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TTIP-Proteste aus Wahrnehmung verschwunden? EU und Japan schaffen Fakten, die Freihandelslawine rollt immer weiter

Wir erinnern uns. Kurz, nachdem Donald Trump US-Präsident wurde, sagte er das fertig ausgehandelte trans-pazifische Freihandelsabkommen TPP ab. Und auch stoppte er die Verhandlungen mit den Europäern über das Freihandelsabkommen TTIP. Ein Segen für die TTIP-Gegner in…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Wir erinnern uns. Kurz, nachdem Donald Trump US-Präsident wurde, sagte er das fertig ausgehandelte trans-pazifische Freihandelsabkommen TPP ab. Und auch stoppte er die Verhandlungen mit den Europäern über das Freihandelsabkommen TTIP. Ein Segen für die TTIP-Gegner in Europa, die ironischerweise in Trump einen perfekten Mitstreiter gefunden hatten, der genau das tat, was sie wollten – ein Ende der Freihandelsgespräche. Damit war das Thema in der europäischen Öffentlichkeit tot.

Welchen Themen widmen wir uns seitdem? Terror, Brexit, Flüchtlinge, Bitcoin, Rekorde an den Börsen, und und und. Aber Freihandel? Darüber redet niemand mehr, darüber hört man nichts in den Nachrichten, dazu gibt es keine Straßenproteste mehr. Selbst am Wochenende gab es so gut wie keine oder überhaupt gar keine Nachrichtensendungen, die darüber berichteten, dass die EU und Japan nun endgültig eine Einigung über ein Freihandelsabkommen erzielt haben.

Damit entfallen 90% aller Zölle im Handel zwischen beiden Wirtschaftsräumen. Interessiert das noch irgendjemanden? Wo sind die Protest-Kampagnen oder großen Organisationen? Ein netter Herr Abe aus Japan dient eben nicht so gut als Feindbild wie ein „böser“ Donald Trump. Aber inhaltlich ist Japan als Exportmaschine vielleicht eine größere Bedrohung für europäische Arbeitsplätze als die USA, die in Sachen hochwertiger Industrieproduktion in der breiten Masse der Wirtschaft nicht so weit vorne sind.

Aber es geht nicht nur um Japan. Als Trump TTIP absagte, kündigte die EU an beim Thema Freihandel weiter in die Offensive gehen zu wollen, und nun mit vielen anderen Nationen Freihandelsabkommen zu schließen. Japan ist da nur einer von vielen neuen Partnern, die derzeit auf der Matte in Brüssel stehen. Es geht eher um das „große ganze Bild“ als nur um Japan. Für einfache Arbeiter mit einfachen Jobs wird jeder neu ausgehandelte Freihandelsvertrag ein immer größeres Problem. Denn wenn internationale Konzerne zollfrei Waren hin und her verschieben können, wird es immer einfacher Standorte in der EU dicht zu machen, und irgendwo in Asien oder Afrika neu aufzumachen. Transportkosten sind heutzutage eh kein Kostenfaktor mehr.

Je einfacher die Tätigkeit, und je geringer die nötige Qualifikation, desto einfacher ist es bei immer mehr freiem Handel, diese Tätigkeiten ganz zu streichen, und in die Länder auszulagern, die zollfrei zu uns Produkte versenden können. Das ist ein Fakt. Natürlich versteht es sich von selbst, dass hochwertige Industriearbeitsplätze in Deutschland teilweise von mehr Export profitieren. Aber das Beispiel Lufthansa Technik zeigt, dass selbst extrem hoch qualifizierte Jobs inzwischen auf die Philippinen verlagert werden, ohne mit der Wimper zu zucken.

Uns hallt immer noch der Standardspruch vieler Politiker und Wirtschaftsvertreter in den Ohren, als TTIP noch das Thema Nummer 1 War. „Freihandel bringt für uns alle nur Vorteile“. Wie falsch dieser Satz doch ist. Für einige bringt er Vorteile, für viele aberNachteile, sollte es eher heißen. Auch wenn das Thema nicht exakt passt, so ist es doch hiermit verbunden: Als kleinen TV-Tipp möchten wir heute Abend die Sendung „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg empfehlen. Dort lautet heute das Thema „Feste Jobs gestrichen, Löhne gedrückt: Ist das die neue Arbeitswelt?“ Hier geht´s zur Vorschau.

Hier der größte Teil der EU-Veröffentlichung zum Deal (Trump-Slang) mit Japan im Wortlaut:

Das Ende der Verhandlungen markiert einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum größten bilateralen Handelsabkommen, das je von der Europäischen Union ausgehandelt wurde. Auf beiden Seiten werden sich durch das Wirtschaftspartnerschaftsabkommen gewaltige Marktchancen ergeben, die Zusammenarbeit zwischen Europa und Japan wird in vielen Bereichen gestärkt und das gemeinsame Engagement beider Partner für eine nachhaltige Entwicklung wird bekräftigt. Außerdem wird zum ersten Mal in einem Handelsabkommen ein spezielles Bekenntnis zum Pariser Klimaschutzübereinkommen enthalten sein.

Nachdem Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker heute in einem Telefonat mit dem japanischen Ministerpräsidenten Abe den Abschluss dieses Prozesses bestätigte, erklärte er: „Hier zeigt sich die EU von ihrer besten Seite und liefert exakt die gewünschten Ergebnisse – sowohl in der Form als auch in der Sache. Die EU und Japan senden ein starkes Signal zur Verteidigung eines offenen, fairen und regelbasierten Handels aus. In diesem Abkommen werden unsere gemeinsamen Werte und Grundsätze verankert. Außerdem kommen beide Seiten in den Genuss handfester Vorteile bei gleichzeitigem Schutz der jeweiligen besonderen Anliegen. Unserem Bekenntnis vom Juli entsprechend haben wir die Verhandlungen noch vor Jahresende abgeschlossen. Wir werden nun die notwendigen Schritte unternehmen, um das Abkommen dem Europäischen Parlament und den EU-Mitgliedstaaten vorzulegen, damit unsere Unternehmen und unsere Bürgerinnen und Bürger noch vor Ende der Amtszeit meiner Kommission damit beginnen können, sein volles Potenzial auszuschöpfen.“

„Genau nach Plan – wir lösen unser Versprechen ein, dieses für alle Beteiligten gewinnbringende Abkommen noch in diesem Jahr zum Abschluss zu bringen“, sagte Handelskommissarin Cecilia Malmström. „Die EU und Japan teilen eine gemeinsame Vision für eine offene und regelbasierte Weltwirtschaft, in der höchste Standards garantiert werden. Heute senden wir eine Botschaft an andere Länder aus, und die zentrale Aussage darin ist, wie wichtig ein freier und fairer Handel und die aktive Gestaltung der Globalisierung sind. Das Potenzial dieses Abkommens ist enorm und ich bin froh darüber, dass die EU und Japan nach wie vor voll im Zeitplan sind, wenn es darum geht, das Abkommen im nächsten Jahr zu unterzeichnen. Auf diese Weise können EU-Unternehmen, Arbeitnehmer und Verbraucher so früh wie möglich von seinen Vorteilen profitieren.“

Phil Hogan, Kommissar für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, erklärte: „In puncto Handel mit Erzeugnissen der Agrar- und Lebensmittelbranche ist dieses Abkommen das bedeutendste und weitreichendste, das je von der EU geschlossen wurde. Es wird für unsere Exporteure von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Lebensmitteln gewaltige Wachstumsmöglichkeiten auf einem riesigen, reifen und anspruchsvollen Markt schaffen. Es ist uns gelungen, ein beispielhaftes Freihandelsabkommen zu entwickeln, das genau unserem Exportprofil entspricht und gleichzeitig ein für beide Seiten gewinnbringendes Abkommen ist. Dabei zeigt sich die EU in einer weltweiten Führungsrolle und setzt Maßstäbe bei der Gestaltung des internationalen Handels und seiner Regeln – ein konkretes Beispiel dafür, wie die EU im Interesse unserer Bürgerinnen und Bürger die Globalisierung meistert. Die Agrar- und Lebensmittelausfuhren der EU schaffen vor allem in ländlichen Regionen hochwertige Arbeitsplätze.“

Die letzten technischen Beratungen, die seit Juli stattgefunden haben, deckten unter anderem folgende Themen ab: Stabilisierung der Zusagen Japans und der EU zu Zöllen und Dienstleistungen, Einigung über endgültige Bestimmungen zum Schutz geografischer Angaben aus Japan und der EU, Fertigstellung der Kapitel zu bewährten Regulierungsverfahren und zur Zusammenarbeit in Regulierungsfragen sowie zum Thema Transparenz und die Stärkung des Bekenntnisses zum Pariser Klimaschutzübereinkommen im Kapitel über Handel und nachhaltige Entwicklung. Außerdem konnte in verschiedenen Teilen des Abkommens noch eine Reihe kleinerer offener Fragen geklärt werden.

Zentrale Elemente des Abkommens

Mit dem Wirtschaftspartnerschaftsabkommen wird die überwiegende Mehrheit der von EU-Unternehmen bei der Ausfuhr nach Japan zu entrichtenden Zölle, die sich auf jährlich 1 Mrd. EUR belaufen, wie auch eine Reihe seit Langem bestehender regulierungsbedingter Hindernisse beseitigt. Der japanische Markt mit seinen 127 Mio. Verbrauchern wird außerdem für wichtige Agrarausfuhren der EU geöffnet und es werden auch in zahlreichen anderen Sektoren neue Exportmöglichkeiten für die EU geschaffen.

Bei den Agrarausfuhren aus der EU wird das Abkommen insbesondere Folgendes bewirken:

Beseitigung der Zölle für viele Käsesorten, wie Gouda und Cheddar (derzeitiger Zollsatz: 29,8 %), aber auch für die Ausfuhr von Wein (durchschnittlicher Satz derzeit: 15 %)
Rindfleisch: erhebliche Steigerung der EU-Ausfuhren nach Japan; Schweinefleisch: zollfreie Ausfuhr von verarbeitetem Fleisch und nahezu zollfreie Ausfuhr von Frischfleisch
Schutz von mehr als 200 hochwertigen europäischen Agrarerzeugnissen (sogenannte geografische Angaben) in Japan, sowie Schutz einer Auswahl japanischer geografischer Angaben in der EU
Außerdem werden die Dienstleistungsmärkte geöffnet, insbesondere in den Bereichen Finanzdienstleistungen, E-Commerce, Telekommunikation und Verkehr. Das Abkommen…

stellt für EU-Unternehmen den Zugang zu den großen Beschaffungsmärkten Japans in 48 Großstädten sicher und beseitigt bestehende Hemmnisse bei der Vergabe öffentlicher Aufträge im wirtschaftlich bedeutenden Bereich der Eisenbahn auf nationaler Ebene berücksichtigt besondere Anliegen der EU – etwa den Automobilsektor – durch Übergangsfristen bis zur Marktöffnung
Das Abkommen enthält auch ein umfassendes Kapitel über Handel und nachhaltige Entwicklung und setzt höchste Standards in den Bereichen Arbeit, Sicherheit, Umwelt- und Verbraucherschutz. Es stärkt das Engagement der EU und Japans in den Bereichen nachhaltige Entwicklung und Klimawandel und sorgt für einen vollumfänglichen Schutz der öffentlichen Dienstleistungen.

Zum Datenschutz, der getrennt vom Wirtschaftspartnerschaftsabkommen behandelt wird, gaben die EU und Japan im Rahmen des Gipfeltreffens im Juli eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie die Bedeutung des Schutzes vertraulicher und personenbezogener Daten als Grundrecht hervorheben und betonen, dieser sei von zentraler Bedeutung, um das Vertrauen der Verbraucher in die digitale Wirtschaft zu stärken. Durch solche Bedingungen wird außerdem der Fluss von Daten in beide Richtungen weiter erleichtert und sie tragen so zur schnelleren Entwicklung der digitalen Wirtschaft bei. Mit den jüngsten Reformen ihrer jeweiligen Rechtsvorschriften zum Schutz vertraulicher Daten haben beide Seiten ihre jeweiligen Systeme noch stärker aneinander angenähert. Diese beruhen vor allem auf einem übergeordneten Recht zum Schutz der Vertraulichkeit, einem Kernbestand an Persönlichkeitsrechten und der Durchsetzung der Rechtsvorschriften durch unabhängige Aufsichtsbehörden. Nun bieten sich neue Möglichkeiten zur Erleichterung des Datenaustauschs, auch indem gleichzeitig durch beide Seiten ein angemessenes Schutzniveau gefunden wird. Die EU und Japan arbeiten weiter darauf hin, 2018 so früh wie möglich Angemessenheitsbeschlüsse im Rahmen der jeweiligen Datenschutzregelungen zu erlassen.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Steve

    11. Dezember 2017 13:51 at 13:51

    Den Gegnern ging es in erster Linie auch nicht darum Freihandel zu verbieten sondern scheiss Produkte in Kombination mit der usKlagewirtschaft zu verhindern .

    Japan hat eben nicht so eine weltberühmte lowcostBranche.

    Ein freihandelsabkommen mit Japan ermöglicht auch nicht den firmenumzug nach Afrika oder irgendwo nach Asien .sondern nur nach Japan !
    Da dort die Lohnkosten aber auch hoch sind und dort ein wirklicher Mangel an jungen Arbeitern herrscht , ist die Gefahr auch geringer.

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Negativzinsen und Druckerpresse: Auswirkungen auf Menschen und Schrottunternehmen

Claudio Kummerfeld

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Negativzinsen helfen Schrottfirmen und schaden den Sparern

Die Druckerpressen von EZB, Federal Reserve und Co laufen auf Hochtouren. Und dank dem neuem US-Präsidenten Joe Biden (Vereidigung am 20. Januar) dürfte das Tempo an neu geschaffenem Geld und neuer Staatsverschuldung nochmal Fahrt aufnehmen. Auch die Eurozone steht dem mit der EZB in Nichts nach. Die Null- und Negativzinsen bleiben weiter dort wo sie sind, und das auf lange Zeit. Das haben die Notenbanker auf beiden Seiten des Atlantiks klar gemacht. Was passiert, wenn Negativzinsen und Druckerpresse auf Menschen und Schrottunternehmen treffen? Hier kurz und knapp zwei Beispiele.

Die Schrottunternehmen werden auch gerne als Zombieunternehmen bezeichnet. Dies sind Unternehmen, die zum Beispiel noch nicht mal genug Geld verdienen um ihre Zinslast auf Kredite bedienen zu können. Oder sie überleben nur noch dank Staatshilfen, aber nicht aus strukturell echten Einnahmen. Wer Schrott ist, muss am Kapitalmarkt für Schulden eine höhere Risikoprämie zahlen. Denn der potenzielle Käufer von Schrottanleihen will sich das höhere Risiko einer Nicht-Zurückzahlung der Anleihe natürlich honorieren lassen. Von daher notieren die Renditen von Junk Bonds (Anleihen begeben von Unternehmen mit zweifelhafter Bonität) immer deutlich höher als die von gut angesehenen Unternehmen.

Derzeit aber, wo die Notenbanken alles mit frisch gedrucktem Geld überschwemmen und wo die Negativzinsen alles runterdrücken, da profitieren auch die Zombieunternehmen von immer weiter fallenden Renditen für ihre Schulden. Wie der folgende zehn Jahre zurückreichende Chart zeigt, ist die durchschnittliche Rendite für Junk Bonds in den USA auf ein neues Rekordtief von 4,45 Prozent gesunken, mehr als zwei Prozentpunkte unter dem Zehnjahresdurchschnitt. Die Zombies freuen sich also über immer geringere Kosten für ihre Schulden.

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Der Spar-Michel zahlt die Zeche

Man erinnere sich noch zurück, als hier und da die aller erste Sparkasse oder Volksbank Negativzinsen für Kontoguthaben einführte. Was gab das für einen Aufschrei. Heute ist das Alltag. Und die Lawine rollt immer weiter. Die ganz frische Veröffentlichung des Portals Biallo zeigt, dass auch die Direktbanken immer stärker auf den Zug aufspringen. 240 Banken insgesamt kassieren mittlerweile Negativzinsen im Privatkundenbereich, bei Firmenkunden sind es 317 Geldhäuser. Beim sogenannten Verwahrentgelt gelten in der Regel bestimmte Freibeträge, die von 5.000 Euro bis zu Millionenbeträgen reichen. Elf Geldhäuser langen bereits ab dem ersten Euro zu. Die DKB folgt aktuell der ING und führt ab sofort einen Negativzins in Höhe von minus 0,5 Prozent ein – für Einlagen ab 100.000 Euro auf dem Tagesgeld- und Girokonto. Wie bei der ING sollen Bestandskunden erst mal nicht betroffen sein.

Damit dürfte die Negativzins-Welle, die derzeit auf Sparer zurollt, noch mal deutlich an Fahrt gewinnen. Denn laut jüngsten Recherchen von Biallo haben auch große Regionalbanken in Hamburg, München und Köln zuletzt einen Strafzins für private Einlagen eingeführt. Erst gar keine Negativzinsen, jetzt gibt es immer mehr, aber mit Freibeträgen. Da das Umfeld aus Null- und Negativzinsen noch jahrelang anhalten wird, und da die Banken margentechnisch unter immer größerem Druck stehen, darf man annehmen, dass diese Freibeträge in Zukunft stetig verringert werden, und dass auch immer öfter von Bestandskunden Negativzinsen kassiert werden, und nicht nur von Neukunden.

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US-Arbeitsmarktdaten im Detail: Extrem schwach! Der Amazon-Effekt in brutaler Klarheit

Claudio Kummerfeld

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USA Flagge und Adler

Die US-Arbeitsmarktdaten wurden um 14:30 Uhr veröffentlicht mit einem Zuwachs von 245.000 Stellen für November, was deutlich schlechter war als erwartet (Prognose 470.000). Bezüglich der Gesamtzahl von 245.000 neuen Stellen gab es einen Abbau von 99.000 Stellen beim Staat. Somit gibt es im November 344.000 neu geschaffene Stellen im Privatsektor. Im Verarbeitenden Gewerbe gab es insgesamt einen Zuwachs von nur 55.000 Stellen. Im Untersektor Bergbau lag die Veränderung bei +1.000. Auf dem Bau waren es +27.000 Stellen, und in der Industrie +27.000. Die folgende Grafik zeigt die gesamten Daten für das Verarbeitende Gewerbe im November.

Zum Vergrößern bitte die Grafiken anklicken.

Grafik zeigt US-Arbeitsmarktdaten für November im Detail

Verbleibt bei den neu geschaffenen Stellen im November noch ein Plus von 289.000 Stellen im US-Dienstleistungssektor. Ein sehr schwacher Wert nach +783.000 im Oktober. Der Einzelhandel baute 34.700 Stellen ab. Das ist dramatisch, wo der Sektor doch als einer der Jobmaschinen gilt. Elektronikgeschäfte bauten netto 11.300 Stellen ab, Sport- und Buchgeschäfte 12.100 Stellen, und Kaufhäuser sowie große Supercenter (Walmart etc) verloren netto 20.800 Stellen. Gleichzeitig explodieren die Neueinstellungen bei Amazon und Co (also vor allem Amazon). Alleine im November wurden netto 81.900 neue Kurierfahrer eingestellt, und 36.800 Mitarbeiter in Warenlagern.

Grafik zeigt Details zu Job-Änderungen im US-Einzelhandel

Der Sektor „Professional and Business Services“ konnte 60.000 Stellen hinzugewinnen (sehr schwach), wobei hier alleine fast 70.000 neue Jobs bei Zeitarbeit und Hilfsarbeit entstanden. Andere Teilsegmente in dem Bereich bauten also eher Stellen ab. Der Bereich „Pflege und Bildung“ ist mit nur +54.000 Stellen auch sehr schwach dabei. Wobei der Bereich Bildung 5.700 Stellen abgebaut hat. Die Pflege schuf 59.600 neue Stellen. Der mit Abstand größte Einzelposten, wenn es um das schnelle Schaffen neuer Jobs in den USA geht, ist in der Regel der Bereich „Freizeit und Bewirtung“, also Restaurants, Freizeitparks etc.  Hier ist die Schaffung neuer Stellen im November extrem schwach ausgefallen mit gerade mal +31.000. Innerhalb dieses Segments wurden bei Restaurants und Bars sogar 17.400 Stellen abgebaut. Die zweite Corona-Welle lässt grüßen.

Grafik zeigt Details zu verschiedenen US-Jobdaten

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Coronavirus: Herdenimmunität, ein Geduldsweg, vor allem in Deutschland

Wolfgang Müller

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Die Impfung gegen das Coronavirus nimmt immer mehr Gestalt an, nicht nur in China, in Russland, in der Türkei, ab Montag in Großbritannien, aber bald auch in Deutschland. Endlich die Plage loswerden, immun werden, so die berechtigte Hoffnung Vieler. Eines aber spricht gegen eine rasche Herdenimmunität, auch in Deutschland – die Bereitschaft zur Impfung.

Coronavirus: Aktuelle und künftig Immunisierte

Betrachtet man sich die aktuellen Infektionszahlen, so erkennt man große Unterschiede bei den offiziell registrierten Infizierten mit dem Coronavirus. In den USA ist bereits jeder 23. Bewohner positiv auf Covid-19 getestet worden, in Frankreich jeder 29., in Spanien jeder 27., in Belgien und Tschechien jeder 20. – und in Deutschland? Jeder 76. Einwohner, bei einer Dunkelziffer von vielleicht Faktor drei bis vier, nach Einschätzungen von Virologen. Bleiben also noch über 78 Millionen, die es geschafft haben, sich vor dem Coronavirus zu schützen. Aber was ist mit den USA, wo selbst der Leiter der nationalen Seuchenschutzbehörde von einer Dunkelziffer mit unglaublichem Faktor 10 sprach? Wenn dies zuträfe, hätten schon unglaublich viele Amerikaner die Sache bereits überstanden. Worüber das deutsche Gesundheitswesen eigentlich sehr stolz sein kann, bringt aus jetziger Sicht einen zusätzlichen Nachteil bei der Herdenimmunität.

Die derzeitige Abneigung der Bundesbürger gegen die Impfung

Auch wenn es bereits einen gewaltigen Aufbau für die über 400 Impfzentren in Deutschland gibt, von denen kürzlich die Rede war und die ab 15. Dezember funktionsfähig sein sollen, wird das Thema Massenimpfung eine große Aufgabe werden. Es leben bereits über 83 Millionen Menschen in diesem Lande und bis die so oft zitierte 60 Prozent-Rate erreicht ist, könnte es doch eine Zeit dauern. Zumal mit der Entwicklung der Impfstoffe die Zahl der Impfwilligen sogar abgenommen hat. Eine repräsentative Umfrage hat ergeben, dass derzeit nur 53 Prozent der Bundesbürger zu einer Impfung gegen das Coronavirus bereit sind.

Man bräuchte aber selbst bei einem 100-prozentigen Schutz 60 Prozent der Bevölkerung, die bei der Impfung mitmachen. Bei der bisher verkündeten Wirksamkeit von 95 Prozent sogar noch einige Prozent mehr.

Sicherlich gibt es viele Skeptiker, die sich berechtigt Sorgen um die Nebenwirkungen machen, die man derzeit bei der geringen Probandenzahl gewiss noch nicht ausschließen kann. Die Anzahl sollte aber abnehmen, wenn die Impfungen gut funktionieren. Ein paar Sonderfälle aber, in den Medien verbreitet, schon könnte die Bereitschaft abnehmen. Aber es gibt auch die radikalen Impfgegner, auch Gentechnikgegner, die bis zu einer Herdenimmunität immer noch eine Gefahr darstellen, als mögliche Spreader des Coronavirus.

Die Impfung ist ein gewaltiger Schritt – aber kein Wundermittel, welches in kurzer Zeit die Normalität versprechen kann. Man weiß heute noch nicht, wie lange ein Schutz wirksam sein wird und ob man als Geimpfter nicht doch noch als Virenspreader in Frage kommt. Es wird bei aller Freude über die Impfung noch einiges an Geduld brauchen, denn es werden bestimmt in kurzer Zeit Meldungen entstehen, die contra Impfung verwendet werden können. Zum Beispiel von Menschen, die plötzlich nach der Impfung schwer erkranken, weil sie vor der Impfung noch keine Symptome verspürt haben. Das allgemeine Gesundheitsrisiko bleibt, ebenso das „Fake News-Risiko“ in den sozialen Medien.

Die kommende natürliche Spaltung der Gesellschaft

Es ist sicherlich nicht an der Zeit, um sich allzu viel Gedanken über ein mögliches Zukunftsproblem im Zusammenhang mit der Bewältigung der Corona-Krise zu machen. Aber die Fragestellungen könnten schneller kommen, als man jetzt glaubt. Was passiert mit den Millionen, die es bald geben wird, die geimpft sind und immunisiert: sollen diese weiter Maske tragen und die vielen Sonderregeln beachten? Wird anfangs sicherlich aus Solidarität funktionieren, aber es werden ja täglich mehr. Gar nicht zu reden von den vielen Branchen, die von dem Zusammentreffen vieler Menschen profitieren, wie Tourismus, Kultur, Festveranstalter, diese werden sicherlich die Rückkehr zur Normalität fordern. Es werden sich Gruppen bilden, aber was passiert mit den Verweigerern einer Impfung?

Viele Fragen, nicht nur für den Ethikrat.

Fazit

Die letzten Monate haben gezeigt, wie lange es dauern würde, bis eine natürliche Herdenimmunisierung dem Coronavirus den Garaus machen könnte. Vor allem in Deutschland. Selbst bei 10.000 kontrollierten Fällen pro Tag (3,6 Mio/Jahr) wären es viele Jahre, bis man eine Herdenimmunität erreicht hätte. Ein Kollaps nicht nur für die Wirtschaft und viele Branchen, sondern auch eine unerträgliche Lage für die Menschen und dem Leben in ständiger Angst.

Es geht nicht um die Jugend – in Deutschland gibt es bereits über 21 Millionen Rentner und viele Risikogruppen unterhalb dieser Altersgruppe. Klar gibt es die berechtigten Bedenken über Nebenwirkungen, aber bei einer Impfquote von gut 50 Prozent würde man in Deutschland noch sehr lange mit SARS-CoV-2 leben müssen. Ohne wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus hätte aber gerade Deutschland ein längeres Problem. Es sollte sich eigentlich jeder über den medizinischen Fortschritt freuen, auf die Wirksamkeit der Impfung hoffen und sich auf eine baldige Rückkehr zu sozialen Gewohnheiten des Miteinanders innerlich einstellen. Es dürfte allerdings noch ein gerüttelt Maß an Geduld erfordern.

Über das Coronavirus und Herdenimmunität

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