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Trump entfesselt Zoll-Sturm Trump-Zölle greifen – folgt der wirtschaftliche Kollaps?

Trump-Zölle greifen – folgt der wirtschaftliche Kollaps?
Containerschiffe im Hafen von Los Angeles. Foto: Tim Rue/Bloomberg

Mit seinen neuen Zöllen entfacht Donald Trump einen globalen Handelskonflikt, der das wirtschaftliche Gleichgewicht ins Wanken bringen könnte. Er selbst prophezeit ein neues goldenes Wirtschaftszeitalter für die USA. Während der US-Präsident mit drastischen Maßnahmen seine „America First“-Agenda weiter vorantreibt, fragen sich Wirtschaftsexperten weltweit: Wird Trumps Zollpolitik die US-Industrie stärken – oder die globale Konjunktur gefährlich ins Straucheln bringen?

Trump-Zölle treten in Kraft

Mit dem offiziellen Inkrafttreten von Donald Trumps neuen Zöllen in der Nacht zu Donnerstag erreicht seine protektionistische Wirtschaftspolitik eine neue Eskalationsstufe. Nach monatelangen Ankündigungen, Rückziehern und Verhandlungen steigen die US-Zölle für fast alle Handelspartner drastisch. Laut Schätzungen von Bloomberg Economics erhöht sich der durchschnittliche US-Zollsatz dadurch auf 15,2 % – ein deutlicher Sprung gegenüber den 2,3 % im Vorjahr und der höchste Wert seit dem Zweiten Weltkrieg.

Die Europäische Union, Japan und Südkorea akzeptierten in den letzten Verhandlungsrunden einen pauschalen Zollsatz von 15 % auf ihre Exporte, darunter auch Automobile, die sonst mit 25 % belegt worden wären. Auf Länder mit denen die Trump-Administration keine Verhandlungen geführt hat, wurden pauschale Zölle von 10 % und mehr verhängt. Ein letzter Versuch der Schweiz, ihre Abgaben von 39 % zu senken, blieb erfolglos – der Schweizer Präsident reiste unverrichteter Dinge aus Washington ab. Indiens Zollsatz wurde gar verdoppelt – auf 50 % – als Strafe für den Einkauf russischen Öls. Die Handelsgespräche mit Mexiko, Kanada und China verlaufen auf separater Ebene, während Trump ankündigte, bald auch gezielte Zölle auf Schlüsselindustrien wie Pharmazeutika und Halbleiter zu verhängen.

Trump selbst ist überzeugt, dass die Zölle das Handelsdefizit senken und Produktionskapazitäten zurück in die USA holen werden. Kritiker hingegen warnen vor inflationären Tendenzen, Engpässen und steigenden Verbraucherpreisen. Bislang blieb ein solcher wirtschaftlicher Umschwung aus, doch aktuelle Daten deuten auf bevorstehende Belastungen hin. Die jüngsten Arbeitsmarktzahlen für Juli zeigten die stärksten Abwärtsrevisionen beim Beschäftigungswachstum seit der Corona-Pandemie. Das Wirtschaftswachstum der USA schwächte sich im ersten Halbjahr spürbar ab, ausgelöst durch geringere Konsumausgaben und Anpassungen der Unternehmen an die neue Zollpolitik.

Trump-Zölle treiben Durchschnittssatz in die Höhe

Auswirkungen der Zölle

Die Auswirkungen der Zölle sind derzeit noch gedämpft, da viele Unternehmen einen Teil der Mehrkosten selbst tragen. Doch Fachleute gehen davon aus, dass dies nicht von Dauer sein kann. „Es gibt Anzeichen dafür, dass härtere Zeiten bevorstehen. Viele Firmen haben Vorräte angelegt, bevor die Zölle in Kraft traten“, sagte Wendy Cutler, Vizepräsidentin des Asia Society Policy Institute und frühere US-Handelsbeauftragte. Ihrer Meinung nach sei es „nahezu unvermeidlich, dass die Preise steigen“, weil Unternehmen auf Dauer keine geringeren Gewinnmargen hinnehmen könnten.

Seit Trumps ersten Ankündigungen im April herrschte Unsicherheit auf den Weltmärkten. Die Unklarheit über mögliche Lieferkettenprobleme und steigende Kosten setzte Unternehmen unter Druck. Nun haben sich viele Volkswirtschaften darauf eingestellt, dass Trumps Zölle bleiben. Um sich bessere Bedingungen zu sichern, versprechen Regierungen Investitionen in Milliardenhöhe in den USA. Doch viele Einzelheiten sind noch offen. Die vereinbarten Auto-Zollrabatte für die EU, Japan und Südkorea wurden bislang nicht in verbindliche Abkommen überführt. Auch Details zu Marktöffnungen und Investitionszusagen stehen noch aus.

Die Märkte reagieren vorsichtig: Analysten von Morgan Stanley, Deutsche Bank und Goldman Sachs rieten ihren Kunden Anfang der Woche zur Zurückhaltung. Sie erwarten in den kommenden Wochen Rückgänge beim S&P 500. Der Grund: Eine Mischung aus steigender Inflation, schwächerem Arbeitsmarkt und nachlassendem Konsumverhalten lässt die Aussicht auf eine stabile wirtschaftliche Entwicklung schwinden.

Politisch ist die Situation für Trump ebenfalls heikel. Die Lebenshaltungskosten spielten schon bei der letzten Wahl eine zentrale Rolle. Laut einer aktuellen Umfrage von Fox News lehnen 62 % der Befragten Trumps Umgang mit den Zöllen ab, 58 % kritisieren sein Steuer- und Ausgabenprogramm und insgesamt 55 % sind mit seiner Wirtschaftspolitik unzufrieden.

Führende CEOs reagieren auf Bloomberg Television und zeigen sich besorgt, nachdem US-Präsident Donald Trump weltweit Zölle verhängt hat.

Neues goldenes Wirtschaftszeitalter

Auch rechtlich ist das Fundament seiner Zollpolitik nicht unumstritten. Während er sich zur Durchsetzung länderspezifischer Zölle auf Notfallbefugnisse beruft, die derzeit vor Gericht angefochten werden, stützt er sich bei branchenspezifischen Maßnahmen – etwa für Autos und Metalle – auf rechtlich stabilere Grundlagen. Tim Meyer, Professor an der Duke University Law School, warnt dennoch: „Sie versuchen, die Geschichte zu erzählen, dass sich diese Zollrunde dem Ende nähert und Klarheit eintritt. Aber die Umsetzung ist rechtlich sehr fraglich.“

Ungeachtet dieser Zweifel hält Trump an seiner Vision fest. Er prophezeit ein neues goldenes Wirtschaftszeitalter und wies Statistiken zurück, die seinem Narrativ widersprechen. Den Leiter der Statistikbehörde, die die jüngsten Jobzahlen veröffentlicht hatte, ließ er entlassen. Stolz verweist er auf die Rekordeinnahmen durch die Zölle, die in den ersten neun Monaten bis Juni 113 Milliarden Dollar betrugen. Er stellte sogar Rückzahlungen an die Bevölkerung in Aussicht.

Ob seine Zollpolitik jedoch tatsächlich ein Wiedererstarken der US-Industrie bewirkt, bleibt fraglich. Trump verspricht neue Jobs in der Fertigung – doch Experten wie Brad Jensen von der McDonough School of Business bezweifeln diese Gleichung. „Beides gleichzeitig – steigende Einnahmen durch Zölle und mehr Arbeitsplätze – ist schwer vorstellbar“, so Jensen. „Wenn die heimische Produktion steigt, dann sinkt der Import – und damit auch die Zolleinnahmen.“

Trumps Zölle und seine Wirtschaftspolitik stehen damit nicht nur vor einer ökonomischen Belastungsprobe, sondern auch vor einer politischen und juristischen Zerreißprobe – mit weitreichenden Folgen für die USA und die globale Handelsordnung.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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5 Kommentare

  1. Das ist Kriegsvorbereitung. Trump weiß, dass es einen Konflikt zwischen dem Westen und den BRICS geben wird. Deshalb hohe Zölle gegen BRICS Mitglieder, das Schwächen von anderen „sicheren Häfen“ (Schweiz) und die Deals mit der EU, Japan und Südkorea über die Abnahme von Öl und Gas. Man schottet sich von den BRICS ab, hat westliche Verbündete, die das Öl und Gas abkaufen und schwächt den Franken, dass wenn es zu einem Krieg zwischen USA-China bzw. Westen-BRICS kommt, das Geld in den Dollar fließt. Nichts Anderes ist das ganze Theater. Die Aktienmärkte feiern, aber die Welt steht am Abgrund. China hat die größte und modernste Flotte der Welt und rüstet immer weiter auf. Unmengen an Anti-Schiff-Raketen, funktionsfähige Hyperschallraketen, eigene Kampfjets, U-Boote, Raketen-Abwehrsysteme, Drohnen…Vergleichbar mit Hitlers Aufrüstung vor dem 2. Wk. Deshalb horten die BRICS seit Jahren Gold, Weizen, Treibstoff, Chips, seltene Erden wie verrückt. Deswegen stärken die BRICS ihre Binnenmärkte immer mehr. Deswegen fährt China den Anteil von Exporten am BIP immer weiter zurück. Deswegen treibt China die technische Entwicklung in allen Bereichen voran und bringt die Produktionsketten ins Inland. Der Versuch Trumps kommt zu spät…

    1. @Simon, das mit dem Franken abschwächen würde ich mal in Zweifel stellen.
      der CHF wird auch in Zukunft der sichere Hafen sein.
      diese riesige Zinsdifferenz von CHF 0% und Dollar 4,25% wird sich massiv verkleinern.
      und die Exporte der Schweiz in die USA sind nicht so existenziell. wichtigster Handelspartner ist und bleibt die EU.

  2. Wartet mal, wenn die BRICS sich absprechen und Gegenzölle erheben.
    Die ganz Naiven glauben, dass die USA wirklich so viel LNG an Europa liefern könnten.
    Liefern werden sie es schon, aber nicht aus eigener Produktion. Sondern sie werden es in Russland kaufen und dann mit Aufschlag an die naiven Europäer verkaufen.
    Natürlich gegen Dollars.
    Es wird alles sehr, sehr teuer werden.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. @Helmut, warum zählst du dich selbst zu den Naiven und warum glaubst du das alles total billig wird? Aber klar, die derzeitigen Gaspreise auf dem Weltmarkt sind schon verdammt niedrig.

  3. @Helmut
    Was passiiert dann? Die USA fallen vor Lachen vom Stuhl? Helmut, der war echt gut!
    Du solltest Wirtschaftsaalyst werden!
    Hast du dir eigentlich mal die Zahlen angesehen: Die BRICS-Staaten exportieren ca. das doppelte, als die USA in die BRICS-Staaten….
    Die Hitzewelle scheint endgülitg bei Helmut angekommen zu sein….

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