Die jüngsten Zoll-Androhungen von Präsident Donald Trump stellen laut Analysten nur ein kurzfristiges Risiko für europäische Aktien dar, da die Aussichten für die Unternehmensgewinne insgesamt weiterhin robust sind. Darüber berichtet Bloomberg.
Aktien: Belasten Trump-Zölle nur kurzzeitig?
Zu dieser Einschätzung kommen Strategen von Banken wie JPMorgan Chase & Co. und Barclays. Sie sagen, dass die Eskalation der Handelsspannungen zwar zu Gewinnmitnahmen bei regionalen Aktien führen könnte, sie jedoch angesichts der Prognosen für ein robustes globales Wirtschaftswachstum und niedrigere US-Zinsen keinen größeren Ausverkauf erwarten.
„Die Schlagzeilen über die Zölle vom Wochenende bieten einen Vorwand für eine gewisse Risikominderung und könnten die Stimmung vorübergehend belasten, aber wir glauben, dass die fundamentalen Rahmenbedingungen für Aktien konstruktiv sind und erwarten beruhigende Gewinnzahlen“, schrieb JPMorgan-Stratege Mislav Matejka in einer Mitteilung.
Die Marktentwicklung am Montag zeigte kaum Anzeichen von Panik unter den Anlegern. Der Leitindex Stoxx 600 gab um etwa 1% nach, während die S&P 500-Futures um 1 % fielen. Zu den Gewinnern zählten Verteidigungsunternehmen wie Rheinmetall AG (+2,5%) und Saab AB.
Trump kündigte am Samstag an, ab dem 1. Februar einen Zoll von 10% auf Waren aus europäischen Ländern zu erheben, die sich angesichts der Drohungen der USA, das halbautonome dänische Gebiet zu beschlagnahmen, für Grönland stark gemacht haben. Als Reaktion darauf führt die Europäische Union Gespräche über die mögliche Einführung von Zöllen auf US-Waren im Wert von 93 Milliarden Euro (108 Milliarden US-Dollar).
Welche Aktien sind anfällig?
Der Barclays-Stratege Emmanuel Cau warnte, dass Sektoren, die dem Handel ausgesetzt sind, wie Automobilhersteller und Luxusgüterhersteller, sowie Branchen, die sich zuletzt überdurchschnittlich entwickelt haben, wie Banken und Bergbauunternehmen, „in naher Zukunft anfällig für Gewinnmitnahmen und eine Neubewertung der Risikoprämien“ seien.
Dennoch „könnte die unter Anlegern vorherrschende sogenannte ‚TACO‘-Denkweise eine Wiederholung des Rückgangs nach dem Liberation Day verhindern“, sagte Cau und bezog sich dabei auf ein Akronym, das für „Trump Always Chickens Out“ (Trump kneift immer) steht. Sofern es nicht zu einer weiteren Eskalation kommt, „könnte jeder Rückgang letztendlich eine gute mittelfristige Kaufgelegenheit bieten“, fügte er hinzu.
Unterdessen konzentrieren sich die Anleger auf die Berichtssaison für das vierte Quartal, um Hinweise auf die Verbrauchernachfrage und die Gesundheit der Wirtschaft zu erhalten. Analysten erwarten, dass die Gewinne des Stoxx 600 gegenüber dem Vorjahr um 1% gestiegen sind, bevor sie 2026 um fast 11% wieder ansteigen.
Bei Morgan Stanley sagte die Strategin Marina Zavolock, dass die Auswirkungen der Zölle auch begrenzt sein könnten, da die Belastung europäischer Unternehmen durch Abgaben „eher idiosynkratisch als breit angelegt“ sei.
Sie schätzt, dass zwar 72% des Gewichts des MSCI Europe auf die acht von Trump ins Visier genommenen Länder entfallen – Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, Finnland, Großbritannien und die Niederlande –, aber nur etwa 2,2% der Einnahmen des Index direkt von den jüngsten Abgaben betroffen sein könnten.
„Anders ausgedrückt: Etwa 10% des Gewichts des MSCI Europe entfallen auf Unternehmen, deren Umsatz zu mehr als 10% von den neuen Zöllen betroffen ist”, schrieb Zavolock in einer Mitteilung.
FMW/Bloomberg
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Ja o.k., es wirkt sich kurzfristig auf die Deutsche Lufthansa AG aus, da der Kranich-Konzern im operativen Geschäft entsprechend aufgestellt ist. Aber im Zusammenhang mit dem Flottenerneuerungsprogramm der Lufthansa entstehen bei Zöllen gegen Boeing eben wieder Wettbewerbsverzerrungen gegenüber den Arabische Liga-Luftfahrtallianz Arab Air Carriers Organization-Airlines, in der Turkish Airlines ein Partner ist. Letzteres ist nun einmal mit der von Bundeskanzler Ludwig Erhard auf den Weg gebrachten Wirtschaftsordnung Soziale Marktwirtschaft nicht kompatibel.