördlichen Palast, dem Sitz des Präsidenten beziehungsweise des Vizepräsidenten, ist ebenfalls Teil des ursprünglichen Kaiserkomplexes.

Dieser ganze Bereich steht für die weltliche Ordnung als Spiegel der göttlichen Ordnung des Himmels. Im traditionellen chinesischen Denken endet die Zivilisation nicht zufällig an den Grenzen des Reiches; jenseits davon beginnt das Ungeordnete, das Fremde, das Reich der „Barbaren“. Das kosmologische Prinzip ist damit immer auch ein Versprechen von Ordnung gegen das Chaos. Umso gravierender muss es wirken, wenn dieses Chaos nicht an der Peripherie verbleibt, sondern in das symbolische Zentrum der Ordnung eindringt. Dass ausgerechnet im Herzen dieses politisch und historisch aufgeladenen Raumes Rangeleien, Kontrollverlust und offene Konfrontationen entstehen, dürfte für viele Chinesen mehr gewesen sein als nur eine peinliche Panne im Protokoll. Für ein Land, das sich seiner historischen Tradition in besonderem Maße bewusst ist, muss ein solcher Einbruch des Ungeordneten in den sakral aufgeladenen Machtmittelpunkt fast wie ein Frevel erscheinen.

Der Auftritt Trumps und seiner Delegation dürfte in Peking zudem manches Vorurteil bestätigt haben, das man dort über die Vereinigten Staaten ohnehin pflegt: das Bild einer Macht, die ganz aus ihrer Gegenwart heraus handelt, aber nur begrenzt Gespür für die historische Tiefenschichtung anderer Zivilisationen besitzt. Nicht eine bewusst demonstrierte Geringschätzung wäre dann das eigentliche Problem, sondern eine fast ostentative Unempfindlichkeit gegenüber Symbolen, Ritualen und kulturellem Rang. Gerade in einem politischen System, das Autorität wesentlich auch über Inszenierung, Formbewusstsein und historische Kontinuität vermittelt, muss eine solche Haltung wie ein Mangel an Ernsthaftigkeit erscheinen. Eine Administration, der es an diplomatischem Feingefühl und Respekt für den symbolischen Raum des Gegenübers mangelt, wird unter solchen Voraussetzungen kaum als wirklich ebenbürtiger und verlässlicher Gesprächspartner wahrgenommen.

Amerikanische Beobachter beschrieben Trumps Besuch in Peking mitunter als den Gang eines Bittstellers zum Drachenthron. Auch in den Details der Inszenierung schien sich dieses Machtgefälle zu spiegeln. So wirkte Xi Jinping bei einem gemeinsamen Auftritt, nicht zuletzt durch die leicht erhöhte Sitzposition, plötzlich größer als Trump, obwohl es sich tatsächlich umgekehrt verhält. Gerade in der Diplomatie prägen sich solche Bilder ein. Sie verdichteten hier den Eindruck eines Staatsbesuchs, der politisch wenig einbrachte und auch als Inszenierung kaum überzeugte.

Auf der anderen Seite zeigt sich die fast wahnhafte Kontrollwut der chinesischen Seite, die auf eine eher Laxe und auf Konventionen beruhende Umgangsformen trifft, die noch einmal die kulturelle Entfernung beider Kulturen betont.



Dói Ennoson
Über den RedakteurDói Ennoson
Dói Ennoson schreibt unter einem Pseudonym. Er ist China-Experte und vermittelt tiefgreifende Einblicke in das Reich der Mitte.
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1 Kommentar

  1. …aber nur begrenzt Gespür für die historische Tiefenschichtung anderer Zivilisationen besitzt…

    Naja, die Amis haben ihre Urbevölkerung fast vollständig ausgerottet, darauf wird man nicht besonders stolz sein.
    Die Skalpe (die Kopfhaut samt Haaren) dienten den sogenannten „Indianerjägern“ als handfester Beweis dafür, dass sie einen Idianer getötet hatten. Nur mit diesem Nachweis konnten sie sich bei den Behörden die ausgelobte Prämie abholen.
    Auch der erste bakterielle Krieg wurde damit geführt, dass man Indianern Bettdecken geschenkt hat, die zuvor von Pockenkranken benutzt wurden.
    Da Pocken eine für die Indianer tödliche Krankheit war, sind sie gestorben wie die Fliegen.
    Usw., usw.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

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