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Trump-Tweets – warum steigen US-Märkte immer wieder?

Wolfgang Müller

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Es ist doch ein Kuriosum, eher sogar noch ein Paradoxon, warum die US-Aktienmärkte immer wieder auf die Trump-Tweets reagieren. Schließlich kann man nicht mehr zwischen Dichtung und Wahrheit oder ganz einfach an den am Kurzzeitzweck orientierten, widersprüchlichen Verlautbarungen unterscheiden. Auch wenn tägliche Tradingaspekte ins Feld geführt werden müssen – Computerhandel mit permanenten Stopploss-Orders etc. – so steckt meines Erachtens ein anderer Denkmechanismus dahinter.

 

Trumps unausgesprochenes Dilemma, die Märkte haben es erkannt

Dass Donald Trump die chinesische Führung in die Knie zwingt und diese mit einem Deal zugunsten der USA antworten, diesen Traum haben die Märkte schon länger ausgeträumt. Es dürfte eher so sein, dass die Investoren erkennen, dass Donald Trump die Zeit davonläuft und er quasi durch die Wall Street und die Wirtschaftslage gezwungen wird, seine Politik der Eskalation aufzugeben.

Nie und nimmer kann er 25 % Zölle auf die 300 Milliarden Chinaexporte einführen, die dann die Güter des täglichen Gebrauchs beträfen. Das hätte einen kleinen Inflationsschub zur Folge, einen Einbruch des für das US-BIP so übermächtigen Konsums und ein Stillhalten der Fed in punkto Zinssenkungen. Denn der gesetzliche Hauptauftrag für die US-Notenbank ist es, die Inflation in Zaum zu halten und damit wären Zinssenkungen erst einmal vom Tisch. Über das Thema Rezession und Wiederwahl habe ich mich erst kürzlich geäußert.

 

Trump-Tweets – Börse bewertet Zukunft

Aus meiner Sicht haben die Märkte erkannt, dass die Trump-Tweets mit seinen Drohungen gegenüber China nur noch Schall und Rauch sind, aus der Not und zugleich der Verzweiflung geboren. Mit jeder Woche, die vergeht, wird der Schaden größer den der Handelskonflikt der USA, nicht nur mit China anrichtet. Bei jeder neuen Zolldrohung gegenüber China reagieren die Märkte mit heftigen Abverkäufen, die sich noch deutlich steigern sollten, falls die Zölle sich auf die konjunktursensiblen Alltagsgüter ausweiteten. Und der Präsident muss immer schärfere Geschütze, ob wahr oder unwahr, auffahren, um seine Achillesferse zu schützen.

 

Fazit

Die US-Aktienmärkte bewerten aus meiner Sicht folgende Perspektive: Der US-Präsident wird angesichts der sich nähernden US-Wahlen versuchen, die US-Wirtschaft am Laufen zu halten und die Aktienmärkte vor dem Absturz zu schützen. Dafür wird er sich im Handelskrieg zwangsläufig immer mehr zurückhalten (müssen), allerlei Konjunkturmaßnahmen ins Feld führen (Steuersenkungen, Infrastrukturmaßnahmen) und die Fed wird ihm in Zusammenarbeit mit vielen Notenbanken noch einmal billiges Geld zur Verfügung stellen. Also noch einmal ein kleines Strohfeuer entfachen, mit einer sehr begrenzten Brenndauer.

Dies ist das, was die Märkte meiner Meinung nach einpreisen und nicht das egomane, erratische Gebabbel eines Präsidenten mit seinen Tweets. Trump will in der ihm typischen Selbstüberschätzung nicht wahrhaben, dass seine ursprüngliche Strategie im Handelsstreit (derzeit, konjunktur- und wahlbedingt) gescheitert ist. Ich denke nicht, dass die Märkte zu dumm sind, um auf Trump-Tweets regelmäßig hereinzufallen, auch wenn sie sich in der Langfristeinschätzung der Märkte gelegentlich irren – aber wesentlich seltener als es einzelne Investoren tun.

 

Trump-Tweets sorgen immer wieder für heftige Bewegungen an den Märkten

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Macwoiferl

    27. August 2019 13:18 at 13:18

    Eine tolle Analyse! Prima und danke!
    @Wolfgang Müller: Aber warum sind die Chinesen so „ruhig“ und vergleichsweise friedfertig?
    Warten die ab bis kurz vor der Wahl um dann mit „richtigen“ Gegenmaßnahmen zuzuschlagen?
    Was sollen die Beschwichtigungen von Liu He?
    Im Moment tönt aus dem Mainstream, gedankenlos und willenlos abgedruckt, Trumps Propaganda.
    Schaue ich auf Dollar-Yuan, dann denke ich mir: Da müssen doch große Adressen gegenschieben bei diesem katastrophalen Verhältnis.
    Man hat den Eindruck die Banken setzen im Moment Milliarden, damit es partout nach oben geht.
    Auch das geringe Volumen spräche dafür.
    Will man damit nur „shorties“ grillen oder steckt mehr dahinter – Ordre du Mufti?
    Würde mich mächtig über einen Teil 2 Ihrer Analyse freuen!

    • Avatar

      Wolfgang M.

      27. August 2019 16:11 at 16:11

      @Macwoiferl. Hallo und vielen Dank für die Wertschätzung, zugleich eine spontane Einschätzung auf Ihre Fragen.
      Die Chinesen gehen angesichts ihrer ökonomischen Unterlegenheit, speziell wegen ihrer hohen Exportquote, sehr geschickt und geduldig vor. Durch ihre Politik der Verzögerung und der Nadelstiche treiben sie Donald Trump vor sich her. Sie gehen absichtlich nicht in die „Vollen“, wie zum Beispiel ein Exportstopp der „Seltenen Erden“, Boykott der Apple-Produktion u.ä. und erreichen dabei zwei Ziele gleichzeitig.
      Sie bringen den impulsiven Präsidenten zur Weißglut, der damit zu selbstschädigenden Verhalten getrieben wird und sie nehmen Rücksicht auf die eigene Wirtschaft, die sich nicht zu stark abkühlen darf (Problembereiche Wanderarbeiter, Unternehmensverschuldung). Trump wird von Monat zu Monat nervöser, vor allem, wenn ihm das Damoklesschwert Invertierung der Zinskurve täglich in den Medien vor Augen geführt wird.
      Mit der dosierten Abwertung des Yuan neutralisiert man die Wirkung der Zölle, während das Geld aus vielerlei (Angst)Gründen in den Dollar fließt, mit der Folge der Aufwertung und der negativen Wirkung auf den US-Export.
      Das führt dazu, dass sich Trump immer stärker auf seine eigene Notenbank einschießt und dabei Grenzen überschreitet, die seine eigene Partei und die oberste Gerichtsbarkeit auf den Plan rufen. Die Fed muss schon aus Gründen der eigenen Reputation auf Distanz gehen, was den Präsidenten immer weiter in die Irrationalität treibt.
      Kurzum, mit dem Psychospiel wird Trump immer mehr zum „Opfer“ seiner eigenen Strategie, wie es Markus Fugmann heute Morgen so richtig beschrieben hat. Die chinesische Führung sieht wie die noch verbleibenden 60 Wochen bis zur Wahl an den Nerven zehren und für einen finalen Schuss 2020 spart man sich sogar noch Munition auf.
      Grüße

      • Avatar

        Macwoiferl

        27. August 2019 18:34 at 18:34

        Besten Dank!
        Auch das alles fundiert- TOP!
        Schöne Grüße!

  2. Avatar

    Faktist

    27. August 2019 13:19 at 13:19

    Algos nach Vorgaben dieser Verbrecher programmiert die z.B. diese Tweets absetzen!!! Als ob es nicht klar ist, dass man da Hand in Hand geht und den Markt manipuliert was das Zeug hält! Jetzt wurde auf einmal auch der Anleiherendite Algo abgeschaltet… was juckt uns dass nun alle Renditen invertiert sind!? Vor 2 Wochen war es noch bei den Algos ganz wichtig… aber nun sagt The Donald, schaltet doch diesen algorythm bezüglich invertierung der Zinskurve ab, damit wir ein Problem weniger für die Märkte haben. Bekomme für 3 monate mehr Zinsen als für 30 Jahre und auch mehr als für 2 oder 10 Jahre und 2 jahre mehr als für 10 Jahre usw.

  3. Avatar

    Macwoiferl

    27. August 2019 14:53 at 14:53

    @Faktist und andere:
    Auch dies wäre eine interessante Frage.
    Wie weit wird man noch gehen um steigende Kurse zu produzieren?
    Shorties verhaften und aus den USA ausweisen?
    Sich das Erdogansche Notenbank-Management aneignen?
    Einen Trump-Twitter-Bot programmieren, der die Worte Hoffnung, China, Deal kombiniert täglich?
    Die Börse als einstigen Handelsplatz von Anteilsscheinen komplett außer Kraft setzen?

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Rüdiger Born: Nachbesprechung für Nasdaq-Szenario

Rüdiger Born

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Gestern hatte ich im Video und im Trade des Tages ein Aufwärtsszenario im Nasdaq besprochen. Heute folgt sozusagen die Nachbesprechung. Wie geht es weiter im Nasdaq? Mehr dazu in diesem Video.

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Biden sei dank: Märkte glauben an die große Rettung – Risiko war gestern

Claudio Kummerfeld

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Joe Biden tritt heute sein Amt als US-Präsident an. In Windeseile wird er sich offenkundig daran machen sein 1,9 Billionen US-Dollar schweres Stimulus-Paket durch den US-Kongress zu bekommen. Die dortige Mehrheit ist zwar hauchdünn. Aber die Märkte sind frohen Mutes. Woran man das sieht? Schauen wir auf den folgenden Chart im Tweet. Er zeigt die Rendite für US-Schrottanleihen (Junk Bonds). Dies sind Anleihen, bei denen das Ausfallrisiko besonders hoch ist. Da Anleger für ein hohes Risiko entschädigt werden wollen und müssen, erhalten sie höhere Renditen als Inhaber von (vermeintlich sicheren) Staatsanleihen. Die Rendite fungiert hier also als Risikoprämie.

Die Höhe der Risikoprämie zeigt an, für wie ausfallgefährdet der Markt diese Anleihen hält. Je höher die Rendite, desto höher ist in den Augen des Kapitalmarkts das Risiko, dass die begebende Firma dahinter pleite geht, und somit die Anleihe nicht zurückzahlen kann. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2010 den Verlauf der Rendite bei US-Schrottanleihen. Zum Start der Coronakrise im März 2020 schoss die Rendite von 5 Prozent auf über 11 Prozent in die Höhe. Und danach beruhigte sich die Lage wieder, aktuell auf nur noch 4,13 Prozent – ein Rekordtief! In den letzten Monaten kamen die Impfstoff-Hoffnungen auf. Und jetzt seit einigen Tagen wird der große Stimulus in den USA immer konkreter. Wie gesagt, Joe Biden wird heute vereidigt. Und wie seine neue Finanzministerin Janet Yellen gestern klar machte, wird man die US-Volkswirtschaft kräftig mit Geld fluten.

Und wie sie sagte, sei das kräftige Schuldenmachen im Augenblick wichtiger als der Blick auf eine zu hohe Staatsverschuldung. Die müsse man zwar später mit höheren Unternehmenssteuern wieder abbauen, aber kurzfristig müsse man sich stark neu verschulden und die Konjunktur anfeuern. Und ja, der Kapitalmarkt scheint fest daran zu glauben, dass somit die Schrottunternehmen weiterhin im Spiel bleiben, und ihre Schulden weiterhin bedienen können. Wenn nur genug frisches Geld vom Staat kommt, geht die Party also weiter? Dieser Chart zeigt es jedenfalls an. Die Risikoprämie sinkt immer weiter, auf wie gesagt ein Rekordtief von nur noch 4,13 Prozent.

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Blick nach Deutschland

Aber schauen wir auch mal nach Deutschland. Hier sehen wir im folgenden Langfristvergleich seit dem Jahr 2010, wie die Rendite für deutsche Staatsanleihen immer weiter fällt, und der Dax (orange) immer weiter steigt. Das immer weiter sinkende Zinsniveau (in Deutschland dank hoher Bonität deutliche Negativrendite) treibt die Anleger in Aktien, Immobilien etc. Aktuell notieren die Aktienmärkte an ihren Allzeithochs. Heute hat auch der deutsche Staat mal wieder für 30 Jahre laufende Anleihen verkauft, mit einem Bruttovolumen von 1,5 Milliarden Euro. Die Nachfrage lag bei einem Volumen von 1,79 Milliarden Euro.

Und (wie gesagt 30 Jahre Laufzeit) die Emissionsrendite lag bei minus 0,13 Prozent, nach minus 0,06 Prozent im November. Immer weiter sinkende Zinsniveaus, immer mehr Stimulus – da wird die Lücke doch gut aufgefangen oder besser gesagt aufgefüllt, die Corona gerissen hat? Und diese Rettungsorgie wird vor allem in den USA kräftig weiter gehen, davon darf man ausgehen. Und so könnte man glatt sagen, dass „Risiko“ bei Anleihen irgendwas war, dass man mal kannte – aber heute gibt es das nicht mehr?

Chart zeigt Vergleich von Dax gegen Anleiherenditen

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Netflix und Tesla bringen gute Laune

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Netflix hat gestern Abend tolle Zahlen geliefert, und bei Tesla gibt es ein neues hohes Kursziel.

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