Allgemein

Warum Märkte kaum auf Zolldrohungen reagieren Trump-Zolldrohungen: Kein Präsident regiert gegen Interessen der Wall Street

Achillesverse Aktienmarkt

Foto: Bloomberg

US-Präsident Trump ist erst knapp drei Wochen im Amt, hat aber schon viel politischen Staub aufgewirbelt und hält auch die Wall Street in Atem. Er hat in Windeseile per Dekret viele Vorhaben umgesetzt und  ist seiner Devise treu geblieben: Durch massive Zölle will er einiges für den US-Staat bewirken, für die innere Sicherheit (ungeregelte Zuwanderung), aber ganz speziell, weil nach seiner Meinung kein „fairer“ Wettbewerb zwischen bestimmten Staaten und den USA stattfindet. Daher gilt es Einnahmen zu generieren. Damit sein zweites großes Vorhaben, nämlich die Senkung der Unternehmenssteuern, finanzierbar wird.

Hinzu kommt, dass der Präsident niedrigere Zinsen braucht, denn um das Thema Staatsschulden kommt auch die Administration von Trump nicht herum.

Doch die Ära Trump 2.0 dürfte anders verlaufen als die erste Amtszeit. Hierzu ein paar Gedanken über einen Zyklus, der sich doch ein wenig unterscheiden sollte, von der Phase zwischen 2017 und 2021.

Zollandrohungen 2025 – die Märkte und Wall Street glauben Trump nicht

Werbung


Es waren schon massive Schläge von US-Präsident Trump gegen Nationen, die angeblich gegen amerikanische Interesse verstoßen – so zunächst gegen Kolumbien, die keine US-Migranten zurücknehmen wollten. Dann die 25 Prozent Zölle gegen Mexico und Kanada. Mit seltsamen Begründungen. Die südamerikanische Regierung gab nach, aber gegen die unmittelbaren Nachbarn kam es urplötzlich zu einem 30 Tage währenden Aufschub. Allein die 10 Prozent Zölle gegen China blieben, aber was ist das für ein Niveau? Hatte er im Wahlkampf nicht von 60 oder gar 100 Prozent Einfuhrzöllen gegenüber dem großen Rivalen gesprochen?

Am letzten Tag dieser Woche kam die nächste Ansage gegenüber der EU – reziproke Zölle, da die US-Autos mit 10 Prozent bezollt werden, während die USA nur 2,5 Prozent verlangen. Aber hatte nicht BMW-Chef Zipse schon vor Tagen vorgeschlagen, man könnte sich auf jeweils 2,5 Prozent bei den Zöllen einigen – gegenseitig? Denn BMW baut bereits 400.000 Fahrzeuge in den USA, die auch nach Europa verkauft werden.

Die Reaktionen an den Aktienmärkten sind daher bisher recht überschaubar, denn Trump 2.0 verhält sich recht überlegt in seinen Aktionen, das vorherige Poltern ist Teil seiner wirtschaftlichen Vorgehensweise. Er hat aber auch sicherlich die Reaktion der Aktienmärkte in seiner letzten Amtszeit im Hinterkopf. Nach der Ankündigung der opulenten Unternehmenssteuersenkung von 35 auf 21 Prozent waren die Märkte im Jahr 2017 unheimlich gleichmäßig und ohne Korrektur gestiegen. Als er aber 2018 begann, den großen Zollkrieg mit China anzuzetteln, kam es zu deutlichen Marktkorrekturen. Die eskalierten, als Fed-Chef Powell die Zinsen anhob und die Reduzierung der Fed-Bilanz „auf Autopilot“ stellte. Hier die Kursrückgänge zu dieser Zeit im Zusammenhang mit den politischen Ereignissen:

S&P 500 Corrections 2009-2025 Trump Wall Street

Zölle – Inflation, steigende Kapitalmarktzinsen und weitere Nebenwirkungen

Donald Trump wurde am 5. November in erster Linie gewählt, um die Inflation für die Amerikaner nach unten zu bringen. Neben weiteren Maßnahmen, die unter dem Akronym MAGA – Make America Great Again subsumiert werden können. Dies soll eben im Wesentlichen durch Zölle und durch die Senkung von Steuern umgesetzt werden. Ein Hauptgedanke von Trump ist dabei natürlich die Produktion von Waren wieder in die USA zurückzuholen. In ein Hochlohnland – by the way!

Aber kein Tag ist bisher in diesem Jahr vergangen, an dem nicht irgendwo Warnungen von Ökonomen zu lesen waren, welche Nebenwirkungen ein substanzieller Handelskrieg mittels zweistelligen Zöllen gegenüber den großen Handelspartnern der USA hervorrufen könnte. Dabei benötigt man keine großen ökonomischen Kenntnisse, um zu ermessen, was Zölle von 25 Prozent auf mexikanische PKW, 25 Prozent auf kanadisches Öl oder gar 60 Prozent auf chinesische Waren für den Großhandelsriesen Walmart für Konsequenzen nach sich zögen. Um nur ein paar extreme Beispiele zu nennen.

Die Folgen wären natürlich ein Anstieg der Inflation sowie der Kapitalmarktzinsen, weil dann unter anderem Zinssenkungen der Fed in weite Ferne gerieten und damit das Gegenteil einträte, was Donald Trump vor seiner Wahl versprochen hatte.

Und ein weiteres Versprechen des neuen Präsidenten war es, den Wohlstand des Volkes zu mehren. Dieser stützt sich neben den Immobilien in ganz besonderem Maße, und wie noch nie in der Geschichte der USA, auf dem bisherigen Anstieg der Aktienmärkte. Was ich in der Vorwoche unter der Überschrift „Aktienmärkte sind die Achillesferse der USA“ dargestellt hatte.

Der Anstieg der Marktkapitalisierung beim Russel 5000 von unter 10 auf 63 Billionen (vom Tief der großen Finanzkrise 2009 bis heute) hinterlässt natürlich gewaltige Spuren in den Depots der US-Investoren. Egal, ob zur Altersvorsorge oder bei der allgemeinen Vermögensbildung. Eine Korrektur des S&P 500, wie im Dezember 2018, nur diesmal ausgelöst durch einen Handelskrieg, hätte ungleich größere Auswirkungen auf die Vermögensstruktur der Amerikaner.

Das Medianvermögen bei der Kapitalanlage betrug vor Kurzem nicht weniger als 250.000 Dollar und damit träfe ein Einbruch der Aktienmärkte auch den Normalverdiener in den USA.

Wie diese Übersicht von Fidelity, einer der größten Vermögensverwalter in Amerika aufzeigt, gibt es bereits eine halbe Million Amerikaner, die auf ihren 401k oder IRA-Konten eine Million Dollar angesammelt haben:

Es sind nicht nur die Reichen in den USA, die bei einem 20 Prozent Einbruch unter Wasser gerieten. Denn es würde Abermillionen Amerikaner treffen, die beim Konsum auf die Bremse treten müssten. Dem Hauptfaktor für die US-Wirtschaft (70 Prozent) sowie den Bereich der Dienstleistungen, der ebenso für über zwei Drittel des US-BIP verantwortlich ist. Andererseits würde es relativ wenig bringen, wenn durch Donald Trumps Zölle der Unternehmenssektor von seinen derzeit 11 auf 12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zulegen könnte.

Aber auch ohne die Belastungen der Handelsbeziehungen befindet sich der US-Aktienmarkt in einer angespannten Lage. Wie schon im Vorartikel dargestellt, steht das Shiller KGV oder Cape Ratio (wo der aktuelle Aktienkurs durch den durchschnittlichen inflationsbereinigten Gewinn der letzten 10 Jahre dividiert wird) auf großen Höhen. Hier eine Darstellung von Charlie Bilello, die aufzeigt, in welcher Lage am Aktienmarkt Donald Trump seine Amtsgeschäfte übernimmt: Auf einem historischen Bewertungshöchststand.

Oder einfacher ausgedrückt: Vor acht Jahren stand der S&P 500 bei 2240 Punkten und die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe lag bei 2,45 Prozent.

All diese Gründe müssten dem neuen Präsidenten, der so gerne den Stand des Dow Jones mit seiner Wirtschaftspolitik verknüpft, zur Mäßigung aufrufen.

Es ist sicherlich noch viel zu früh, um auszuschließen, dass Donald Trump in den kommenden Monaten nicht rational auftreten wird, um die Wall Street nicht zu irritieren. Weil damit unmittelbar der Wohlstand der Amerikaner verknüpft ist.

Eines ist aber auch nicht zu ignorieren: Wiederholte Drohgebärden nutzen sich ab, wenn sie zu einem regelmäßigen Einknicken führen. Derzeit scheinen die Märkte zu glauben, dass Donald Trump Zolldrohungen benutzt, um Deals auszuhandeln.

Denn das Prinzip des „Mad Man“ geht zwar eine zeitlang, aber nicht unbegrenzt. Deshalb müsste Trump der Wirtschaftswelt möglichst bald zeigen, dass mit ihm überhaupt nicht gut „Kirschen-Essen“ ist. Ansonsten schleift sich diese Taktik ab. Was aber auch schon zu erkennen ist.

Die Länder bereiten sich auf Gegenmaßnahmen vor, zumal die USA auch die ausländischen Investoren benötigen (Anteil der US-Anleihen zu 33% ausländisch).

Hier als Beispiel die Reaktion der letzten kanadischen Vize-Premierministerin Freeland auf Donald Trumps Ansage von Zöllen zu 25 Prozent – zu denen es bisher nicht gekommen ist.

Fazit

So scheinbar souverän und allmächtig Donald Trump momentan auf der politischen Bühne auftritt, so gewaltig sind aber auch die Probleme, die vor den USA liegen. Nach einem Party am Aktienmarkt über mehr als einer Dekade, bei einer gleichzeitigen Verschuldung des Landes, wie es sie, relativ betrachtet, nur am Ende des Zweiten Weltkriegs gegeben hat. Man braucht kein Pessimist oder Schwarzmaler zu sein, um zu dieser Feststellung zu kommen: Die USA können sich bei ihrem Schuldenstand keine Dekade mit Kapitalmarktzinsen von 5 Prozent mehr leisten. So wie es früher möglich war.

Würde Donald Trump bei den Zöllen überziehen und die Inflation anfachen, könnten die Investoren sicherlich Zinsen auf diesem Niveau fordern. Dann träte das ein, was ich bereits mehrfach so formuliert habe: Der Anleihemarkt ist der natürliche Feind der Aktienmärkte.

Denn bei so auskömmlichen Zinsen würde zwangsläufig der 63 Billionen Dollar schwere US-Aktienmarkt in die Knie gehen. Damit würden aber Millionen Investoren, auch die Inhaber der 401k Sparpläne schwer zu leiden haben, mit Folgen für Konsum und US-Wirtschaft. All das weiß die US-Administration und wird Donald Trump stets mit Warnungen überhäufen.

Bei einem substanziellen Rückgang der Aktienmärkte wäre es spätestens bei den Midterm Elections vorbei mit der Allmacht des US-Präsidenten.

Aber Donald Trump wäre nicht Donald Trump, wenn ihm nicht stets neue Ideen in den Kopf kämen, nicht nur bei seiner Jahrzehnte alten Vorstellung von Zöllen statt Einkommensteuern, aber auch bei seinen Gedanken zur Expansion der USA in alle möglichen Himmelsrichtungen.

Was auf ein spannendes Jahr 2025 hindeutet, bei einem Aktienmarkt, dessen Bewertung keine großen Belastungen standhält, denn hier darf nichts schief gehen, wirtschaftspolitisch sowie von Seiten der Ergebnisse der Unternehmen.

It’s Economy stupid, heißt es oder – keiner reagiert gegen die Interessen der Wall Street.



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

2 Kommentare

  1. Vielleicht regiert der 47. US-Präsident Donald John Trump nicht gegen die Interessen der Wall Street, aber gegen die Interessen des Finanzplatzes London. Der kompetente AfD-Außenpolitiker Ex-MdB Armin-Paulus Hampel stellte einmal fest, daß der Finanzplatz London bedeutsamer als die Wall Street sei. Trump muß gegenüber Premierminister Keir Starmer als Deal-Maker agieren: Kauf von US-amerikanischem Erdöl als Alternative zu Nordseeöl gegen Zugeständnisse bei Zöllen.

  2. Hier gibt es einen Denkfehler: auch all 401k-Sparer in den USA können von einem Tag auf den anderen von Aktien in Anleihen wechseln. Und das tun sie auch ziemlich schnell, wenn es anfängt deutlich bergab zu gehen. Das hat sich z.B. 2008 gezeigt.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung


Meist gelesen 7 Tage

Die mobile Version verlassen
Place this code at the end of your tag:
Place this code at the end of your tag:
Capital.com CFD Handels App
Kostenfrei
Jetzt handeln Jetzt handeln

69,0% der Kleinanlegerkonten verlieren Geld.