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Abschied der USA von der globalen Ordnungsmacht Trump und US-Verteidigungsstrategie: „Geschenk für Xi Jinping“

Das Signal der Schwäche

Die neue US-Verteidigungsstrategie der Trump-Regierung soll Abschreckung sichern, wirkt aber wie ein strategischer Vorteil für China und Xi Jinping. Zwischen Rückzug, Beschwichtigung und Glaubwürdigkeitsverlust.

Trump und US-Verteidigungsstrategie: „Geschenk für Xi Jinping“

Die US-Verteidigungsstrategie wird bereits als „Ein Geschenk für Xi“ kritisiert. Sie verspricht Abschreckung, setzt aber auf Dialog statt Konfrontation. Der Fokus liegt auf dem Indopazifik, China bleibt zentrale Herausforderung. Gleichzeitig sorgen Rückzug und milder Ton bei Verbündeten für Zweifel an amerikanischer Entschlossenheit.

Strategiewechsel im Indopazifik

Auf die Nationale Sicherheitsstragie (NSS) vom November folgte am Freitag die Nationale Verteidigungsstrategie (NDS) der USA. Das 25-seitige Pentagon-Dokument übersetzt die politischen Leitlinien in militärische Planung und markiert einen klaren Kurswechsel. Im Zentrum steht der Indopazifik, verbunden mit dem erklärten Ziel, Spannungen mit China zu reduzieren. Die USA streben ein für sie günstiges Kräftegleichgewicht an, ausdrücklich defensiv definiert. Washington betont, China weder dominieren noch demütigen zu wollen, sondern lediglich verhindern zu wollen, selbst oder seine Verbündeten dominiert zu sehen. Abschreckung soll durch Stärke entstehen, nicht durch Konfrontation.

Entsprechend signalisiert das Papier Interesse an erneuter militärischer Kommunikation mit Peking, um Eskalationsrisiken zu senken. Angestrebt wird ein stabiler Zustand, der amerikanische Vorteile sichert, aber für China akzeptabel bleibt. Peking bleibt die zentrale strategische Herausforderung, doch der Ton unterscheidet sich deutlich von Trumps erster Amtszeit. Zugleich erklärt die Strategie den Abschied von Interventionismus, Regimewechseln und endlosen Kriegen. Angesichts von Entführungen ausländischer Akteure, offener Regimewechselrhetorik gegenüber Iran und territorialer Ambitionen in Richtung Grönland wirkt dieser Anspruch bereits wenige Wochen später widersprüchlich.

Die NDS ordnet Bedrohungen neu. Migration, Drogenhandel und Zugang zu Öl in der westlichen Hemisphäre rangieren vor klassischen militärischen Gegnern. Die Sicherung der eigenen Region erhält Priorität. Russland erscheint nur noch als beherrschbare Gefahr, deren Eindämmung vor allem europäischen Verbündeten überlassen werden soll. Insgesamt deutet das Papier eine langfristige Reduzierung amerikanischer Militärpräsenz in Europa, im Nahen Osten und in Ostasien an. Verantwortung wird bewusst verlagert.

Auffällig ist, dass Taiwan nicht namentlich erwähnt wird. Stattdessen verpflichtet sich die Strategie zum Ausbau einer Verteidigungslinie entlang der First Island Chain. Formal signalisiert das Kontinuität, faktisch aber einen veränderten Ton. Dass dies kein vollständiger Rückzug ist, zeigen die elf Milliarden Dollar schwere Rüstungshilfe für Taiwan vom Dezember. Die NDS bildet den Rahmen, innerhalb dessen die militärische Planung der kommenden Jahre erfolgt.

Abschied der USA von der globalen Ordnungsmacht

In ihrer Gesamtheit ist die Strategie ein Versuch, mit der angeblichen amerikanischen Überdehnung umzugehen. Die USA sind militärisch, industriell und finanziell an Grenzen gestoßen, was sich im wesentlich darin äußert, dass Trump das Defizit deutlich ausweitet. Der Fokus auf das eigene Territorium und die westliche Hemisphäre geht einher mit dem Rückzug aus Europa und Asien. Damit geben die USA faktisch die Nachkriegsordnung preis und schaffen China wie Russland neue Spielräume. Die Ukraine und das Südchinesische Meer zeigen, wie diese genutzt werden. Wo Härte und sichtbare Einigkeit notwendig wären, zieht sich Trump zurück. Ausgerechnet ein Politiker, dessen Selbstbild auf demonstrativer Stärke beruht, wirkt schwach.

Elbridge Colby, einer der Architekten dieser Linie, predigt seit Jahren Konzentration auf das angeblich Machbare. Die USA sollen chinesische Dominanz im Indopazifik verhindern, alles Weitere sollen Verbündete schultern. Unter Trump wird daraus jedoch kein Angebot, sondern ein Kotau. Der milde Ton gegenüber Peking und das demonstrative Schweigen zu Taiwan wirken nicht taktisch, sondern wie Kapitulation. Rhetorik von einem für China akzeptablen Frieden und die Betonung von Dialog erinnern an Nixon und Kissinger, dienen hier aber vor allem der Inszenierung.

Taiwan, Verbündete und das Signal der Schwäche

Die Motivation ist durchschaubar. Für Trump zählt das Bild, zehn Minuten Kameragewitter mit Xi Jinping, mehr als Inhalte. Ausgeblendet wird, dass Peking seine Drohungen gegen Taiwan verschärft hat, eine friedliche Lösung kaum noch erwähnt und frühere Versprechen, wie der Kauf von amerikanischen Sojabohnen, folgenlos blieben. Stattdessen gewinnt China Zeit. Die Volksbefreiungsarmee kann modernisieren, ohne unter konstantem Druck zu stehen.

Selbst innenpolitisch bleibt das nicht unwidersprochen. Der demokratische Abgeordnete Ro Khanna sprach von einem „Geschenk an Xi“. Der amerikanische Rückzug in die westliche Hemisphäre wird in Peking als Freibrief gelesen, die eigene Einflusszone auszudehnen. Japan, Südkorea, die Philippinen und vor allem Taiwan werden das als Verrat empfinden. China wird geradezu eingeladen, die Entschlossenheit der USA zu testen, mit Blockaden und weiteren Vorstößen in die Territorien anderer Staaten im Südchinesischen Meer.

Das Kernproblem liegt weniger im Konzept als in seiner Umsetzung. Trumps impulsiver, personalisierter Führungsstil untergräbt die Strategie. Prestigeprojekte binden Ressourcen, die bei U-Booten, Drohnen und Cyberfähigkeiten fehlen. Drohungen gegen Verbündete und erratische Zölle beschädigen Vertrauen, treiben Inflation und schwächen Lieferketten. Was auf dem Papier rational wirkt, droht in der Praxis zur Selbstsabotage zu werden. China sieht diese Widersprüche sehr genau und wird versuchen herauszufinden, wie belastbar amerikanische Abschreckung tatsächlich noch ist.

Am Ende entscheidet nicht das Papier, sondern die Glaubwürdigkeit seiner Träger. Eine Verteidigungsstrategie, die auf Abschreckung durch Stärke setzt, lebt von Verlässlichkeit, Disziplin und politischer Selbstbindung. Genau daran fehlt es. Indem Trump Strategie zur Bühne und Außenpolitik zur persönlichen Inszenierung macht, entwertet er die eigenen Leitlinien. Für Verbündete bleibt Unsicherheit, für Gegner Gelegenheit. Die Nationale Verteidigungsstrategie will Überdehnung korrigieren, riskiert jedoch, sie durch strategische Ambivalenz zu ersetzen. Abschreckung verträgt keinen Zweifel. Wo er entsteht, wird getestet. Und dort entscheidet sich, ob die USA noch Ordnungsmacht sind oder bereits Zuschauer ihres eigenen Rückzugs.



Dói Ennoson
Über den RedakteurDói Ennoson
Dói Ennoson schreibt unter einem Pseudonym. Er ist China-Experte und vermittelt tiefgreifende Einblicke in das Reich der Mitte.
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1 Kommentar

  1. Eine exzellente Interpretation, die ich zwar nicht Teile, die aber vorgenommen werden muss. Wenn der Westen insgesamt solche geopolitischen Überlegungen anstellen würde, und sich auch danach richten würde, würde ich mich auch auf diesen Standpunkt stellen.
    Der da Westen aber schwach und verwirrt ist und seine akademischen Eliten derartige Überlegungen als des Teufels ablehnen (und zwar links wie rechts), wohnt dem eine sinnvolle Anpassung an die Realität inne. Es offenbart im Grunde nur, was passiert, wenn man auf dem bisherigen Pfad weitergegangen wäre.

    Und es ist propagandistisch geschickt an die gerichtet, die die Idee „Para Bellum“ vertreten, aber Regime-Changes aus rein finanziellen Gründen ablehnen. Das ist auch die Gruppe, die das fähige Personal in den Streitkräften potentiell stellt.

    Es zahlt auch auf das politische Konto des Bundeskanzlers ein. Allerdings zweifele ich, dass er geschickt genug ist, etwas daraus zu machen.

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