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TSMC: Taiwans Chipkonzern im Fokus der Großmächte USA und China

„Dann sollte China TSMC beschlagnahmen!“

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Taiwans Chip-Produzent TSMC ist im Fadenkreuz der Großmächte USA und China!

Der von Donald Trump losgetretene und unter Joe Biden mit konsequenter Härte weiter geführte Wirtschaftskrieg USA gegen China eskaliert erneut. Seit Beginn des Ukraine-Krieges und der daraus folgenden Sanktionierung Russlands ist China sich seiner vulnerablen Position bewusst geworden und diskutiert mögliche Folgen seiner expansiven Wirtschafts- und Außenpolitik. Taiwan spielt eine herausragende Rolle in Chinas globalen Sicherheitsinteressen, und nicht nur aus geostrategischer Sicht, denn Taiwan schirmt den Zugang zum Pazifik durch das Chinesische Meer ab. Dazu ist Taiwan auch der weltweit wichtigste Chip-Hersteller. Die Firma Taiwan Semiconductor Manufacturing Inc. (TSM) ist der technologische Leithammel der Chip-Industrie. TSMC ist der weltweit größte unabhängige Auftragsfertiger für Halbleiter-Produkte mit einem erheblichen Technologievorsprung gegenüber den nachfolgenden Konkurrenten.

„Dann sollte China TSMC beschlagnahmen!“

Das sagte Chen Wenling, Chief Economist China Center for International Economic Exchange in einer am Dienstag durch das News-Portal Guancha online gestellten Rede vor dem Chongyang Institute for Financial Studies an der Renmin Universität. Chen Wenlin, Chef-Ökonomin des China Center for International Economic Exchange, hat in dieser Rede den Machthabern in Beijing empfohlen, TSMC zu beschlagnahmen, falls die USA und der Westen gegen China ähnliche Sanktionen wie gegen Russland durchsetzen würden. Hier die sinngemäße Übersetzung ihres Wortlautes: „Wenn die USA und der Westen China solch zerstörerische Sanktionen auferlegen wie gegen Russland, müssen wir Taiwan zurückholen. Insbesondere für den Wiederaufbau der industriellen Fertigungs- und Versorgungslinien müssen wir TSMC übernehmen. TSMC arbeitet aktuell mit Hochdruck daran, seine Technologie ins Ausland zu exportieren und sechs Fabriken in den USA zu bauen. Wir dürfen nicht zulassen, dass alle Ziele dieses Technologie-Transfers erreicht werden.“

TSMC wird zum Spielball der Großmächte

Selbst wenn unklar bleibt, wie und wann solch ein Sanktions-Szenario eintreten könnte, offenbart Chen Wenlin Rede, wie begehrt Taiwans Schlüssel-Industrie in China ist. Die von den USA verhängten Sanktionen hindern nämlich die heimischen Chipproduzenten wie Huawei Technologies Co.´s HiSilicon und Semiconductor Manufacturing International Corp. daran, ihre Fabrikation auf technisch fortschrittlichere Wafer-Produktionen aufzurüsten. Der chinesische Präsident Xi Jinping zielt aber, ähnlich wie sein Gegenspieler Joe Biden in den USA, auf technische Unabhängigkeit für sein Land.

US-Programm zur Stärkung der heimischen Chipindustrie über 52 Milliarden US-Dollar noch nicht freigegeben

In den USA ist der Wunsch nach Chip-Unabhängigkeit genauso präsent und sogar in der  sogenannten „China Competition Bill“ erfasst worden, die am 4. Februar 2022 durch das Repräsentantenhaus verabschiedet wurde und nun dem Kongress zur Abstimmung vorliegt. Darin ist ein 52 Milliarden US-Dollar Programm zur Stärkung der heimischen Chipindustrie enthalten. Joe Biden hat bereits seine Zustimmung signalisiert.

TSMC plant sechs Chip-Fabriken in den USA

Bei TSMC wollte man sich bisher nicht zu Chen Wenlings Rede äußern. Medien hatten zuvor berichtet, dass TSMC in den USA sechs neue Fabriken bauen wolle, bisher hatte der Konzern aber nur den Bau einer Fabrik angekündigt. Allerdings wurden 12 Milliarden für die Expansion in den USA bereit gestellt und mehr Land erworben, um neue Produktionsstätten zu errichten. In Japan baut man mit Sony zusammen eine Fabrik, um die weltweite Chipnachfrage zu bedienen.

Auch in Europa dämmert es wohl einigen Politikern so langsam, wie wichtig Taiwan mit seiner Chip-Industrie ist. Im Februar dieses Jahres wurde der European Chip Act verabschiedet, der Taiwan als einen präferierten Handelspartner der EU für die Chipproduktion erwähnt. Allerdings hat TSMC nach eigenen Angaben sehr wenig Kunden in Europa, ein vor einem Jahr in Deutschland geplante Expansion kommt aktuell nicht voran. Am Mittwoch gab das Unternehmen bekannt, keine Pläne zu haben, in Europa kurzfristig zu expandieren.

TSMC der größte Produzent für Fabless-Unternehmen

TSMC ist der größte Chip-Hersteller für sogenannte Fabless-Unternehmen. Das Wort steht für Unternehmen, die keine eigene oder nicht ausreichende Produktionskapazitäten zur Chipherstellung unterhalten. Wie etwa Apple, AMD, Qualcomm, NVIDIA, Marvell oder Broadcom. Damit ist TSMC der Schlüssel-Konzern der Chip-Industrie. Und Chips sind das Zahnrädchen im modernen Getriebe der Weltwirtschaft.

Der Aktienkurs von TSMC hat den Aktionären dieses Jahr bisher wenig Freude bereitet. Auf Jahressicht liegt die Aktie knapp 27 Prozent im Minus. Die Vergleichs-Indizes NASDAQ 100 (NDX) und der Philadelphia Semiconductor Index (SOX) haben etwas weniger verloren. TSMC hat eine Marktkapitalisierung von 475 Milliarden US-Dollar, ein KGV von 20,44 und eine Dividenden-Rendite von 1,60 Prozent. Dabei ist TSMC eine sehr profitable Firma und Asiens am höchsten bewertetes Unternehmen. Die Auftragsbücher sind prall gefüllt und die Preise für Chips bleiben aufgrund der weltweiten Knappheit hoch. Alleine im Monat April konnte der Netto-Ertrag um 55 Prozent auf 5,8 Milliarden US-Dollar gesteigert werden, auf Jahressicht liegt man 40 Prozent über dem Vorjahr. Vielleicht spiegelt der Aktienkurs auch die Angst der Anleger vor einem Zugriff Chinas wider, russische ADRs könnten ein warnendes Beispiel sein. Aber je schneller TSMC expandiert, umso mehr kann es die eigene Globalisierung als beste Verteidigungsstrategie wählen.

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4 Kommentare

  1. Die deutsche Automobilindustrie hat erst kürzlich bekräftigt, daß der Wirtschaftsstandort Volksrepublik China bei ihr einen entsprechenden Stellenwert besitzt. Von daher ist es sowohl für Deutschland, als auch für China wichtig, daß in Taiwan eine bedeutende Chipindustrie vorhanden ist.

    1. Das selbstherrliche Kasperltheater aus Energie, Raketen, Bomben, menschlichem Kanonenfutter, Weltraum und Militärtechnik mit globalem Anspruch ist wieder in der Lage, Ladas künftig ohne ABS und Airbags auszuliefern. Unter Umständen ist diese High-Tec-Nation befähigt, sich ölgetrieben ohne Fernsteuerung hochpräzise und individuell in verschiedene Richtungen zu bewegen. Bremsen ist eher unnötig, am besten haut man einfach ab.

      Einzelne Vollidioten und Russland-Vasallen in der NATO und EU missbrauchen derweil das Einstimmigkeitsprinzip für kleinliche nationale Interessen. Es wird empfohlen, diese uralten Kriterien aus der Gründungszeit weniger Staaten zu reformieren, in Richtung eines Mehrheitsprinzips von etwa 80 oder 90%. Winzige, unbedeutende, radikale Minderheiten dürfen nicht weiter 450 bis 500 Millionen Menschen wegen billigem Öl und Erdgas spalten und blockieren.

      Ansonsten wäre es schön, wenn die Volksrepublik China nicht ebenfalls völkerrechtlich übergriffig würde. Nicht schon wieder, die Uiguren, Tibeter, Hongkonger leiden genug im Sinne des globalen Wohlstands. Das ist zwar nicht unser Leiden, unser Wohlstand aber schon.

      Statt Drohung und Gewalt sollten sich überkommene Diktaturen fragen, warum freie kleine Inseln und ehemals unfreiwillige Bruderstaaten zu absoluter Hochtechnologie und wachsendem Wohlstand gelangen, sobald ein Hauch Demokratie und Freiheit Einzug hält.

      Antwort hierauf und mögliche weitere ähnliche hierzu als demokratisch zur Kenntnis genommen.

  2. Falls die Globalisierung ins Stocken gerät, weil die regionalen Arbeitsplätze wieder wichtig werden, kommen vermutlich neue Überlegungen und damit neue Produkte ins Spiel. Weder der Dampfhammer noch der Wafer bleiben ewig Zukunft, time will tell.

  3. Antwort und mögliche weitere ähnliche hierzu als demokratisch zur Kenntnis genommen.

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