Folgen Sie uns

Allgemein

Trumps Drohung gegen die EU: Warum er gar nicht daran interessiert sein kann, die Zölle abzuschaffen!

Warum wir Trump unbedingt beim Wort nehmen sollten!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Trumps Drohung

Am vergangenen Freitag sorgte ein Tweet von Donald Trump einmal mehr für Unruhe an den Märkten, vor allem beim Dax und seinen Auto-Aktien VW, BMW und Daimler (sowie Zuliferern wie Continental):

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Also 20% Zölle auf alle Autos aus der EU, so die Drohung, wenn die EU wiederum nicht die Zölle abschaffen würde. Sieht man sich die Fakten einmal genauer an, wäre es eine richtig gute Idee, Donald Trump beim Wort zu nehmen:

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Zunächst einmal werden 56% der in den USA verkauften Autos in den USA hergestellt (also Autos mit mindestens 50% der Bestandteile, die in den USA produziert werden), nur 4% dagegen sind direkte Importe aus Deutschland. Inzwischen ist die Zahl der in den USA hergstellten Fahrzeuge deutscher Marken höher als die aus Deutschland importierten. Insgesamt werden weniger als 7% der in den USA verkauften Autos aus Europa importiert, also ein sehr kleiner Anteil.

 

Zölle auf US-Fahrzeuge? In der Realität fast kein Thema!

Aber es kommt noch besser: nur ca. 15% der in Europa verkauften amerikanischen Autos werden dort überhaupt bezollt mit 10%! Der Grund dafür: bei den anderen 85% ist der Protentanteil von Komponenten hoch genug, die in Europa selbst hergestellt werden, weswegen keine Bezollung in Europa stattfindet!

Und es kommt noch besser: die USA erheben Zölle auf SUVs und light trucks aus Europa – sie werden in den USA mit 25% bezollt. Damit sind die Zölle für diese Fahrzeuge deutlich höher als die Zölle Europas gegen amerikanische Fahrzeuge. Nun muß man wissen, dass SUVs und light trucks (also Vans, Pickups etc.) inzwischen in den USA mit Abstand in höherer Zahl verkauft werden als andere Autos: light trucks knapp 1,1 Millionen, SUVs bzw. Mischformen zwischen SUVs und „normalen“ Autos 746.00, „normale“ Autos dagegen nur 555.000 (Stand März 2018). Insgesamt werden also fast dreimal mehr SUVs, light trucks oder Mischformen zwischen SUVs und „normalen“ Autos verkauft als „normale“ Autos selbst – mit klar ansteigender Tendenz bei SUVs und light trucks!

 

Protektionistisches Schlaraffenland USA

SUVs und light trucks sind also absolute Bestseller der amerikanischen Autoindustrie, von denen Firmen wie Ford und General Motors stark profitieren. Dieser Markt aber ist faktisch geschützt durch hohe Zölle auf ausländische Produkte (und das seit einem halben Jahrhundert!), und Amerikas Arbeiter und Autofirmen werden wohl kaum daran interessiert sein, dass diese Zölle fallen und dann Firmen wie BMW mit ihren SUVs oder light trucks die gleichen Voraussetzungen haben wie amerikanische Hersteller. In diesen immer wichtigeren Sektoren haben die USA ein protektionistisches Schlaraffenland geschaffen für amerikanische Hersteller!

Was also sollte die EU tun? Einfach Trump anbieten, dass alle Fahrzeug-Kategorien gleich oder vielleicht sogar gar nicht mehr bezollt werden – sprich Trump einfach einmal beim Wort nehmen. Und ihm damit einmal richtig auf den Zahn fühlen. Wetten, dass Trump aus den oben genannten Gründen gar kein Interesse daran hat, wirklich gleiche Voraussetzungen für alle zu schaffen?

 


Donald Trump. Foto: whitehouse.gov

14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    Patrick

    25. Juni 2018 12:05 at 12:05

    HM und warum werden Pickups in Deutschland auch mit 22% Zoll belastet? Außer Holland die sehen in einem Pickup einen PKW und schon kommt kein einziger Pickup mehr über Bremerhaven rein.

  2. Avatar

    Chris

    25. Juni 2018 15:10 at 15:10

    Wer erhält die europäischen Zölle?

  3. Avatar

    Marko

    25. Juni 2018 15:44 at 15:44

    Pickups werden von den USA seit Jahren mit hohen Zöllen belastet, weil Pickups eben das Geschäftsmodell der Amis sind ?

    Na in Wirklichkeit eigentlich nicht, weil wir in der „normalen Welt“ keine spritsaufenden SUV/Pickups brauchen ? Die Dinger liegen locker über 15 – 25 l/km…

    Zuerst einmal sollte man (ob Donald Trump oder nicht) eines vorstellen, Autos, werden über eine sogenannte Lieferkette hergestellt. Auf Englisch (extra für Herrn Trump) : eine Supply-Chain !

    eine Lieferkette bedeutet, dass ich als Hersteller XYZ auf meine Zuliferer angewiesen bin, und man kann schon sagen , da wird es mit dem „America-first“ ziemlich düster… :D

    Das heißt, das da, was ich da sehe ist garantiert (!!!) nicht ein ein „America-first“ Chrsyler, GM usw ?

    wer das denkt, der lebt in den 1910 – Jahren zu Zeiten des sogenannten Ford T – Modells…

  4. Avatar

    Marko

    25. Juni 2018 16:08 at 16:08

    Und gerade das da, irgendein Blödsinn von Herrn Trump „er möchte keine MB,BMW,Audis“ usw in New York sehen, bzw, aus seiner Sicht gibt es dort viel zu viele deutsche Autos ?
    Das trifft es vollkommenset ! Die Leute, die richtig Geld haben, interessiert es NULL,NULL ob so ein Audi, MB, BMW 20-25 % mehr kostet, das ist eben der falsche Ansatzpunkt.

    Ein Herr Trump lebt in der Vergangenheit, den amerikanischen „Rostgürtel“ entsorgen, GM, FORD zur „Weltmacht“ machen, durch irgendwelche Zölle oder durch Zinserhöhungen beim Stahlverkäufen ? Da lachen ja schon langsam die Hühner ? :D
    Ja , gehts noch ? Was haben sich die Amis da eigentlich „eingebrockt“ ? Was man zum Herrn Trump sagen kann : er ist garantiert anders !!!

    aber : eins stimmt : er versucht seine Wahlsprechen einzuhalten, das ist bei den „richtigen“ Politkern eher nicht der Fall… Das muss man ihm lassen…

  5. Avatar

    Marko

    25. Juni 2018 16:38 at 16:38

    Und eines sollte doch klar sein, ein Herr Donald Trump bricht ganz klar die WTO-Regeln, bzw die USA.

    Eigentlich …

  6. Avatar

    bademeister

    25. Juni 2018 16:46 at 16:46

    Warum bekommt man bei VW Manhattan einen nagelneuen VW Passat 2018, für europäische Verhältnisse gut ausgestattet, für unter EUR 20.000,- (abzüglich „Discount“)???

    https://www.vwmanhattan.com/new-Manhattan-2018-Volkswagen-Passat-R+Line+Auto-1VWAA7A37JC008287

    Was ein gleichwertiges Fahrzeug in Deutschland oder gar Österreich kostet, kann sich jeder den das interessiert, selber ausrechnen…aber pimaldaumen bekommt der amerikanische Passat-Fahrer fürs selbe Geld wie in D oder AUT zwei mal das Beispielfahrzeug….

    Wie kann das Fahrzeug, ohne dass VW offenbar Verluste macht, in den USA so günstig verkauft werden….und warum ist gerade im Herstellerland der Preis dafür fast doppelt so hoch?

    • Avatar

      Petkov

      25. Juni 2018 18:37 at 18:37

      Das Auto, das Sie gesehen haben, wird in den USA produziert (in Tennessee): niedrige Lohnnebenkosten, schwache Gewerkschaft, reformierte Unternehmenssteuern etc. Sie merken schon, wer bzw. was die Autos teuer macht.

      • Avatar

        leftutti

        25. Juni 2018 21:44 at 21:44

        Lieber Petkov, gleich einmal vorab: Ich möchte Ihr allumfassendes wirtschaftliches und politisches Wissen, Ihre soziale Kompetenz und Ihre ganzheitliche Lebenserfahrung nicht im Geringsten in Frage stellen.
        Ich lese aber heraus, dass Sie die Dinge wie so oft etwas vereinfachen und die Schuld auf Merkel, Grüne, SPD, Gewerkschaften und Linke abwälzen, ohne den eigentlichen Verbrechern aus Wirtschaft und Lobby auch nur ein Haar zu krümmen.

        Denn rein rechnerisch komme ich etwas ins Grübeln ob Ihrer angeführten Gründe bezüglich tariflicher Lohnkosten (der Hinweis auf Gewerkschaften), Lohnnebenkosten und Unternehmenssteuern.

        Beginnen wir mit letzteren: Hat sich nicht unter anderen VW äußerst kreativ beim Thema Steuersparmodelle präsentiert? Eigene „Flugzeugflotten“ auf den Cayman Islands, ähnliche Strategien wie Apple in den gängigen Steueroasen? Die Unternehmenssteuern dürften hier nicht so sehr zu Buche schlagen.

        Thema Löhne und Lohnnebenkosten: VW gibt offiziell eine Wert von 35 Arbeitsstunden pro Passat an. Das Werk Emden hat insgesamt9600 Beschäftigte und pustet täglich 1250 Autos aus der Produktion. Das wären also sogar nur knapp 8 h pro Auto am Tag.
        Mögen die restlichen 27 h für Management, Verwaltung, Vorbereitung, Entwicklung, Forschung, Planung, Zulieferer kalkuliert sein, egal.

        Ein Passat verschlingt also maximal 35 Arbeitsstunden. Bei einem Tariflohn von großzügig gerechneten 50,- € inkl. Nebenkosten macht das 1750,- €
        Beim amerikanischen Mindestlohn von etwa 6 € fallen nur etwa 210,- € an, ein gewaltiger Unterschied. Prozentual betrachtet…

        Aber 20.000,- € Unterschied kann nichts rechtfertigen, außer einem: Endlose Profitgier und die Tatsache, dass die Konzerne es einfach können.

        Merken Sie jetzt, wer die Autos teuer macht?

        • Avatar

          Petkov

          26. Juni 2018 00:37 at 00:37

          Ich merke nur, dass Ihr merkwürdiges Kostenmodell genauso tragfähig und sinnvoll wie das Bohren von Löchern im Wasser ist. Nicht Sie als Löcher bohrender Geologe sind in der Lage, die Preisbildung bei Autos sozialistisch-„gerecht“ zu gestalten. Sondern im Zweifel der Markt.

          Nur die Controller eines Konzerns kennen die genauen Preiskomponenten und ich glaube nicht, dass sie primär von ungebändiger Gier angertrieben sind. Das würde nur in einem Monopol funktionieren und das ist bei der Autoindustrie so gut wie nirgendwo der Fall. Nicht mal Tesla ist ein Monopolist, obwohl offenbar nur die die Lizenz zur grenzenlosen Geldverbrennung haben.

          Ich wollte dem Bademeister nur sagen, dass der VW im Showroom von Manhattan kein europäisches KFZ ist und eine andere Preisstruktur aufweist. Ob die 20K Unterschied gerechtfertigt sind, kann keiner von uns nachrechnen. Aber eins ist sicher: wenn die Kalkulation zu „gierig“ ist, kämen Daimler, Infinity, BMW, Lexus etc. auf die Idee, dem sehr geehrten Konsumenten ein Angebot zu unterbreiten, das den Passat noch hässlicher aussehen lässt :-) Also so viel Spielraum ist da gar nicht vorhanden.

          So, und jetzt gönnen Sie sich einen Drink, auch wenn’s in Finnland schweineteuer ist und genießen Sie den kühlen Sommerabend. Sie brauchen offensichtlich etwas Entspannung, damit Sie endlich aufhören, diese sozialistischen Luftlöcher zu bohren.

          Wie böse der Scheißkapitalismus ist, mussten sich meine Eltern lang genug anhören. Ich bin da zum Glück immun.

          Grüße an Sie, die Finnen und insbesondere die Finninnen und schön locker bleiben.

          • Avatar

            leftutti

            26. Juni 2018 21:20 at 21:20

            Und ich wollte eigentlich nur sagen, dass bei 35 Arbeitsstunden pro Passat die Lohn- und Lohnnebenkosten, die Gewerkschaften und die Unternehmenssteuern nicht wirklich den Ausschlag geben können.

            Warum Sie immer gleich so sarkastisch und persönlich werden müssen, weiß ich nicht, es scheint ein individuelles und egozentrisches Selbstdarstellungsproblem zu sein, welches ein Profiler wie Sie unbedingt in die persönliche Selbsteinschätzung aufnehmen sollte.

            Für mein Profil: Ich bin kein Geologe…

            Und letztendlich: Ein Mittelweg zwischen Sozialismus und Kapitalismus könnte doch nicht schaden. Ich für meinen Teil verteufele weder das eine, noch das andere im Schwarz-Weiß-Modus, sondern strebe eher an, aus beiden Richtungen das Beste herauszuholen.

  7. Avatar

    leftutti

    25. Juni 2018 22:47 at 22:47

    @Markus Fugmann, kann es sein, dass Kommentare, die ich aus Finnland schreibe, von Ihrem System automatisch blockiert werden? Dass also gewisse IP-Adressen gar nicht bei Ihnen landen? Ich frage deshalb, weil zwei meiner Kommentare, einer am Freitag, einer heute, anscheinend im digitalen Nirwana gelandet sind. Als ich vor kurzem wieder kurze Zeit in DE war, wurde alles postwendend veröffentlicht.
    Wenn dem so ist, kein Problem, nur müsste ich das wissen. Dann spare ich mir entweder die Mühe von stundenlangen Recherchen bzw. wähle einen anderen Server während der kurzen Zeit an, die wir hier per Satellit online sein dürfen.
    Dieser Post sollte über Norwegen laufen, Sie müssen diesen auch nicht veröffentlichen. Lieber die beiden Kommentare zu Fachthemen vom Freitag und von heute.

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      25. Juni 2018 23:07 at 23:07

      @Leftutti, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, dass da was blockiert wird! Aber ich checke das nochmal bei der Technik..
      Liebe Grüsse nach Finnland!

      • Avatar

        leftutti

        25. Juni 2018 23:51 at 23:51

        @Markus, lieben Dank, Nord-Norwegen scheint zur aktuellen Stunde zu funktionieren. Die Grüße müssen eigentlich weit nördlich von Finnland gerichtet werden, wobei hier oben Himmelsrichtungen sehr relativ werden ;) Wie auch die Tageszeiten, es ist derzeit andauernd helllichter Tag, was genauso nervt wie die ewige Finsternis in/vor 6 Monaten.
        Letztere dürfte Ihnen im übertragenen Sinne auch aus Ihrem Fachgebiet bekannt sein ;)

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und unsere Zukunft!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

„Wir gehen in die zweite ganz große industrielle Revolution hinein!“, sagt der Philosoph Richard David Precht. Damit stehen wir vor einscheidenden Veränderungen nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft. Die erste industrielle Revolution beendete die Herrschaft des Adels und der Kirche – die derzeit ablaufende zweite Revolution durch künstliche Intelligenz verändert vor allem die Arbeitswelt und damit die Produktionsverhältnisse grundlegend. Nun versuchen uns Ökonomen stets zu versichern: kein Problem, es fallen zwar viele Jobs weg, aber es würden eben auch viele neuartige Jobs geschaffen werden. Das ist eine schöne Perspektive, sie hat aber leider einen kleinen Makel: sie stimmt nicht, sagt Richard David Precht zur sogenannten „Kompensations-Theorie“.

Die Menscheit jedenfalls ist durch diesen Wandel überfordert, der Boden, auf dem wir stehen, wackelt erheblich – und so entsteht zunächst einmal die Sehnsucht danach, die gute alte Welt mit ihren Werten wiederzubeleben. Ausdruck dieses Versuchs sind etwa Trumpin den USA oder die AfD in Deutschland. Aber einer der einschneidenden Änderungen im politischen Bereich wird sein, dass die Parteien, die mit der ersten industriellen Revolution entstanden und aufgestiegen waren, unter gehen werden.

Richard David Precht über schwache KI und starke KI

Richard David Precht unterscheidet zwischen schwacher und starker künstlicher Intelligenz – und führt Beispiele an, worin sich diese beiden unterscheiden. Was bedeutet das aber für uns praktisch? Wird vor allem durch „starke“ KI, also einer KI, die tiefgehende Lernprozesse leisten kann, etwa der Niedriglohn-Sektor wegfallen? Eher nicht – denn je mehr Menschen in bestimmten Bereichen verdienen, umso interessanter wird der Einsatz einer starken KI zur Kosten-Ersparnis, während sich der Einsatz im Niedriglohnsektor gar nicht lohnen würde.

Was bleibt, was wird untergehen – und welche Bereiche werden sich durchsetzen? Es werde derjenige technische Fortschritt kommen, der gesellschaftlich akzeptiert wird, dazu ein Bedürfnis befriedigt und sich gleichzeitig zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell machen läßt, sagt Richard David Precht. Folgender Vortrag des Philosophen ist ein „must see“!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Der Philosoph Richard David Precht über Künstliche Intelligenz

Richard David Precht

Von Foto: © JCS‘, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62733272

weiterlesen

Allgemein

Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

weiterlesen

Allgemein

Markus Krall und Marc Friedrich: Crash 2021, Gelddrucken ersetzt Denken

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Krall spricht über die Hyperinflation, in der Geld entwertet wird

Markus Krall und Marc Friedrich unterhalten sich im folgenden Gespräch über die aktuelle Krise, den möglicherweise anstehenden großen Crash, und die Zeit danach. Einig sind sich die beiden, dass es 2021 los gehen wird mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Markus Krall formuliert es recht klar, dass die Wirtschaftskrise längst da sei. Sie sei nur noch nicht bilanziert worden. Durch Maßnahmen wie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sei die Krise bei Unternehmen und in Bankbilanzen nur noch nicht richtig transparent sichtbar.

Markus Krall und Marc Friedrich sehen die Hyperinflation

Markus Krall kann man aufgrund seiner zahlreichen Tweets über die Corona-Maßnahmen der Politik kritisch betrachten. Das sollte Kommentatoren und geneigte Beobachter aber nicht davon abhalten, seinen höchst interessanten Aussagen zur wirtschaftlichen Gesamtsituation zuzuhören, die er seit Monaten öffentlich präsentiert. Denn er ist absoluter Bankeninsider, und hat die letzten Jahre eine große Bankenkrise vorhergesagt. Zusammen mit Marc Friedrich bespricht er im folgenden Video Punkt für Punkt wichtiger Themen rund um die aktuelle Krise und zukünftige Entwicklungen.

Wichtig ist, was die nächsten Quartale passieren wird. Einig sind sich Marc Friedrich und Markus Krall, dass wir derzeit in einer deflationären Phase sind, auf die zwingend eine kräftige Inflation folgen soll. Nur wie schnell die Preise in eine Hyperinflation umschlagen, das könne man nicht genau vorhersehen. Entscheidend hierbei ist unter anderem, wann die Geldumlaufgeschwindigkeit anspringen müsste. Sehen Sie beim Klick an dieser Stelle genau zu diesem Punkt interessante Ausführungen von Hans-Werner Sinn.

Die EZB als großes Problem

Ein wichtiger Punkt im Gespräch zwischen Markus Krall und Marc Friedrich ist auch die zentral wichtige Rolle der EZB. Sie arbeite derzeit am digitalen Euro. Die EZB wisse, dass eine Hyperinflation (hier die Begriffserklärung) drohe. Sie wisse auch, dass die Leute aus dem Geld fliehen würden, wenn sie das Vertrauen darin verlieren. Mit einem digitalen Euro hätte die EZB Kontrolle über das gesamte Konsumverhalten der Menschen, und könnte zum Beispiel bestimmen, wie viel Geld die Bürger maximal in einem bestimmten Zeitraum ausgeben dürfen. Die Rolle der EZB insgesamt sehen die beiden grundsätzlich mehr als kritisch.

Der große Knall

Markus Krall macht wenig bis gar keine Hoffnung auf eine Rettung unseres jetzigen bestehenden Geldsystems. Der große Crash werde kommen. Je länger EZB und Politik die Probleme hinauszögern würden, desto schlimmer werde der unausweichliche große Knall sein. Immer mehr gesunde Firmen würden sich derzeit anstecken, weil sie als Lieferant zum Beispiel unwissentlich Forderungen gegenüber Zombieunternehmen aufbauen würden, die Forderungen nicht begleichen können. Auch wenn man die Aussicht der beiden auf eine Hyperinflation und einen großen Systemkollaps nicht zwingend teilen muss, so sind ihre Ausführungen und die Zustandsbeschreibungen der aktuellen Lage doch hochinteressant!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage