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Trump – von Chinesen durchschaut und konterkariert

Trump hat am Freitag angekündigt, die Strafzölle gegen China zu erhöhen – die Situation spitzt sich zu, die Fronten haben sich verhärtet und eine Lösung des großen Konflikts rückt in immer weitere Ferne. Warum? Weil die Strategie Trumps China mit brachialen, einseitigen Mitteln in die Enge zu zwingen, erkennbar gescheitert ist. Der Gegner hat die Strategie des US-Präsidenten durchschaut, man spielt auf Zeit und attackiert ihn an seinen wunden Punkten.

 

Die Ausgangslage

Die von Donald Trump initiierte Gegenwehr gegenüber dem wirtschaftlichen Handeln der Chinesen hat durchaus eine gewisse Berechtigung und ist eigentlich schon lange überfällig. China ist Mitglied in der Welthandelsorganisation WTO, ignoriert aber beständig deren Regeln. Man verletzt geistiges Eigentum durch das Kopieren von Geschöftsideen, man zwingt ausländische Firmen zur Preisgabe von Geschäftsgeheimnissen, hat bereits ganze Industrien platt gemacht durch staatliche Subventionierung von Firmen und Dumpingpreisen – Stichwort Solarindustrie -, nicht zuletzt war die Verschuldung von chinesischen Unternehmen auf sagenhafte 160 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt gestiegen. Dazu unterdrückt und zensiert man das eigene Volk, missachtet die Menschenrechte und, und, und.

Kurzum, man hätte sich international abgestimmt stärker gegen das chinesische Vorgehen müssen, aber zu stark war der Drang vieler Staaten am ungezügelten chinesischen Wachstum selbst partizipieren zu wollen.

 

Die falsche Vorgehensweise von Trump

Donald Trump glaubt mit der absoluten Stärke der USA mit einem Bruttoinlandsprodukt von 20,5 Billionen Dollar, der Dominanz des Dollars als Weltleitwährung und vor allem als Zahlungsmittel im Rohstoffsektor und der Dominanz seiner Börsen, die allein mindestens 40 Prozent der Marktkapitalisierung der Weltbörsen ausmacht, China so einfach in die Knie zwingen zu können. „Handelskriege sind leicht zu gewinnen“, so sein geäußerter Irrtum.

Aber der große Fehler Trumps, ungeachtet seines brachialen, unkoordinierten Vorgehens auf der Weltbühne, ist seine Arroganz ohne die Hilfe von Verbündeten (face to face, wie in der Immobilienbranche üblich) gegen die chinesischen Missstände vorzugehen, wie der ehemalige Wirtschaftsberater der US-Regierung, Larry Summers, kürzlich festgestellt hat.

Schlimmer noch, Trump attackiert gleichzeitig Alliierte, wie Japan, die EU und Weitere mit Zolldrohungen und provoziert hierdurch eine ernsthafte Schrumpfung der Weltwirtschaft durch Protektionismus und Zerstörung von Handelsketten. Der Präsident der Notenbank von Philadelphia, Patrick Harker, hatte dies in Jackson Hole schön auf den Punkt gebracht. „Das Problem sind nicht die Kosten der Zölle für die Unternehmen, sondern die Unsicherheit, die die Unternehmer beklagen.“

 

Trump und sein Handlungsschema

Wie hatte Sven Heinrich in einem Tweet sarkastisch festgestellt? „Jedesmal, wenn sich Donald Trump über die Fed geärgert hat, wurden anschließend die Zolldrohungen gegenüber China verstärkt.“ Aber wenn die Wall Street dann fünf Tage in Folge gefallen war, machte er einen Rückzieher und sprach von Fortschritt bei den Verhandlungen und einem baldigen Deal.

Der Präsident verfolgt prinzipiell ein mehrtaktiges Schema – Drohung mit Sanktionen, Ankündigung und Umsetzen von Maßnahmen und Einigung auf einen Kompromiss, den man dann als großen Deal verkaufen kann. Nur das funktioniert mit den Chinesen nicht, die Trumps Taktik durchschaut haben und gezielt auf seine Schwächen abzielen.

 

Trump und seine Achillesferse

Wie bereits mehrfach dargelegt, ist es der US-Aktienmarkt (insbesondere der Stand des Dow Jones), der die Effizienz Trumpˋschen Wirtschaftshandelns widerspiegeln soll sowie das Wachstum der US-Wirtschaft schlechthin, mit dem der Präsident vor seine Wiederwähler treten will. Denn – und das ist seine oberste Prämisse – auch noch vor der Auseinandersetzung mit China und dem Kampf gegen das Handelsbilanzdefizit der USA, der Termin am 3. November 2020.

Das wissen die Chinesen und sie spielen mit ihren Verhandlungen auf Zeit, die dem Präsidenten davonläuft. In der Hoffnung auf einen neuen Präsidenten, mit dem vermutlich leichter zu verhandeln sein wird. Dazu zielt man auch auf Trumps engste Wählergruppen, wie die Farmer in den „Fly-Over-States“, die ökonomisch keine große Rolle darstellen (die Landwirtschft trägt weniger als ein Prozent zum US-BIP bei), aber bei den Wahlen durch die Gewichtung der Bundesstaaten eine entscheidende Rolle spielen. Zu erkennen an den am Freitag angekündigten Gegenzöllen der Chinesen, die zu einem bestimmten Teil die US-Landwirtschaft treffen sollen.

 

Fazit

Der US-Präsident ist extrem ungeduldig, beratungsresistent, er hat seine Ideologie, auf der er beharrt. Er kommuniziert und handelt sehr impulsiv und emotional, ohne vorher mit seinen Beratern zu sprechen und er richtet daher mit seinen Tweets mehr und mehr Schäden an. Die Unsicherheit nimmt zu, auch wenn die Halbwertszeit seiner Aussagen abnimmt.

Die Frage ist nur, wann die eigene Partei und die Wall Street die Geduld mit dem Präsidenten verlieren wird. Er überschreitet immer mehr Grenzen. Allein seine Äußerung, dass Fed-Chef Powell ein größerer Feind sei, als Chinas Präsident Xi Jinping, demaskiert ihn als unerträglichen Diplomaten in einer Demokratie. Zudem hat er mit seinem Wutausbruch gegenüber China, mit der Forderung (er nannte es Befehl) an die US-Firmen ihre Geschäfte in die USA zurückzuverlegen, eine völlig irreale und politisch undurchsetzbare Forderung gestellt. Ich bin nur gespannt, wieviel Punkte die Aktienmärkte fallen müssen, bis er wieder völlig gegenrudert und mit wunderbaren Nachrichten aufwartet.

Ergo: Es wird immer kritischer mit der Konjunktur, je länger die Eskalationen andauern. Aber Trump dürfte eines nicht verborgen geblieben sein: Es ist fast schon ein Gesetz, dass die Präsidenten, die nicht mehr für eine zweite Amtsperiode wiedergewählt wurden, an einem gescheitert sind – am Auftreten einer Rezession in den letzten Monaten vor dem Wahltermin.

 

Aktuell:

Die am Freitag Abend von ihm verhängten Zusatzzölle mit den Anhebungen von 25 auf 30 Prozent (250 Mrd.$) und von 10 auf 15 (300 Mrd.$) sind ein weiterer Schritt in der Eskalation, wenngleich ein maßvoller. Aber auch ein weiterer in Richtung Wirtschaftsabschwung, vor allem, wenn es den US-Konsumenten schwant, dass sie vielleicht sicherheitshalber ihre Ausgabenfreude ein bisschen drosseln sollten.

In der Wissenschaft gibt es den Begriff der Nichtlinearität, was in diesem Zusammenhang nichts anderes bedeutet, als dass ein kleines Ereignis das Fass zum Überlaufen bringt, eine Lawine, die plötzlich ins Tal stürzt, auch wegen nur einer kleinen Zusatzbelastung. Donald Trump scheint dieses Prinzip austesten zu wollen.

 

Die Chinesen haben Trump durchschaut - und wissen, dass ihm die Zeit davon läuft



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1 Kommentar

  1. Herr Müller – Respekt. Wie von Ihnen gewohnt eine hervorragende Analyse. Trump wird es schaffen, dass die USA genau im Wahljahr 2020 in die Rezession rutscht….

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