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Türkei: Erdogan siegt, das Kapital flieht

Den internationalen Investoren schwant nach Erdogand Sieg nichts Gutes: Aktienmarkt fällt, Risikoprämien für türkische Anleihen steigen so stark wie seit drei Jahren nicht..

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Was war das nur für ein seltsamer Staatsstreich am Wochenende in der Türkei: politische und militärische Analysten sehen darin einen Putsch, der eher an Ereignisse aus den 1970er-Jahren erinnert als an das Jahr 2016. So besetzten jene Teile des Militärs, die putschten, zwar zentrale Punkte in Istanbul und Ankara, aber sie scheiterten daran, die entscheidenden Figuren des Establishments gefangen zu nehmen. Und sie scheiterten ebenfalls daran, private Fernsehkanäle wie CNN Turk auszuschalten – Erdogan nutzte bekanntlich diesen Kanal, um die Bevölkerung zum Widerstand aufzurufen. Von entscheidender Bedeutung für Erdogan war auch das Weiterlaufen der sozialen Medien wie Twitter und Facebook, die letztlich ein entscheidender Faktor für die Niederlage der Putschisten war. Also paradoxerweise jene sozialen Medien, die Erdogan ein Dorn im Auge sind.

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Der Militärputsch als „Geschenk Allahs“: Präsident Erdogan
Foto: Prime Minister Office / Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Was nun kommt, scheint klar: Erdogan wird seine Macht weiter ausbauen und noch totalitärer regieren. Dass Gülen angeblich Urheber des Putsches sein soll, zeigt die fast schon wahnhafte Gegnerschaft zu dem einstigen Förderer. Und den Investoren schwant angesichts der Ausschaltung von Richtern, Polizisten etc. nichts Gutes. Wenn Erdogan von einer „neuen Türkei“ spricht, dann ist das nichts anderes als die Vervollständigung einer immer untoleranteren Autokratie.

Genau das sehen die Investoren ähnlich: in Istanbul fällt der Leitindex Borsa Instanbul 100 Index um knapp 5%, die Anleiherenditen für türkische Staatsanleihen schießen in die Höhe. So steigt die Renditze (sprich der Risikoaufschlag) der 10-jährigen türkischen Staatsanleihe um 42 Basispunkte (0,42%) auf nun 9,52%. Das ist der größte Anstieg seit drei Jahren.

Die türkische Lira kann sich zwar nach dem Sieg Erdogans von den herben Verlusten am Freitag Abend erholen – handelt aber noch deutlich schwächer als vor dem Putsch:

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(Dollar-Türkische Lira)

Am gestrigen Sonntag hatte die Zentralbank der Türkei den Banken jedwede Liquiditäts-Versorgung zugesichert, Begrenzungen für ausländische Devisen, die Banken als Sicherheit nutzen, wurden aufgehoben. Am morgigen Fienstag wird die Notenbank tagen – und aller Wahrscheinlichkeit nach die Zinsen um weiter 0,5% senken. Unterdessen haben Banken wie Goldman Sachs ihre Kursziele für die türkische Lira deutlich gesenkt, Goldman geht daher von einer Abwertung der Lira zum Dollar auf 3,10 in den nächsten drei Monaten aus.

Nach dem Anschlag am Instanbuler Flughafen dürfte der Putsch nun wirklich die allerletzten Hoffungen der türkischen Tourismus-Industrie für diesen Sommer zunichte gemacht haben. Mit der Andeutung der türkischen Regierung, dass die USA letztlich hinter dem Putsch stünden, weil sie Gülen beherbergten, wird vor allem amerikanisches Kapital wenig Neigung verspüren, weiter im Land investiert zu bleiben. So hat Erdogan zwar den Putsch nieder geschlagen, aber die Folgen seines Sieges werden noch lange anhalten: eine Abstimmug mit den Füssen durch internationale Investoren..

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Indiz für die jüngste Zocker-Orgie in US-Aktien und Bitcoin – man schaue auf die Such-Trends

Claudio Kummerfeld

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Bunte Kurstafel

Markus Fugmann hatte die letzten Tage darüber berichtet, so auch heute früh (siehe hier). Vor allem über einen gigantischen großen Zocker-Blog auf Reddit (siehe hier) formiert sich quasi täglich neu eine gigantische Crowd aus gierigen Jung-Zockern, um sich auf einzelne US-Aktien zu stürzen. Besonders interessant waren die letzten Tage kräftige Kursanstiege Aktien wie „Gamestop“, bei denen es hohe Short-Volumina gab. Profi-Spekulanten wie Hedgefonds hatten große Wetten auf fallende Kurse aufgebaut. Steigt der Aktienkurs nun aber kräftig, kann der Verlust dieser Profis ins Unendliche steigen.

Und die Banken und Broker, die solchen Hedgefonds oft Kredite für ihre Spekulationen gewähren, könnten kalte Füße kriegen und mehr Sicherheiten verlangen – oder die Short-Positionen zwangsweise schließen, wodurch der Aufwärtssog der Aktien noch mehr verstärkt wird. Auf genau diese Bewegung hofften die Zocker wohl bei Gamestop und anderen Aktien. Man schaue in der folgenden Grafik, wie die Beliebtheit für den Google-Suchbegriff „Short Squeeze“ in den USA in den letzten fünf Jahren aussah. Erst in den letzten Tagen explodierte die Beliebtheit dieses Suchbegriffs extrem. Mit Short Squeeze bezeichnen Börsianer einen stark steigenden Aktienkurs, der durch das Schließen von Short-Positionen verursacht wird. Der Wert 100 in der Grafik steht für die höchste Beliebtheit des jeweiligen Suchbegriffs.

Im folgenden Chart sehen wie in den Google Trends für die letzten fünf Jahre die weltweite Beliebtheit des Suchbegriffs „Bitcoin“. Man sieht, dass bei der ersten großen Hausse Ende 2017 die maximale Beliebtheit von 100 Punkten erreicht wurde, und Anfang diesen Jahres nur ein Wert von 69 – jetzt nur noch 42 Punkte. Die Gier der Internet-Gemeinde nach dem Thema war damals also wohl noch größer als heute. Offenbar scheint sich ganz aktuell die „Meute“ auf die kleinen US-Aktien zu stürzen – weil die wohl von einer Meute Klein-Zocker leichter kräftig im Kurs zu bewegen sind?

Chart zeigt Beliebtheit der Suche nach Bitcoin

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Robuste Ergebnisse auf breiter Front

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die gemeldeten und heute Abend anstehenden Quartalszahlen sind heute ein wichtiges Thema.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

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SAP in der Krise: Ist das eine Chance für uns? – Werbung

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Lieber Börsianer,

das war ganz harte Kost, die der europäische Software-Riese SAP am 26. Oktober für seine Aktionäre hatte. Die Cloud-Sparte blieb überraschend deutlich hinter den Erwartungen zurück. Einzelne Anwendungen wie die Software Concur (Verwaltung und Organisation von Geschäftsreisen) floppten völlig. Und noch mehr: Die Walldorfer kassierten auch gleich die Gewinnschätzungen für die nächsten Jahre, wie wir aus dem Quartalsbericht entnehmen mussten.

So kam es wie es kommen musste. Die Aktie des DAX-Schwergewichts kollabierte an jenem Tag binnen weniger Sekunden und verlor 20 % ihres ursprünglichen Marktwertes. Per saldo sank die SAP-Aktie von über 140 Euro unter 100 Euro ab. Milliarden Euro waren plötzlich durch den Schornstein.

Ungefähr im gleichen Zeitraum meldete die US-Konkurrenz bestes Zahlenwerk. Oracle und Salesforce nutzten die Dollarschwäche des vergangenen Jahres und griffen den deutschen Software-Riesen in seinem europäischen Heimatmarkt an. Die Analysten hängten wie üblich ihr Mäntelchen in den Wind und urteilten vernichtend über das Software-Unternehmen. Der Tenor: Eine Wachstumsgeschichte geht zu Ende. SAP bringt es nicht mehr.

In der Tat befindet sich die Walldorfer Software-Schmiede in einer veritablen Krise. So wird der Umsatz 2021 kaum noch wachsen, der Gewinn wird großer Wahrscheinlichkeit sogar rückläufig sein.

Das sind die Stärken der SAP

Aber gemach! SAP ist unverändert ein großartiges Unternehmen, dessen Software-Anwendungen weltweit in rund 25 Branchen genutzt werden. Bei Großunternehmen sind die Deutschen immer noch das Maß aller Dinge. 9 von 10 Playern nutzen mindestens eine kleine SAP-Anwendung. Die Kundenkartei der Walldorfer liest sich imposant. Dort finden Sie typische Traditionsunternehmen wie Chevron, Ford oder AT&T. Aber auch die…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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