Die USA stehen erneut im Zentrum eines globalen Handelsbebens: Donald Trump setzte kurz vor Fristende mit einer neuen Welle drastischer Zölle seine aggressive Wirtschaftspolitik fort und bringt damit zahlreiche Länder gegen sich auf. Mit einem globalen Mindesttarif von 10 % und deutlich höheren Sätzen für Staaten mit Handelsüberschüssen gegenüber den USA entfacht der US-Präsident einen neuen Zollstreit, der nicht nur politische Spannungen verschärft, sondern auch die globalen Märkte belastet.
Trump verkündet neue Zölle
Laut einem Bericht von Bloomberg hat US-Präsident Donald Trump eine neue Runde umfassender globaler Zölle angekündigt, die einen weltweiten Mindesttarif von 10 % sowie deutlich höhere Sätze für Länder mit Handelsüberschüssen gegenüber den USA beinhalten. Damit setzt Trump seine aggressive Zollpolitik fort, den internationalen Handel nach seinen Vorstellungen neu zu ordnen – und nimmt dabei erneute Spannungen mit zahlreichen Partnern in Kauf.
Die neuen Maßnahmen sehen vor, dass die durchschnittliche Zollbelastung auf US-Importe auf 15,2 % ansteigen wird – ein erheblicher Sprung im Vergleich zu den 13,3 % vor der Einführung der jüngsten Zölle und ein drastischer Anstieg gegenüber dem Niveau von nur 2,3 % im Jahr 2024, bevor Trump wieder ins Amt kam. Während für viele Handelspartner die Tarife im Vergleich zur Einführung im April unverändert bleiben, droht insbesondere Kanada eine Verschärfung: Auf kanadische Waren erhebt Washington künftig einen Zollsatz von 35 % – ein Schritt, der das ohnehin belastete Verhältnis weiter strapazieren dürfte.

Die meisten Zölle treten nach Mitternacht am 7. August in Kraft, um dem Zoll- und Grenzschutz der USA Zeit zu geben, die notwendigen Anpassungen umzusetzen. Trump unterzeichnete das Dekret nur Stunden vor der ursprünglich gesetzten Frist vom 1. August.
Höhere Zölle als vor dem Liberation Day
Große Industrienationen wie die Europäische Union, Japan und Südkorea akzeptierten Zölle von 15 % auf ihre Exporte in die USA. Andere Länder wie Mexiko, Kanada und insbesondere China sind von noch höheren Zöllen betroffen. Besonders auffällig ist die neue Belastung für die Schweiz, deren Produkte künftig mit 39 % verzollt werden – eine der wenigen Nationen mit einem steigenden Satz. Der kanadische Dollar reagierte überraschend stabil, während die asiatischen Aktienmärkte unter Druck gerieten: Der MSCI Asia Pacific Index fiel um 0,65 %, angeführt von Verlusten in Südkorea und Taiwan.
„Die Realität ist, dass wir immer noch höhere Zölle sehen als vor dem Liberation Day, und wir werden einige wirtschaftliche Auswirkungen davon in den kommenden Monaten spüren“, erklärte Shane Oliver, Chief Investment Officer bei AMP Ltd. in Sydney. Er verwies auf anhaltende Unsicherheiten insbesondere im Verhältnis zu China. Auch Mexiko habe nochmals 90 Tage Aufschub erhalten, während Details zu sektorspezifischen Zöllen noch ausstehen.
Mit der Ankündigung geht eine monatelange Phase des Wartens und Spekulierens zu Ende. Trump hatte bereits im April angekündigt, sogenannte reziproke Zölle einzuführen, diese jedoch mehrfach verschoben – zunächst, um Märkte zu beruhigen, später, um Verhandlungsspielraum mit anderen Regierungen zu ermöglichen. Anders als im Frühjahr verzichtete Trump dieses Mal auf öffentliche Inszenierung: Die Anordnung wurde hinter verschlossenen Türen unterzeichnet, ohne Pressekonferenz oder medienwirksame Requisiten. Hintergrund dürfte die zunehmende Kritik an Trumps überzogenen Versprechen im Bereich der Handelsabkommen sein. Ein Mitarbeiter hatte gar „90 Deals in 90 Tagen“ angekündigt.
40 Länder von Abgaben betroffen
Letztlich betrifft der neue Zollsatz von 15 % Importe aus etwa 40 Ländern. Etwa ein Dutzend Volkswirtschaften muss mit noch höheren Zöllen rechnen – entweder weil Trump dies einseitig per Schreiben angekündigt hatte oder weil Verhandlungen ein entsprechendes Ergebnis erzielten. Getroffen sind insbesondere Länder mit hohen Handelsüberschüssen gegenüber den USA. Dazu zählen etwa Indien mit 25 %, Taiwan mit 20 %, Südafrika mit 30 % sowie Thailand und Kambodscha mit jeweils 19 %. Auch Vietnam ist mit 20 % betroffen. Für einige Länder kam der Schritt offenbar überraschend: Taiwans Regierung bezeichnete die neuen Zölle als „temporär“ und verwies auf ausstehende Verhandlungen, die sich aufgrund von Terminproblemen verzögert hätten.
Weitere Details, etwa zu den „Ursprungsregeln“ (rules of origin), stehen noch aus. Diese sollen klären, ob Waren über Drittländer umgeleitet wurden – in solchen Fällen droht ein Satz von mindestens 40 %. Die Entscheidung darüber wird laut einem US-Beamten in den kommenden Wochen erwartet.
„Die US-Zollbehörden stehen vor erheblichen Herausforderungen bei der Umsetzung des Dekrets, insbesondere wegen der nun weltweit unterschiedlichen Zollsätze“, sagte Wendy Cutler, eine ehemalige US-Handelsunterhändlerin. „Die siebentägige Übergangsfrist wird helfen, aber Importeure müssen mit Anlaufschwierigkeiten rechnen.“
Kanada muss mehr Zahlen
In einem separaten Dekret setzte Trump zudem seine Drohung um, Zölle auf kanadische Exporte von 25 % auf 35 % zu erhöhen – ausgenommen sind Produkte, die unter das nordamerikanische Handelsabkommen aus seiner ersten Amtszeit fallen. Im Gegensatz dazu erhielt Mexiko eine 90-tägige Fristverlängerung, um ein besseres Abkommen auszuhandeln.
Die niedrigeren Sätze von 10 % bzw. 15 % sollen auf eine Vielzahl kleinerer und mittlerer Volkswirtschaften Anwendung finden, mit denen Trump keine bilateralen Verhandlungen führen wollte – laut eigener Aussage, weil es schlicht zu viele seien. Dennoch sind einige kleine Länder besonders stark betroffen: So wurden auf syrische Produkte 41 % Zölle erhoben, auf Waren aus Laos und Myanmar jeweils 40 %.
Eine Ausnahme ist das kleine afrikanische Königreich Lesotho, das im April noch mit 50 % Zoll belastet werden sollte, nun jedoch mit 15 % davonkommt – ein Vorteil gegenüber dem umgebenden Südafrika.
Autozölle und China
Noch offen ist der Zeitpunkt für neue Zölle auf Autoimporte. Trumps Abkommen mit der EU, Japan und Südkorea sehen eine Senkung der Autozölle auf 15 % vor – bisher galten 25 %.
Ein großer Sonderfall bleibt China: Das dortige Zollmoratorium mit den USA läuft am 12. August aus. Zwar ist eine Verlängerung wahrscheinlich, aber eine finale Entscheidung steht noch aus. Die jüngsten US-chinesischen Gespräche in Stockholm wurden laut US-Offiziellen als positiv bewertet.
Trump war mit dem Versprechen ins Amt zurückgekehrt, Zölle in einem bisher nicht gekannten Ausmaß einzuführen. Aus seiner Sicht stärken sie die heimische Industrie und verhindern, dass die USA von anderen Ländern „abgezockt“ werden. Die bisherigen Maßnahmen bringen dem US-Staatshaushalt bereits Milliarden an Einnahmen. Doch über die langfristigen wirtschaftlichen Folgen besteht weiterhin Unsicherheit. Kritiker warnen, dass die Zölle die Kosten für Verbraucher und Unternehmen in den USA erhöhen und die Inflation verschärfen könnten. Die Debatte um Trumps Zollpolitik dürfte also weitergehen – nicht zuletzt angesichts des globalen wirtschaftlichen Gegenwinds.
FMW/Bloomberg
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