Was zeichnet einen Feudal-Herrscher aus? Er ändert je nach Laune seine Meinung, setzt sich über die im eigenen Land herrschenden Gesetze hinweg, brüskiert alles und jeden, beschimpft alles und jeden, nimmt auf niemanden Rücksicht usw. Und warum? Weil er es kann. Gut, Donald Trump ist dank funktionierender Gewaltenteilung in den USA noch lange kein Feudal-Herrscher. Aber wenn man nur seinen Twitter-Account als Presse-Liveticker der US-Regierung wahrnehmen würde, könnte einem beinahe der Gedanke kommen.
Das mit vielleicht Abstand beste Beispiel von Trumps Unbeherrschtheit und Launenhaftigkeit ist Harley Davidson. Trump selbst hat das Problem erst geschaffen mit seinen Zöllen gegen die EU. Dass sie mit Gegenzöllen reagiert, war zu erwarten. Nun hat die EU-Kommission (dort sitzen wohl auch clevere Leute) sich als Zoll-Opfer US-Produzenten ausgesucht hat, die amerikanischer nicht sein könnten, und genau zu dem gehören, was Trump als „Amerika pur“ anpreist.
Tolle Harleys, Erdnussbutter, Jeans, Whiskey. Das ist doch genau das alte Kern-Amerika, wie er es liebt. Harley Davidson verkündete gestern Teile seiner Produktion aus den USA wegverlegen zu wollen um den EU-Zöllen zu entgehen. Das hatte Trump wohl nicht erwartet. Erst heute um Mitternach deutscher Zeit forderte Trump die Firma auf doch zu warten. Er werde die EU schon hinbiegen, so dass Harley Davidson eh keine EU-Zölle zahlen müsse.
Surprised that Harley-Davidson, of all companies, would be the first to wave the White Flag. I fought hard for them and ultimately they will not pay tariffs selling into the E.U., which has hurt us badly on trade, down $151 Billion. Taxes just a Harley excuse – be patient! #MAGA
— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) June 25, 2018
Und jetzt aktuell folgt Trump mit wutentbrannten Tweets gegen Harley Davidson. War die Firma mit ihren coolen Motorrädern doch bislang einer seiner Lieblinge, so wird sie jetzt zum Feind. So warnt er Harley zum Beispiel, dass die Firma bei ausländischer Produktion nicht in die USA re-importieren könne ohne deftige Importsteuer. Trump scheint nicht verstanden zu haben, dass Harley Davidson nur den Teil der Produktion verlagern will, der für die europäischen Konsumenten bestimmt ist.
….When I had Harley-Davidson officials over to the White House, I chided them about tariffs in other countries, like India, being too high. Companies are now coming back to America. Harley must know that they won’t be able to sell back into U.S. without paying a big tax!
— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) June 26, 2018
Auch verweist er darauf, dass Harley Davidson lange vor diesen Zoll-Streitigkeiten Produktion nach Thailand verlagert habe. Der Firma ginge es aktuell daher nicht um Zölle. Dies sei nur eine Ausrede.
Early this year Harley-Davidson said they would move much of their plant operations in Kansas City to Thailand. That was long before Tariffs were announced. Hence, they were just using Tariffs/Trade War as an excuse. Shows how unbalanced & unfair trade is, but we will fix it…..
— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) June 26, 2018
Den feudalen Unterton von Donald Trump erkennt man im folgenden ganz frischen Tweet am besten. Wer nicht so will wie Trump, der bekommt umgehend seinen Zorn zu spüren. Mit Rechtsstaat oder präsidialem Verhalten hat das wenig zu tun. So tweetet Trump, dass Harley Davidson ausschließlich nur in den USA produzieren solle. Die Aura der Firma gehe durch ausländische Produktion verloren, und Kunden sowie Mitarbeiter seien eh schon sehr verärgert über die Firma. Verließe die Produktion die USA (noch mehr als ohnehin schon), dann werde dies das Ende der Firma sein. Sie habe kapituliert. Und die Firma würde dann höher besteuert werden als jemals zuvor. Bestrafung für eine einzelne Firma, einfach so? Das ist wohl kaum mit allgemeinen Grundsätzen der Gleichbehandlung aller Unternehmen im selben Land zu vereinbaren. Aber Trump grantelt brutal drauf los, denn ihm ist ja eh alles egal.
A Harley-Davidson should never be built in another country-never! Their employees and customers are already very angry at them. If they move, watch, it will be the beginning of the end – they surrendered, they quit! The Aura will be gone and they will be taxed like never before!
— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) June 26, 2018
Und aktuell hat Trump auch noch einen für die EU übrig. Man beende gerade seine Prüfungen für anstehende Importzölle auf europäische Autos. Die EU habe zu lange durch Handelsschranken und Zölle gegenüber den USA profitiert. Diese Ungerechtigkeit werde man beseitigen – es werde nicht mehr lange dauern.
….We are finishing our study of Tariffs on cars from the E.U. in that they have long taken advantage of the U.S. in the form of Trade Barriers and Tariffs. In the end it will all even out – and it won’t take very long!
— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) June 26, 2018
Donald Trump. Foto: Gage Skidmore / Wikipedia (CC BY-SA 2.0)
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