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Trump – seltsamer Kampf gegen das Establishment

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Je mehr man sich mit Donald Trump beschäftigt, desto skurriler mutet die Amtsführung des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten an. Ich meine nicht einmal seine One-Man-Show, in der er keine Widerrede duldet. Inzwischen sind geschätzt 80 Prozent aller führenden Mitarbeiter seit seinem Amtsbeginn entlassen worden oder haben freiwillig gekündigt (gestern Abend trat Energieminister Perry zurück). Aber richtig extrem ist, dass der Familienclan der Trumps weiter Geschäfte macht und trotzdem Aufgaben im Weißen Haus wahrnimmt. Dabei hatte er zu Beginn seiner Regierungszeit versprochen, die „korrupte“ Interessenpolitik der Regierenden zu unterbinden.

Das Imperium des Donald Trump

Mit dem Beginn seiner Amtszeit musste Donald Trump seine aktive Tätigkeit in der „Trump Organisation“ niederlegen, einem Riesenimperium aus Immobilien (Trump Real Estate) mit Hotels, Golfplätzen, Unterhaltung und Tausenden Beschäftigten. Seine Geschäftsbeziehungen reichen in Dutzende Länder, kurioserweise auch nach China, in die Türkei oder Saudi-Arabien. Gibt es da nicht politische Interessenkonflikte?

Noch nie gab es einen US-Präsidenten mit einem so länderumspannenden Firmengeflecht. Normalerweise übergeben Präsidenten in den USA vor Amtsantritt ihre Beteiligungen in einen Blind Trust, mit einem unabhängigen Vermögensverwalter in einer Treuhandstiftung für die Dauer der Amtszeit. So geschehen bei seinen Vorgängern mit Firmenbesitz, wie Ronald Reagan, Bill Clinton und George W. Bush. Nicht so bei Trump, hier machen die Kinder weiter, die in unmittelbarem Kontakt zum Immobilienmogul stehen.

Konkret führen seit 2016 seine beiden ältesten Söhne Donald Junior und Eric Trump als CEOs die Firma. Wie lässt sich da Regierungsarbeit und Privatgeschäft trennen? Und da gibt es noch ein paar „Skandälchen“ über die Beherbergung von ausländischen Regierungsmitgliedern in den Hotels von Trump, die dort logierten, um ihren Regierungsgeschäften nachkommen zu können. Typischerweise hat der US-Präsident gestern verkündet, den im Juni anstehenden G7-Gipfel in seinen Golf-Hotels in Miami ausrichten zu wollen – und zog sich damit die scharfe Kritik der US-Demokraten zu.

Regierungstätigkeiten der Familienmitglieder Trump

Das wirtschaftliche Tätigwerden von Familienmitgliedern eines Präsidenten ist völlig legitim – aber nicht wenn dabei Grenzen zwischen Politik und Wirtschaft verschwimmen. Es gibt in den USA den „Federal Anti-Nepotism Act“, demzufolge Familienmitglieder keine Regierungsposten besetzen dürfen. Trump widerspricht dem Vorwurf mit der Rechtfertigung, dass dies nur Ministerposten betreffe, aber nicht Tätigkeiten im Weißen Haus.

Don Trump, Ivanka Trump und Schwiegersohn Jared Kushner, die alle im alle offiziellen Wahlkampfteam standen, sind heute Berater im Weißen Haus.

Eine besondere Rolle spielt seine Lieblingstochter Ivanka, die ihren Vater bei Wahlkampfauftritten unterstützt und bei Staatsbesuchen wie eine Außenministerin auftritt. CNN spricht sogar von einer Schatten-Außenministerin. Manch einer hält sie sogar für die wahre Frist Lady.

Sein Sohn Donald Junior verschwieg Wirtschaftsbeziehungen zu einem Hedgefondsmanager, der Millionen Dollar Spenden im Wahlkampf einsammelte und später Regierungszugang hatte. Eine gewaltigen Einfluss hat auch Trumps Schwiegersohn Jared Kushner. Der Immobiliennmakler gilt als das Machtzentrum in Trumps Team, mit Verbindungen nach Israel, wo er vor Kurzem eine offizielle Rede hielt. Er speist mit Außenministern, ist aber wie die anderen Familienmitglieder, nie als Diplomat im Senat bestätigt worden. Für seine Kushner Company benötigte er Kredite in Milliardenhöhe und suchte sich Geldgeber in Saudi-Arabien, China und Russland. Einem Berater des US-Präsidenten dürfte da manche Tür geöffnet worden sein.

Man mag gar nicht daran denken, was heutzutage eine persönliche Verbindung zum US-Präsidenten bringen könnte. Nur eine Ahnung zu bekommen, wann er wieder eine Twitter-Meldung absetzt mit marktrelevantem Inhalt, egal in welche Richtung: Was böten sich dabei für Okkasionen an den Börsen?

Der Korruptionsvorwurf im Wahlkampf

Ausgerechnet dieser überaus vernetzte Präsident betreibt derzeit ein heftiges Korruptionsverfahren gegenüber seinem Wahlherausforderer Joe Biden, dessen Sohn Hunter in einer ukrainischen Energiefirma gearbeitet und von dort 100.000 Dollar erhalten haben soll, ohne jegliche Erfahrung in diesem Geschäft.

„Er müsse diesen Sumpf trocken legen, das waren nie legitime Geschäfte“, so Trumps Vorwürfe. Fast schon witzig klingen hier die Kommentare von Analysten der Politikszene, die Trumps Regierungslandschaft als den „sumpfigsten Sumpf“ bezeichnen, „den er mehr mehr bewässere, als austrockne“. Trump schert das wie so oft „nicht die Bohne“.

 

Fazit

Donald Trump versprach zu Beginn seiner Arbeitszeit den elitären Clinton-Sumpf trocken zu legen und gegen eine korrupte Vetternwirtschaft vorzugehen. Reichlich heuchlerisch, wie es erscheint.

Es ist schon außergewöhnlich, wie ein regierender Präsident sich über Vorschriften hinwegsetzen kann, Versprechungen brechen und Halb- oder gar Unwahrheiten von sich geben kann, ohne dass dies in seiner Wählerbasis spürbare Folgen hat. Seine Stammwähler ignorieren jeden Skandal.

Ist der US-Präsident so etwas wie ein Messias für seine Jünger (Wähler)?

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Aktien

Aktienmärkte: Coronakrise verändert die deutsche Sparkultur

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Verändert die Coronakrise die deutsche Sparkultur – gibt es nun eine große Lust auf die Aktienmärkte? Man hätte es eigentlich schon länger erwarten können: Die finanzielle Repression schlägt langsam mehr und mehr zu, bereits seit 2012 hat die Europäische Zentralbank den Einlagenzins für Banken auf null gesetzt und nebenbei deren Geschäft mit der Fristentransformation zerstört, damit gab es auch für den deutschen (Geld-)Sparer fast keine Möglichkeit mehr das Geldvermögen real zu vermehren. Was auch schon früher der Fall war, über Jahrzehnte – doch da war es dem Normalsparer nicht aufgefallen, es gab Zinsen und die Inflationsrate knabberte reichlich unbemerkt an der Rendite.

Doch jetzt ist offiziell eine Änderung im Sparverhalten durch die Bundesbank bestätigt worden – die Deutschen investieren in der Coronakrise mehr in Aktien.

Aktienmärkte: Rendite gibt es für die Übernahme von Risiko

Es gibt darüber viele Untersuchungen, wie zum Beispiel durch Credit Suisse Global Investment Returns, in denen nachgewiesen wurde, dass es über viele Jahrzehnte für risikolose Geldanlagen keine nennenswerte Realrendite gegeben hat. Was natürlich in keinem Prospekt von Banken erscheinen würde..

Ein Extrembeispiel: Im Jahr der Superzinsen 1981 gab es noch zweistellige Sparzinsen auf Kurzläufer – aber wie hoch war damals die Inflationsrate und die weiteren Kosten wie Steuern oder Spesen? In Summe eben auch zweistellig.

Seit der Finanzkrise wurden die Zinsen immer weiter abgesenkt, natürlich unter dem Ziel (Zwang), die Kapitalmarktzinsen so weit zu senken, damit die EU mit ihren zum Teil hoch verschuldeten Mitgliedsstaaten nicht auseinanderfiel. Natürlich zulasten der kleinen Sparer, bei denen sich nicht nur die Sparzinsen der Nullzone näherten, sondern auch die Rendite der fast 90 Millionen Lebensversicherungsverträge. Soviel zur Historie, mit Corona und der ständigen Diskussion über Strafzinsen bei den Banken setzte eine Verhaltensänderung ein, hin zur verstärkten Anlage in Aktienmärkte.

Neue Rekordvolumina in Aktien

Wer hätte das gedacht: Ausgerechnet im Jahr der Coronakrise, in dem die Aktienmärkte in bisher noch nicht gesehener Geschwindigkeit in die Tiefe gerauscht waren, stiegen viele Deutsche verstärkt in die Aktienanlage ein. Mit 23,9 Milliarden Euro investierte man hierzulande in Aktien und übertraf den Rekord von 2007, kurz vor der Finanzkrise. Wenn das mal kein schlechtes Omen ist..

Diese Zahlen ermittelte das Analysehaus Barkow Consulting, basierend auf Angaben der Deutschen Bundesbank.

Bereits seit einigen Monaten melden Onlinebroker einen richtigen Boom bei der Anmeldung neuer Depots und in der Folge auch von Rekordumsätzen. Gerade junge Leute stiegen ein in die Aktienmärkte, aber auch besonders bei den billigen Exchange Traded Funds (ETFs), im viel beworbenen Sparplanprinzip.

Die vielen Berichte in den Wirtschaftsseiten der Zeitungen über das Ansparen in großen Indizes haben offensichtlich ihre Wirkung nicht verfehlt.

Insgesamt hat die Sparquote der Deutschen in diesem Jahr zugenommen. Aus Sorge vor dem Arbeitsplatzverlust und bei manchen auch aus Mangel an Ausgabemöglichkeiten durch die zahlreichen Reisebeschränkungen. So kletterte das Volumen der Spareinlagen seit dem Beginn des Lockdowns im zweiten Quartal auf den Rekordbetrag von 109 Milliarden Euro – in drei Monaten.

Wie erwähnt, gerade in dieser Zeit erhöhten die Deutschen – völlig konträr zu früheren Rezessionsphasen ihre Aktienanlagen – und damit sprang ein Teil des Vermögens durch das Aktienmarkt-V gleich in die Höhe.

Das Vermögen der Deutschen

Nachdem das Vermögen der Deutschen wegen der Coronakrise im Jahr 2020 zunächst gesunken war, ist es bis zum Ende des 1. Halbjahres auf eine neue Rekordmarke gestiegen – auf 6630 Milliarden Euro. Verursacht durch eine höhere Sparrate, derer, die genügend auf der hohen Kante hatten und durch den Anstieg der Aktienmärkte – bei denjenigen, die die Gelegenheit im Frühjahr genutzt hatten. Das Vermögen der Deutschen gliedert sich zum 30.6. nach Angaben der Deutschen Bundesbank wie folgt:

2443 Milliarden Euro – Lebensversicherungen
1882 Milliarden Euro – Girokonten, Bargeld
811 Milliarden Euro – Termingeld, Spareinlagen
794 Milliarden Euro – Aktien
666 Milliarden Euro – Investmentfonds
115 Milliarden Euro – Schuldverschreibungen
30 Milliarden Euro – Sonstiges

Jede Menge Geld, um es wie die Norweger zu machen, die mit ihrem staatlichen Pensionsfonds (Aktienanteil 69,6 Prozent) an der Ein-Billionen-Eurogrenze anklopfen, womit jeder Bewohner Norwegens rechnerisch im Besitz von 185.000 Euro wäre.

Einer bremst: unser Finanzminister

Es ist das Aufregerthema in Finanzkreisen (gewesen), die Einführung der Finanztransaktionssteuer in Deutschland. Mit der Folge, dass gerade die aufblühende Aktienkultur gleich wieder abgewürgt würde. Ist Finanzminister Scholz nicht bewusst, das es eventuell über Jahre hinaus keine Zinsen für die Altersvorsorge mehr geben könnte, der hohen Verschuldung vieler EU-Staaten geschuldet? Dass Lebensversicherungen kaum mehr etwas abwerfen, man aber allein schon aus demografischen Gründen Vorsorge betreiben muss? Wäre es nicht vielleicht sogar angebracht, langfristiges Aktiensparen steuerfrei zu gestalten – Stichwort Spekulationsfrist, so wie vor 2009? Aber der Staat braucht Geld und „Mister Girokonto“ hält eh nicht all zu viel von der Aktienanlage.

Fazit

Die Deutschen in der Coronakrise auf dem angelsächsischen Weg zu einer Aktienkultur? Mal sehen, schließlich haben wir noch unseren Finanzminister Olaf Scholz, der in seinem Gesetzesentwurf zur Finanztransaktionssteuer tatsächlich den Aktiensparer besteuern und den Heavy Trader außen vor lassen wollte.

Aus den obigen Statistiken lässt sich Folgendes feststellen und schlussfolgern: Was für ein großes Vermögen die obere Hälfte der Deutschen doch besitzt und welche Gedanken in den Köpfen der Finanzpolitiker umherschwirren könnten, wenn sie auf die Zahlen der Deutschen Bundesbank und die Lust der Deutschen auf Investments in die Aktienmärkte blicken. Was wiederum keine gute Botschaft für den relativ „wehrlosen“ Mittelstand in Deutschland ist, wenn man berücksichtigt, dass die Staatsschulden (Nettokreditaufnahme) 2020 um 217 Milliarden Euro und 2021 nochmals um 96 Milliarden Euro zunehmen werden – vorerst.

In der Coronakrise entwicklen die Deutschen Lust auf die Aktienmärkte

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Indizes

Wall Street: Der gestrige Abverkauf – und die weiteren Aussichten

Markus Fugmann

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Der gestrige Hanelstag verlief für die Wall Street nicht gerade optimal: nach starkem Start (Stimulus-Hoffnungen!) ging es dann doch dynamisch bergab. Dow Jones und S&P 500 nun in vier der letzten fünf Handelstag negativ, der Nasdaq 100 sogar mit der längsten Verluststrecke seit dem August 2019.

Wall Street – warum der Abverkauf?

Was ist da passiert? Von den elf Sektoren des S&P 500 war kein einziger im Plus (hier ein gute Übersicht). Auffallend ist zunächst einmal, dass trotz der Schwäche der Wall Street der Dollar nicht wirklich zulegen konnte – ungewöhnlich, denn zuletzt waren schwache Aktienmärkte meist gleichbedeutend mit einem starken Dollar. Hinzu kam, dass ich der Nebenwerte-Index Russell 200 besser hielt als die anderen US-Indizes der Wall Street – und das obwohl gerade dieser Index von einem Scheitern der Stimulus-Gespräche in den USA besonders betroffen wäre.

Stärker vom gestrigen Abverkauf der Wall Street betroffen waren dagegen die Tech-Werte – möglich ist, dass die Broker nach dem kleinen Verfall letzten Freitag Absicherungspositionen (Kleinanleger kaufen Calls auf Aktien wie Apple, die Broker müssen ihr Risiko minimieren durch den Kauf der Aktie) aufgelöst haben.

Aber hören wir zunächst einmal die Einschätzung von markus Koch, der ein Tagesfazit zum geschehen an der Wall Street gibt:

Wie geht es heute weiter? Sehen wir, wie so oft, einen „turnaround tuesday“? Kommt es heute zu einer Einigung in Sachen Stimulus – nachdem Nancy Pelosi für heute eine Deadline gesetzt hat?

Michael Silve sieht sich die Ausgangslage auf verschiedenen Ebenen an – was spricht für eine Fortsetzung des gestrigen Abverkaufs, und was für eine Erholung?

Die Wall Strete nach dem gestrigen Abverkauf - wie geht es weiter?

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Anleihen

Anleihen und Zinsen – eine weltweite Vernichtung der Anlegergelder

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Für viele Großanleger gibt es seit Jahrzehnten eigentlich nur zwei große Anlageklassen – Anleihen oder Aktien: Um das Anlagekapital langfristig zu vermehren, oder um regelmäßig Zinsen oder Dividenden einzunehmen, wie es zum Beispiel Pensionsfonds tun, um die Kunden im Alter zu versorgen. Und gerade dieser ehemals so sichere und zuverlässliche Renditebringer ist durch die Interventionen der Notenbanken geradezu marginalisiert worden. Dabei müssen viele Institutionelle wie Versicherungen sogar ihren Hauptanteil der Finanzanlagen in Anleihen positionieren. Dort geschieht derzeit weiterhin viel Absurdes mit weitreichenden Konsequenzen.

Anleihen: Lage an den Rentenmärkten wird immer skurriler

In Europa schütteln viele Ökonomen nur noch den Kopf über die Kapitalmarktzinsen, speziell im Bereich der Staatsanleihen.

Zinsen um die ein Prozent für Langläufer in hoch verschuldeten Ländern, wie Griechenland oder Italien, liegen auf Höhe mit den amerikanischen Pendants. Einem Land (USA), welches trotz der eminent hohen aktuellen Verschuldung in seiner 244-jährigen Geschichte noch nie einen Staatsbankrott erleben musste und welches noch einen absoluten Ausnahmestatus innehat, da der US-Dollar als Weltreservewährung einen Sonderbonus genießt.

Aber auch für die am längsten laufenden Anleihen der Staaten im Zentrum Europas – Österreich, Schweiz und Deutschland – müssen für die 30- oder 50-jährigen Staatsanleihen fast keine Zinsen mehr gezahlt werden.

Die ultimative Begründung für die derzeitige Ausnahmestellung der Aktienmärkte

Diese wird von einer Erhebung durch die US-Großbank JPMorgan geliefert:

Weltweit gibt es für 17 Billionen Dollar an Anleihen keine oder sogar Minuszinsen
Berücksichtigt man die jeweiligen Inflationsraten, so beträgt die Summe der Anleihen, die eine negative Realrendite abwerfen 32 Billionen Dollar, oder 76 Prozent aller Staatsanleihen von Industrieländern
Woher sollen die vielen Kapitalsammelstellen, die auf Einnahmen angewiesen sind, eine Rendite erwirtschaften?

Fazit

Die Zinslandschaft in großen Teilen der Welt ist fast schon als brutal zu bezeichnen – für die Halter der Papiere.

Man kann täglich hundert Indikatoren heranziehen, um die Überbewertung der Aktienmärkte zu begründen. Vom Shiller-KGV, dem Buffett-Indikator, historischen Vergleichen zur Bewertung von Aktien zur Gesamtwirtschaft und vieles mehr. Aber wir haben auch eine historisch einmalige Situation. Wenn allein die drei großen Notenbanken (Fed, EZB, BoJ) in ihren Bilanzen schon über 20 Billionen Dollar stehen haben, die zum großen Teil von Käufen von Anleihen herrühren, kann es das Regulativ Anleihemarkt zu Aktienmarkt in alter Form nicht mehr geben.

Anders ausgedrückt: Was juckt ein KGV der Aktienmärkte von 20 bis 30, wenn selbst die großen Anleihemärkte ein mindestens dreistelliges aufweisen?

Und noch sieht es nicht nach einer Wende aus – weder bei den Käufen von Anleihen, noch bei den Kapitalmarktzinsen. Die Kapitalsammelstellen stehen täglich vor dem Problem, einerseits neue Gelder anlegen zu müssen, andererseits ihren Auszahlungsverpflichtungen nachzukommen. Dies ist für mich der Hauptgrund dafür, warum die Aktienmärkte einfach nicht größer korrigieren wollen. „There is no alternative!“ (TINA).

Zwar gab es den brutalen Einbruch wegen Corona im Februar/März, aber damals musste jeder Aktieninvestor mit dem Schlimmsten rechnen und seither hat die „Zerstörung“ der Zinsmärkte erst so richtig Fahrt aufgenommen. Wie könnte dieser Zustand sich zumindest etwas ändern? Schon öfters erwähnt: Ein substanzieller Anstieg der Inflation, der zu einem Anstieg der Kapitalmarktzinsen führt – nicht zu einem Anstieg der Leitzinsen.

Werden neue Schuldenprogramne 2021 bei einer Erholung der Wirtschaft dazu führen? Wenn es zumindest wieder etwas positive Realzinsen gibt? Wir werden es sehen, zunächst an den Zins-Charts.

Die absurde Entwicklung bei Anleihen - oder warum die Aktienmärkte so hoch stehen

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