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Trump unter Druck – Plastik-Deal unumgänglich?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Muß Trump nun einen Plastik-Deal machen? Jetzt steht sie nämlich an, die nächste Runde in den ewigen Zollverhandlungen zwischen den USA und China. Ab dem 10. Oktober will eine hochrangige chinesische Delegation unter der Leitung des Chefunterhändlers Liu He endlich zu einer Lösung im Handelskrieg kommen. Es ist bereits die 13. Runde des seit über eineinhalb Jahren laufenden Zollstreits zwischen den beiden Großmächten. Mehr als ein kleiner Waffenstillstand oder ein so genannter Plastik-Deal dürfte nicht dabei herauskommen, aber einer steht derzeit gewaltig unter Druck: Der Dealmaker, der sich lange Zeit als Sieger in „einem leicht zu gewinnenden Handelskrieg“ gefühlt hat – US-Präsident Donald Trump.

 

Die derzeitige Ausgangslage für Trump

Ging es zu Beginn des Zollstreits um eine Reduzierung des Handelsbilanzdefizits zwischen den beiden Großmächten – im großen Kontext natürlich um den Kampf um die militärische und wirtschaftliche Vorherrschaft – so hat sich der Tenor ein bisschen verändert. Bereits in gut zwölf Monaten finden die nächsten Präsidentschaftswahlen in den USA statt und der aktuelle Amtsinhaber wird alles daran setzen, um gewählt zu werden. Damit verbunden sind derzeit drei große Problemfelder, die unmittelbar in die Zollverhandlungen einfließen werden.

  • Der Zustand der US Wirtschaft
  • Der Stand der US-Aktienmärkte
  • Das Impeachmentverfahren gegenüber Donald Trump

 

Das Wachstum der USA und der Weltwirtschaft

„We ˋll tax the hell out of China, until a deal is reached!“, so tönte Donald Trump noch Anfang August in voller Inbrunst. Seither hat der Handelsstreit immer tiefere Spuren in der Weltwirtschaft hinterlassen, zuletzt auch im Produktionssektor der USA. Der globale Einkaufsmanagerindex ist jüngst auf 51,2 Punkte gefallen, das niedrigste Niveau seit 3 Jahren. In den USA geht es vor allem mit dem verarbeitenden Gewerbe immer weiter nach unten. Der ISM-Index fiel auf 47,8 Punkte, tief in den Rezessionsbereich. Kein Ausrutscher, sondern eine Entwicklung, wie die Datenreihe seit Mai aufzeigt:

52,8 – 52,1 – 51,7 – 51,2 – 49,8 – 47,8, so die Monatswerte in chronologischer Reihenfolge. Dazu noch einige Umfragewerte an der Wall Street: Das Vertrauen zur wirtschaftlichen Entwicklung fiel in der Spitzenetage der Firmen (Vorstände und Finanzchefs) jüngst auf ein 3-Jahrestief. Da sollte man eigentlich nicht noch weiter eskalieren.

Trump wollte durch seine Zollpolitik gerade die Industrie im eigenen Land stärken. Da helfen auch die guten Arbeitsmarktdaten vom vergangenen Freitag nicht, auf die Trump stolz verwies, denn diese sind ein nachlaufender Indikator (lagging indicator), der die Vergangenheit misst, im Gegensatz zu den Einkaufsmanagerindizes.

Dummerweise können gerade die Chinesen auf verbesserte Zahlen verweisen. Der Einkaufsmanagerindex des chinesischen Wirtschaftsmagazins Caixin, der die Stimmung bei den kleineren und mittleren Unternehmen misst, stieg im September von 50,4 Punkten im Vormonat auf 51,4 Zähler, dem höchsten Stand seit eineinhalb Jahren. Auch für die großen Unternehmen war er auf knapp unter 50 Punkte gestiegen.

Keine gute Situation für Trump, um auf den „Putz zu hauen“.

 

Die US-Aktienmärkte und Trump

Der Präsident hat den Stand des Dow Jones Industrial Index zur Benchmark für seine Wirtschaftspolitik erhoben. Welcher Schreck muss ihm da in die Glieder gefahren sein, als er in der letzten Woche registrieren musste, wie der Index um 1200 Punkte innerhalb von 72 Stunden nach der bösen ISM Überraschung in die Tiefe rauschte.

Hoffnungen auf Zinssenkungen und einen Handelsdeal sorgten für ein Comeback der Kurse. Die Märkte fordern eine Lösung – zumindest einen Waffenstillstand im Handelskrieg, ansonsten wird es wieder zu einem Abverkauf der Märkte kommen. Finanzminister Mnuchin (der ehemalige Investmentbanker) sollte dies seinem Präsidenten als „Beschwichtiger vom Dienst“ bestimmt erklärt haben. Hier ist besonders zu erwähnen, dass im Laufe des Handelsstreits und den darauf folgenden Kursreaktionen an der Börse Donald Trump immer per Twitter eingriff, als sich der Dow Jones seinem 200-Tages-Durchschnitt genähert hat.

 

Das mögliche Amtsenthebungsverfahren von Donald Trump

Diese Art in den politische Auseinandersetzung ist wohl das letzte sein, was sich der 45.Präsident der Vereinigten Staaten gewünscht hat. Ein von der Opposition angestrebtes Amtsenthebungsverfahren gegen einen Präsidenten, der den USA das „beste wirtschaftliche Umfeld“ seit Generationen verschafft hat. Jetzt aber droht ihm ein solches Verfahren, weil er die Ukraine zu Ermittlungen gegen seinen möglichen demokratischen Rivalen bei den Präsidentenwahlen im November 2020, Joe Biden, aufgefordert haben soll.

Es geht um die Trumpsche Beschuldigung Bidens, dass dieser als ehemaliger Vizepräsident für die Entlassung des ukrainischen Generalstaatsanwalts gekämpft haben könnte, um seinen Sohn Hunter Biden vor unliebsamen Ermittlungen zu schützen.

Donald Trump steht damit im Verdacht, die Macht seines Amtes für persönliche, politische Zwecke missbraucht zu haben – in den USA eine schwere Straftat. Jüngst forderte Trump sogar China auf, ihm in der Causa Biden Hilfe zukommen zu lassen. Auch hier geht es um angebliche unsaubere Geschäfte des Sohnes des Herausforderers. Ausgerechnet China, das Land, welches er mittels seiner Handelspolitik wegen unfairer Praktiken in die Knie zwingen will. Alles in allem zeugt das nicht gerade von großer Souveränität des US-Präsidenten, wenn er bereits ausländische Regierungen um Hilfe bitten muss.

 

Die letzten Meldungen

Die US-Großbank JPMorgan nimmt an, dass es überhaupt keinen Deal geben wird und die Zölle im Dezember angehoben werden. China habe einige Verhandlungspunkte von den Gesprächen ausgenommen, wie zum Beispiel die Subventionen und die Industriepolitik als Ganzes. Aber ist den Mannen um Jamie Dimon in ihren Annahmen so zu trauen? Hat er nicht schon im letzten Jahr mit der Prognose überrascht, dass die US-Zinsen in Bälde auf fünf Prozent steigen könnten. So eine Aussage, trotz der Verfügbarkeit aller volkswirtschaftlicher Daten – ein derartiger Zinsanstieg, bei einer Gesamtverschuldung der USA von 250 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt? Die Ansage eines Crashs vom Feinsten. Nicht erst seit diesem Zeitpunkt bin ich sehr vorsichtig mit der Vorhersage von Banken, man weiß nie, welche Disposition dahintersteckt.

 

Fazit

Eine starke Verhandlungsposition seitens der USA sieht anders aus. Nach monatelangen Eskalationen hat die Schwäche der Weltwirtschaft begonnen auch die Vereinigten Staaten zu infizieren. Noch ist der Konsument überaus ausgabenfreudig und die niedrige Arbeitslosigkeit bildet einen Gegenpol zur Industrieschwäche. Aber auch der Einkaufsmanagerindex Gesamt für die USA liegt nur noch gerade bei 51 Punkten. Die führende Volkswirtschaft verträgt keine weitere Schwächung der weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen mehr. Ich denke dieser Aspekt wird am kommenden Wochenende unterschwellig eine bedeutende Rolle spielen. Deshalb meine These – ein irgendwie gearteter Plastik-Deal wird kommen.

Sollte aber der andere Fall eintreten, dass Donald Trump die Verhandlungen als gescheitert erklärt und er Zollanhebungen ankündigt, wird er nach meiner Überzeugung bereits nach wenigen Tagen oder Wochen eine Kehrtwende hinlegen. Dazu braucht der Dow Jones nur um 2000 Punkte zu sinken, dann ist es vorbei mit den Muskelspielen. Ich kann es nicht oft genug wiederholen: In den USA gilt der Grundsatz mehr denn je: „Money makes the world go round!“

Für diesen Fall würde das US-Konsumentenvertrauen seinen bereits gestarteten Einbruch deutlich beschleunigen, der Konsument seine Ausgaben rasch reduzieren und eine Rezession wäre fast unausweichlich. Kann man da ernsthaft glauben, dass Donald Trump weiter den Zollkrieg aufrechterhalten würde? Um im Wahlkampf Stimme um Stimme zu verlieren und von der Opposition ständig auf seine verfehlte Wirtschaftspolitik hingewiesen zu werden. Sollte der dünnhäutige und nicht selten unbeherrschte „Selbstbeweihräucherer“ über eine solche Resilienz verfügen?

 

Trump steht vor dem Besuch von Liu He unter Druck

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    remada

    8. Oktober 2019 09:29 at 09:29

    Hallo Hr. Müller. Toller Beitrag wie immer, vorallem der letzte Satz ist meiner Meinung nach scharf aber absolut treffend.

  2. Avatar

    Prognosti

    8. Oktober 2019 09:55 at 09:55

    Neuestens muss er ja auch noch seine sicher sehr korrekten Steuerausweise präsentieren. Ein wenig sehr viele Probleme um die hochgetriebenen US-Aktien nur 3% vom AT-Hoch zu halten.Einige Berufsopti -Mist -en sähen auch bei einem Plastik-Deal schon wieder neue Hochs.
    Ray Dalio schrieb, ES IST GEFÄHRLICH ,TRENDS IMMER WEITERZUSCHREIBEN.

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Dax: Wie nachhaltig ist das Short Signal ?

Rüdiger Born

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Das neue Jahr hat gerade begonnen, da zeigt der DAX ein Short-Signal. Doch ist das wirklich nachhaltig? Zeichen für schwächelnde Käufer gibt es ja schon eine Weile, doch reicht das? Werfen wir einen Blick auf die Entwicklung beim DAX, dem Dow Jones, dem S&P500 und beim Nasdaq und schauen uns die entsprechenden Chancen einmal genauer an.

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Dax: Jahresausblick – Anleger sehen mehr Gefahren als Chancen

Stephan Heibel

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am

Der Dax ist 2021 bereits angesprungen, der Bitcoin hatte die 40.000 USD geknackt und Tesla konnte in den ersten Tagen des neuen Jahres bereits um 30% zulegen!

Der Quadratmeter Bauland wird in meiner Nachbarschaft auf 2.200 Euro taxiert, ich war bis vor kurzem von 800-1.000 Euro ausgegangen. Ja, liebe Notenbanken, von Inflation keine Spur, oder? Ich habe gelesen, dass die EZB im Rahmen ihrer strategischen Neuausrichtung nach Möglichkeiten sucht, den Zins für langfristig laufende Anleihen zu beeinflussen, ohne über den Geldmarkt gehen zu müssen. Abenteuerlich.

Für uns Anleger sind das goldene Zeiten, wobei der Gradmesser der Inflation, das Gold, tatsächlich nicht anschlägt. Die Feinunze Gold verlor diese Woche 1,4%. Ich denke, die überschüssige Liquidität der Anleger wandert derzeit eher in den Bitcoin als ins Gold. Den Bitcoin können Sie problemlos über Landesgrenzen mitnehmen, beim Gold ist das nicht so einfach.

Durch Disruption zum Milliardär

„Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“ Mahatma Gandhi

1990-2000:

Es ist nicht leicht, Milliardär zu werden: Bill Gates lief sich in der Industrie die Hacken wund, niemand wollte Computer für den Privatanwender bauen. Das solle man den Profis überlassen, war die Antwort und IBM hatte eine ganze IT-Industrie erschaffen, die von den Personal Computern nichts wissen wollte. Der IBM Mainframe fristet heute ein Nischendasein, Bill Gates wurde mit seinem Betriebssystem für Personal Computer, dem Windows, zum reichsten Mann der Welt.

2000-2010:

Man muss in Büchern herumblättern, wenn man sich eine Kaufentscheidung bilden möchte, so das Dogma des Buchhandels vor 20 Jahren. Jeff Bezos bot die Bücher im Online-Versand an und hatte nicht nur alle Buchhändler der Welt, sondern später auch alle Einzelhändler der Welt gegen sich. Eine kleine Nische, die kaum Potential habe, urteilten viele damals. Amazon liefert heute so ziemlich alles, was das Herz an materiellen Wünschen hat. Jeff Bezos löste Bill Gates als reichsten Mann der Welt ab.

2010-2020:

Wenn Sie sich einmal die Ölindustrie und deren weltweite Logistiknetze anschauen, dann können Sie sich vorstellen, dass nicht nur die Autoindustrie gegen die Ablösung der Verbrennermotoren war: Als wichtiger Abnehmer der Ölindustrie liefen also gleich mehrere Branchen weltweit Sturm gegen das Elektroauto. Elon Musk peitschte sein Projekt durch, baute weltweit mangels Kooperationswillen in der Ölindustrie (denen gehören die meisten Tankstellen) ein eigenes Netz an Ladesäulen auf, die weltweit größten Batteriefabriken (Giga-Factories). Durch den Kurssprung in den Tesla-Aktien löste Elon Musk gestern Jeff Bezos als reichten Mann der Welt ab.

2020-2030:

Vielleicht steht der nächste Milliardär ja schon in den Startlöchern. Der Erfinder des Bitcoin ist nicht bekannt. Die mRNA-Technologie wird von mehreren Unternehmen genutzt, aber Moderna und BionTech scheinen die Nase vorn zu haben. Beyond Meat krumpelt die Nahrungsmittelindustrie um. Und Zoom Video und Twilio verändern die Art und Weise, in der wir untereinander kommunizieren. Spannend! Und es lohnt sich, am Ball zu bleiben.

Ich habe den Eindruck, dass die Coronakrise in einigen Bereichen Entwicklungen der kommenden Jahre vorweg genommen hat. So konnten die Aktien von BionTech, Zoom Video usw. im vergangenen Jahr exorbitant anspringen. Im Jahr 2021 wird sich zeigen, welche Entwicklungen tatsächlich beschleunigt wurden, und welche lediglich eine Sonderkonjunktur erfuhren.

Dax: Jahresausblick 2021

Bereits seit sechs Jahren führe ich die Jahresumfrage unter Lesern des Handelsblatts durch. Im Sinne der Sentiment-Theorie interpretiere ich die Mehrheitsmeinung dahingehend, dass es unwahrscheinlich ist, dass genau diese Erwartung eintritt. Vielmehr haben Untersuchungen gezeigt, dass an den Finanzmärkten in der Regel das Unerwartete passiert.

Das Ergebnis meiner Analyse der Jahresumfrage vor einem Jahr war die Erwartung, dass der DAX frühzeitig im Jahr 2020 ausverkauft würde, um dann bis in den November hinein stark anzusteigen. Den Jahresschlusskurs hatte ich sodann auf knapp unter das Jahreshoch taxiert. Optisch betrachtet habe ich damit ziemlich gut gelegen.

Wenn wir jedoch die Beschriftung der X-Achse zufügen, könnte ich nicht schlechter gelegen haben: Das Tief hatte ich auf über 12.000 festgelegt und als Jahreshoch hielt ich die 15.000 Punkte für möglich.

Nun könnte man sagen, die Corona-Pandemie hat ohnehin alles auf den Kopf gestellt. Doch gerade solche unvorhersehbaren Ereignisse sollen ja mit Hilfe technischer Instrumente, wie beispielsweise dieser Jahresumfrage, berücksichtigt werden. Dennoch würde ich sagen, dass wir den Verlauf recht gut prognostiziert haben, wenngleich die Intensität durch Corona nach unten verstärkt wurde. Heute werden wir untersuchen, ob der Lauf in Richtung 15.000 nur um ein Jahr verschoben wurde, oder ob sich nach Corona eine vollständig neue Situation ergibt.

Bei unserer Jahresumfrage vor einem Jahr wurde die Anlage in Immobilien als beste Investmentchance bezeichnet, gefolgt von Aktien und Edelmetallen. Industriemetalle (bspw. Kupfer) und Nahrungsmittel (bspw. Getreide) wurden als mäßig attraktiv betrachtet.

Tatsächlich haben gerade Industriemetalle (+26%) und Nahrungsmittel (+16%) im abgelaufenen Jahr eine gute Performance gezeigt. Der DAX konnte sich auf Jahressicht knapp ins Plus retten (+3,5%).

Immobilien muss man für das Jahr 2020 detailliert betrachten: Bauland zeigt mit +13% den stärksten Wertzuwachs, gefolgt von Wohnimmobilien mit +8%. Gewerbeimmobilien litten stark unter der Corona-Pandemie, wobei Büroimmobilien Einbußen erlitten, während Flächen für logistische Nutzung gefragt waren.

Wenngleich der Wertzuwachs bei Wohnimmobilien nicht mit Industriemetallen und Nahrungsmitteln mithalten konnte, so ändert sich das Bild wenn wir berücksichtigen, dass Immobilien in der Regel zu einem großen Teil finanziert werden. Die Wertentwicklung des Eigenkapitals ist, auch nach Abzug der derzeit niedrigen Zinsen, deutlich höher anzusetzen.

Hier die Jahresperformance:

· Kupfer +26%

· Getreide +16%

· Gold +12%

· Immobilien 8%

· DAX +3,5%

· Anleihen +0,5%

· Öl -25%

· Dow Jones +6%

· Nikkei +16%

· Shanghai A-Aktien +12%

In einem Punkt haben die Umfrageteilnehmer vor einem Jahr gut gelegen: Der Median der Umfrageerwartung von vor einem Jahr erwartete einen DAX-Jahresschluss 2020 bei 13.750 Punkten, was einem Plus von 3,8% entsprochen hätte. Mit dem tatsächlichen Jahresschlusskurs von 13.719 (+3,5%) wurde dieser Median ziemlich gut getroffen.

In den vergangenen 50 Jahren hat der DAX nur fünfmal mit einem so kleinen Plus (kleiner 5%) geschlossen.

Nun hat die Corona-Pandemie zu einem durchweg überraschenden und untypischen Börsenjahr geführt, sowohl im Ergebnis als auch im Verlauf. Ich wäre daher vorsichtig, unseren Umfrageteilnehmern vorschnell eine hohe Trefferquote zuzusprechen: Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.

Gedämpfte Erwartungen für Aktien im Jahr 2021

Für das Jahr 2021 erwarten Anleger nicht viel vom Aktienmarkt: zum Jahresende dürfte sich der DAX in etwa erneut auf dem aktuellen Kursniveau bewegen, wenn unsere Umfrageteilnehmer Recht haben.

Wo steht der Dax Ende 2021?
Abbildung 1: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahresschlusskurs DAX

Die meisten gehen von einem Jahresschlusskurs im Bereich von 13.600 bis 13.900 aus, was im Mittel einem Jahresplus von mageren 0,2% entspräche. Wenn wir die durchschnittliche Erwartung unter Einbeziehung aller Antworten errechnen, ergibt sich sogar nur ein Wert von 13.726 Punkten, also +0,1%.

Interessant dabei ist, dass die Streuung der Erwartungen sehr gering ist: 60% aller Teilnehmer erwarten einen Jahresschlusskurs zwischen 13.500 und 14.400 Punkten. Werte außerhalb dieses Bereiches wurden nur vereinzelt ausgewählt. Einen Schlusskurs unter 13.000 befürchtet fast keiner mehr. Nach oben gibt es vereinzelte Stimmen, die sogar einen DAX bis 16.000 Punkte erwarten.

Wo wird der Höchststand beim Dax 2021 sein?
Abbildung 2: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahreshoch im DAX

Das Jahreshoch wird gemäß der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer mindestens über 13.950 Punkten liegen, im Mittel wird ein Jahreshoch bei 14.250 (+3,9%) Punkten erwartet. Berechnen wir den Durchschnitt aller Erwartungen, so erhalten wir einen Wert von 14.385 Punkten (+4,9%). Ein Jahreshoch über 14.850 Punkte (+8,2%) hält kaum jemand für möglich.

Wo wird das Tief beim Dax sein?
Abbildung 3: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahrestief im DAX

Auch beim Jahrestief sind die Erwartungen etwas pessimistischer: Unter 12.750 Punkte (-7,1%) sollte der DAX nach der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer mindestens nochmals rutschen. Im Mittel wird sogar ein zwischenzeitliches Abrutschen bis auf 12.150 Punkte (-11,4%) befürchtet. Das durchschnittlich erwartete Tief im Jahr 2021 liegt bei 11.910 Punkten (-13,2%). Immerhin fürchtet kaum jemand ein erneutes Abrutschen unter 11.250 Punkte (-18%).

Ich finde dieses Ergebnis merkwürdig: Im Jahr 2019 sprang der DAX um 25% an. Im Corona-Jahr 2020 betrug die Schwankungsbreite im DAX über 60%! Für das Jahr 2021 gehen Anleger jedoch nur von einer maximalen Schwankungsbreite von 24% aus, die meisten erwarten eine Schwankungsbreite von nur 17%. Es wäre schön, wenn’s so kommt.

Für den DAX erwarten die meisten Anleger das Jahreshoch im Mai. „Sell in May and go away…” heißt eine Börsenweisheit, die sich offensichtlich in den Köpfen der Anleger festgesetzt hat. Doch in den vergangenen Jahren galt diese Regel kaum.

Das Jahrestief wird im August erwartet, ebenfalls entsprechend der obigen Börsenregel: „… and always remember to come back in September”.

Bis zum Jahresschluss würde der DAX dann wieder in Richtung seiner Höchststände marschieren, wenn wir der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer glauben. Soweit wird hier eine durchaus typische Jahresentwicklung erwartet.

Untypisch ist jedoch die Befürchtung eines unmittelbar anstehenden Ausverkaufs zum Jahresbeginn: Verhältnismäßig viele Anleger befürchten, dass wir bereits im Februar das Jahrestief sehen können. Daraus können wir zwei Schlussfolgerungen ziehen:

Zum einen wird der Markt aktuell als überhitzt wahrgenommen, so dass kurzfristig keine weiteren Kurssteigerungen erwartet werden. Nach dem Jahresschlussspurt wird nun eine Konsolidierung bis hin zu einer Korrektur erwartet.

Zum anderen spiegelt die Erwartung der Kurstiefs bereits so früh im Jahr die optimistische Erwartung der Anleger wider, dass die Kurse im Jahr 2021 überwiegend steigen werden.

Diese Erwartung widerspricht offensichtlich der weiter oben formulierten Erwartung der geringen Sprunghöhe im DAX: Wenn der DAX schon in den kommenden Wochen sein Tief sieht und dann für den Rest des Jahres steigt, dann erscheint das Kursziel bis zum Jahresende bei durchschnittlich 13.726 Punkten (+0,1%) sehr konservativ. Einzige Erklärungsmöglichkeit wäre ein heftiger Ausverkauf in den kommenden Wochen, so dass der DAX von tiefem Niveau aus dann das ganze Jahr steigen kann, ohne über die 14.000 Punkte zu springen.

Das wäre eine Entwicklung, die der DAX-Entwicklung aus dem Pandemie-Jahr 2020 entspräche. Ich halte das für sehr unwahrscheinlich.

Umfragen zum Dax im Jahr 2021

 

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Finanznews

Aktienmärkte: Warum fallen sie denn? Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

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Ja warum fallen sie denn, die Aktienmärkte? Dass die so verwöhnte Wall Street (und auch der Dax) heute unter Druck kommt, hat mehrere Gründe: erstens Zweifel, ob Biden wirklich sein Stimulus-Programm verwirklichen kann. Dann, zweitens, wieder schwache US-Einzelhandelsumsätze – und schließlich die Nachricht, dass Pfizer deutlich weniger Impfstoff in den nächsten Wochen für die EU liefern wird. Im Grunde sind angesichts der absehbaren Verschärfungen der Lockdowns in Europa die Prognosen für ein starkes wirtschaftliches Jahr 2021 schon jetzt obsolet. Aber ein Rücksetzer der Aktienmärkte war ohnehin überfällig, zuletzt fehlte es deutlich an Dynamik auf der Oberseite. Vielleicht spielt auch die Unruhe vor der Amtsübernahme von Biden schon eine Rolle, man fürchtet erneute Ausschreitungen..

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