Europa

Tschüss Konjunkturwunder: DIW senkt Wachstumsprognose für Deutschland drastisch

Über den absehbaren Abschied von der Konjunktur-Insel der Glückseligen..

Lange Jahre schien es so, als lebte man in Deutschland auf einer Insel der Glückseligkeit in Europa: während die Wirtschaften der Euro-Peripherie und Frankreichs noch schwächelten, liefen die Dinge beim „Exportweltmeister“ wie geschmiert, dem Exportboom sei Dank. Nun aber ist der Export als das deutsche Geschäftsmodell schlechthin gefährdet – und das schlägt sich in den Stimmungen hierzulande deutlich nieder!

Nun hat soeben das Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die Wachstumsprognose vor allem für das Jahr 2018 deutlich gesenkt: von zuvor +2,4% auf nun nur noch +1,9%. Für das Jahr 2019 senkt das DIW die Prognose von +1,9% auf nun nur noch +1,7%.

So schreibt das DIW:

„Das deutsche BIP dürfte dieses Jahr um 1,9 und nächstes Jahr um 1,7 wachsen, so die neue Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin); das sind für 2018 0,5 und für 2019 0,2 Prozentpunkte weniger, als noch im März prognostiziert. Die Anpassung spiegelt einen unerwartet schwachen Jahresauftakt sowie ein zunehmend unsicheres weltwirtschaftliches Umfeld wider. Unsicherheit geht dabei vor allem von den wachsenden Sorgen um einzelne europäische Länder, in erster Linie Italien, und der Möglichkeit eines eskalierenden Handelskonflikts zwischen den USA und dem Rest der Welt aus. Sie beeinträchtigt die Investitionstätigkeit der Unternehmen weltweit. Das wiederum bremst das Wachstum der deutschen Exporte.“

Auffällig ist, dass selbst die nun gesenkte Prognose aus Sicht des DIW noch weiteres Abwärtspotential hat:

„Die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen bergen Risiken für die hier vorgelegte Prognose. So könnte der handelspolitische Konflikt mit den USA noch weiter eskalieren. US-Zölle auf weitere Produkte, etwa Autos, könnten Produktionseinbußen von mehreren Milliarden Euro mit sich bringen, und das BIP-Wachstum in Deutschland um einige Zehntel Prozentpunkte nach unten ziehen. Unsicherheit herrscht zudem über den Kurs der neuen italienischen Regierung. Sollte diese beschließen, dass das Land einen Teil seiner Schulden nicht zurückzahlt, so könnte das den Euroraum und Deutschland in eine erneute Krise stürzen. Umso wichtiger ist es jetzt, dass die europäischen Partner den Schulterschluss suchen, um sowohl dem amerikanischen Protektionismus eine gemeinsame Antwort zu geben als auch Europa und speziell den Euroraum krisenfester zu machen.“

Das Problem derzeit ist, dass angesichts der protektionistischen Tendenzen die deutschen Firmen ihre Investitionen herunter fahren – und geringere Investitionen sind Vorboten für wirtschaftlichen Abschwung, wie DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner betont:

„Der Handelskonflikt mit den USA, die Sorgen um den Nahen Osten und um bestimmte Länder des Euroraums, in erster Linie Italien, verunsichern die Unternehmen und führen zu Investitionszurückhaltung. Das beeinträchtigt die deutsche Konjunktur in zweierlei Hinsicht: Zum einen sinken die Investitionen der deutschen Unternehmen. Zum anderen leiden darunter die deutschen Exporte, denn sie bestehen zu einem wesentlichen Teil aus Investitionsgütern. Es könnte aber noch viel schlimmer kommen, falls der Handelskonflikt zum offenen Krieg eskaliert. Hier hat Deutschland als exportstarke Wirtschaft sehr viel zu verlieren.“

Und wie sollten wir darauf reagieren? Natürlich am Besten weiter machen wie bisher – und so tun, als wäre nichts. Mutti kriegt das bestimmt schon hin mit dem Donald..


Astreine Nazi-Architektur: der Sitz des DIW in der Mohrenstraße in Berlin
Von Alfred Gutzler – DIW Berlin, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35429568



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

5 Kommentare

  1. Man kann nur hoffen, sollte es zu einer Rezession kommen, dass Frau Merkel und Herr Scholz nicht mehr diese Regierung repräsentieren.

    Die Gelder, mit denen wir momentan um uns schmeißen, werden im Falle einer Rezession so dringend benötigt. Dieses Land ruht sich unnötigerweise aus und beharrt auf seine Schwarze Null während in den Schulen, Kitas, in der Digitalisierung, Pflege, im Wohnungsbau die Gelder vorn und hinten fehlen.

    Vielleicht geschieht ja noch ein Wunder!?

    1. Lieber Lossless, wenn Sie unbedingt an Wunder glauben wollen, sind Sie gerade bei der merkel bestens aufgehoben. Sie hat das Wunder vollbracht, dass sich alle Deutschen wie Engel fühlen: sie schweben auf Wolken (sprich: haben keinen Boden unter den Füßen), können in der Theorie allen Menschen auf dieser Welt helfen und glauben sich auf alle Ewigkeit im Paradies.

      1. Ja lieber Petkov, ich sehe hier eine große Investitionslücke die auf Dauer erheblichen Schaden anrichten kann und wird. Der Wohlstand ist gefährdet. Eine kommende Rezession wird diese Schieflagen nur noch beschleunigen. Davon abgesehen, wird sich dieses Land schon allein durch die Zuwanderung gewaltigen Herausforderungen stellen müssen. Und: verändert, hat es sich schon allemal.

  2. Hallo,

    die Bildunterschrift ist Quatsch.Das Gebäude wurde im 2. Weltkrieg teilweise zerstört und bis 1952 von Seiten der DDR wiederaufgebaut. Dabei gab es Veränderungen der Architektur von Karl Wach und Heinrich Roskotten die einen Stil zwischen Moderne und Tradition bevorzugten.Wandpfeiler und französische Fenster schafften eine Vertikalwirkung und großzügige Leichtigkeit.Astrein ist da nichts mehr!

    mfG

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage