Gestern Abend hatte Donald Trump – für die breite Öffentlichkeit völlig überraschend – alle Zölle auf 10 % herabgesetzt, nur für China wurde der Zoll sogar noch weiter angehoben von 104 % auf 125 %. Die Aktienmärkte explodierten regelrecht, der Dow Jones stieg um fast 3.000 Punkte in kürzester Zeit, der S&P 500 legte um 7,16 % zu, der Nasdaq 100 sogar um 9,22 %. Was für eine unglaubliche Erleichterungsrally. Aber wie kam es zu dieser Zoll-Herabsetzung, die erstmal für 90 Tage gelten soll?
Bloomberg hat die Ereignisse nachgezeichnet und schreibt dazu wie folgt: Als Donald Trumps weitreichende “reziproke“ Zölle am Mittwoch kurz nach Mitternacht Washingtoner Zeit in Kraft traten, beobachtete der Präsident den Anleihenmarkt. Die langfristigen Renditen stiegen rasant. Die 10-jährige Staatsanleihe verzeichnete den größten Sprung über drei Tage seit 2001. Der Präsident sah sich mit einem Worst-Case-Szenario konfrontiert: Die Wähler, die ihn wegen der Inflation ins Weiße Haus gewählt hatten, sahen sich nun sowohl mit steigenden Preisen als auch mit höheren Zinskosten konfrontiert. “Ich habe gestern Abend gesehen, dass den Leuten ein wenig mulmig wurde”, räumte Trump später ein.
Der Präsident hatte tagelang darüber debattiert, ob er das Zollprogramm, das das Ergebnis eines intensiven Treffens mit seinen Wirtschaftsberatern nur wenige Stunden vor der Ankündigung im Rosengarten des Weißen Hauses vergangene Woche war, in vollem Umfang vorantreiben sollte. Innerhalb von 14 Stunden vollzog Trump eine der größten wirtschaftspolitischen Kehrtwenden in der modernen Geschichte eines Präsidenten, indem er die Ausweitung der Zölle auf Dutzende von Ländern für drei Monate aussetzte. Das sorgte für eine Erholung der Aktienkurse, die sich seit seiner Ankündigung eine Woche zuvor im freien Fall befunden hatten.
China, das Trumps Zöllen mit gleichwertigen Vergeltungsmaßnahmen begegnete, war das einzige Land, dem keine Gnadenfrist gewährt wurde; stattdessen erhöhte der Präsident abermals die Zölle auf die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Vertreter des Weißen Hauses stellten Trumps Entscheidung als geschickte Umsetzung einer sorgfältig austarierten Politik dar, die ihm Angebote von Verbündeten und Handelspartnern einbrachte, welche sich in den vergangenen Tagen an die Regierung gewandt hatten, um eine Einigung zur Vermeidung der Zölle zu erzielen.
Trump selbst räumte jedoch bei einem Treffen mit mehreren Rennfahrern auf dem Südrasen des Weißen Hauses am Mittwochnachmittag ein, dass die Entscheidung nicht zuletzt auf das Chaos an den Finanzmärkten zurückzuführen sei. “Ich fand, dass die Leute ein wenig über die Stränge schlagen“, sagte Trump. “Sie wurden ein bisschen nervös, ein wenig ängstlich.“
Am Dienstagabend, bevor die Zölle in Kraft traten, rief sein langjähriger Verbündeter, Senator Lindsey Graham aus South Carolina, den Präsidenten an, um ihm seine Bedenken über die Auswirkungen der Zölle mitzuteilen. “Ich sagte: ‘Hören Sie, Sie versuchen, gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, von denen Sie seit vier Jahren reden, und jetzt gibt es einen Weg, dies zu tun. Die Menschen reagieren auf das, was Sie getan haben. Setzen Sie sich mit ihnen zusammen und schauen Sie, was für Vereinbarungen Sie treffen können’”, sagte Graham.
Als Trump am Mittwochmorgen aufwachte, schien diese Warnung in Echtzeit abzulaufen. Der Präsident begann seinen Tag damit, die Reaktionen auf dem ihm normalerweise wohlgesonnen Sender Fox Business zu verfolgen, wo eine Reihe von Führungskräften und Händlern Alarm schlugen. Der Vorstandsvorsitzende von JPMorgan Chase, Jamie Dimon, erregte das Interesse des Präsidenten – vor allem als er sagte, es sei “absolut vernünftig“, den Schluss zu ziehen, dass der Welthandel unfair sei. Dimon forderte ausländische Regierungspolitiker auf, ruhig zu bleiben und “einige Handelsabkommen auszuhandeln“.
Trump lobte Dimon mit den Worten: “Er hat es verstanden.“ “Er ist sehr klug und ein Finanzgenie, er hat einen fantastischen Job bei der Bank gemacht“, sagte der US-Präsident weiter. “Und er weiß, dass jeder das weiß.“ Dimon warnte aber auch davor, dass eine Rezession eine wahrscheinliche Folge von Trumps Schritten sei und dass die Unternehmen angesichts der Unsicherheiten Kürzungen vornehmen würden. “Die Märkte haben nicht immer recht, aber manchmal haben sie recht“, sagte Dimon.
Die im Fernsehen geäußerte Besorgnis war nicht unähnlich dem, was Trump in den vergangenen Tagen öffentlich und privat von einigen seiner reichsten Verbündeten zu hören bekommen hatte. Elon Musk, sein milliardenschwerer Berater, hatte die Entscheidung über die Zölle angegriffen und Peter Navarro, den Berater des Präsidenten in Handelsfragen, in sehr persönlichen Worten verspottet. Bill Ackman, der Hedgefonds-Manager, der Trumps Wahlkampf unterstützte, hatte die Idee einer 90-tägigen Aussetzung der erweiterten Zölle geäußert, um Verhandlungen zu ermöglichen.
Trump nutzte die sozialen Medien, um seine Anhänger zu ermutigen, es sei “ein großartiger Zeitpunkt zum Kaufen“. Die Botschaften signalisierten der Wall Street, dass der Präsident zuhört und trugen so zur Erholung der Aktienkurse bei. “BLEIBT COOL! Alles wird gut. Die USA werden größer und besser sein als je zuvor!“, postete Trump auf seiner Plattform Truth Social.
Im Laufe des Vormittags beschloss Trump jedoch, einige seiner wichtigsten Wirtschaftsberater im Weißen Haus zu versammeln. Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer, der gerade vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses aussagte, wurde darüber informiert, dass Trump die Höhe der Zölle überdenke. Finanzminister Scott Bessent, der vor dem republikanischen Studienausschuss des Kongresses über Steuergesetze sprechen sollte, sagte seinen Auftritt ab, um ins Weiße Haus zurückzukehren. Auch Handelsminister Howard Lutnick wurde einbestellt. Die Finanzmärkte beschäftigten den Präsidenten sehr.
“In den vergangenen Tagen sah es ziemlich düster aus“, sagte Trump. Die Flut an Angeboten anderer Länder, die nun “die richtigen“ Angebote machten, habe ebenfalls eine Rolle gespielt, so Lutnick. Trump war besonders fasziniert davon, dass Länder Zugeständnisse anboten, die zuvor nicht auf dem Tisch lagen, einschließlich des Abbaus nichttarifärer Handelshemmnisse. “Die Menge an Anrufen, die wir bekamen, war einfach verrückt“, sagte Lutnick.
Letztlich ließ sich Trump umstimmen – es war an der Zeit, die “Befreiung“, die er nur wenige Tage zuvor angekündigt hatte, weitgehend anzuhalten. Das Trio setzte sich zusammen, um einen Social-Media-Beitrag zu verfassen, in dem es der Welt mitteilen wollte, dass es die Zölle zumindest vorübergehend zurücknehmen würde. Dabei verfasste es den Text, ohne auch nur die Rechtsabteilung des Präsidenten zu konsultieren. “Wir haben es einfach aufgeschrieben“, sagte Trump. “Wir haben es mit dem Herzen geschrieben, und ich denke, es war auch gut geschrieben.“
Einige Beamte im Westflügel wussten nichts von der Veröffentlichung und kamen umgehend zu Besprechungen zusammen, um Trumps Absichten zu entschlüsseln. Offene Fragen zur Umsetzung der Direktive und zu den Auswirkungen nicht nur auf China, sondern auch auf Länder wie Kanada und Mexiko mussten geklärt werden. Der Präsident, der tagelang betont hatte, er sei weder an Verzögerungen noch an Ausnahmen interessiert, zeigte sich von dieser Kehrtwende unbeeindruckt. Er räumte ein, dass er nun Ausnahmen für Unternehmen in Erwägung ziehen würde, denen durch die Zölle schwerwiegende Konsequenzen drohten. “Man muss ein wenig Flexibilität zeigen können“, sagte Trump. “Das kann ich.“
FMW/Bloomberg
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Und was sagt er in 5 Minuten? Geht wieder flott runter seit heute Morgen Früh.
Gleich China doch nur auch 10%
Man muss ja flexibel bleiben.
Was ein Zirkus.
Mr. Bush sagte :“ read my lips“. Das ist heute die Herausforderung der Daytrader. Jede Sekunde die Lippen des Presidenten zu betrachten. Es geht um Sekunden die Taste zu drücken. Jetzt ist die Gelegenheit reich zu werden
read my lips. Jeden Tag, jede Sekunde ist die Chance. READ MY LIPS. Ach ja der schreibt auch.
Fugmans TheorY ist die Wahrscheinlichste.