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Türkei: Erdogans absurde Planwirtschaft ohne steigende Preise – leere Regale und Schattenwirtschaft sind keine Fiktion!

Was geschah in den USA während der Prohibition? Der Alkohol wurde weiterhin überall verkauft, und zwar unter der Ladentheke, schwarz gebrannt in Hinterhöfen. Was geschieht in Venezuela, wo der Staat aufgrund explodierter Inflation Preise tot-regulierte? Die Regale sind leer. Trotzdem können Besitzer harter ausländischer Währungen weiterhin alles in speziellen Läden kaufen. Und wie sieht es in der Türkei aus?

Betreiben wir hier etwa nur das „übliche Erdogan-Bashing wie alle anderen Medien auch?“ Wohl kaum. Wir möchten an dieser Stelle an unseren gestrigen Artikel anknüpfen, wo Erdogans Schwiegersohn-Finanzminister Berat Albayrak doch tatsächlich verkündete, dass man sich mit der Privatwirtschaft geeinigt habe, dass alle Preise, die zur Berechnung der Inflation herangezogen werden, erstmal um 10% gesenkt werden sollen (wir schaffen die Inflation einfach mal ab).

Und Strom- sowie Gaspreise in der Türkei sollen bis Jahresende zumindest nicht im Preis steigen. Das klingt zu schön um wahr zu sein. Wie wollen Erdogan und Albayrak das umsetzen? So wie in Russland, wo Präsident Putin mit Kamera-Teams durch Supermärkte geht, sich über zu hohe Preise aufregt, und der Supermarkt daraufhin die Preise senkt? Oder soll es eine sozialistische Voll-Katastrophe werden wie in Venezuela?

Schauen wir uns das mal genauer an. Albayrak sprach gestern davon, dass schon mal alle staatlichen Unternehmen in der Türkei diese Preisbeschränkungen umsetzen würden. So weit, so gut. Außerdem gäbe es eine freiwillige Teilnahme („Freiwilligen-Kampagne“) zahlreicher privater Unternehmen für diese Preissenkung. Die Einzelhändler, die mitmachen, sollten ein bestimmtes Logo an ihren Geschäften anbringen. Und nicht nur das. Der Finanzminister ruft die Bürger auch dazu auf, explizit bei diesen Läden zu kaufen. Es gebe schon viele teilnehmende Einzelhändler.

Nach einer flächendeckenden „Einigung mit der Privatwirtschaft“ hört sich das nicht an. Also muss man die Einzelhändler „nett und freundlich“ dazu bringen mitzumachen. Mit einem Zwang wäre man ja offiziell in einer Planwirtschaft, und das will man wohl kaum öffentlich verkünden. Also gibt es die sogenannte Freiwilligkeit. Und oben drauf, wer die Zukunft noch nicht sehen will: Vorgestern hatte das Handelsministerium in Ankara bereits verkündet, dass 100 Unternehmen zu überhöhten Preisen doch bitte „Stellung nehmen sollen“.

Was bislang kaum auffiel: Schon im August hatte Ankara Preisanhebungen teilweise untersagt, wenn Unternehmen real nicht mit steigenden Kosten zu kämpfen haben. Mehr Eingriff in die freie Preisbildung geht nicht! Auch gibt es in der Türkei bereits die quasi Preispolizei namens Zabita, die nach überhöhten Preisen fahndet. Man kann annehmen, dass diese Preiswächter ihren Druck massiv erhöhen werden.

Auch darf man annehmen, dass durch die Aufforderung nur noch in bestimmten Läden zu kaufen, natürlich enormer Druck auf alle anderen Einzelhändler ausgeübt wird. Die Folge: Der Druck steigt mitzumachen, wenn Verbraucher nur noch in bestimmten Läden kaufen. Folglich hat man als teilnehmender Einzelhändler steigende Kosten für importierte Güter, kann diese aber nicht an seine Kunden weitergeben.

Entweder macht man also ganz bewusst kräftig Verlust. Oder man nimmt die entsprechenden Produkte aus dem Sortiment (siehe Extrembeispiel Venezuela). So krass wird es in der Türkei vermutlich nicht kommen. Aber wer weiß? Ach ja, da gäbe es noch die dritte Möglichkeit. Die Einzelhändler könnten dazu übergehen eine Art Schattenwirtschaft zu etablieren, wie es bei solchen Preisdiktaten von oben oft der Fall ist. Importwaren, die sich zu offiziell reduzierten Preisen für den Verkäufer nicht mehr rechnen, werden zu höheren realen Marktpreisen unter der Ladentheke schwarz verkauft.

Nur so kann der Einzelhändler Preise erzielen, mit denen er auch seine Kosten decken kann. Dann kommen Polizisten, die gegen ein Trinkgeld wegsehen, und so weiter. So eine Spirale kann sich endlos weiter drehen, bis man da ankommt, wo Venezuela heute ist – in einer totalen Katastrophe a la Mangelwirtschaft mit leeren Regalen, und einer Tot-Regulierung durch den Staat, der selbst nicht mehr versteht, was da gerade schief läuft.

Wie gesagt – die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass es in der Türkei so weit kommt. Aber die Planwirtschaft ist de facto eingeläutet, auch wenn es nicht so genannt wird. Denn man sehe es ganz realistisch. Wenn die AKP-Anhänger geschlossen nur noch in Läden mit dem Preissenkungs-Logo kaufen, geraten alle anderen massiv unter Druck, weil sie viele Kunden verlieren. Das zwingt quasi alle Einzelhändler dazu mitzumachen, was eine große Spirale der Verzerrung in Gang setzen könnte.

Und warum das alles? Weil Präsidenten wie Erdogan keine Geduld haben, und sofort einfache Antworten präsentieren wollen, weil man der Bevölkerung schnelle Lösungen verspricht (Inflation muss weg). Der Präsident handelt, und es passiert was. Das Resultat ist dann eine Maßnahme, die alles nur noch schlimmer macht. Nur ganz kurzfristig nach der Umsetzung solcher Maßnahmen herrscht Euphorie, weil die Preise in den Läden ja wirklich sinken. Die Folgewirkungen merkt man nicht sofort, und nicht so offensichtlich. Aber langfristig ziehen sie das Land in eine Planwirtschaft mit all ihren negativen Erscheinungen.



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1 Kommentar

  1. ok, ich bin auch der meinung das der erdogan nicht viel ahnung in wirtschaftsfragen hat. oder kann man auch sagen das dem präsident, des volkes wohl lieber ist. wenn man überlegt das vieles 1 zu 1 von uns deutschen übernommen wurde.
    z.b die pflegeversicherung kostet den bürger überhaupt nichts. eine ältere person wenn pflegebedürftig bekommt einen pfleger seiner wahl ganz unkompliziert auf antrag. die oder der pfleger bekommt vom staat 700 lire als lohn. wie volksfreundlich ist das denn denke ich mir.
    dem volkes wohlergehen ist der regierung sehr wichtig. und dem volk geht es gut. wenn wir einen stressbarometer hätten für völker oder lebensfreude barometer oder zufriedenheitsbarometer ich würde meinen das die türkische bevölkerung in allem besser abschneidet wie unsere deutsche bevölkerung.
    z.b. – in der türkei gibts kein dieselfahrverbot in städten
    – keine teuren pflegeversicherungen
    – keine überspitzt gesagt steuern auf steuern
    die lira ist weniger wert aber dem volk geht es gut.
    durch diese planwirtschaft werden die reichen weniger verdienen aber die löhne der arbeiter sind auch nicht gestiegen.
    apropos „löhne der arbeiterklasse“ die beamten bekommen jedes jahr lohnerhöhungen die arbeiter nicht. auch gibt es von den gewerkschaften seit jahren keine demo. ich kann euch sagen warum. weil die gewerkschaften alle in linker bzw sozialen parteien hand ist. also alle gewerkschaften bis auf die beamtengewerkschaft nicht in akp hand ist.
    komischerweise machen diese gewerkschaften nie streiks für lohnerhöhungen aber gegen die regierungspartei akp streiken sie.

    wie gesagt manchmal sollte die politik zum wohle des volkes entscheiden und das ist hier der fall.

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