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Trump wähnt sich im Handelskrieg auf der stärkeren Seite – wird ihn die Wall Street wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen?

Das war schon eine faustdicke Überraschung, als US-Präsident Trump plötzlich die Inkraftsetzung von Zöllen androhte, bereits ab Freitag – dazu andere, praktisch den ganzen Warenverkehr aus China betreffende Zölle in Aussicht stellte. Hatte er nicht erst wenige Tage vorher von den guten Fortschritten in den Verhandlungen geschwärmt?

 

Ein jahrelanger Kampf um die globale Vorherrschaft ante portas

Die USA im Siegestaumel großer Konjunkturdaten: 3,2% BIP-Wachstum, 3,8% Arbeitslosigkeit (auf 50-Jahrestief) und eine Produktivität von 2,5%, da kann man dem Gegner schon mal die Zähne zeigen. Die Chinesen hingegen vertrauen auf die Wirkung ihrer fiskalpolitischen Maßnahmen, sehr wohl wissend, dass der Aktienmarkt die Achillesferse der Amerikaner ist und die Leidensfähigkeit der beiden Nation höchst different.

Ergo: Die chinesische Verhandlungsdelegation spielte nicht nur auf Zeit, sondern machte Rückzieher in Bereichen, über die man schon eine Einigung erzielt zu haben glaubte: Der Bereich des Technologietransfers und der von den Amerikanern vorgebrachte Vorwurf, man zwinge ausländische Unternehmen vor einem Marktzugang dazu, ihr spezielles Wissen und darauf aufbauende Innovationen preiszugeben. Dazu das leidige Thema der chinesischen Subventionen staatseigener Unternehmen im High-Tech-Bereich.

Zu guter Letzt wollten die Chinesen die Einbehaltung von Zöllen nicht akzeptieren, die Trump für eine Bestrafung bei Nichtbeachtung der Absprachen in Reserve halten wollte.

 

Fazit

Der Handelsdeal hat, im Gegensatz zu vielen anderen geopolitischen Risiken, das Zeug, die Weltwirtschaft zu beeinträchtigen. Der Konflikt lähmt den globalen Handel, dämpft das Vertrauen der Investoren und behindert Lieferketten. Was natürlich mit etwas Verzögerung auf die USA zurückschlagen wird.

Interessant wird sein, sollte Trump seine Zolldrohungen nicht zurücknehmen, bei wieviel Kursrückgang an der Wall Street er die Nerven verliert. Hatte er nicht im Dezember die Amerikaner höchstpersönlich aufgefordert Aktien zu kaufen, in einem Kurseinbruch, der nicht auf seine unmittelbare Politik zurückzuführen war, sondern auf die Zinsaussichten der Fed?

Und das ist dieses Mal anders – diesmal ist nicht die Fed die Ursache, sondern eben Trump selbst. Ich bin gespannt auf die Reaktionen des „Dealmakers“ beim Rückschlag des Dow Jones, der gestern im Tief über -600 Punkte erreichte. Ein klarer Hinweis der Wall Street, was kommen wird, wenn Trump die Eskalation auf die Spitze treiben wird.

Ungeachtet der jetzigen Handelsgefechte bleibt die Auseinandersetzung zwischen den USA und China ein langfristiger Kampf um die technologische, wirtschaftliche und militärische Vorherrschaft auf unserem Planeten. Stoff genug für die nächsten 2500 Marktgeflüster bei FMW also!

Der Boden für eine Korrektur der heiß gelaufenen Börsen ist allemal bereitet.

 

 

By Vlad Lazarenko – Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=33219566



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