Donald Trump übernahm sein Amt in einer schwierigen Zeit, auch wenn es derzeit nicht so aussieht: Hierzu eine kurze Darstellung zum Handelskrieg, zur US-Wirtschaft und zu den US-Börsen zu Beginn seiner zweiten Präsidentschaft.
Trump: Der teure US-Aktienmarkt – Damoklesschwert für die neue US-Administration
Der US-Aktienmarkt hat in den letzten Jahren eine Expansion realisiert, wie sie es noch selten in der Geschichte gegeben hat. Die Marktkapitalisierung aller US-Aktien ist von unter 10 Billionen im Jahr 2009 auf aktuell über 63 Billionen Dollar gestiegen.
Alle Bewertungsmaßstäbe sind am oberen Ende der Skala angelangt, ob Shiller-KGV, ob Buffett-Indikator oder die Entwicklung des Kurs/Gewinn-Verhältnisses.
Der Anteil von US-Aktien am MSCI World, also des Sammelindex der 23 größten Industriestaaten, liegt bei schwindligen 73 Prozent. Was meint Donald Trump hier mit seinem Spruch, Amerika wieder groß machen zu wollen? Soll ein Land mit vier Prozent Anteil an der Weltbevölkerung etwa über 50 Prozent an der globalen Börsenkapitalisierung und vielleicht auch noch eine ähnliche Wirtschaftsleistung aufbringen? Vermutlich ein kapitaler Irrtum. Trump müsste eigentlich mit Händen und Füßen versuchen, den Stand der USA zu halten.
Denn das Wachstum der USA mit zwei bis drei Prozent in den letzten acht Jahren war nur möglich durch einen Anstieg der Verschuldung von 20 auf 36 Billionen Dollar. Dieser Aufschwung ist war also vorwiegend Schulden-finanziert und nicht durch produktives Wachstum. Hätte sich Europa auch jedes Jahr um 7 Prozent neu verschuldet, wäre vermutlich ein ähnliches Wachstum herausgekommen.
Ungeachtet der gigantischen Performance der Magnificent Seven. Aber die US-Wirtschaft wird eben zu 70 Prozent durch den Verbraucher und auch durch die Dienstleistungen bestimmt.
Trump und Handelskrieg: gefährlich für die USA
Wenn jetzt Donald Trump versucht, durch radikale Maßnahmen wie Zöllen und Ausstieg aus vielen internationalen Organisationen, die Macht der USA auszureizen, so könnte dies Reaktanz bei den großen Industrieländern auslösen. Vielleicht würden sich diese sogar gegen den scheinbar unangreifbaren Konkurrenten wehren und sich enger zusammenschließen.
Hinzu kommt, dass der US-Aktienmarkt mit seinen 63 Billionen Dollar das Damoklesschwert darstellt, welches über den USA schwebt. Sollte Donald Trump durch seine aggressive Zollpolitik eine Korrektur am Aktienmarkt auslösen – nach klassischer Definition minus 10 Prozent – so wären dies bereits sechs Billionen Dollar an Vermögenseinbußen am US-Kapitalmarkt. Wahrscheinlich davon zu 80 Prozent für die US-Gesellschaft.
Dies entspräche dem Doppelten der gesamten Einfuhren der USA von drei Billionen Dollar im Jahr 2024. Was bringt es da, wenn man 100 oder 200 Milliarden Dollar durch Pressalien gegenüber Mexiko oder Kanada hereinholt?
Das Medianvermögen der Amerikaner am Kapitalmarkt betrug im letzten Jahr 250.000 Dollar. Was nichts anderes heißt, als dass die Hälfte der US-Haushalte sogar noch höhere Vermögenswerte besitzt. Damit liegt das Wohl und Wehe der Amerikaner nicht nur an ihren Immobilien, sondern in extremer Maße auch am Aktienmarkt. So dürfte der Konsum bei einer substanziellen Korrektur der großen Indizes in einer verschuldeten Gesellschaft rasch einbrechen.
2018 hatte US-Präsident Trump bei einem Rückgang des S&P 500 von 19 Prozent die Banken angefleht, Aktien zu kaufen, um keinen Bärenmarkt zuzulassen. Damals stand der S&P 500 aber bei 2500 Punkten, jetzt bei über 6000. Dies haben die meisten Analysten anscheinend schon vergessen.
Hohe Kapitalmarktzinsen – wer soll die teuren Anleihen kaufen?
Das nächste Regulativ aber ist der Anleihemarkt, bei dem die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe derzeit zwischen 4,5 und 4,8 Prozent hin und her mäandriert. Die Einführung von hohen, zweistelligen Zöllen könnte die Inflation anheizen und die Renditen rasch über die 5 Prozent Marke hieven
Eine unglaublich angespannte Lage für Finanzminister Scott Bessent, der nicht nur sieben Billionen Dollar an Altanleihen zu refinanzieren, sondern auch noch etwa zwei Billionen Dollar an neuen Schuldpapieren zu emittieren hat. Derzeit beträgt die durchschnittliche Rendite aller Schulden 3,1 Prozent. Und als Rückblick: Beim Amtsantritt von Donald Trump lagen die Schulden nicht nur 80 Prozent tiefer als heute, sondern auch die Rendite der zehnjährigen US Staatsanleihe bei nur 2,4 Prozent.
Bei diesem jährlichen Defizit von sieben Prozent strebt Donald Trump auch noch an, die Unternehmenssteuern von 21 auf 15 Prozent zu senken. Woher will er die fehlenden Einnahmen holen – das Haushaltsdefizit betrug 2024 etwa 2,1 Billionen Dollar? Und das Außenhandelsdefizit eine knappe Billion Dollar. Selbst wenn Trump das Handelsbilanzdefizit mit allen Staaten auf null herabfahren könnte – was de facto nahezu möglich ist -, wäre die Haushaltslücke hierdurch nie und nimmer zu schließen.
Ergo: Auch wenn sich Donald Trump allmächtig (durch die wirtschaftliche Ausnahmesituation der USA) und von Gott bestimmt fühlt, um die USA zu neuem Wohlstand zu bringen, ist seine Situation eine ganz andere als vor acht Jahren. Man schiebt das große Staatsschuldenproblem einfach so vor sich her. Was aber wäre, wenn das Ausland aufgrund einer aggressiven Zollpolitik sich weigern würde, amerikanische Staatsanleihen zu diesen Konditionen zu kaufen? Von denen nicht weniger als 9 Billionen Dollar in den nächsten zwölf Monaten auf den Markt kommen werden.
Fazit
Schon ohne die aggressive Politik von Donald Trump mit Zöllen und Gebietsannexionen könnte der US-Aktienmarkt vor einer Phase der Korrektur und einer längeren Seitwärtsbewegung stehen. Denn ein Anstieg der Aktienmärkte in der letzten Dekade um 13 Prozent pro Jahr liegt weit über dem langjährigen Durchschnitt von 10 Prozent und 13 Prozent über mehrere Jahre schaffen eben akkumuliert eine starke (im Ansatz exponentielle) Abweichung. Natürlich verursacht durch das gigantische Wachstum der Magnificent Seven, die sich vor dem Problem der großen Zahl (Marktkapitalisierung) befinden. Denn eine Verdreifachung des Wertes von Nvidia von einer auf drei Billionen Dollar binnen eines Jahres war noch möglich. Von jetzt an gerechnet in die Zukunft, ist so etwas zeitnah kaum vorstellbar.
Dies bedingt eine Rückkehr zum Mittelwert, also der angelsächsischen Version der „Reversion to the Mean“. Oder wie es Jack Bogle, der Erfinder der Indexfonds, so treffend in seinem langen Leben formulierte: Revision to the Mean is the iron Rule of Financial Markets.
Es ist damit sogar reichlich kontraproduktiv von einem US-Präsidenten, in dieser Situation einen Handelskrieg mit dem Ausland zu beginnen und über Jahrzehnte aufgebaute Handelswege zu zerstören. Eine Rückkehr der Produktion in USA ist sicherlich wünschenswert, aber bei Löhnen von deutlich über 50 Dollar in der Automobilindustrie wird dies eben auch zu einem größeren Problem. Denn die Globalisierung hat den Wohlstand der Nationen gebracht und nicht die Abschottung mittels Zöllen. Hierfür gibt es kein historisch positives Vorbild.
Don’t trust on Tariffs, Mr. President! Auch wenn Donald Trump seit über 35 Jahren davon träumt, das Gegenteil zu beweisen und die anderen Nationen mit Handelsüberschüssen für ihre unfaire Vorgehensweise zur Kasse zu beten.
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

2. Abschnitt – 2 Absatz:
US-Aktienmarkt mit seinen 63 Millionen Dollar das Damoklesschwert darstellt.
Hier soll wohl 63 Billionen(!) stehen ;)
Textkorrektur?
Sehr gute Zusammenfassung der explosiven Lage der USA. Ich kann nicht verstehen ,warum so viele Profis
die Situation negieren und meinen es könne immer so weitergehen. Trump wird die Zeitbombe zünden, weil er neben den kontraproduktiven Sanktionen mit seinem Getue die Brics und den Anti- Amerikanismus stark fördert.
„…warum so viele Profis die Situation negieren…“
Weil es eben Profis sind.
Der Begriff „schuldenfinanziertes Wachstum“ ist mit zu einseitig und negativ. Die Produktivität pro Kopf seit 2019 ist in den USA um über 17% höher als die in Deutschland. Mit den Schulden und der amerikanischen Arbeitsmoral wurden also Werte geschaffen. In Deutschland wurden in diesem Zeitraum Werte von hunderten von Milliarden Euro vernichtet, die Verarmungstendenz ist krass. Und dass Deutschland seine Schulden jemals zurückzahlt, ist genau so unwahrscheinlich wie in den USA. Verlieren die Amerikaner 10%
des Aktienkapitals ist das temporär ärgerlich. Die Defizite in Deutschland zu beseitigen und das reale Schrumpfen der Wirtschaft zu beenden ist bei nicht absehbarer wettbewerbsfähiger Energie nicht möglich.
Die USA haben eher ein Luxusproblem, wir ein Verarmungsproblem.
@Dagoberti.Jetzt übertreiben Sie aber mal nicht. Deutschland hat zweifelsohne seit einem Jahrzehnt eine sehr verfehlte Wirtschaftspolitik erlebt. Aber auf deutschen Geldkonten liegt immer noch der fantastische Betrag von 7 Billionen Euro. Und das sind nicht die Konten der ganz Reichen. Wie es die Professoren Sinn und Mayer schon formuliert haben: Deutschland verliert nach und nach seinen Wohlstand, falls sich nichts drastisch ändert.
@ Columbo, mit ihrer Aussage bezweifeln sie die realistische Einschätzung von Herr Müller. Sie als MSCI Fan und Goldbasher haben natürlich die Kompetenz dazu. Ja diese Hunderten von Profis bei den Notenbanken haben die Inflation und die Rezessionen auch noch nie richtig einschätzen können. Sie als Amateur können sich trösten, wenn sie meistens falsch liegen. Markus Krall haben sie auch immer kritisiert, doch jetzt geben ihm die Insolvenzstatistiken recht.
@Knüller
Viele Grüße nach Andalusien.
(und sich nicht zuviel ärgern, ist ungesund)
Unser interpretationsfreudiger @Wechselbalg bzw. @Helmut und Pseudonym-Jumper, ist schon wieder völlig heissgelaufen, obwohl die Temperaturen in Andalusien derzeit noch recht moderat ausfallen. Freuen wir uns auf den Sommer, wenn die Sonne wieder steiler steht, die Quecksilbersäule die 40 °C spielend überschreitet☀️und die Gehirne der Menschen dort grillt. Dann entstehen noch mehr märchenhafte Fantasien, die uns hier im gemäßigten Klima erheitern werden.
Auch von meiner Seite herzliche und einfühlsame Grüße nach Andalusien