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Trump spaltet die Weltgemeinde – ein erster Erfolg

Beim jüngst stattgefundenen G20-Treffen in Buenos Aires erklärten die 20 wichtigsten Industrienationen, dass sie Protektionismus ablehnen. Eine klare Ansage gegen Donald Trump. Auch vorher war sich die internationale Staatengemeinschaft…

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Von Claudio Kummerfeld

Beim jüngst stattgefundenen G20-Treffen in Buenos Aires erklärten die 20 wichtigsten Industrienationen, dass sie Protektionismus ablehnen. Eine klare Ansage gegen Donald Trump. Auch vorher war sich die internationale Staatengemeinschaft darin einig nicht in einen Handelskrieg abgleiten zu wollen. Der freie Welthandel solle frei bleiben, und wenn die USA auf breiter Front Importzölle einführen – dann müsse man geschlossen dagegen stehen. So sah der allgemeine Konsens in den letzten Wochen aus, auch zwischen China und Europa.

Trump lässt EU durch brennenden Reifen springen

Aber die EU ist durch den brennenden Reifen gesprungen, den Trump ihr hingehalten hat. Weltweite Importzölle auf Stahl und Aluminium. Was machte die EU? Sprach sie im Auftrag der Weltgemeinschaft und im Sinne des globalen Freihandels in den letzten Tagen mit dem US-Handelsbeauftragten? Nein, EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström sprach mit den US-Vertretern nur darüber, dass die USA doch bitte die EU von den Importzöllen ausnehmen sollen.

Und nun ganz frisch haben die USA die EU, Kanada, Mexiko und ein paar andere Länder ausgenommen, und auch das nur bis zum 1. Mai. Damit erreicht Trump zwei Ziele. Erstens hat er die Weltgemeinschaft wunderbar gespalten. Und zweitens bleibt der Druck auf die EU erhalten, weil ja gerade mal fünf Wochen bis zum Ablauf dieser Ausnahme bleiben.

China gegen USA, danach jeder gegen jeden?

China steht nun quasi alleine da, als Hauptverursacher des gigantischen US-Handelsbilanzdefizits. Binnen 60 Tagen soll von nun an der US-Handelsbeauftragte Robert Lightizer laut Trump eine Liste chinesischer Produkte erstellen, auf die man zügig Importzölle verhängen wolle. Es solle laut Trump eine umfangreiche Liste werden. Frage: Was nützt es auf sagen wir mal Wasserkocher und Fernseher Importzölle zu erheben, wenn solche Produkte in den USA selbst gar nicht mehr hergestellt werden, und beim Neuaufbau einer Produktion zu atemberaubenden Preissteigerungen für die US-Konsumenten führen würde? Denn die Lohnkosten in der Produktion und somit letztlich die Kosten pro Wasserkocher im Laden würden drastisch steigen!

Trump sagte gestern, man sei zwar bereit mit China zu verhandeln. Aber durch die nun bald in Kraft tretenden Maßnahmen solle das Defizit mit China umgehend um 100 Milliarden Dollar sinken. Auch das wäre im Sinne des US-Defizits nur ein Tropfen auf den heißen Stein. China hatte vorher vergeblich versucht andere Länder zu einer geschlossenen Initiative gegen die US-Importzölle zu bewegen. Aber man sieht: Wenn es so weit ist, denkt jeder doch nur an sich selbst.

EU wird noch Bedingungen erhalten

Und die EU? Bis zum 1. Mai wird Trump uns wohl noch Bedingungen präsentieren. Nur wenn man die erfüllt, wird man auch nach dem 1. Mai von den Importzöllen weiter ausgenommen bleiben. So darf man es vermuten. Springt die EU-Kommission dann erneut durch einen zweiten brennenden Reifen? Donald Trump hat schon mal einen ersten netten Sieg errungen. Die Weltgemeinschaft steht nicht geschlossen gegen die USA im beginnenden Handelskrieg. Trump kann einzelne „Handelspartner“ gegeneinander ausspielen. Das dürfte womöglich die Marschroute der nächsten Monate sein.

Donald Trump
Donald Trump. Foto: whitehouse.gov

13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    Paul M.

    23. März 2018 10:10 at 10:10

    Für mich hat das eher was von einer Angleichung – wenn man die Importzölle so vergleicht, dann ist das teilweise schon heftig aus Sicht der USA…..wenn das jetzt ein „HAndelskrieg“ ist, dann würde mich interessieren wie der Prozess hieß, der erst zu diesen Verwerfungen geführt hat hieß.

  2. Avatar

    leser

    23. März 2018 10:20 at 10:20

    Ein weiteres Bespiel für die Nutzlosigkeit der EU. Selbst da, wo sie theoretisch einen Vorteil hat, wird der in der Praxis durch Unfähigkeit nicht genutzt. Per saldo bleiben Transferrisiken in lebensgefährlicher Höhe.

    Raus aus der EU!

    • Avatar

      Columbo

      23. März 2018 11:00 at 11:00

      Raus aus der EU? Darauf warten Trump&Co doch nur. Dann gehts erst richtig los mit den Handelskriegen, jeder gegen jeden. Wir Dummen zerfleischen uns dann und die Großen lachen uns aus. @Leser, ob das eine besonders schlaue Idee ist?

      • Avatar

        Paul M.

        23. März 2018 11:25 at 11:25

        die EU ist wie ein unbeweglicher Tanker – und Staaten wie die Schweiz und Norwegen sind bei solchen Marktlagen eher bewigliche Motorboote…..in der EU muss jedesmal der großen Unterschiede und verschiedenen Interessen der Mitgliedstaaten Rechnung getragen werden……..man kann nicht einfeach Länder die sich in so vielen Sachen unterscheiden in einen Topf werfen, und der Meinung sein, im Rahmen der Weltwirtschaft zantral aus Brüssel Entscheidungen zu fällen mit denen alle Mitgliedsstaaten einverstanden sind……

        das zeigt sich doch immer mehr…..

        • Avatar

          Columbo

          23. März 2018 11:37 at 11:37

          @Paul M.
          Bewegliche Motorboote sinken bei der nächsten großen Welle. Mit dem unbeweglichen Tanker ist das schon schwieriger.

          • Avatar

            leser

            23. März 2018 12:45 at 12:45

            @Columbo
            Der Tanker hat einen 900 Mrd. (Tonnen) Ballastkörper am Heck in Form des TargetII Saldos. Da hilft die Größe überhaupt nicht. Das Ding wird sinken und wer da vorher nicht in die Rettungsboote gestiegen ist, wird untergehen.

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    Werner

    23. März 2018 10:27 at 10:27

    Ist doch logisch bei einem Immobilienhändler…

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    abc

    23. März 2018 10:32 at 10:32

    wie würde es weitergehen?
    wird trump nicht sagen, zb apple ihr habt von mir ein XXX millarensteuergeschenk bekommen und darum baut ihr jetzt eine kopie von foxconn (hauptsächlich mit robotern statt menschen) in der wüste.
    würde sich das langfristig nicht positiv auf die US wirtschaft auswirken?

  5. Avatar

    Kritisch

    23. März 2018 10:51 at 10:51

    Also ich bin ja bei Gott kein Sympathisant von mr. TRUMP und seinen „Buddies“, die er so in den letzten Tagen und Wochen hinter sich geschart hat, ABER!
    Irgendwo kenn ich seine Argumentation hinsichtlich Ungleichgewicht bei Zöllen doch verstehen. Ich hoffe nur, dass sein „unglaublich diplomatisches Geschick“ nicht massive bilaterale Probleme auslöst welche er dann, natürlich wieder sehr diplomatisch, mit militärischen Mitteln lösen möchte. Ein Narziss, wie er ja nun mal zu sein scheint, neigt ja durchaus auch dazu etwas zur Gänze zu zerstören was nicht nach seiner Meinung nach läuft. Hoffen wir mal das Beste!

  6. Avatar

    Wolfgang M.

    23. März 2018 11:02 at 11:02

    Dieser Versuch eines Handelskriegs kommt aus meiner Sicht für die USA zur „Unzeit“. Denn man darf eines nicht vergessen: Der Aufschwung befindet sich bereits im 10.Jahr, die US-Verbraucher sind über beide Ohren verschuldet und profitieren zudem nicht richtig von der Steuerreform. Bis jetzt saßen viele auf hohen Aktiengewinnen, mit der Hoffnung auf Steigerung durch „America first“. Sollten die Aktienmärkte weiter nachgeben, werden viele Konsumenten auch mangels Masse den Privatkonsum einschränken müssen. Wenn nun Alltagsprodukte auch nur ein wenig teurer werden, aufgrund von Zöllen, wird die US-Wirtschaft, die zu 70% vom heimischen Konsum lebt, leiden, Damit würde Trump eine eigentliche schon fällige zyklische Rezession beschleunigen – ungewollt. Wollte Trump diesen Rückgang durch höhere Schulden kompensieren (Beispiel Infrastruktur), wer soll dann diese Treasuries kaufen – etwa China? Die Notenbank hat im Gegensatz zu 2007 (5,25% – Fed-Zinssatz) bei einem Konjunkturrückgang nicht allzuviel entgegen zu setzen. Deshalb ist für mich die Diskussion über die Zahl der Zinsanhebungen 2019 oder 2020 im 12. Aufschwungjahr eher Zeitverschwendung.

  7. Avatar

    tm

    23. März 2018 11:06 at 11:06

    „solle das Defizit mit China umgehend um 100 Milliarden Dollar sinken. Auch das wäre im Sinne des US-Defizits nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“

    Das Leistungsbilanzdefizit der USA betrug 2017 ca. 465 Mrd. USD. 100 Mrd. weniger wären also 22% weniger Defizit. Das würde ich nicht als Tropfen auf den heissen Stein bezeichnen. Wichtiger als Zölle, wäre aber die Freigabe des CNY.

  8. Avatar

    Christoph

    23. März 2018 12:16 at 12:16

    Zeigt mal wieder die Naivität oder vielleicht dann doch auch die Doppelmoral der EU…

    Weil: Produkte, die China nicht mehr nach USA schippert, landen dann ja vielleicht auf dem EU-Markt. Das geht natürlich nicht. Da brauchen wir notgedrungen Zölle. Ala:…sorry China, aber wir brauchen jetzt auch Zölle, nicht unsere Schuld, …blame Trump

  9. Avatar

    leftutti

    23. März 2018 22:27 at 22:27

    Wo wir schon beim Thema Trump spaltet die Weltgemeinde sind:
    Die harmlose, ehrliche und vertrauenswürdige USA beklagt sich über Hackerangriffe seitens Russland und neuerdings vom Iran auf ihr Geheiligtes Wonderland. Sie selbst würden so etwas natürlich nie machen. Es gab (und gibt) nie eine Abhöraffäre seitens der NSA, niemals irgendwelche Cyberangriffe und Trojaner seitens des Holy Wonderland auf andere Länder, nein, niemals.
    Unsummen für spaltende Mauern sind wichtiger als Krankenversicherungen und Sozialleistungen, Menschen wachsen nach, Mauern nicht.
    Der seit jeher blutrünstige reißende Wolf macht plötzlich auf armes Opferlamm, oh wie bedauernswert!
    Und die rechten Lemminge, Besserwisser und Realmenschen folgen in ihrer Naivität brav und bis ins Mark konditioniert der Logik des „genialen“ Spalters.

    Warum aber kaufen so viele Amis so viele der weltweit teuersten (deutschen) Autos? Hierzulande kann man bei den aktuellen Preisen wirklich nicht mehr von Dumping sprechen, schon viel eher eher von sinnlos überteuert. Und das bereits so ganz ohne Strafzölle. Warum kauft hierzulande keiner amerikanische Autos, die ja soviel günstiger wären? Dasselbe gilt für viele andere Produkte.
    Ist das nicht eher ein Thema von Nachfrage und Angebot? Von Preis-Leistungs-Verhältnis? Von Produktqualität?
    Wenn in Wonderland die hiesigen utopischen Preise als Dumping deklariert werden, sollte man über den Reichtum und Einkommenssituation, das Preisniveau und die ständig veröffentlichte brillante Arbeitsmarktsituation nachdenken, nach der quasi Vollbeschäftigung herrscht.

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Autoindustrie: Das Problem ist der Standort Deutschland

Claudio Kummerfeld

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Autoindustrie in Deutschland im Wandel

Steht die deutsche Autoindustrie vor einem Niedergang wie der Standort Detroit, die ehemalige Hochburg der Autoproduktion in den USA? Die Deutsche Bank (DB) hat ein hochinteressantes Research-Dokument dazu veröffentlicht. Darin wird die Branche nicht wirklich schlecht geredet. Aber schaut man genauer hin, geht es vor allem um den Standort Deutschland, der problematisch sein soll. Die deutsche Autoindustrie selbst sei relativ gut aufgestellt, aber eben nicht der Standort Deutschland. Vorab wollen wir aus der Analyse einige Aussagen erwähnen, was denn positiv am Standort Deutschland zu bewerten ist.

Der Automobilstandort Deutschland verfüge über außergewöhnliche Vorteile. Zu nennen sei vor allem die enge technologische und räumliche Verzahnung von Herstellern, industriellen Zulieferern, Ausrüstern (z.B. Maschinenbau), Entwicklungsdienstleistern, Logistikunternehmen sowie von universitären und sonstigen Forschungseinrichtungen. Von dieser vertikal integrierten Wertschöpfungskette sowie dem über Jahrzehnte gewachsenen Know-how der Beschäftigten könne der Standort zehren. Auch der intensive brancheninterne Wettbewerb war und ist ein Motor für stetige Innovationskraft und Produktivitätsfortschritte. Fasst man aber alle in der Analyse der DB skizzierten Faktoren zusammen, dann falle es jedoch schwer, die Zukunftsaussichten für den Automobilstandort optimistisch zu sehen.

Negative Standortfaktoren für die Autoindustrie in Deutschland

Negativ zu erwähnen hat die DB-Studie so einiges. Und dabei geht es überhaupt nicht um den Absturz während der Coronakrise, sondern um strukturelle Faktoren. Zum Beispiel würden strenge CO2-Grenzwerte für neue Pkw in der EU dazu führen, dass die Hersteller mehr Elektroautos auf den Markt bringen müssten. Der resultierende Kostenanstieg verschärfe den Strukturwandel in der Branche. Kaum jemand erwarte, dass die Netto-Bilanz dieses Strukturwandels für die Wertschöpfung und Beschäftigung der Automoindustrie in Deutschland positiv ausfallen wird.

Auch die Unsicherheiten hinsichtlich der Klima- und Energiepolitik hätten dazu beigetragen, dass der Kapitalstock in energieintensiven Branchen wie der Metallerzeugung oder der Chemieindustrie in Deutschland seit vielen Jahren sinke. Diese Sektoren zählen auch zur automobilen Wertschöpfungskette. Durch die Investitionszurückhaltung würden laut der Studie Teile dieser Kette geschwächt. Höhere Kosten kämen auf die Autoindustrie auch durch die geplante Verschärfung der europäischen Abgasnormen zu (Euro 7). Im Volumensegment dürfte der Kostenaufschlag pro Fahrzeug besonders ins Gewicht fallen. Dies setze die Produktion von „Autos für den Durchschnittsbürger“ in Hochlohnländern wie Deutschland, aber auch in Frankreich oder Italien unter Druck.

Bei klassischen Standortfaktoren wie der Steuerbelastung von Kapitalgesellschaften, Lohnhöhe oder der Flexibilität bei Arbeitszeiten habe sich Deutschlands Position laut der Studie der DB im internationalen Vergleich zuletzt eher verschlechtert. Auch die anhaltenden Handelskonflikte würden die Investitionsbereitschaft hemmen. Zudem ist die Pkw-Nachfrage im wichtigen westeuropäischen Absatzmarkt gesättigt. Schließlich bedeute die demografische Entwicklung eine Herausforderung, da sie zu einem sinkenden Erwerbspersonenpotenzial führe und die Nachfrage dämpft.

Angesichts der strukturellen Herausforderungen sei es fraglich, ob die früheren Produktionshöchststände am Standort Deutschland jemals wieder erreicht werden. Die DB befürchtet, dass es immer schwerer wird, eine konkurrenzfähige Produktion von Pkw im Volumensegment in Deutschland aufrechtzuerhalten. Der Anteil Deutschlands an der globalen, aber auch an der europäischen Autoproduktion könnte in den kommenden Jahren sinken. Ähnlich sei es der Autoindustrie im US-Bundesstaat Michigan (Detroit) ergangen, wo heute deutlich weniger Fahrzeuge gefertigt werden als zu Beginn des Jahrhunderts. Die deutsche Autoindustrie sei besser für die elektromobile Zukunft und andere strukturelle Herausforderungen der Branche gerüstet als der Automobilstandort Deutschland.

Autoindustrie wird sich anpassen – Standort mit Problem?

Wir wollen nur kurze und interessante Auszüge der DB-Studie zitieren. Zum Beispiel gehen wir nochmal auf den Detroit-Vergleich ein. Die DB sagt, dass dieser Vergleich vielleicht zunächst schockieren möge. Aber noch immer würden in Michigan viele Light Vehicles (LV) produziert. Allerdings waren es in den letzten Jahren etwa ein Drittel weniger Fahrzeuge als zu Beginn dieses Jahrhunderts. In der Folge ist der Anteil des Bundestaates an der gesamten LV-Produktion der USA von knapp 25 Prozent im Jahr 2000 auf deutlich weniger als 20 Prozent in den letzten Jahren gesunken. Profitiert hätten dagegen einige Südstaaten der USA, in denen auch deutsche Hersteller in neue Autofabriken investiert haben. Hohe Standortkosten in Michigan (z.B. Lohn- und Pensionskosten der angestammten Belegschaft) seien ein wesentlicher Grund für diese Verschiebung innerhalb der USA gewesen. Eine ähnliche Entwicklung sei für den Automobilstandort Deutschland nicht unwahrscheinlich. Auch in Deutschland könnten die Produktionszahlen der Branche dauerhaft unterhalb der früheren Niveaus verharren. Der Anteil Deutschlands nicht nur an der globalen, sondern auch an der europäischen Automobilproduktion drohe zu sinken.

Die DB-Studie geht an das gesamte Thema durchaus differenziert heran. Man schreibt die Branche nicht einfach pauschal ab. Unter dem Strich sei man davon überzeugt, dass die deutsche Autoindustrie besser für die „elektromobile“ Zukunft und andere strukturelle Herausforderungen der Branche gerüstet sei als der Automobilstandort Deutschland. Die Unternehmen könnten Standortentscheidungen frei treffen und sich im Laufe der Zeit anpassen, wenn sich die Rahmenbedingungen an einem Standort verschlechtern. Bei der Beurteilung der Zukunftsperspektiven des Standorts Deutschland würden aus heutiger Sicht jedoch die negativen Faktoren überwiegen. Bedauerlich dabei sei, dass ein Teil dieser Faktoren durch eine klimapolitische Regulierung begünstigt werde, die deutlich weniger effektiv als möglich und teurer als nötig sei.

Der Vorwurf an die deutsche Autoindustrie, technologische Trends zu verschlafen, werde auch beim Übergang zu E-Mobilität stetig wiederholt. Doch auch in diesem Fall sei er laut DB nicht pauschal zutreffend. Richtig sei, dass der Anteil deutscher Hersteller an den verkauften Elektroautos in vielen Märkten unter ihrem Marktanteil bei traditionellen Fahrzeugen liegt. Gleichwohl gleicht der Übergang vom Verbrennungsmotor zur E-Mobilität einem Langstreckenlauf und nicht einem Sprint. Kein Anbieter liege uneinholbar vorne. Zudem sei die Produktpipeline der deutschen Hersteller gut gefüllt. Die Deutschen seien eben lediglich später dran als manche Konkurrenten, aus Sicht der Autoren der Studie jedoch nicht zu spät.

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Biden sei dank: Märkte glauben an die große Rettung – Risiko war gestern

Claudio Kummerfeld

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Joe Biden tritt heute sein Amt als US-Präsident an. In Windeseile wird er sich offenkundig daran machen sein 1,9 Billionen US-Dollar schweres Stimulus-Paket durch den US-Kongress zu bekommen. Die dortige Mehrheit ist zwar hauchdünn. Aber die Märkte sind frohen Mutes. Woran man das sieht? Schauen wir auf den folgenden Chart im Tweet. Er zeigt die Rendite für US-Schrottanleihen (Junk Bonds). Dies sind Anleihen, bei denen das Ausfallrisiko besonders hoch ist. Da Anleger für ein hohes Risiko entschädigt werden wollen und müssen, erhalten sie höhere Renditen als Inhaber von (vermeintlich sicheren) Staatsanleihen. Die Rendite fungiert hier also als Risikoprämie.

Die Höhe der Risikoprämie zeigt an, für wie ausfallgefährdet der Markt diese Anleihen hält. Je höher die Rendite, desto höher ist in den Augen des Kapitalmarkts das Risiko, dass die begebende Firma dahinter pleite geht, und somit die Anleihe nicht zurückzahlen kann. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2010 den Verlauf der Rendite bei US-Schrottanleihen. Zum Start der Coronakrise im März 2020 schoss die Rendite von 5 Prozent auf über 11 Prozent in die Höhe. Und danach beruhigte sich die Lage wieder, aktuell auf nur noch 4,13 Prozent – ein Rekordtief! In den letzten Monaten kamen die Impfstoff-Hoffnungen auf. Und jetzt seit einigen Tagen wird der große Stimulus in den USA immer konkreter. Wie gesagt, Joe Biden wird heute vereidigt. Und wie seine neue Finanzministerin Janet Yellen gestern klar machte, wird man die US-Volkswirtschaft kräftig mit Geld fluten.

Und wie sie sagte, sei das kräftige Schuldenmachen im Augenblick wichtiger als der Blick auf eine zu hohe Staatsverschuldung. Die müsse man zwar später mit höheren Unternehmenssteuern wieder abbauen, aber kurzfristig müsse man sich stark neu verschulden und die Konjunktur anfeuern. Und ja, der Kapitalmarkt scheint fest daran zu glauben, dass somit die Schrottunternehmen weiterhin im Spiel bleiben, und ihre Schulden weiterhin bedienen können. Wenn nur genug frisches Geld vom Staat kommt, geht die Party also weiter? Dieser Chart zeigt es jedenfalls an. Die Risikoprämie sinkt immer weiter, auf wie gesagt ein Rekordtief von nur noch 4,13 Prozent.

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Blick nach Deutschland

Aber schauen wir auch mal nach Deutschland. Hier sehen wir im folgenden Langfristvergleich seit dem Jahr 2010, wie die Rendite für deutsche Staatsanleihen immer weiter fällt, und der Dax (orange) immer weiter steigt. Das immer weiter sinkende Zinsniveau (in Deutschland dank hoher Bonität deutliche Negativrendite) treibt die Anleger in Aktien, Immobilien etc. Aktuell notieren die Aktienmärkte an ihren Allzeithochs. Heute hat auch der deutsche Staat mal wieder für 30 Jahre laufende Anleihen verkauft, mit einem Bruttovolumen von 1,5 Milliarden Euro. Die Nachfrage lag bei einem Volumen von 1,79 Milliarden Euro.

Und (wie gesagt 30 Jahre Laufzeit) die Emissionsrendite lag bei minus 0,13 Prozent, nach minus 0,06 Prozent im November. Immer weiter sinkende Zinsniveaus, immer mehr Stimulus – da wird die Lücke doch gut aufgefangen oder besser gesagt aufgefüllt, die Corona gerissen hat? Und diese Rettungsorgie wird vor allem in den USA kräftig weiter gehen, davon darf man ausgehen. Und so könnte man glatt sagen, dass „Risiko“ bei Anleihen irgendwas war, dass man mal kannte – aber heute gibt es das nicht mehr?

Chart zeigt Vergleich von Dax gegen Anleiherenditen

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Achtung: Korrektur voraus – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Stimmung auf dem digitalen Börsenparkett ist prächtig. Wir haben überhaupt nicht genug Geld, um alle die großartigen Titel des internationalen Kurszettels kaufen zu können, so eine verbreitete Empfindung.

Das sind einige der Zutaten dieser Euphoriewelle, die bereits seit einigen Monaten über die Aktienmärkte hinwegrollt.

Fokussierung auf wenige Trendbranchen: Die Hausse verkürzt sich zunehmend auf einige wenige Titel aus einigen Trendbranchen wie Wasserstoff oder E-Mobilität. Das waren zuletzt etwa die Favoriten auf der Privatanleger-Plattform Tradegate: NEL ASA, Plug Power, Xiaomi, Tesla und Ballard Power.

Es ist ein Warnsignal, wenn eine Hausse nur noch auf den Schultern weniger Aktien liegt. Gesund ist eine Hausse immer dann, wenn sie von möglichst vielen Aktien aus unterschiedlichen Branchen getragen wird.

Kauf zu jedem Preis: Typisch ist dabei, dass die Anleger derzeit bereit sind, für eine „geile“ Aktie jeden Preis zu bezahlen. Die Bewertung interessiert nicht mehr, solange der Titel einer Trendbranche zuzurechnen ist. Typisch ist auch, dass man diese Aktien nicht erst in einer Woche haben will, sondern jetzt sofort. Folglich verzichten immer mehr Anleger auf die Bestimmung eines Kauflimits und fassen stattdessen billigst zu.

In der Folge erleben wir immer öfter prozentual zweistellige Kursanstiege auf Tagesbasis, ohne dass eine Nachricht aus dem Unternehmen vorliegt. Zu Deutsch: Die Kursanstiege sind in der Regel nicht mehr fundamental begründet.

Am Ende entsteht ein gewaltiger Sog, dem wir uns kaum noch entziehen können. Selbst Profis fallen dann um, werfen ihre bewährten Strategien über…..

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