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Trump spaltet die Weltgemeinde – ein erster Erfolg

Beim jüngst stattgefundenen G20-Treffen in Buenos Aires erklärten die 20 wichtigsten Industrienationen, dass sie Protektionismus ablehnen. Eine klare Ansage gegen Donald Trump. Auch vorher war sich die internationale Staatengemeinschaft…

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Von Claudio Kummerfeld

Beim jüngst stattgefundenen G20-Treffen in Buenos Aires erklärten die 20 wichtigsten Industrienationen, dass sie Protektionismus ablehnen. Eine klare Ansage gegen Donald Trump. Auch vorher war sich die internationale Staatengemeinschaft darin einig nicht in einen Handelskrieg abgleiten zu wollen. Der freie Welthandel solle frei bleiben, und wenn die USA auf breiter Front Importzölle einführen – dann müsse man geschlossen dagegen stehen. So sah der allgemeine Konsens in den letzten Wochen aus, auch zwischen China und Europa.

Trump lässt EU durch brennenden Reifen springen

Aber die EU ist durch den brennenden Reifen gesprungen, den Trump ihr hingehalten hat. Weltweite Importzölle auf Stahl und Aluminium. Was machte die EU? Sprach sie im Auftrag der Weltgemeinschaft und im Sinne des globalen Freihandels in den letzten Tagen mit dem US-Handelsbeauftragten? Nein, EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström sprach mit den US-Vertretern nur darüber, dass die USA doch bitte die EU von den Importzöllen ausnehmen sollen.

Und nun ganz frisch haben die USA die EU, Kanada, Mexiko und ein paar andere Länder ausgenommen, und auch das nur bis zum 1. Mai. Damit erreicht Trump zwei Ziele. Erstens hat er die Weltgemeinschaft wunderbar gespalten. Und zweitens bleibt der Druck auf die EU erhalten, weil ja gerade mal fünf Wochen bis zum Ablauf dieser Ausnahme bleiben.

China gegen USA, danach jeder gegen jeden?

China steht nun quasi alleine da, als Hauptverursacher des gigantischen US-Handelsbilanzdefizits. Binnen 60 Tagen soll von nun an der US-Handelsbeauftragte Robert Lightizer laut Trump eine Liste chinesischer Produkte erstellen, auf die man zügig Importzölle verhängen wolle. Es solle laut Trump eine umfangreiche Liste werden. Frage: Was nützt es auf sagen wir mal Wasserkocher und Fernseher Importzölle zu erheben, wenn solche Produkte in den USA selbst gar nicht mehr hergestellt werden, und beim Neuaufbau einer Produktion zu atemberaubenden Preissteigerungen für die US-Konsumenten führen würde? Denn die Lohnkosten in der Produktion und somit letztlich die Kosten pro Wasserkocher im Laden würden drastisch steigen!

Trump sagte gestern, man sei zwar bereit mit China zu verhandeln. Aber durch die nun bald in Kraft tretenden Maßnahmen solle das Defizit mit China umgehend um 100 Milliarden Dollar sinken. Auch das wäre im Sinne des US-Defizits nur ein Tropfen auf den heißen Stein. China hatte vorher vergeblich versucht andere Länder zu einer geschlossenen Initiative gegen die US-Importzölle zu bewegen. Aber man sieht: Wenn es so weit ist, denkt jeder doch nur an sich selbst.

EU wird noch Bedingungen erhalten

Und die EU? Bis zum 1. Mai wird Trump uns wohl noch Bedingungen präsentieren. Nur wenn man die erfüllt, wird man auch nach dem 1. Mai von den Importzöllen weiter ausgenommen bleiben. So darf man es vermuten. Springt die EU-Kommission dann erneut durch einen zweiten brennenden Reifen? Donald Trump hat schon mal einen ersten netten Sieg errungen. Die Weltgemeinschaft steht nicht geschlossen gegen die USA im beginnenden Handelskrieg. Trump kann einzelne „Handelspartner“ gegeneinander ausspielen. Das dürfte womöglich die Marschroute der nächsten Monate sein.

Donald Trump
Donald Trump. Foto: whitehouse.gov

13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    Paul M.

    23. März 2018 10:10 at 10:10

    Für mich hat das eher was von einer Angleichung – wenn man die Importzölle so vergleicht, dann ist das teilweise schon heftig aus Sicht der USA…..wenn das jetzt ein „HAndelskrieg“ ist, dann würde mich interessieren wie der Prozess hieß, der erst zu diesen Verwerfungen geführt hat hieß.

  2. Avatar

    leser

    23. März 2018 10:20 at 10:20

    Ein weiteres Bespiel für die Nutzlosigkeit der EU. Selbst da, wo sie theoretisch einen Vorteil hat, wird der in der Praxis durch Unfähigkeit nicht genutzt. Per saldo bleiben Transferrisiken in lebensgefährlicher Höhe.

    Raus aus der EU!

    • Avatar

      Columbo

      23. März 2018 11:00 at 11:00

      Raus aus der EU? Darauf warten Trump&Co doch nur. Dann gehts erst richtig los mit den Handelskriegen, jeder gegen jeden. Wir Dummen zerfleischen uns dann und die Großen lachen uns aus. @Leser, ob das eine besonders schlaue Idee ist?

      • Avatar

        Paul M.

        23. März 2018 11:25 at 11:25

        die EU ist wie ein unbeweglicher Tanker – und Staaten wie die Schweiz und Norwegen sind bei solchen Marktlagen eher bewigliche Motorboote…..in der EU muss jedesmal der großen Unterschiede und verschiedenen Interessen der Mitgliedstaaten Rechnung getragen werden……..man kann nicht einfeach Länder die sich in so vielen Sachen unterscheiden in einen Topf werfen, und der Meinung sein, im Rahmen der Weltwirtschaft zantral aus Brüssel Entscheidungen zu fällen mit denen alle Mitgliedsstaaten einverstanden sind……

        das zeigt sich doch immer mehr…..

        • Avatar

          Columbo

          23. März 2018 11:37 at 11:37

          @Paul M.
          Bewegliche Motorboote sinken bei der nächsten großen Welle. Mit dem unbeweglichen Tanker ist das schon schwieriger.

          • Avatar

            leser

            23. März 2018 12:45 at 12:45

            @Columbo
            Der Tanker hat einen 900 Mrd. (Tonnen) Ballastkörper am Heck in Form des TargetII Saldos. Da hilft die Größe überhaupt nicht. Das Ding wird sinken und wer da vorher nicht in die Rettungsboote gestiegen ist, wird untergehen.

  3. Avatar

    Werner

    23. März 2018 10:27 at 10:27

    Ist doch logisch bei einem Immobilienhändler…

  4. Avatar

    abc

    23. März 2018 10:32 at 10:32

    wie würde es weitergehen?
    wird trump nicht sagen, zb apple ihr habt von mir ein XXX millarensteuergeschenk bekommen und darum baut ihr jetzt eine kopie von foxconn (hauptsächlich mit robotern statt menschen) in der wüste.
    würde sich das langfristig nicht positiv auf die US wirtschaft auswirken?

  5. Avatar

    Kritisch

    23. März 2018 10:51 at 10:51

    Also ich bin ja bei Gott kein Sympathisant von mr. TRUMP und seinen „Buddies“, die er so in den letzten Tagen und Wochen hinter sich geschart hat, ABER!
    Irgendwo kenn ich seine Argumentation hinsichtlich Ungleichgewicht bei Zöllen doch verstehen. Ich hoffe nur, dass sein „unglaublich diplomatisches Geschick“ nicht massive bilaterale Probleme auslöst welche er dann, natürlich wieder sehr diplomatisch, mit militärischen Mitteln lösen möchte. Ein Narziss, wie er ja nun mal zu sein scheint, neigt ja durchaus auch dazu etwas zur Gänze zu zerstören was nicht nach seiner Meinung nach läuft. Hoffen wir mal das Beste!

  6. Avatar

    Wolfgang M.

    23. März 2018 11:02 at 11:02

    Dieser Versuch eines Handelskriegs kommt aus meiner Sicht für die USA zur „Unzeit“. Denn man darf eines nicht vergessen: Der Aufschwung befindet sich bereits im 10.Jahr, die US-Verbraucher sind über beide Ohren verschuldet und profitieren zudem nicht richtig von der Steuerreform. Bis jetzt saßen viele auf hohen Aktiengewinnen, mit der Hoffnung auf Steigerung durch „America first“. Sollten die Aktienmärkte weiter nachgeben, werden viele Konsumenten auch mangels Masse den Privatkonsum einschränken müssen. Wenn nun Alltagsprodukte auch nur ein wenig teurer werden, aufgrund von Zöllen, wird die US-Wirtschaft, die zu 70% vom heimischen Konsum lebt, leiden, Damit würde Trump eine eigentliche schon fällige zyklische Rezession beschleunigen – ungewollt. Wollte Trump diesen Rückgang durch höhere Schulden kompensieren (Beispiel Infrastruktur), wer soll dann diese Treasuries kaufen – etwa China? Die Notenbank hat im Gegensatz zu 2007 (5,25% – Fed-Zinssatz) bei einem Konjunkturrückgang nicht allzuviel entgegen zu setzen. Deshalb ist für mich die Diskussion über die Zahl der Zinsanhebungen 2019 oder 2020 im 12. Aufschwungjahr eher Zeitverschwendung.

  7. Avatar

    tm

    23. März 2018 11:06 at 11:06

    „solle das Defizit mit China umgehend um 100 Milliarden Dollar sinken. Auch das wäre im Sinne des US-Defizits nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“

    Das Leistungsbilanzdefizit der USA betrug 2017 ca. 465 Mrd. USD. 100 Mrd. weniger wären also 22% weniger Defizit. Das würde ich nicht als Tropfen auf den heissen Stein bezeichnen. Wichtiger als Zölle, wäre aber die Freigabe des CNY.

  8. Avatar

    Christoph

    23. März 2018 12:16 at 12:16

    Zeigt mal wieder die Naivität oder vielleicht dann doch auch die Doppelmoral der EU…

    Weil: Produkte, die China nicht mehr nach USA schippert, landen dann ja vielleicht auf dem EU-Markt. Das geht natürlich nicht. Da brauchen wir notgedrungen Zölle. Ala:…sorry China, aber wir brauchen jetzt auch Zölle, nicht unsere Schuld, …blame Trump

  9. Avatar

    leftutti

    23. März 2018 22:27 at 22:27

    Wo wir schon beim Thema Trump spaltet die Weltgemeinde sind:
    Die harmlose, ehrliche und vertrauenswürdige USA beklagt sich über Hackerangriffe seitens Russland und neuerdings vom Iran auf ihr Geheiligtes Wonderland. Sie selbst würden so etwas natürlich nie machen. Es gab (und gibt) nie eine Abhöraffäre seitens der NSA, niemals irgendwelche Cyberangriffe und Trojaner seitens des Holy Wonderland auf andere Länder, nein, niemals.
    Unsummen für spaltende Mauern sind wichtiger als Krankenversicherungen und Sozialleistungen, Menschen wachsen nach, Mauern nicht.
    Der seit jeher blutrünstige reißende Wolf macht plötzlich auf armes Opferlamm, oh wie bedauernswert!
    Und die rechten Lemminge, Besserwisser und Realmenschen folgen in ihrer Naivität brav und bis ins Mark konditioniert der Logik des „genialen“ Spalters.

    Warum aber kaufen so viele Amis so viele der weltweit teuersten (deutschen) Autos? Hierzulande kann man bei den aktuellen Preisen wirklich nicht mehr von Dumping sprechen, schon viel eher eher von sinnlos überteuert. Und das bereits so ganz ohne Strafzölle. Warum kauft hierzulande keiner amerikanische Autos, die ja soviel günstiger wären? Dasselbe gilt für viele andere Produkte.
    Ist das nicht eher ein Thema von Nachfrage und Angebot? Von Preis-Leistungs-Verhältnis? Von Produktqualität?
    Wenn in Wonderland die hiesigen utopischen Preise als Dumping deklariert werden, sollte man über den Reichtum und Einkommenssituation, das Preisniveau und die ständig veröffentlichte brillante Arbeitsmarktsituation nachdenken, nach der quasi Vollbeschäftigung herrscht.

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US-Häusermarkt kurz vor Katastrophe – einen Hoffnungsschimmer gibt es

Claudio Kummerfeld

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Typische Bauweise am US-Häusermarkt

Am US-Häusermarkt könnte in den nächsten Wochen und Monaten eine Katastrophe eintreten. Millionen Amerikanern droht Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung. Denn zum einen endet im März eine Frist von maximal 12 Monaten, die es Hausbesitzern erlaubte ihre Hypothekenzahlungen auszusetzen, wenn sie durch die Corona-Pandemie in Not geraten. Kreditnehmer, die sich zu Beginn des Programms angemeldet hatten, könnten ab März 2021 von einer Zwangsvollstreckung bedroht sein.

Noch wichtiger für den US-Häusermarkt ist: Die landesweit gültige vorübergehende Aussetzung der Zwangsräumungen (mit dem Ziel, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen) endet am 31. Dezember. Der Zeitpunkt ist fast schon dramatisch, da gut 12 Millionen Amerikaner zu diesem Zeitpunkt Ansprüche auf Arbeitslosenunterstützung verlieren dürften.

Der US-Kongress könnte eigentlich für eine Verlängerung von Nothilfen sorgen. Aber zum Jahreswechsel befindet sich Washington DC mitten in einer toten Phase, wo Joe Biden zwar schon gewählt, aber eben noch nicht im Amt ist. Alles hängt in der Schwebe. Erst vor Kurzem wurden vom staatlichen „US Census Bureau“ Umfragedaten veröffentlicht aus dem Befragungszeitraum 28. Oktober bis 9. November, welche die Dramatik am US-Häusermarkt aufzeigen.

Etwa 5,8 Millionen Personen gaben demnach an, dass ihnen in den nächsten zwei Monaten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung droht. Das macht ein Drittel der 17,8 Millionen Erwachsenen in Haushalten aus, die mit Miet- oder Hypothekenzahlungen in den USA im Rückstand sind.

Gut die Hälfe der Haushalte in Staaten wie Nevada oder Florida, welche derzeit mit ihren Zahlungen im Rückstand sind, sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit für ihre Zwangsräumung im Januar. Florida ist am Schlimmsten betroffen mit 51,2 Prozent (bei der vorigen Umfrage nur 32 Prozent). Das bedeutet de facto, das gut 3,5 Prozent aller Haushalte in Florida glauben, dass sie in den nächsten zwei Monaten von einer Zwangsräumung betroffen sein könnten.

Hoffnung für US-Häusermarkt dank Joe Biden?

Joe Biden wird am 20. Januar als US-Präsident seine Arbeit aufnehmen. Vorher kann er nichts machen. Er kann eine Last-Minute-Rettung für den US-Häusermarkt sein – kann, aber nicht muss. Die Demokraten möchten die US-Bevölkerung richtig kräftig unterstützen mit neuen Staatshilfen. Aber die Republikaner, die in den letzten Monaten ebenfalls schon gigantischen Rettungssummen zustimmten, zeigten sich zuletzt eher ablehnend. Und jetzt wo ihr Kandidat Donald Trump die Präsidentschaftswahl verloren hat, können sie sich im Kongress in die Blockierer-Haltung begeben. Aber kann Joe Biden mit einer auch von den Republikanern akzeptierten neuen Finanzministerin Janet Yellen (ehemalige Notenbankchefin) doch noch neue Rettungs-Billionen aus dem Kongress rausklopfen?

Kann Joe Biden auf den allerletzten Drücker Ende Januar Millionen Amerikaner und den US-Häusermarkt vor einem Kollaps retten? Oder kommt alles ganz anders, und dank im Dezember beginnenden Impfungen erholt sich die Konjunktur in den USA derart schnell, dass viele Amerikaner neue Jobs erhalten? Die Banken verzichten auf Zwangsräumungen, und die überschuldeten Hausbesitzer, die auf dem letzten Loch pfeifen, dürfen in ihren Häusern bleiben? Das wäre auch möglich. Aber es wird eine verdammt enge Kiste!

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Free Lunch-Sozialismus in der Coronakrise auf dem Vormarsch

Claudio Kummerfeld

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Im Sozialismus der Moderne soll das Geld vom Himmel regnen

In den USA gibt es das Sprichwort, dass es keinen Free Lunch gibt. Sinngemäß übersetzt: Für alles muss irgendwie letztlich doch von irgendwem bezahlt werden. Wer ideologisch voll auf Sozialismus getrimmt ist, sieht das aber wohl grundsätzlich anders. Ökonomisch glauben zum Beispiel die Verfechter der Modern Money Theorie (MMT – hier dazu ein interessanter Text), dass man einfach als Staat unbegrenzt Geld druckt beziehungsweise immer weiter Schulden aufnimmt, und damit alle Probleme lösen kann. Da könnte man glatt auf die Idee kommen, dass die derzeitigen Staatenlenker und Notenbanker in Europa auch MMT-Verfechter sind?

Sozialismus: MMT und das Wunder-Märchenland

Wer eh schon an MMT als Wundermittel zur Lösung aller Probleme denkt, und dem Sozialismus zugeneigt ist, der kann auf folgende Idee kommen. Hey, die Europäische Zentralbank (EZB) kauft doch seit Jahren mit Billionen selbst gedruckter Euros die Staatsanleihen von Euro-Mitgliedsstaaten auf. Und die Mitgliedsstaaten als Eigentümer der EZB könnten doch dafür sorgen, dass die EZB einfach als Gläubiger auf die Rückzahlung der Schulden verzichtet. Man druck Geld, kauft die eigenen Schulden, und erlässt sich dann selbst die Schulden. Ein in sich geschlossener Kreislauf von Geld, das vom Himmel regnet und alle Probleme löst.

Was für ein Märchen-Wunderland. Aber halt. Wenn die EZB die Schulden der Länder erlässt, hat sie selbst ja Verluste in ihren Büchern. Und die Verluste würden buchhalterisch auf die Mitgliedsstaaten umgelegt, womit sie nach gerade erst erlassenen Schulden wieder neue Schulden hätten. Tja, eben doch kein Free Lunch? Außerdem können die Staaten der EZB dank ihrer Unabhängigkeit keine Anweisungen erteilen. Aber halt, war da nicht gerade erst was in Sachen EZB und Schuldenerlass?

EZB soll auf Rückzahlungen von Anleihen verzichten

Erst letzte Woche berichteten wir über die Forderung der in der italienischen Regierung sitzenden Fünf-Sterne-Bewegung Richtung EZB. Sie solle doch bitte gegenüber Italien auf die Rückzahlung der gehaltenen Anleihen verzichten, die im Zuge der Coronakrise aufgenommen wurden. Mal ehrlich: Selbst wenn die EZB das machen würde, müsste man das für alle Euro-Länder tun, und gleich danach wäre der Ruf laut nach Erlass aller gehaltenen Forderungen in den Büchern der EZB. Heute nun fordert Riccardo Fraccaro, ein Staatssekretär und enger Berater des italienischen Minsterpräsidenten Conte laut Berichten das selbe.

Auch er ist von der Fünf-Sterne-Bewegung. Die EZB könne so viel Geld drucken wie sie wolle. Die Geldpolitik müsse die expansive Fiskalpolitik der Mitgliedstaaten in jeder möglichen Weise unterstützen, zum Beispiel per Schuldenerlass, oder über eine ewige Laufzeitverlängerung. Tja, Sozialismus pur, möchte man sagen. Erst Schulden machen, dann nicht zurückzahlen wollen. Woher das Geld kommt, dass es keinen Free Lunch gibt? Dass irgendwann bei maßlosem Gelddrucken Inflation und Hyperinflation anstehen, und dass man Schulden auch zurückzahlen muss – egal.

Der „plan“-mäßige Weg in den Sozialismus

Bernd Riexinger als Parteichef der Linken verkündet eine klare, ganz offene Forderung, die letztlich nichts anders ist als der direkte Weg in den Sozialismus. Das Wort Enteignung klingt natürlich verführerisch für alle Menschen, die kein Wohneigentum besitzen, sondern mieten. Wer würde sich nicht gerne vom „Joch“ des bösen Vermieters lösen, an den man jeden Monat einen beträchtlichen Teil seines Einkommens abführen muss? Dass der Vermieter für die Erstellung der Immobilie vielleicht einen Kredit aufgenommen hat, und dass laufende Kreditraten, Instandhaltungen, städtische Leitungsverlegungen an der Straße uvm sehr viel Geld kosten, das erwähnt Bernd Riexinger nicht.

Denn diese Kosten trägt der Vermieter, welche letztlich durch die monatlichen Mietzahlungen finanziert werden. Im Sozialismus sagt man sich wohl: Der böse Vermieter kassiert pro Monat 800 Euro Miete, und hat also auch 800 Euro Gewinn für sich selbst. Dass nach Kreditkosten, Instandhaltung, Müllabfuhr, Gärtner, Hausmeister uvm bei vielen Vermietern kaum oder nur wenig übrig bleibt, passt da natürlich nicht ins Bild. Dass Ersteller von Immobilien teuer erkaufte Grundstücke über höhere Wohnungsmieten refinanzieren müssen – egal. Für Bernd Riexinger ist es ganz einfach. Alles verstaatlichen, so scheint die Devise zu sein.

Am besten alle Wohnungen und auch alle Grundstücke in Staatseigentum überführen, dann hat man alle Probleme Wohnungsmarkt gelöst? Die tatsächliche und nachhaltige Lösung des Problems wäre es, dass Staat und vor allem private Vermieter die Zahl neuer Wohnungen so derart stark erhöhen, dass mehr Angebot als Nachfrage vorhanden ist. Dann fallen die Wohnungsmieten von ganz alleine – Angebot und Nachfrage! Berlin (man lebt eh auf Kosten der anderen Bundesländer über den Länderfinanzausgleich) müsste deutlich mehr Bauland zur Verfügung stellen, und das möglichst günstig, mit möglichst wenig Bürokratie. Aber nein, man bestraft lieber die bestehenden Vermieter.

Vermieter enteignen, weil sie nicht so agieren wie gewünscht

Diese Woche trat beim Berliner Mietendeckel die zweite Stufe in Kraft. Daraufhin kündigten große Vermieter in Berlin an neue Investitionen auf dem Berliner Wohnungsmarkt stoppen zu wollen. Die Lösung im Sozialismus lautet bei so etwas: Funktioniert unsere Maßnahme nicht wie gewünscht, setzen wir eben eine noch größere Maßnahme oben drauf. So fordert Bernd Riexinger daher eindeutig die Enteignung der Vermieter. Natürlich ist das verfassungsrechtlich ein noch weiterer Weg als der Mietendeckel.

Aber hey, der wurde ja auch bereits umgesetzt in Berlin. Der Staat soll es halt selbst richten. Selbst bei einer Enteignung (spielen wir das Szenario mal durch) müsste die Stadt Berlin die Wohnungseigentümer entschädigen. Dadurch würde die Verschuldung der Stadt Berlin deutlich ansteigen. Aber halt… wenn wir eh schon beim Thema EZB sind… die EZB könnte doch diese neuen Berliner Anleihen einfach aufkaufen, und auf ihre Rückzahlung verzichten? Wäre doch echt super? Ein Free Lunch im Märchenland des Sozialismus.

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Dass sich die Wohnungskrise in Berlin durch den Mietendeckel eher noch verschärft hat, das darf man als Verfechter des Sozialismus natürlich sofort den bösen Vermietern anlasten? Denn die wollen bei sinkenden Mieteinnahmen und staatlichem Eingriff in die Vertragsfreiheit keine neuen Wohnungen mehr in Berlin bauen? Welch ein Wunder, wer hätte damit rechnen können? Das ist ja gleich noch ein Argument für die Verstaatlichung der gesamten Wohnungsindustrie. Lassen wir einfach alles den Staat machen. Wohnungen bauen und vermieten, und das schön günstig. Aber warum macht die Stadt Berlin das nicht schon längst in großem Stil?

Niemand hindern sie daran. Man sieht, sie kann es nicht. Dabei regieren die Linken in Berlin doch, und sind nicht in einer Opposition, wo sie hilflose Zuschauer sind. Nein, man drangsaliert lieber die private Wohnungswirtschaft. Dabei könnte man parallel zu den Privaten durch ein massives Überangebot an neuen staatlich gebauten Wohnungen dafür sorgen, dass auch bei den privaten Vermietern durch freie Marktmechanismen die Mietforderungen sinken. Denn wie gesagt, wenn mehr Wohnungen als Wohnungsssuchende vorhanden sind, werden die Vermieter zwangsläufig ihre Mietforderungen senken.

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Konsumklima stürzt ab, Aussichten am Arbeitsmarkt besser – wie kann das sein?

Claudio Kummerfeld

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Menschen in Schlange mit Einkaufswagen

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat heute ihre Meldung für das Konsumklima in Deutschland (Verbraucherstimmung) veröffentlicht. Dem normalen Menschenverstand folgend sinkt das GfK-Konsumklima. Für Dezember zeigt man einen Wert von -6,7 Punkten, und damit 3,5 Punkte weniger als im November. Es ist logisch, dass die Stimmung der Konsumenten sinkt, wenn der zweite Lockdown voll in Gange ist – sei es auch nur ein sanfter Lockdown mit geschlossener Gastronomie. Der Lockdown light habe die Verbraucherstimmung im November laut GfK spürbar gedämpft. Sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartung wie auch die Anschaffungsneigung müssen – wie schon im Vormonat – Einbußen hinnehmen. Hier ein Auszug aus der Meldung der GfK:

„Zwar bleiben die Einzelhandelsgeschäfte geöffnet, doch die erneute Schließung von Hotellerie, Gastronomie und Veranstaltungsgewerbe treffen – ebenso wie der noch immer am Boden liegende Tourismus – das Konsumklima schwer“ erklärt Rolf Bürkl, GfK Konsumexperte. „Damit haben sich auch die Hoffnungen auf eine rasche Erholung, die noch im Frühsommer aufkamen, endgültig zerschlagen. Die als Folge der zunehmenden Verunsicherung erneut gestiegene Sparneigung hat ebenfalls zum Rückgang des Konsumklimas beigetragen.“

Stimmung am Arbeitsmarkt verbessert sich

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute sein aktuellstes Barometer für den deutschen Arbeitsmarkt veröffentlicht. Demnach verbessert sich die Stimmungslage sogar. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer (besteht aus zwei Komponenten, aktueller Beschäftigung und Entwicklung der Arbeitslosigkeit) ist im November um 0,4 Punkte auf 100,5 Punkte gestiegen. Damit verbleibt der Frühindikator im leicht positiven Bereich. Warum? Nun, dazu gibt die IAB eine klare Aussage. Die Beschäftigung werde im zweiten Lockdown nicht noch einmal einbrechen. Wichtig hierfür seien die (staatlichen) Stützungsmaßnahmen für die Betriebe und ihre jetzt bereits vorhandenen Erfahrungen mit der Corona-Krise. Die Perspektive auf einen Impfstoff mache die Unternehmen zuversichtlicher.

Das verstärke noch einmal ihre Bereitschaft, die Beschäftigten zu halten. Dennoch belaste die weltweite zweite Corona-Welle die Erholung, und die sich durch die Corona-Krise beschleunigenden Transformationsprozesse in der Wirtschaft würden große Herausforderungen darstellen. Und relativ günstige Aussichten zeigt das IAB-Arbeitsmarktbarometer für die Entwicklung der Arbeitslosigkeit: Die entsprechende Komponente hielt sich auf dem Vormonatsstand von 102,1 Punkten. Zu beachten sei, dass der Befragungszeitraum schon in der ersten Novemberhälfte endete, als eine Verlängerung des Lockdowns noch nicht absehbar war.

Also: Die staatlichen Arbeitsmarkt-Forscher sehen die Stimmung deswegen verbessert, weil auf der einen Seite die Befragung schon endete, bevor eine Lockdown-Verlängerung absehbar war – und weil auf der anderen Seite die Wirtschaft vom Staat mit Rettungsgeldern geflutet wird, sodass Entlassungen nicht notwendig sind.

Arbeitsmarkt-Barometer der IAB steigt

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