Devisen

Märkte reagieren auf Signale Trump relativiert Dollar-Schwäche: Warum das gefährlich ist

US-Dollar-Banknoten. Fotograf: Samsul Said/Bloomberg

Die Debatte um die anhaltende Schwäche des US-Dollar gewinnt an Dynamik. Die gelassene Haltung von Präsident Donald Trump zum jüngsten Dollar-Verfall nährt Spekulationen über einen langfristigen Abwärtstrend der US-Währung. Investoren reagieren mit neuen Wetten gegen den Greenback, während Exportchancen, Staatsanleihen und die Stabilität der US-Finanzarchitektur neu bewertet werden.


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Trump relativiert Dollar-Schwäche

Der gelassene Umgang von US-Präsident Donald Trump mit dem jüngsten Dollar-Ausverkauf schürt laut Bloomberg die Erwartung eines längerfristigen Abwärtstrends der US-Währung.

Der Dollar verzeichnete den stärksten Tagesverlust seit der Einführung der Zölle im vergangenen Jahr, nachdem Trump am Dienstag erklärte, er halte die Schwäche der Währung nicht für übertrieben. Der Dollar-Index von Bloomberg fiel zeitweise um bis zu 1,2 Prozent. Trumps Aussagen schmälerten die Attraktivität des Greenback und von US-Staatsanleihen – und befeuerten damit den sogenannten „Debasement Trade“, bei dem Investoren auf physische Vermögenswerte wie Gold setzen.

Für Stephen Jen, Gründer von Eurizon SLJ Capital, markiert dies den Beginn einer neuen Phase fallender Dollar-Kurse, da die Trump-Regierung offenbar einen Wechselkurs anstrebt, der US-Exporteure unterstützt.

Dies könnte sehr wohl der Beginn der nächsten Abwärtsbewegung des Dollars sein, und viele seien darauf nicht vorbereitet, sagte Jen, ehemaliger Devisenstratege bei Morgan Stanley und Entwickler der bekannten „Dollar-Smile“-Theorie. Eine ganze Generation von Währungsanalysten sei an einen starken Dollar und eine starke US-Wirtschaft gewöhnt gewesen und habe Schwierigkeiten, sich ein Szenario mit schwächerem Dollar bei gleichzeitig robuster US-Konjunktur vorzustellen.

Märkte reagieren auf Signale

Trumps jüngste Dollar-Schwäche sei gut für US-Unternehmen, sagte er Reportern in Iowa. Auch wenn diese Aussage im Einklang mit früheren Kommentaren von US-Regierungsvertretern steht, bewegten seine Worte am späten Dienstagabend die Devisenmärkte deutlich. Der Grund: Sie wirkten wie eine nachträgliche Bestätigung des kräftigen Dollar-Verfalls der vergangenen Tage.

Der Dollarindex von Bloomberg fiel im New Yorker Handel auf den niedrigsten Stand seit fast vier Jahren, bevor er im asiatischen Handel einen Teil der Verluste wieder aufholte. Der Rückgang des Dollars verhalf dem Euro und dem britischen Pfund zu den höchsten Niveaus seit 2021. Der Schweizer Franken erreichte sogar den höchsten Stand seit 2015. In Asien führten der malaysische Ringgit und der Taiwan-Dollar die Gewinne gegenüber der US-Währung an.

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Wenn die Person, die den Dollar mit Worten verteidigen könnte, sich unbesorgt zeigt, werde der wahrgenommene Sicherheitsanker unter der Währung dünner, sagte Anthony Doyle, Chef-Anlagestratege bei Pinnacle Investment Management in Sydney. Die Märkte stellten erneut die Frage, ob die USA Investoren eine geringere Stabilität zumuten – und folglich einen höheren Preis für das Tragen von US-Risiken zahlen müssten.

Trumps offene Akzeptanz eines schwächeren Dollars kann als weiterer Abschreckungsfaktor für ausländische Investoren in US-Vermögenswerte gesehen werden. Sie folgt auf Zolldrohungen gegen wichtige Verbündete, Angriffe auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed und eine insgesamt schwer kalkulierbare Wirtschaftspolitik. Für einige Marktteilnehmer ist Trumps Gleichgültigkeit gegenüber dem Dollar-Ausverkauf ein weiteres Signal, die Währung zu verkaufen und den stillen Rückzug aus Anlagen wie US-Staatsanleihen zu beschleunigen.

Warnsignale am Optionsmarkt

Was Bloombergs Strategen sagen: „Das Chancen-Risiko-Verhältnis für die US-Währung bleibt stark zugunsten weiterer Schwäche verschoben“, so Garfield Reynolds, Leiter des MLIV-Asia-Teams. Mindestens ein Marktindikator deutet darauf hin, dass die Sorgen über einen längerfristigen Dollar-Abwärtstrend zunehmen.

Ein Maß für sogenannte Risk Reversals des Dollars gegenüber seinen wichtigsten Handelspartnern fiel am Dienstag auf den niedrigsten Stand seit Juni. Grundlage ist ein Index von JPMorgan. Dieser Rückgang signalisiert eine steigende Nachfrage von Investoren nach Absicherung gegen einen schwächeren Dollar am Optionsmarkt.

Eine anhaltende Schwäche des Dollars bringe jedoch auch erhebliche Risiken für die US-Wirtschaft mit sich, warnt Robert Kaplan, stellvertretender Vorsitzender von Goldman Sachs.

Zwar stimme es, dass ein schwächerer Dollar die Exporte ankurbele. Doch die Vereinigten Staaten hätten fast 39 Billionen US-Dollar an Schulden, auf dem Weg zu über 40 Billionen. Bei einem derart hohen Schuldenstand habe die Stabilität der Währung vermutlich Vorrang vor Exportvorteilen, sagte Kaplan in einem Interview mit Bloomberg Television.

Er glaube sogar, dass die USA letztlich einen stabilen Dollar wollten, um Vertrauen zu sichern. Gerade für den Verkauf langfristiger US-Staatsanleihen sei eine stabile Währung entscheidend – sie schaffe die Grundlage für finanzielle Stabilität und internationale Nachfrage.

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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3 Kommentare

  1. der Dollar entwickelt sich immer mehr zu einer 3. Welt-Land Währung.

  2. „Der Dollar verzeichnete den stärksten Tagesverlust seit der Einführung der Zölle im vergangenen Jahr, nachdem Trump am Dienstag erklärte, er halte die Schwäche der Währung nicht für übertrieben“

    Ich denke, das halten auch andere für nicht übertrieben, also gerechtfertigt. Bzw., da ist noch Luft.

    Satire:

    Gebannt sitzen die Flows vor den Tafeln der US Börsen und verfolgen steigende Kurse und sehen sich bestätigt, dass ein Crash diesmal ausbleibt, weil ja die Kurse, berwertet in US-$, nicht fallen. Nur ist die Bewertungsskala eben nicht fix und der Crash womöglich unsichtbar bereits in vollem Gange.

  3. Der 47. US-Präsident Donald John Trump wird sich der Tatsache bewusst sein, daß möglicherweise ein Government Shutdown ansteht. Dies und die momentane Ausgangslage für US-Staatsanleihen. Welchen Stellenwert hat für Präsident Trump der US-Dollar als Weltreservewährung?

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