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Hohe Risiken der Ölstrategie Trump prüft Öl-Kontrolle im Iran als Druckmittel gegen China

Trump erwägt Öl-Kontrolle im Iran gegen China
Donald Trump. Foto: Bloomberg

Öl rückt erneut in den Fokus der Machtpolitik, da Donald Trump eine Kontrolle über den iranischen Energiesektor in Erwägung zieht. Der Iran wird dabei zum strategischen Hebel im Konflikt mit China. Trump verspricht sich davon mehr Druck im Handelsstreit und eine stärkere US-Energiedominanz. Gleichzeitig droht eine Eskalation mit spürbaren Folgen für den Ölmarkt und die Ölpreise.

Iran-Öl im Fokus von Trump

Laut einem Bericht von Bloomberg erwägt US-Präsident Donald Trump nach Angaben mit der Angelegenheit vertrauter Personen, die Kontrolle über den iranischen Ölsektor zu übernehmen. Ein möglicher Vorteil aus seiner Sicht wäre, die globale Energiedominanz der USA auszubauen und damit zusätzlichen Druck im Handelskonflikt mit China zu gewinnen.

Trump sprach am Montag mehrfach über diese Option und stellte sie als wirtschaftlichen Vorteil für die USA dar, räumte jedoch zugleich die politischen Risiken einer tieferen Verwicklung im Nahen Osten ein.

„Wenn ich die Wahl hätte — was würde ich tun? Ich würde das Öl nehmen, weil es einfach da ist und sie nichts dagegen tun können“, sagte Trump im Weißen Haus. „Leider möchte das amerikanische Volk, dass wir nach Hause kommen. Wenn es nach mir ginge, würde ich das Öl nehmen, ich würde es behalten. Ich würde damit ein Vermögen verdienen.“

Trump hat bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass er Kontrolle über Energieflüsse als geopolitisches Machtinstrument betrachtet. So unterstützten die USA den Sturz von Venezuelas Präsident Nicolas Maduro und vereinbarten mit der verbliebenen Regierung Zugang zu den Ölreserven des Landes. Der Fokus auf den Iran wird laut den Personen auch durch die Überzeugung Trumps getrieben, dass eine Kontrolle über iranische Energieexporte seine Verhandlungsposition gegenüber Chinas Präsident Xi Jinping stärken könnte.

Regierungsvertreter hätten zudem diskutiert, dass Chinas Einfluss durch US-Aktivitäten in Venezuela und im Nahen Osten geschwächt werde. China ist ein bedeutender Ölimporteur, und die faktische Schließung der Straße von Hormus infolge des Iran-Kriegs hat das Angebot verknappt und die Öl- und Gaspreise steigen lassen.

Hohe Risiken der Ölstrategie

Eine langfristige Kontrolle über Irans Energiesektor wäre jedoch ein gewaltiges Unterfangen, das erhebliche zusätzliche militärische und finanzielle Ressourcen erfordern würde und rechtliche Fragen aufwerfen dürfte. Umfragen zeigen zudem, dass eine Mehrheit der US-Bevölkerung ein schnelles Ende des Iran-Konflikts wünscht, während gleichzeitig steigende Benzinpreise die Haushalte belasten.

Ein Vertreter des Weißen Hauses erklärte, Trump halte die Idee zwar für attraktiv, es gebe jedoch keine konkreten Pläne, und sie sei nicht Teil des aktuellen Programms. Auch bei den Bedingungen für ein mögliches Kriegsende spielte die Kontrolle über iranische Energieanlagen bislang keine Rolle.

In Peking dürfte die Lage anders bewertet werden. Während Trump Schwierigkeiten hat, die Unterstützung seiner Verbündeten zu sichern und militärische Ressourcen aus Asien in den Nahen Osten verlagert, hat China sich über Jahre auf solche Szenarien vorbereitet — mit hohen strategischen Reserven, verstärkter Eigenproduktion und einem Ausbau erneuerbarer Energien.

Ein dauerhaft hoher Ölpreis würde zwar auch China und den Raffineriesektor des Landes belasten, doch die Volksrepublik verfügt über erhebliche wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit. Bereits 2025 hat die US-Regierung diese Fähigkeit unterschätzt, als sie Strafzölle verhängte.

Das chinesische Außenministerium reagierte nicht umgehend auf eine Anfrage nach einer Stellungnahme.

Trumps Äußerungen erfolgen im Vorfeld seines geplanten Treffens mit Xi Jinping Mitte Mai in Peking, das als wichtiger Test für die Beziehungen der beiden größten Volkswirtschaften gilt. Beide Länder haben sich gegenseitig mit Zöllen belegt und versuchen, ihre Lieferketten zu kontrollieren — unter anderem bei kritischen Rohstoffen und Magneten.

Siegerbeute

Trump hat wiederholt kritisiert, dass die USA nach dem Irak-Krieg 2003 nicht die Kontrolle über die dortigen Ölreserven übernommen hätten. Seiner Meinung nach hätte dies die Kosten der dortigen Militäroperationen decken können.

“Dem Sieger gehört die Beute”, sagte Trump am Montag auf einer Pressekonferenz. “Ich habe gesagt: ‘Warum nutzen wir das nicht?’ Dem Sieger gehört die Beute, und die haben wir nicht.”

Derzeit konzentriert sich Trump jedoch stärker auf die Blockade der Straße von Hormus, durch die große Mengen Öl, Gas und Düngemittel transportiert werden. Er fordert Iran auf, die Passage wieder zu öffnen, und verlangt zugleich von anderen Staaten, darunter China, Verantwortung für die Sicherung der Route zu übernehmen.

Sollte Iran die Meerenge nicht für den “freien Verkehr” öffnen, drohte Trump mit Angriffen auf Brücken und Kraftwerke bereits ab Dienstagabend (Washingtoner Zeit).

Trump setzt auf Öl-Kontrolle

Auf die Frage, ob er eine mögliche Maut seitens des Iran akzeptieren würde, brachte Trump ins Spiel, dass stattdessen die USA Gebühren für die Passage erheben könnten. Zudem erwog er die Einnahme der Insel Kharg, einem zentralen iranischen Ölumschlagplatz.

“Das ‘Öl nehmen’, wie Trump es formuliert, könnte weniger mit Verhandlungen mit Peking zu tun haben als mit den physischen Ressourcen selbst”, sagte Kevin Book von ClearView Energy Partners. “Aber Hebel bleibt Hebel — egal, ob er aus Strategie oder Zufall entsteht.”

Clayton Seigle vom Center for Strategic and International Studies sieht für die USA die Möglichkeit, ihr gegen Venezuela angewandtes Vorgehen auf den Iran zu übertragen, indem sie Sanktionen gegen iranisches Rohöl im Arabischen Meer aggressiv durchsetzen — außerhalb der Reichweite des Großteils der iranischen Waffen. Beschlagnahmte Ölladungen könnten von Rohstoffhandelsunternehmen auf dem Weltmarkt verkauft werden, wodurch sichergestellt würde, dass Teheran keinen Gewinn daraus zieht.

“Die Zerstörung oder Besetzung von Kharg ist nicht der richtige Weg”, sagte Seigle. “Stattdessen sollte man einfach die Venezuela-Strategie wiederholen — die Öllieferungen beschlagnahmen, außerhalb der Reichweite iranischer Waffensysteme.”

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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5 Kommentare

  1. Ich darf den 47. US-Präsidenten Donald John Trump höflich daran erinnern, daß die US-Techriesen Facebook, Instagram und die Amazon Prime Video-App im Rahmen mobiler Endgeräte auch Seltene Erden benötigen. Letzteres im Zusammenhang mit der Künstliche Intelligenz. Man kann ja mal etwas vergessen.

    1. @Holger Voss, wir dürfen Sie höflich daran erinnern, dass der 47. US-Präsident Donald John Trump derzeit andere Sorgen hat, als die Seltenen Erden.
      Es tut uns aufrichtig leid, aber der 47. US-Präsident Donald John Trump wird Ihre höfliche Erinnerung wohl nicht zur Kenntnis nehmen.
      Versuchen Sie es doch bitte ein anderes Mal wieder.

  2. An FMW-Nutzer Columbo: So setzt eben jeder seine Prioritäten.

  3. Das geht ja wohl eindeutig in Richtung Rohstoffkrieg.

    Rohstoffe und Energie stehen im Zentrum. Exportkontrollen, Premiums, Akkumulation, Mindestpreise, Liste ktitischer Mineralien. Und jetzt schon ein heißer Krieg um Öl. Pipelinesprengung….

    Und wir streiten über Klimaneutralität. Das beste Argument für EE ist, dass wir weder Öl noch Gas haben bzw. fördern. Wir brauchen ein intelligentes Energiekonzept ohne Ideologie, vorrangig müssen Ökonomie und Autark sein im Zentrum stehen. Wir brauchen keine Oderdiskussionen sondern ein logisches UND.

  4. Die USA haben erhebliche Probleme bei der Versorgung mit seltenen Erden, da China den Markt durch den Abbau und die Veredelung dominiert. Um diese Abhängigkeit zu verringern, investieren die USA massiv in die heimische Produktion.
    Bis Mitte der 1980er Jahre waren die Vereinigten Staaten die weltweit wichtigste Quelle für Seltene Erden. Doch eine Kombination aus hohen Umweltkosten in den USA und der Konkurrenz durch kostengünstigere Produktionsstätten führte dazu, dass sich die Industrie nach China verlagerte.
    Im Jahr 2024 importierten die USA rund 80 % der von ihnen verbrauchten Seltenen Erden.
    China lieferte im Jahr 2025 etwa 71 % der US-Importe von Seltenen Erden.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

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