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Trumps viertaktige Verhandlungsstrategie – wird er von der Wall Street noch ernst genommen?

Über das Verhandlungsschema des US-Präsidenten – und die Reaktion der Wall Street

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am

Warum steigen die Kurse an der Wall Street? Die Weltwirtschaft trübt sich erkennbar ein, der US-Präsident eskaliert weiter mit China und behält sich Zölle für die EU vor. Alles Dinge, die zu einer Rezession führen können, aber warum schert es die Anleger an der Wall Street nicht?

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Das Verhandlungsschema des US-Präsidenten

Donald Trumps Wahlkampfmotto war „Make America great again“. In seiner Wirtschaftspolitik bedeutet dies Abbau des Handelsbilanzdefizits (die 800 Billionen Dollar im amerikanischen Sprachgebrauch, von denen er immer spricht) und die Reindustrialisierung der USA. Dazu geht er in der für ihn typischen Weise vor:

  • Forderungen an den Handelspartner (Gegner) stellen
  • Drohungen formulieren, mit Zöllen oder Sanktionen
  • Verhandlungen führen und dabei eskalieren
  • Einen Deal machen, der deutlich von den ursprünglichen Forderungen abweicht, ihn verschieben oder sogar noch einen „drauflegen.

Dies war sein Vorgehen im Streit mit Kanada, mit Südkorea, mit Japan, jüngst mit Mexiko, mit der EU (Verschiebung um ein halbes Jahr) und gerade mit China. Bei aller Emotionalität sucht der Präsident den „Deal“, wenn er einen kleinen Vorteil für die USA sieht, das Abkommen aber als Meilenstein titulieren kann.

 

Ein China-Deal ist weitaus komplizierter

Nicht nur dass es im Handelsstreit mit China um etwas weit Größeres als nur um den Abbau des Handelsbilanzdefizits geht, sondern um den Kampf um die technologische, wirtschaftliche und militärische Vorherrschaft, ist das Reich der Mitte ein deutlich härterer Gegner als alle anderen. Die Situation ist durch den Huawei-Bann und die schwarze Liste so eskaliert, dass eine rasche Lösung durch einen großen Auftritt beim G20-Gipfel kaum mehr möglich ist.

 

Gibt es Zwänge für eine Einigung?

Ich denke es gibt zwei Stellgrößen, die beide Kontrahenten an den Verhandlungstisch zwingen könnten. Die Möglichkeit einer Rezession und die US-Wahlen 2020.

 

Das Rezessionsszenario

Weder die USA noch China können sich einen starken Einbruch ihrer Wirtschaft leisten. Sollte China das offizielle Wachstum trotz fiskalischer Stimuli bei sechs Prozent nicht halten können, gibt es trotz der Leidensfähigkeit des Landes Riesenprobleme. Aufgrund der gigantischen Verschuldung droht ein Kollaps von Unternehmen, Verbrauchern und Banken, der nicht mehr so einfach mit Gelddrucken beseitigt werden kann.

Auch gerät das Projekt Seidenstraße (Plan 2025) in Gefahr, für das weltweit viele Kredite vergeben wurden. Außerdem droht ein gewaltiger Anstieg der Arbeitslosigkeit, gerade bei den Wanderarbeitern, ohne soziale Abfederung.

Für die USA liegt die Bedrohung im Konsum und bei der Wall Street. Bei Implementierung der kompletten Zölle (325 Mrd. $ zu 25%) würde es einen Einbruch in der 70-Prozent-Konsumökonomie geben und damit auch einen Absturz an den Aktienmärkten. Bei einer Gesamtmarktkapitalisierung von mindestens 35 Billionen US-Dollar bedeutet eine zu starke Eskalation für Trump ein Spiel mit dem Feuer. Gigantische Wohlstandsverluste für die Masse der Amerikaner, denen Trump im Wahlkampf versprochen hat „an der Kursentwicklung des Dow Jones sollt ihr mich messen“. Das ist die Achillesferse der Amerikaner und deshalb hält China auch so dagegen, um ein Abgleiten der Wall Street zu provozieren.

 

Die Wahlen 2020

Die Priorität für das Trumpˋsche Handeln ist seine Wiederwahl im nächsten Herbst, dafür würde er manche Kröte schlucken. Dafür braucht er eine starke Wirtschaft und hohe Aktienkurse. Deshalb ist das Eskalationspotenzial des Präsidenten auf absehbare Zeit begrenzt.

 

Die derzeitige Lage an den Märkten

Die großen Investoren glauben anscheinend nicht an die volle Eskalation im Handelsstreit und an die Unterstützung der US-Notenbank. Ansonsten würden die Kurse an der Wall Street nicht zwei Prozent unter All-Time-High stehen. Und da wird die Lage kniffelig. Solange die Aktienmärkte so hoch stehen, fühlt sich der US-Präsident in seiner Politik bestätigt, aus dem Gefühl der absoluten Stärke und er wird weiter eskalieren.

Deshalb ist für mich von entscheidender Bedeutung die Frage, ob Trump zu Monatsende die volle Zollkeule gegenüber China schwingen wird. Wenn dem so ist, werden die Aktienmärkte reagieren müssen, auch die Zinssenkungshoffnungen sollten dann verpuffen. Dann gilt es einen Rattenschwanz an Folgewirkungen einzupreisen. Die deutliche Schwächung Chinas mit der Auswirkung auf Emerging Markets und Exportländer (Deutschland, Südkorea) und den USA selbst. Über die Auswirkungen auf den US-Konsum und weitere chinesische Gegenmaßnahmen (Seltene Erden, Boykott von Fertigungen von US-Produkten u.w.) wurde schon viel geschrieben.

So einfach wird das nicht Ende Juni für den US-Präsidenten. Einfach Xi Jinping drohen und bei „Nichtbefolgen von US-Forderungen“ dann den Handelsstreit weiter eskalieren.

Das könnte der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt, im elften Jahr des globalen Wirtschaftsaufschwung

2 Kommentare

2 Comments

  1. Warnsignal

    13. Juni 2019 12:22 at 12:22

    Danke Herr Müller für diese Kurzanalyse. Solche Artikel sind der Grund dafür warum finanzmarktwelt für mich die erste Wahl bei der Recherche ist. Der Sommer wird spannend und nicht nur die Spieltheoretiker werden unterhaltungstechnisch auf ihre Kosten kommen.

  2. Kritisch

    13. Juni 2019 13:18 at 13:18

    Hallo, sehr geschätzter Hr. Müller!
    Ich möchte mich auch für ihre Kommentare und Einschätzungen, auch wenn ich diese nicht immer teilen kann, bedanken.
    „Mr. President“ ist ja für mich ein „rotes Tuch“, wie ich schon vielmals zum Ausdruck bringen musste. Wenn ich das Vorgehen von Hr. TRUMP gegenüber seiner Partner oder sollte ich sagen Gegner so ansehe kommen für mich eine ganze Fülle an strafrechtlich relevanten Handlungen zum Vorschein, welche im normalen Geschäfts-u. Privatleben schon lange zu Anklagen geführt hätten – Erpressung, Nötigung, etc. Alles das ist in der Welt von Hr. TRUMP wohl völlig normal und offensichtlich auch kein Strafrechtsbestand, da es dazu international wohl keine Rechtsbasis gibt, was ich sehr bedauere.
    Ich hoffe nur, dass die Chinesen nicht einknicken und sich zwischen Europäern und Asiaten eine Wirtschaftsallianz bildet die sich dem Diktat des „Diktators-Trump“ nicht unterwirft und ihren eigenen Weg einer Zusammenarbeit ausbauen und stärken.
    LG

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Anleihen

Marktüberblick zum Wochenende: Glaubt die Börse dem US-Militär nicht?

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am

Das aktuell beherrschende Thema an der Börse ist der Angriff auf zwei Öltanker im Golf von Oman. Wer war es, was ist da passiert? Die USA haben ziemlich schnell ein Video hervorgezaubert, auf dem angeblich zu sehen sei, wie iranische Soldaten auf einem Schnellboot eine Haftmine von einem Öltanker entfernen, weil sie nicht explodiert war. Aber den späteren erfolgreichen Angriff auf den Öltanker zeigt das Video nicht. Ob es der Iran war? Vielleicht ja, vielleicht nein. Oder vielleicht auch iranische Kommandeure, die auf eigene Faust handeln?

Wie auch immer. Wenn man sich heute die Marktreaktionen anschaut, dann darf die Frage erlaubt sein: Glaub die Börse dem US-Militär nicht? Glaubt man an ein Fake-Video? Oder ist den meisten einfach klar, dass dieses Video ja nun mal keinerlei Angriff auf den Öltanker zeigt, und dass es von daher keinen Beweis für einen Angriff durch den Iran gibt? Wir halten uns bei einer konkreten Bewertung raus, und können nur Fragen stellen. Das Problem für die USA ist wohl, dass ihre Seriosität in Sachen Beweislieferung seit den Fake-Beweisen für den Irak-Krieg im Jahr 2003 im Eimer ist.

Der Aktienmarkt jedenfalls reagierte von gestern bis heute überhaupt nicht ängstlich auf diese mögliche Krise. Der Dow ist seit gestern früh bis jetzt um 70 Punkte gestiegen, der Dax notiert exakt +-0 seit Bekanntwerden der „Tanker-Krise“. Im folgenden Chart haben wir Dax und Dow übereinander gelegt und das Bekanntwerden der Angriffe eingekreist.

Dax und Dow

Und der Devisenmarkt? Im folgenden Chart schauen wir mal auf Euro vs USD. Links eingekreist haben wir eine winzige, ganz kurze Reaktion zum Tanker-Angriff. Sie ist aber eigentlich nicht mal erwähnenswert. Denn danach lief EURUSD mehr als 24 Stunden fast seitwärts. Erst heute (Pfeile) kam durch die Konjunkturdaten in den USA ein klein wenig Bewegung in den Markt, und der Dollar wertete gegen den Euro ein wenig auf.

Euro vs USD

Und sonst? Die Zeichen für eine Konjunktureintrübung mehren sich. Russland hat heute seinen Leitzins gesenkt, und will wohl bald weiter senken. Der Grund: Die Wirtschaft laufe schwächer als bislang gedacht. Die Internationale Energie-Agentur spricht heute von nachlassender Öl-Nachfrage. Dass die Institutionellen Anleger auch eine weitere Verschlechterung der Konjunktur erwarten, sehen wir am Ehesten im Anleihemarkt. Die extrem wichtige und auch international stark beachtete deutsche Bundesanleihe (10 Jahre Laufzeit) weist heute eine weiter fallende Rendite auf. Sie fiel heute im Tief auf -0,269%. Einfach unglaublich. Zum Jahresanfang 2019 lag die Rendite noch mit 0,25% im Plus.

Rendite 10 Jahre Bund

Gold

Wohl die Kombination aus dem Konjunkturabschwung, Handelskrieg und den Tanker-Angriffen lässt Gold spürbar steigen. Viele Analysten sind der Meinung, dass mehr Potenzial auf der Aufwärtsseite vorhanden ist. Wie wir es heute früh schon sagten. Nach dem Überschreiten des Hochpunkts bei 1.346 Dollar aus Februar ist der Weg charttechnisch nach oben erstmal frei. Heute stieg Gold bis auf 1.358 Dollar. Bis jetzt kam es wieder zurück auf 1.348 Dollar. Also: Die Flucht in die Sicherheit ist im Gold erkennbar, aber aktuell hat die Angst auch wieder abgenommen. Aber Handelskrieg, Tanker und Co bieten wohl auch nächste Woche die Möglichkeit für einen steigenden Goldpreis.


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Gold

Öl

Und das liebe Öl? Wenigstens hier hat man den USA geglaubt, und jagt den Ölpreis gnadenlos nach oben, weil ein Krieg zwischen Saudis und USA gegen den Iran bevor steht? Offensichtlich glauben auch die Termintrader am Ölmarkt nicht so richtig an die große Kriegsangst für die Region. Zwar reagierte der Ölpreis gestern mit gut 2 Dollar nach oben. Im Chart haben wir den Anstieg eingezeichnet. Aber danach folgte bis jetzt erstmal eine Seitwärtsphase. Wie es weiter geht? Ganz schwer zu sagen. Natürlich kann die Lage weiter eskalieren, und Öl schießt weiter nach oben. Aber die Erfahrung der letzten Jahrzehnte zeigt eine kurze Halbwertzeit für solche Zwischenfälle. Möglich ist, dass sich der Ölmarkt in den nächsten Tagen wieder der globalen Konjunkturschwäche und der damit einhergehenden Nachfrageschwäche widmet. Das würde natürlich auf einen fallenden Ölpreis deuten.

Öl

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Gold/Silber

Rüdiger Born: Gold, Dax und Öl im Fokus

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am

Gold ist am höchsten Punkt des Jahres angekommen. Auch die aktuelle Lage im Dax möchte ich ansprechen. Öl ist heute der „Trade des Tages“. Haben Sie ihn noch nicht abonniert? Der Service ist völlig kostenfrei. Sie können ihn einfach beim Klick an dieser Stelle abonnieren, und können täglich eine Tradingidee im Detail lesen.

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Indizes

Was macht die EZB, wenn die Fed die Zinsen senkt?

Mario Draghi ist jetzt schon ein Rekord sicher: Er ist der erste EZB-Chef, der in seiner achtjährigen Amtszeit keine einzige Zinsanhebung vorgenommen hat

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An der Wall Street wird heftig darüber spekuliert, wann die Federal Reserve die Leitzinsen senken könnte, vielleicht bereits schon im Juni oder Juli? Für die Fed-Sitzung in der nächsten Woche besteht aber nur eine geringe Wahrscheinlichkeit (23 Prozent). Eine erste Leitzinssenkung seit 2008. Aber was macht dann der Kurs des US-Dollars und damit auch der des Euro?

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Ein Dilemma für die Eurozone

Derzeit läuft die Konjunktur in Europa schlechter als die in den USA. Die US-Notenbank hat im Falle eines Konjunktureinbruches nach vorherigen neun Zinsanhebungen Spielraum nach unten, aber was macht die Europäische Zentralbank? Ein möglicherweise steigender Eurokurs in einem Wirtschaftsraum, der sehr viel exportiert, mit einem taumelnden Italien.

 

Was tun EZB?

Weitere Senkungen des Leitzins (0%) oder des Einlagezinssatzes (-0,4%) mit fraglichen Auswirkungen auf Konjunktur und Inflation? Aber haben wir überhaupt einen Mangel an Liquidität?

Betrachtet man die Option Anleihekaufprogramm, so wird ein weiteres Problem deutlich. Deutschland fällt als Markt fast aus, wegen des Mangels an neuen Anleihen, des Verteilungsschlüssels (26,4% für Deutschland) und der Kriterien für das Kaufprogramm. Die EZB darf nur Anleihen kaufen, deren Zinssatz oberhalb des Einlagesatzes für Banken (-0,4%) liegt. Damit entfallen in Deutschland alle Anleihen bis zu acht Jahren Laufzeit. Außerdem darf die EZB nur maximal ein Drittel einer Anleihe kaufen. Also was tun? Die Regeln ändern, oder vielleicht sogar Aktien erwerben? Das würde ein Kampf um die Pötte in einem Euro-Wirtschaftsraum mit 19 Ländern und 19 Aktienmärkten.

Die Frage für mich ist, wie Mario Draghi letzte Woche behaupten konnte, die EZB habe noch großen geldpolitischen Spielraum, um auf Turbulenzen reagieren zu können?

 

Fazit

Mario Draghi ist jetzt schon ein Rekord sicher. Er ist der erste EZB-Chef, der in seiner achtjährigen Amtszeit keine einzige Zinsanhebung vorgenommen hat. Schlimmer noch, obwohl die Zinsen auf Null gesenkt wurden, könnte er bei einer Zinssenkung der US-Notenbank zu weiteren unkonventionellen Maßnahmen gezwungen sein, vielleicht sogar kurz vor dem Ende seiner Amtszeit.

Für mich sitzt die EZB total in der Klemme. Mario Draghi hat kürzlich erst wieder festgestellt, dass auch sein Nachfolger alles tun werde, um die Eurozone zusammen zu halten, sprich ein Ausscheiden Italiens zu verhindern. Dafür müssen die Zinsen niedrig bleiben, auch wenn es den europäischen Banken zusehends „ans Leder geht“ (Szenario von Dr. Krall 2020). Wenn aber das Bankensystem kollabiert, fliegt auch die Eurozone auseinander.

Ergo: Damit müsste die EZB eigentlich den Banken unter die Arme greifen (gestaffelte Einlagezinsen), Zinssenkungen wären für diese aber gerade die falsche Medizin. Was für eine Gemengelage!

 

Foto: EZB

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