Allgemein

Große Bühne, kleine Ergebnisse Trump–Xi-Treffen: Viel Symbolik, kein Durchbruch im China-Streit

Trump–Xi-Treffen: Viel Symbolik, kein Durchbruch im China-Streit
Donald Trump und Xi Jinping in Busan am 30 Oktober. Foto: Andrew Harnik/Getty Images

Das Trump-Xi-Treffen in Busan hat zwar Bewegung in die festgefahrenen Handelsbeziehungen zwischen den USA und China gebracht– doch am Ende überwog die Ernüchterung. Trotz versöhnlicher Gesten und optimistischer Worte blieb ein echter Durchbruch aus. Beide Seiten näherten sich deutlich an, doch die strukturellen Konflikte zwischen Washington und Peking bleiben bestehen – und die Märkte reagieren entsprechend skeptisch.

Trump-Xi-Treffen: Fortschritt, aber kein Durchbruch

Nach rund 90 Minuten intensiver Gespräche haben US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping ihr lang erwartetes Treffen am Rande des APEC-Gipfels in Busan abgeschlossen. Laut einem Bericht von Bloomberg bezeichneten beide Seiten die Unterredung als „sehr erfolgreich“ und hoffen, damit eine neue Phase in den angespannten Handelsbeziehungen zwischen den USA und China einzuleiten.

Das Treffen zwischen Trump und Xi, das in einer angespannten globalen Wirtschaftslage stattfand, diente dem Ziel, die monatelange Eskalation gegenseitiger Zölle und Exportkontrollen zu entschärfen. Beide Politiker zeigten sich am Ende betont versöhnlich. Xi sagte zu Trump, es fühle sich „sehr warm an, Sie wiederzusehen“, und sprach von einem „soliden Fundament für die Beziehungen zwischen China und den USA“. Trump wiederum lobte Xi als „großartigen Führer eines großartigen Landes“ und betonte, man habe bereits „viele Dinge vereinbart und werde noch mehr vereinbaren“.

Während Xi und Trump am militärischen Stützpunkt in Busan die Hände schüttelten, zeichnete sich ab, dass beide Seiten einen Rahmenvertrag vorbereitet hatten, der wesentliche Fortschritte bringen könnte. Nach Verhandlungen in Malaysia war ein Abkommen in Sicht, das eine einjährige Aussetzung der chinesischen Lizenzpflicht für Seltene Erden, den Wiederbeginn von Sojabohnenkäufen und Fortschritte im Kampf gegen Fentanyl vorsieht. Im Gegenzug soll die US-Regierung Zölle senken und auf weitere Sanktionen verzichten.

Die Märkte reagierten jedoch verhalten: Das Ergebnis der Gespräche überzeugte Investoren kaum – die Aktienindizes gaben sowohl dies- als auch jenseits des Atlantiks nach, da Zweifel an einer nachhaltigen Entspannung im Handelskonflikt zwischen den USA und China blieben. Nach einem vorherigen Rutsch auf 3.915 USD legte der Goldpreis hingegen wieder zu.

Trump-Xi-Treffen: USA und China erzielen Fortschritte, aber keinen Durchbruch
Xi Jinping und Donald Trump beim Treffen in Busan. Fotograf: Andrew Harnik/Getty Images

Xi und Trump betonen gemeinsame Verantwortung

Xi hob die globale Verantwortung beider Nationen hervor. „Wir sehen nicht immer alles gleich, und es ist normal, dass die beiden führenden Volkswirtschaften der Welt gelegentlich Reibungen haben“, sagte der chinesische Präsident. „Aber in Zeiten von Wind und Wellen sollten Sie und ich am Steuer bleiben und sicherstellen, dass das Schiff der chinesisch-amerikanischen Beziehungen seinen Kurs hält.“

Trump, der zu Beginn der Gespräche „eine sehr erfolgreiche Sitzung“ prognostiziert hatte, sprach von einer „fantastischen Beziehung für eine lange Zeit“. Beide Staatschefs unterstrichen, dass die Zusammenarbeit zwischen den USA und China nicht nur für den Welthandel, sondern auch für die geopolitische Stabilität entscheidend sei.

Details des Handelskompromisses

Zentrales Element des geplanten Rahmenabkommens ist die Zusage Pekings, das umstrittene Lizenzsystem für Seltene Erden mindestens ein Jahr auszusetzen. Diese Rohstoffe sind essenziell für Hightech-Produkte wie Smartphones und Flugzeugtriebwerke. Im Gegenzug soll Trump die angedrohten Strafzölle in Höhe von 100 Prozent auf chinesische Produkte zurücknehmen und die bereits geltende 20-Prozent-Abgabe auf Exporte von Fentanyl-Vorstufen reduzieren. Damit könnte China seine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen asiatischen Produktionsländern wieder stärken.

Der US-Präsident kündigte nach dem Gespräch an, die US-Strafzölle mit Blick auf Fentanyl mit sofortiger Wirkung von 20% auf 10% zu senken. “Ich glaube, er wird sehr hart daran arbeiten, das Sterben zu stoppen”, sagte Trump.

Darüber hinaus plant Washington, Exportbeschränkungen für kritische Software zu lockern und Gebühren für chinesische Schiffe zu senken. Trumps Administration erwägt außerdem, eine Untersuchung einzustellen, die prüfen sollte, ob China die Bestimmungen eines früheren Handelsabkommens einhält.

Auf chinesischer Seite hofft man, dass die USA eine Regelung aufheben, nach der Tochterunternehmen sanktionierter Firmen automatisch denselben Beschränkungen unterliegen. Diese Vorschrift hatte Exporteuren in beiden Ländern erheblichen Aufwand bereitet.

Technologie, Sojabohnen und TikTok

Im Vorfeld des Treffens wurd darüber spekuliert, dass Trump auch die Möglichkeit erwäge, China Zugang zu Nvidias neuem Blackwell-KI-Prozessor zu gewähren. Allerdings sagte US-Präsident Donald Trump, er habe mit seinem Amtskollegen Xi Jinping nicht über die Genehmigung des Verkaufs von Blackwell-Chips von Nvidia an China gesprochen. Damit dämpfte er Spekulationen, Washington werde den Export der leistungsstarken KI-Beschleuniger in den weltweit größten Halbleitermarkt zulassen. In ihrem Gespräch ging es stattdessen allgemein um den Zugang von Nvidia zum chinesischen Markt, so Bloomberg.

Gleichzeitig plant China, wieder amerikanische Sojabohnen zu importieren. Berichten zufolge hat Peking bereits zwei Schiffe mit US-Sojabohnen gebucht – ein symbolischer Sieg für Trump, der auf die Unterstützung der Landwirte in seinem politischen Lager angewiesen ist.

Zudem soll Xi die Übernahme der US-Sparte der Video-App TikTok durch ein von der Trump-Regierung initiiertes Konsortium genehmigen. Der US-Präsident hatte TikTok wiederholt als Plattform bezeichnet, die seine Popularität bei jungen Wählern gesteigert habe.

Geopolitische Spannungen und Ukraine-Krieg

Neben wirtschaftlichen Themen wurde auch die geopolitische Lage erörtert. Trump will Xi dazu bewegen, seine Unterstützung für Russland im Ukraine-Krieg zu reduzieren. Washington plant, China aufzufordern, den Export sogenannter Dual-Use-Güter einzuschränken, die sowohl zivil als auch militärisch verwendet werden können. Zwar gab es jüngst Anzeichen, dass chinesische Käufe von russischem Öl nach US-Sanktionen rückläufig sind, doch westliche Beobachter erwarten keine wesentliche Kursänderung Pekings gegenüber Moskau.

Auch das Thema Taiwan stand am Rande des Treffens im Raum. Trump deutete an, dass er die heikle Frage „vom Tisch nehmen“ wolle, nachdem er zuvor gesagt hatte, für Xi sei die Insel „der Apfel seines Auges“. Peking fordert weiterhin eine klare US-Erklärung, dass Washington die Unabhängigkeit Taiwans ablehnt, nicht nur, dass es sie nicht unterstützt.

Fazit: Nur ein symbolischer Fortschritt

Das Treffen zwischen Trump und Xi markiert eine vorsichtige Annäherung nach Monaten wirtschaftlicher Spannungen. Während die Vereinbarungen kurzfristig Entlastung bringen und die globalen Märkte stabilisieren könnten, bleibt die strukturelle Rivalität zwischen den USA und China bestehen.

Analysten werten das Ergebnis als taktischen Waffenstillstand, nicht als umfassende Einigung. Dennoch sendet die Begegnung in Busan ein Signal der Deeskalierung und könnte die Grundlage für weitere Verhandlungen schaffen – ein Schritt, den Investoren weltweit aufmerksam beobachten.

FMW/Bloomberg

 



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

3 Kommentare

  1. also mehr oder weniger ein nothing burger bei dem trump zölle senken und handelsbeschränkungen zurücknehmen musste, um mit dem damoklesschwert seltene erden weiter leben zu dürfen. die aktuellen schon gültigen beschränkungen diesbezüglich werden ja weiter bestehen.

    da muss er aber jetzt schön brav sein, um das soja das vorher verkauft wurde, wieder schön langsam in gang zu bringen. es ist nicht zu vermuten, dass nach den zwei (!) vereinbarten schiffsladungen die vorhergehenden volumina wieder erreicht werden, da brics-partner wie brasilien eingesprungen sind. die wird man hier nicht dupieren.

    xi hat offensichtlich auch den versuch von trump blackwell-chips in letzter sekunde als verhandlungsmasse ins spiel zu bringen einfach ignoriert. ist nur konsequent nachdem eigenes material gefördert und nvidia vom china-markt und damit die abhängigkeit von westlicher hardware verdrängt werden soll. sowie ein klares signal, dass man china damit nicht mehr erpressen kann. mal sehen was das für die 5 billionen blase in den nächsten quartalen bedeutet.

    kein wunder, das es keine überschwänglichen truth (a)social posts von king trumpy gab. hier ist nur einer als sieger vom platz gegangen – und der war nicht orange.

    1. @ost…eigentlich ja klar das da nicht viel passiert…beide haben vollkommend abweichende Positionen…da ist eine grds. Einigung so gut wie ausgeschlossen…ich denke es geht hauptsächlich darum, nebeneinander zu bestehen und die anderen, also Europa, Afrika, etc. außen vor zu lassen…China wird jetzt nicht mega viel Soja kaufen, im Endeffekt so viel, dass es die nächsten 2-3 Monate nicht weiter auffällt bzw. um auch den anderen Produzenten wieder Preisdruck zu geben…und China weiß, dass sie sich weiter unabhängig machen müssen…im Endeffekt wie auf wir Europäer…das ist für die Chinesen aber etwas einfacher, weil die keine „Partnerschaft“ mit den USA haben…für uns ist das schwieriger…Abnabelung vom großen Bruder klingt leichter als es tatsächlich ist…den überschwänglichen post wird es von Trump heute schon noch geben…das ist ja obligatorisch…er weiß ja wie man Komplimente macht…ich liebe das Pokerface von Xi…da gibt es keine Regung…er schaut Trump niemals an…immer an ihm vorbei…sieht von der Mimik ein bissl aus wie der Glöööckler…bloß das bei Xi alles natürlich ist…

  2. Der Hobelpreis muss warten

    Ein herrliches Spiel zuzusehen wie der Egomann erniedrigt wird. Das wird für seine Gesindheit nicht förderlich sein. Und wo ist der grosse Erfolg im Nahen Osten geblieben des Fast- Nobelpreisträgers.
    Das einzige was er mit Hilfe der Araber erreichte war eine überfällige Geiselübergabe. Ein nachhaltiger Frieden und die Hoffnung auf Entwaffnung der Hamas war Naivität auf höchstem Niveau.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage